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Thema: Glasperlenspiel - ein neuer Stern am Synthiepophimmel

  1. #1

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    Glasperlenspiel - ein neuer Stern am Synthiepophimmel

    Hallo, liebe Leut',

    hier ist ein Glasperlenspielfan! Ein ganz schlimmer, glaub' ich!
    Auf jeden Fall ist es immer schlimmer geworden: Von 0 auf 100 in drei Wochen und ein Monat später sogar noch auf'm Konzert.
    Bevor ich aber mein Leben in teeniehafter Fanhysterie verschmeiße, dachte ich mir, dass ich meiner Begeisterung hier im Musikforum Ausdruck verleihe. Wenigstens einmal wollte ich Musik förmlich auseinandernehmen, hätte am liebsten jeden Takt und jede Textzeile einzeln besprochen! Da das jedoch unrealistisch ist, habe ich mich etwas "beschränkt"...
    Ich möchte also darauf aufmerksam machen:

    -Achtung! Hier gibt es sehr viel zu lesen! Also bitte Zeit mitbringen!

    Vielleicht finden sich ja noch mehr Glasperlenspielfans! ...denen ich aus der Seele spreche...?

    ##########

    Seit vielen Jahren gab es für mich guten, deutschsprachigen Elektropop immer nur vereinzelt. Doch plötzlich ballt sich da was zusammen:
    "Echt" - Oho!
    "Ich bin Ich" - He, guut!
    "Nie vergessen" - Boa, super!
    Konsequent mit herausragenden Synthesizerklängen in Moll! Das klingt spannend! Haben die noch mehr solche Musik? Wollen die Zwei sogar ganz ausdrücklich eine Synthipopband sein? Vielleicht wie Depeche Mode? Nur mit deutschen Texten? Endlich mal eine deutschsprachige Synthiepopband? (Melotron ist für mich persönlich eher EBM-Techno-Szene). Was ich mir schon so lange insgeheim gewünscht hatte! Das wird aber jetzt extrem spannend! Und zwingt zum Kauf beider Alben! Vielleicht haben es Glasperlenspiel auch neben ihren Singles durchweg geschafft, Elektropop mit deutschen Texten zu machen, ohne dass es größtenteils nach Schlager klingt, ohne dass es irgendwie peinlich wirkt und ohne dass es mit schmalen, dürren, lustlosen und langweiligen Musikarrangements enttäuscht, sondern richtig guten, melancholisch düsteren, überzeugenden Synthiepop, harmonievoll, sphärisch, melodiös, mitreißend, schön, aber eben auf deutsch?
    -Oh ja, sie sind schon nah dran!
    Zwar hinterläßt das erste Album für mich einen etwas zerrupften, unausgegorenen Eindruck, atmosphärische Brüche, die zu sehr den Fluß der Musik stören, darunter auch viele Klangfarbewechsel zwischen den Strophen, Überleitungen und Refrains, sodass diese irgendwie nicht ganz zusammenpassen, aber das kann ja noch werden. Was ich etwas kritischer sehe, ist der zu häufig schlechte oder nicht vorhandene Reim! Ist es nicht so, dass gerade eine schlechte Reimqualität Musik sehr schnell peinlich wirken läßt? Das sollten Glasperlenspiel sich nicht antun, denn dafür sind sie zu gut! Denn sie verstehen etwas von elektronischer Musik, haben hie und da herausragende musikalische Elemente und grundsätzlich ist es überzeugende und größtenteils flüssige, interessante, teilweise mitreißende elektronische Popmusik, ich bin von diesem Album echt begeistert!
    -Mit ihrem Debut liefern sie sogar gleich eine kleine Kostbarkeit: "Und hörst du das, hörst du das, dass es in dir bebt..." Für mich ein erstaunlicher, neuer Blickwinkel auf die Welt und das Leben, echte Bewußtseinserweiterung! Ich danke Euch beiden für dieses kleine kostbare Stück Musik!

    ---

    -"Alles auf Anfang":
    Als ich Ende der 90er zum ersten Mal das letzte Kraftwerkalbum mir anhörte, dachte ich beim Verklingen der letzten Klänge: "So, Schluß, aus, das war's!" Glasperlenspiel machen es ganz explizit anders herum, sie singen darüber, dass sie jetzt anfangen, mit ihrer Musikkarriere! Schon magisch, bin mal gespannt, wie das in ein paar Jahren wirkt! /Das Lied ist schön moll, schön künstlich! Aber ich finde, der erste Refrain bricht zu sehr die Stimmung! ...Andererseits? Die musikalische Umsetzung: Hier ist der Anfang, jetzt geht's los! /Für meinen Geschmack ist der Refrain zur Strophe etwas zu rockig, aber die Hintergrundmelodien der zweiten und dritten Strophe sind ganz toll synthetisch!
    -"Echt":
    Diese tolle quäkende Hintergrundmelodie in den Strophen! Dagegen poltert die Überleitung ein wenig arg und der Refrain ist zu krachig! Aber in der Gesamtheit ist das ein richtig toller 80er-Jahre-Poprocksong! Etwas enttäuschend ist die Reimqualität und die Wahl, im Refrain zweimal dasselbe zu singen.
    -"Ich bin Ich":
    Die Gitarre der Strophen paßt nicht ganz zum Rest. Die Überleitung treibt schön, und der Refrain hat eine so tolle schwebende Hintergrundmelodie mit dem genau richtigen Harmonieverlauf im dritten Viertel des Refrains! Der Anfang des dritten Refrains, dieser Stimmungsbruch, gefällt mir eigentlich gar nicht, schon allein, weil es den verbleibenden Refrain kürzt, aber mit dem fünften und sechsten Refrainviertel läuft das Lied schön aus, auch wenn es dennoch ein kleines bischen länger sein dürfte. /Die doch recht häufigen Reimpatzer fallen gar nicht auf, weil das Lied super ist, ein überzeugender, echter Popsong auf deutsch!
    -'Die "Ich bin Ich"-Single:
    Oha, die Single klingt ja anders! Ooh, die spitzigen Klänge in den Strophen fehlen, dafür gibt's in der Überleitung ein schön synthetisches Klingeln! In den Refrains fehlt dagegen die elektronische, schwebende Hintergrundmelodie. In der dritten Strophe ist der Bass besser als auf dem Album, mit einer hervorragenden Bassmelodie! Und ein bischen Nelly Furtado, ach, klingt das wunderbar! Doch auf dem Album kommt die tief-Quart-Harmonie zum Schluß im fünften Refrainviertel, das klingt besser.
    -"Dein Geheimnis":
    Oh nö, zum dritten Mal schon, nicht so viel Gitarre! /Ich finde, der Anfang des ersten Refrains und gerade der dritte Refrain brechen diese schönen Harmonien der Strophen so fürchterlich! Zusätzlich ist die Qualität der Reime enttäuschend, in der zweiten Strophe sind die Zwischenrufe ohne "Reim", und ich weiß nicht, hätte man den übrigen Reim der Strophen nicht interessant verschränken können? /Doch das hohle Klingeln im Hintergrund der zweiten Strophe ist spitze und die dritte Strophe ist sensationell! (klingt nach "Unendlicher Geschichte", stark!)
    -"Magnetisch":
    Schade, in den Refrains ist ein abba-Reim, aber es reimt sich zusammen auf zusammen, ansonsten gut gereimt; und witzig: "Ich such nach mir und finde dich". /Die dritte Strophe bricht wieder so stark und ist zudem so lasch, aber mit einer interessanten gegenläufigen Melodie. Gar nicht schlecht finde ich den etwas ruhigeren Anfang des dritten Refrains, vor allem diese Bassdreierschläge und die stockende Hintergrundmelodie, genauso wie der fast instrumentale Zwischenteil. Aber es kürzt halt wieder den Schlußrefrain, der schon vollständig hätte wiederholt werden sollen, hätte das Lied, glaube ich, besser abgerundet. Trotzdem ist das Lied super, tolle Harmonien, die knackigen Überleitungen, insgesamt schön melancholisch; dieses Stück ist echte Popmusik! Popmusik auf deutsch funktioniert also doch!
    -"Freundschaft":
    Eine basslastige,schreitende Strophe, eine sehr ruhige Überleitung und ein rockiger Refrain, dazu noch ein fast sphärisch schwebende dritte Strophe, puh, ne, mir ist das zu wild, zu unrund, zu wenig flüssig. Mir gefällt eigentlich nur Daniels Strophe, und dieses nachgestellte "noch" finde ich bemerkenswert! /-Offenbar möchte Carolin auch einmal eine Spätneunziger-Rockgöre sein, auf Synthesizer! -Na gut! Klingt ja gar nicht so schlecht!
    -"Herzschlag":
    Ist da schon wieder eine Gitarre? /Aha, Glasperlenspiel können auch ruhig! Gut gereimt, auch wenn es ab und zu hakt. Mir gefällt der Text gut, vor allem die zweite Strophe, wenn ich dem auch nicht ganz zustimme.
    -"Ich hol dich hier raus":
    Es kommt auf diesem Album noch öfter vor und es gefällt mir gar nicht: Mit sich selbst im Chor oder zweistimmig singen (Oder sollen das Hintergrundsänger/innen sein, die aber eigentlich nicht zu Glasperlenspiel gehören?). So etwas fand ich schon als Kind widersinnig: Carolin und Daniel gibt es nur einmal, also will ich sie auch nur einmal hören! /In der ersten Strophe ist ein interessanter aacbbc-Reim, nur sind die beiden c identisch; der Refrain reimt gar nicht, aber der Text ist super! Der Refrain ist sowieso spitze: ein knackiges Duett zwischen Carolin und Daniel, klasse, und in der zweiten Strophe singen sie sogar zweistimmig! Ja, mehr davon! (Der Schluß ist etwas abrupt.)
    -"Beweg dich mit mir":
    Fast perfekt gereimt, der Rest stört nicht, den dieses Lied ist spitze! Durch die Überleitung baut es sich toll auf und platzt dann in den Refrain, der eine schöne Hintergrundmelodie hat! Das fetzt, da geht die Post ab, das reißt echt mit, absolut tanzbar! Ja, es funktioniert! Fetziger, mitreißender Synthiepop in Moll und auf deutsch! Super! (Nur das langgezogene "mir" im dritten Refrain stört ein wenig, obwohl es ganz eindeutig dahin gehört, aber der Einsatz scheint verpatzt, und nicht ganz so lang wäre vielleicht besser gewesen)
    -"Das Gleiche":
    Der Reim klappt nicht so gut, aber der Versrhythmus, vor allem im Refrain, ist erstaunlich: ruhige Melodie, aber ein flottes Versmaß! /Die Strophen sind herrlich melancholisch moll und synthetisch, aber im Refrain wieder so'n Gitarrengeschrammel! Grrr!
    -"Traumschiff":
    Ist das witzig: Es klingt tatsächlich wie das Fernsehserientraumschiff, aber in keinster Weise kitschig und auch nicht nach Filmmusik, sondern richtig gut, synthiepoppig und prachtvoll! /Mich stören aber sehr die Brüche, die beiden Überleitungen und die zweite Strophe, die viel zu sehr diese prachtvolle Atmosphäre aufbrechen. Daß der Refrain nicht reimt und dessen Text auch noch einfach wiederholt wird, stört dagegen gar nicht, denn dieses Lied ist einfach phantastisch: Diese glitzernde, perlende Hintergrundmelodie der ersten Strophe und dazu der Refrain, der perfekt ist, da fehlt nichts, das fließt, tolle Melodien, herrliche Harmonien, schön in Moll, leicht melancholisch düster, trotzdem rasant und läuft schön lang aus, absolut tanzbar, beste Popmusik! Ja, es funktioniert! Man kann auch mit der deutschen Sprache mitreißenden Synthiepop machen!
    -"Tanzen":
    Guter Reim mit einem knackigen, rasanten Versmaß! Insgesamt baut sich das Lied toll auf! Dagegen paßt die dritte Strophe irgendwie nicht ins Lied, auch wenn sie noch so super synthetisch (und nach Depeche Mode und Yazoo) klingt.
    -"Weit weg":
    Die jeweils zweite Hälfte des Refrains und die zweite Strophe sind toll gereimt und das Wortspiel "...hin hin" und "ich ich" find ich witzig, die Stelle "fast blind schon" erstaunlich gut! "Und alles scheint so leicht" paßt aber wieder irgendwie nicht ins Lied, bricht zu sehr, genauso wie die dritte Strophe, die aber sehr interessant klingt!

    ---------------------

    Oh weh, das Album "Grenzenlos" macht ja einen noch zerrupfteren Eindruck als das erste Album! So sehr es vielleicht einen künstlerischen Anspruch erheben soll und häufig sogar überzeugt, sind für meinen Geschmack dennoch die einzelnen Lieder ZU abwechslungsreich, hinterläßt das Album irgendwie den Eindruck einer wilden Klangcollage: Daran ist eventuell auch eine allzu üppige Ausschmückung mit an- und abschwellendem Rauschen oder ähnlichem schuld, vor allem aber faszinierende, wunderschöne synthetische Klangfarben, die sich jedoch im Selbstzweck verlaufen, oder Harmonien und Melodien in den Strophen, Überleitungen und Refrains, die dann aber innerhalb des Lieder irgendwie nicht zueinanderpassen; viele gute musikalische Ideen, doch scheinbar wahllos aneinander gereiht.
    Trotzdem bin ich von Glasperlenspiel begeistert, weil die Zwei es wirklich können! Viele Klangfarben, Harmonien und Melodien, die mir so gut gefallen, zusätzlich, dass sie es geschafft haben, dafür diese sperrige, unmelodiöse, holprige, deutsche Sprache ganz selbstbewußt und überzeugend zu verwenden: ganz tolle Synthiepopmusik!

    ---

    -"Grenzenlos":
    Gleich zu Anfang singt Daniel mit sich selbst im Chor [und Carolin im achten Lied im Refrain]! Ich mag diese Tricktechnik nicht... aber es klingt so super! Das ganze Lied ist super! Richtig toll elektronischer Synthiepop in düsterem Moll! Klingt auch grenzenlos, toll umgesetzt, reißt echt mit!
    -"Nie vergessen":
    Der Reim hakt 'n paar Mal oder fehlt ganz, aber das stört gar nicht, denn dieses Lied ist phantastisch! Es blubbert so schön synthetisch, herrlich! Und diese Harmonien! Einfach phantastisch! Nur zum Schluß hätte eine Wiederholung des Refrains das Stück noch mehr abgerundet.
    -"Herz aus Gold":
    Spitze! Noch ein knackiges Duett zwischen Carolin und Daniel! Ein besonders kunstvolles, denn es setzt zweimal aus und platzt dann noch mal in die Strophe! Klasse! Ansonsten macht für mich das Lied einen sehr zerrupften Eindruck, so viele, wilde Geschwindigkeits- und Klangfarbenwechsel. -Andererseits: Eine rasante, gehetzte Strophe, der untragbare Zustand; eine ebenso flotte, aber andersfarbige Überleitung, der Befreiungsschlag; und der schwebende Refrain, geschafft! Musikalisch ein Über-die-Kante-und-abheb-Effekt! Gar nicht schlecht! Nur schade, dass dann der Refrain nicht reimt.
    -"Unsterblich":
    Die erste Strophe bricht mit der Einleitung schon sehr, und das ganze Lied klingt sehr zerrupft, Strophe, Überleitungung und Refrain scheinen durch allzu wilde Klangfarben- und Geschwindigkeitswechsel nicht zusammenzupassen. Und dann reimt es auch nicht. Aber der erste und zweite Refrain klingen schon leidenschaftlich!
    -"Was du nicht weißt":
    Der Reim stolpert 'n bischen arg oft, aber das Lied ist spitze! Bei OMD hat es mich einst fürchterlich gestört, dass die so häufig auf nur zwei Akkorden rumorgeln, hier finde ich es super! Ein ganz tolles, nörgeliges 80er-Jahre-Depriepopstück; Die Strophe zackig und trocken, eine kurze, aber gute Überleitung und ein fülliger, fast prachvoller Refrain, der mit dem Nachklang (Ooh-O-oh-o-oh) ein idealer Soundtrack zu alptraumhaften Jugend-Trabantenstadt-Lebensfrust-Geschichten sein könnte! Nur das Ende ist zu abrupt, das Lied hätte vielleicht noch 'n bischen länger ausklingen sollen. Zusätzlich frage ich mich, -weil es mit der Strophe zuvor danach klingt-, wie sich im dritten Refrain ein Kanon aus Strophentext, von Daniel gesungen, und Refraintext, von Carolin gesungen, gemacht hätte.
    -"So leicht":
    Sehr ausgewogen und schön! Nur schade, dass der Reim nicht durchweg geklappt hat, denn es sind so tolle dabei! Den Beginn des Refrains finde ich etwas zu unscheinbar, das Rauschen verwässert zu sehr, irgendwie fehlt das was: ein Anfangs"knall" oder synthetische Streicher als schwebender Hintergrund im Refrain oder ein 8-beat, quart und terz springendes, piepsiges Pfeifen. Aber das Lied reißt mit, es macht echt Spaß, ist perlig und flüssig! Toller Synthiepop!
    -"Wie ich nicht sein will":
    Oh weh, ist das traurig! Ist das authentisch? Armes Mädchen! /Ich bin vom "zufällig" begeistert, wie das in den Rhythmus eingepaßt wurde! Die erste und zweite Strophe sind so wunderbar elektrisch, sie zweite sogar mit elektrischem Schlagzeug, und zusammen mit der Überleitung ist es wunderschön! Nur der Refrain gefällt mir nicht, aber der schwebende Zwischenteil rettet ein bischen den dritten Refrain.
    -"Tanzen den Schmerz weg":
    Das Lied ist noch etwas unrund: Die Überleitungen sind so phantastisch sphärisch, aber sie passen halt nicht ganz zu den trockenen Strophen und den treibenden Refrains. Was mich begeistert ist der Effekt in der Überleitung, als wenn Carolin mit einem synthetischen Klang oder ihrem eigenen Hall im Chor singt! /Doch im Ganzen ist das Lied spitze! Es baut sich rhythmisch toll auf und reißt dadurch mit; da geht echt die Post ab, das fetzt! ...Was Frohsinnsgemüter eventuell nicht ganz nachvollziehen können, weil es doch recht moll und düster ist! Tja, eben Tanzen und Spaß mit Sinn und Zweck: ...den Schmerz weg! /Dem Schluß hätte eine Refrainwiederholung gutgetan, hätte das Stück noch tanzbarer gemacht.
    -"Laßt uns was bewegen":
    Die Strophen finde ich musikalisch enttäuschend (auch, weil da schon wieder 'ne Gitarre ist), aber textlich super! Wie das ganze Lied: Der Refrain ist perfekt gereimt, die Strophen zwar gar nicht, aber das Textarrangement und die Aussage sind spitze! Die Überleitungen scheinen deplatziert, schaffen aber dennoch einen flüssigen Übergang zu den Refrains, genauso wie die dritte Strophe, die für mich etwas motivationslos klingt, aber ganz toll in den letzten Refrain fließt! Die Refrains sind absolut tanzbar, der letzte durch die Wiederholung sogar schön extatisch! Genau so hab' ich mir das vorgestellt: Party, gute Musik, Tanzen und trotzdem Weltretten! Oder anders herum: Weltretten und trotzdem Spaß haben! /(Ist ja witzig: zweimal der gleiche Schluß!)
    -"Bevor ich gar nichts sage":
    Leider kein Reim, aber der Text ist toll! Der Refrain scheint einfallslos, viermal der selbe Text, aber das paßt ja, wenn man nichts zu sagen hat! Pfiffig! Die Strophen sind schön nörgelig trocken, Strophe und Refrain passen jedoch irgendwie nicht zusammen, aber der Übergang ist spitze: "(zup, zup, tum, tum) Bevor ich [gar nichts sage]". Auch die dritte Strophe paßt irgendwie nicht ins Lied, ist aber mit der schwebenden Hintergrundmelodie schön sphärisch, und das synthetische "Bu-u-uh-uh" ist super!
    -"Risiko":
    Oh, jetzt wird's spannend, denn "ich nehm das Risiko in Kauf" ist eigentlich... typisch deutscher, peinlicher Text. Doch dieser Eindruck verliert sich verblüffend schnell, wenn man hört, wie s*xy Carolin das "Kauf" ins Mikrophon hauchen kann! Auch das "Kää-hauf" und "Kaaaaauf" geben echt was her; vielleicht einfach Herbert Grönemeyer zu Herzen genommen: Man muß die deutsche Sprache nur zünftig verbiegen, dann paßt sie auch in Popmusik! /Nur, mußte das "ko" von Risiko unbedingt quietschen? / Die erste Überleitung stört ein wenig den Musikfluß, gehört aber zweifellos da hin, ist schließlich die sehnsüchtige, nachdenkliche Entscheidung, die dann zum Refrain führt. Auch der letzte Refrain, der durch den etwas ruhigeren Zwischenteil gekürzt wird, enttäuscht etwas. Zwar wird er mit zwei Viertelrefrains wiederholt, trotzdem ist er zu kurz: Ich finde, mindestens einmal hätte der ganze Refrain zum Schluß hin (zusätzlich?) wiederholt gehört und auch hätte das Lied gerne noch 'ne Weile so depressiv weiternörgeln dürfen, DENN: Es ist der zweitbeste Titel des Albums, wunderbar sphärischer, phantastischer, düsterer Synthiepop auf deutsch! Perfekt! Es funktioniert! Das kann sich schon ganz gut mit Duran Durans "Come undone" messen! (Und in dieser Klangfarbe paßt auch die Gitarre gut! Nur der Schluß ist viel zu abrupt) Sogar eine lobenswerte Aussage gibt es: "Würd dir gern folgen, aber trau mich nicht". Das ist doch was, Männer dürfen auch schwach sein, und das ist nicht verweichlicht, sondern einfach menschlich!
    -"Zu Hause":
    Dieses Lied gefällt mir gar nicht, schon wieder so'n Gitarrengeschrammel, zusätzlich mit Kammermusikgeklimper. Und der Text, teilweise echt schimm, mit fürchterlichen Unreimen. Aber ein peppiger Rhythmus! Der Schluß ist unsinnig abgehackt.

    ---

    Bei der Betrachtung des CD-Titelbildes könnte man den beiden glatt ihren eigenen Text vorhalten: "Versteh einer die Jugend von heute, keine Werte, keine Moral". Mit 'ner Kaugummiblase auf dem Titelfoto! Also... ts ts ts...
    Aber schon hübsch provokativ, man kann schön darüber schmunzeln...
    ...! ...?
    ...aber ...neee...
    ...jetzt wart' mal!
    Die T-shirts!
    Ein"Prisma" im Hintergrund und eine Kaugummi"perle"! In der fast gleichen Farbe! -Und ein Prisma am Ohr und Perlen am Arm! (Und auf der "perlen"runden CD selbst noch ein "Prisma"!)
    Ha nee..., jetzt bin ich baff!
    Das ist ja wohl... genial! Tiefsinnig! "Schleichwerbung!"
    Wahnsinn! Die beiden sind ja echt... der Wahnsinn!
    ---
    Auf dem Rücktitel schaut Carolin aber ganz schön kuschelig!

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    Ein bemerkenswerter Ehrgeiz: Kein Lied der beiden Alben hat ein ausblendendes Ende! Find ich gar nicht schlecht!

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    Nur, wie ich befürchtet hatte, hat mich Glasperlenspiels Bühnenauftritt (in Ulm) enttäuscht.
    Ich finde es seit Jahren schon bei Depeche Mode so furchtbar (Konzertaufzeichnung im Fernsehen), wie sie ihre eigene Musik mit Gogogirls und Rochgitarren... verunstalten, weswegen ich es nicht leid bin, diese Konzerte verpaßt zu haben. Doch während Depeche Mode, laut Konzertvideo "101", mit mindestens einer Tournee (und vermutlich die ganzen 80er Jahre lang) einen makellosen Synthesizerauftritt präsentiert haben (mit gelegentlich Martin Gores Gitarre, die aber durchweg mehr nach Synthesizer als nach Gitarre klingt), fangen Glasperlenspiel jetzt schon mit der Unsitte an, ihre schöne Musik mit Gitarre und Bassgitarre runterzuschrammeln. Und mindestens vier Synthesizer standen, so schien es, nur zur Zierde rum.
    Das Schlagzeug geht vielleicht noch eher durch, weil ein natürliches Schlagzeug auf den Alben häufig ist, aber zum Beispiel ein normaler Schlagzeugklang zu "Bevor ich gar nichts sage" in den Strophen? Es gibt doch elektronische Schlagzeugpads (die sechseckigen)(ich glaube, der Bene hatte doch sogar welche), da hätte man doch das "zup" einprogrammieren können.
    Auch ihre Glasperle fand ich eigentlich enttäuschend, einfach ein (na gut, selbstgebasteltes) Elektroden(?)xylophon in eine Kugel gestellt. Naja, vielleicht doch zu unrealistisch die Erwartungen, aber ich hatte gedacht, dieses Ding ist irgendwie so etwas wie eine Art Theremin mit elektrostatischen Lichtbögen, mit denen scheinbar(!) Klänge erzeugt werden.
    Doch von einem Aspekt her ist ihre Xylophonperle eigentlich besser, denn ein Theremin hat keine Tonlängen, sondern nur einen durchgehenden Ton.
    Auf jeden Fall war das metallische Klirren ihrer Glasperle echt einzigartig! Gibt schon was her!

    Generell fand ich die Akustik auf dem Konzert schlimm: Ich hab eigentlich nur das Dröhnen der Bässe gehört und den Gesang. Ist das normal für ein Konzert? Nur wozu dann die Tontechnikerbühne? Oder ist es normal, wenn man so nah vor der Bühne steht? Oder liegt es einfach an den lebensnotwendigen Schaumstoffohrstöpsel? (Die sich aber in der Disco hervorragend bewährt haben!)

    Trotzdem war für mich das Konzert ein Erlebnis: Carolin und Daniel lebendig auf der Bühne zu sehen war schon sehr beeindruckend!
    Jaja, das Leben bebt!


    Es grüßt

    Traumwaldschrat

    (#6)

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    Dabei seit
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    Juhuu! Jippie! Ist das genial!

    Ich hab doch gewußt, dass man sich mit dem Glasperlenspiel-t-shirt in der Stadt blicken nicht lassen kann, ohne als Hobbyliterat abgestempelt zu werden!
    "Glasperlenspiel? -Aha! Aber grenzenlos paßt nicht ganz. Eher dick!"
    "Was, dick? (meint der den Kreis auf dem T-shirt, der ist zu dick?)"
    "Ja, nicht Du! Das Buch!"

    So spitze!

    Vielleicht ist der Name Glasperlenspiel doch ein bischen ungeschickt für eine Musikgruppe, weil doch bei der Mehrheit der Passanten der Eindruck entsteht, dass für Hermann Hesse Werbung gelaufen wird. Deshalb wird keiner der gerade jüngeren Fan sein Glasperlenspiel-t-shirt mehr anziehen, weil wahrscheinlich doch schon zu viele Teenies von irgendwelchen Omis mit glückstrahlendem Gesicht angesprochen wurden: "Ach, ist das wunderbar, die Jugend interessiert sich wieder für Hermann Hesse, jetzt wird alles gut!" Und diese Peinlichkeit hat sich natürlich über Facebook blitzschnell herumgesprochen. Zukünftig werden darum die T-shirts gar nicht mehr gekauft, man kann sich damit ja nicht sehen lassen...?

    Ach, ich find das so witzig!

    ###########

    Hat jemand meinen Fehler schon entdeckt? Es gibt doch ein Lied mit ausblendendem Schluß: "Dein Geheimnis".

    ###########

    Nachdem ich nun doch einmal dieses Interview mir ansah (das im "Kindergarten", mit den vielen Bällen auf dem Boden [nein, 'tschuldigung: Perlen]), erfuhr ich, dass Glasperlenspiel nicht nur Musik, sondern vielmehr ein Gesamtkunstwerk sein soll, das viele andere Aspekte mit einschließt.
    Fein!
    Dann kann ich ja ganz berechtigt weiterschwelgen und mich über die Fotos auslassen!

    -----------

    "Beweg dich mit mir"
    ---

    >Titelbild :

    Hmm, was soll man davon halten? Beweg dich mit mir? Ja, zwangsläufig, wenn man wie ein Fantasiewesen zusammengewachsen ist. Dadurch kommt aber gar nicht das Motivierende zum Ausdruck: "Och, komm, beweg dich mit mir, dann ist das Leben schon nicht mehr ganz so grau!" Andererseits macht es den Albumtitel plausibler, denn "Beweg dich mit mir" für sich genommen klingt recht hölzern, sperrig, gar esoterisch, wenn man das gleichnamige Lied nicht kennt. Mit diesem surrealen Foto dagegen läßt sich eventuell doch besser erahnen, dass es um etwas anderes geht. Zum Beispiel könnte man sich aus dieser künstlichen, synthetischen Fotomontage erschließen, dass es um Synthesizermusik geht. -Hmmm, gar keine schlechte Idee? Ob es zutreffen soll?

    Etwas irritierend erscheint, dass Carolin den Eindruck erweckt, als konnte sich sich bei der Aufnahme partout nicht das Lachen verkneifen! Oder soll das das Gegensatzprinzip sein, hell - dunkel, Tag - Nacht, ernst - fröhlich? Mit der entsprechenden gesellschaftstypischen oder -kritischen Gewichtung: die ernste Männlichkeit - die lebensfrohe Weiblichkeit? -Und dazu: Beweg dich mit mir, sei auch so fröhlich wie ich, dann bin ich auch mal so ernst wie du? -He, auch nicht schlecht! Ob's zutreffen soll?

    Oder sollte man "Das Glasperlenspiel" lesen, um es noch tiefergehend zu verstehen? Werde ich aber vermutlich nicht machen, denn da bleibe ich ganz der einstige Schüler: Hermann Hesse lese ich nur, wenn es ein Deutschlehrer von mir verlangt. In einem Roman zwischen den Zeilen lesen, um so irgendwelche Weisheiten herauszupfriemeln, ist nicht meins! Ich brauche es konkreter, mit solidem Wissen: Ein Buch, dass mir die Schweinereien der weltpolitischen Bühne oder die zerstörerischen Unwahrheiten der politischen Bühne allgemein aufzeigt, oder eines, dass mich an möglichen Weisheiten oder einfach nur unumgängliche Wahrheiten teilhaben läßt. Zwischen den Zeilen lesen versuche ich dann mit diesem Wissen bei den aktuellen Nachrichten, um erahnen zu können, wie sehr die Obrigkeit zu täuschen versucht.

    Nur dass Daniel gar keinen Arm haben durfte, finde ich schade. Den rechten etwas nach vorne gedreht; hätte doch auch die Umrisse der beiden x-förmig abgerundet.

    Hmmm? Je länger ich darüber nachdenke: Ich vermute, es soll das Gegensatzprinzip sein, das Leben besteht immer aus beidem: Tag - Nacht, traurig - fröhlich, voll - leer, die beiden Seiten einer Medaille und vor allem: Mann und Frau! "Beweg dich mit mir" beschreibt da, dass beides sich immer gegenseitig bedingt, beispielhaft die Medaille; dreht man die eine Seite weg, dreht man automatisch die andere her. Und nur wenn Mann und Frau sich miteinander bewegen, entsteht neues Leben. Es geht nicht ohne, es braucht immer beide!

    Zudem gibt es eine Theorie, die besagt, dass der Fötus im Mutterleib prinzipiell weiblich ist, ein männlicher Fötus entwickelt sich immer aus dem weiblichen. Deswegen durfte Daniel keinen Arm haben, damit es eher so ausieht: Er wächst aus Carolin heraus!

    Ob's stimmt?

    ---

    >Die Fotos im Textheftchen:

    -1)
    Aha, das sind also die beiden! Gut, kannte ich jetzt schon, da ich die zweite Single vorher gekauft hatte. Aber: markant!
    -2)
    Schade, für mich zu viel Kunst, versteh ich nicht, sieht deshalb für mich belanglos aus.
    -3)
    Daß dieses Foto direkt neben dem Text zu "Herzschlag" ist, find ich erstaunlich gut! Paßt gut zusammen: dieses Nachdenkliche, Sinnierende!
    -4)
    Dieses Foto finde ich spitze!
    Es könnte eine Annäherung auf einer Party sein: Carolin in selbstbewußter Kleidung mit einem leicht männerverachtenden, aber dennoch interessierten, respektvollen Blick, den Daniel, sie gleichsam von ihrem hohen, selbstgefälligen Podest zu sich Unscheinbaren herunterholend, mit einem unglaublich faszinierenden faszinierten, weichen, leidenschaftlichen Blick erwidert!
    Gänsehaut!

    -----------

    >Titelbild der Single "Ich bin Ich":
    Dieses Titelbild find ich irre!
    Selten habe ich so ein echtes, überzeugendes Portraitlächeln bei einem jungen Mann gesehen!
    Vor allem aber ist es Carolins Körperhaltung, die mich begeistert! Irgendwie ein Räkeln, aber unnatürlich kunstvoll, -ja, mich spricht Kunst auch mal an-, in diagonaler Silhouette, zusammen mit dem schwarzen Kleid und den "schwebenden Perlen" gar surreal, und dazu dieser stechende Blick! Heiß!
    Kleines Detail am Rande: Carolins rechte Hand ist hinter dem Schriftzug, die linke aber verdeckt halb den Bindestrich.
    -Eigentlich stellt das auch einen geschlechtlichen Rollentausch dar: Daniel ist die in sich ruhende Schönheit (weiblich), während Carolin sich gockelhaft, aber dennoch feminin aufplustert (männlich)

    -----------

    "Grenzenlos"(Album)

    >Die Fotos im Textheftchen:

    -1)
    "Ich schwör dir, heute sind wir grenzenlos" Zwar laufen sie an der Grenze entlang, trotzdem, die Textzeile toll umgesetzt: Der Blick geht von der Grenze weg! /Nur Carolins Hüftknick finde ich unpassend.
    -2)
    (Dieses Bild macht mich neugierig, wo die Fotos zum "Grenzenlos"-Album entstanden sind. Spontan würde ich auf Amerika tippen, könnte mir aber auch Spanien, Portugal oder Marokko vorstellen.)
    Dieses Foto ist bizarr!
    Prinzipiell sieht es für mich ein wenig aus wie die Zwei auf einem fremden Planeten. Carolins Kostüm scheint sogar eine Verbindung zu Science-fiction herzustellen, denn der Schulterumhang erinnert an jene der Damen in "Die sieben Männer der Sumuru" (kenn ich nur zwei Filmfotos). Ansonsten erscheint das Foto seltsam, Carolin und Daniel in spazierender Körperhaltung, dazu aber den Arm mit den Gasballons hochgehalten, was man jedoch keinen Spaziergang lang durchhält. Also ist der Arm nur für einen kurzen, begeisterten Moment in die Höhe gestreckt, doch diesen Moment gibt es nicht, da beide wie suchend zu Boden blicken. Also irgendwie paßt das hinten und vorne nicht zusammen, gerade mit Carolins Kostüm, das auf den ersten Blick mehr nach Musical-Cats-Kostüm aussieht, durch den Schulterumhang aber ein bischen SM mit ins Spiel bringt und in der Hand diese silbernen Ballons, die den Eindruck erwecken, als wären sie Zubehör eines Astronautenanzugs.
    Wirklich bizarr!
    -3)
    Dieses Foto finde ich zum Text "Wer weiß, wie weit die Reise geht" etwas unpassend. Nun gut, ja, ein fragender Blick zurück: Wie weit sind wir denn schon...
    Vielleicht ist auch meine ungenaue Betrachtung schuld, denn zuerst sah es für mich so aus, als stünde Carolin rücklings vor einer grünen Wand. Doch auch ohne diese sehen die Zwei irgendwie eher aus, als wären sie in Bedrängnis, Carolin schaut zurück und denkt: "Oh, verdammt, sie kommen immer noch hinter uns her!" und Daniel entdeckt etwas und denkt: "Mist, das könnt Probleme geben!"
    Also weniger Reise als vielmehr Flucht.
    Etwas passender ist die Version auf der Glasperlenspiel-Internetseite. Dort ist der Text zum Foto, auf dem die Zwei am Strand entlangspazieren. Nur spazieren ist halt auch nicht reisen.
    Aber ich finde es lustig, wie schön man das Foto fehlinterpretieren kann!


    Viele Grüße

    Traumwaldschrat

    (#9)


  3. Nach oben   #3

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    WAAS!
    Was bitteschön soll denn der Mist!
    Wer kann hier in meinem Beitrag eine Werbung/Werbevideo einsetzen!
    Die wird gefälligst wieder gelöscht, aber zackig!

    Und könnte mir jemand erklären, wie das überhaupt möglich ist?

    ############

    "...für einen Tag die Welt verdreh'n, das ist so leicht"

    Stimmt eigentlich!
    Warum bin ich nicht schon letzte Woche draufgekommen?
    An einem Tag sollten mal alle Glasperlenspielfans ihre Glasperlenspiel-t-shirts anziehen und in die Stadt gehen, das könnte doch einmal die Welt verdreh'n. Vielleicht würde gleich ein Sturm der Begeisterung durchs Land gehen, dass im Land der Dichter und Denker endlich wieder der Dichter und Denker gedacht wird, was jedoch sogleich wieder enttäuscht würde.
    "Wie? Warum? Das Glasperlenspiel ist doch Hermann Hesse!"
    "Nö! Glasperlenspiel sind Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg."
    "Wie bitte, versteh ich nicht!"
    Ich stell mir das schon lustig tumultartig vor. Da die euphorischen Literaturbegeristerten, die nicht verstehen, was gemeint ist, dort die Musikfans, die entweder bemüht sind zu erklären oder genervt und angetreten sind, nicht als Musikfan erkannt zu werden, oder aber frech und neckisch absichtlich in die Irre führen, und dazwischen die Ahnungslosen, die weder "Das Glasperlenspiel" noch "Glasperlenspiel" kennen und überhaupt nicht wissen, worum es geht.
    Da wär doch mal was los!

    Gruß

    Traumwaldschrat

    (#12)

  4. Nach oben   #4

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    Oh, Mann, bin ich dumm!
    Wo sind die Fotos zum Album "Grenzenlos" entstanden?
    Dänk hald amol a bissle nooch, Buale!
    Wenn man von diesem Roman so begeistert ist, dass man den Titel zum Bandnamen auserwählt, ist es doch naheliegend, dass die beiden bei nächstbester Gelegenheit eine Wallfahrt zum Ort des Geschehens machen, oder?

    ###########

    Die Single "Nie vergessen"

    >Das Titelbild:

    Oh weia, ...?

    Hat Carolin es sich jetzt bei mir verscherzt...?
    Hmmm?
    Oder...?
    Oder geht es gar nicht um dieses Kreuz, sondern rotzfrech und höchst provokativ um ein ganz anderes?
    Eines, das in verblüffender Weise sich ganz automatisch und treffend wie ein Zielkreuz verhält?
    Jenes, das auch fast vollständig, wenn der obere Teil nicht verdeckt wäre, in Glasperlenspiels Fotogalerie ihres Tagebuches bei "facebook" am 25. Juni '13 erscheint?
    ...jaja, schon gut, vermutlich nicht!

    Würde auch gar nicht zum Thema der Single passen. Wobei diese auf der Bluse und an den Ohren aber auch nicht! -Oder? Hmm, gut, der Tod einer Beziehung...

    Ich finde es aber unpassend, doch nicht nur das, ich persönlich finde das gesamte Titelbild unpassend:
    Carolin läßt in der Single doch hören, dass auch sie sich mitschuldig fühlt am Ende ihrer Beziehung: "auf dem Weg zu uns'rem Glück ham wir UNS verirrt" und "das hab ich wirklich nicht mit ... gemeint". Für diese Einsicht stürmt sie aber, zumal mit einem unnötigen Hüftknick, schon arg forsch und siegesgewiß Richtung grenzenlos davon. Für mein Empfinden hätte dieses Foto viel besser zu einer möglichen Single "Herz aus Gold" gepaßt!

    Jetzt ist es natürlich schon zu spät, aber wie wäre es zum Beispiel mit folgendem Vorschlag als Titelbild zu "Nie vergessen":
    Carolin und Daniel stehen ohne Berührung rücklings aneinander, Daniel in Körper- und Gesichtsmimik Resigniertheit, Irritiertheit, aus der Bahn geworfen darstellend: "Verdammt, was habe ich nur angestellt!", Carolin mit einer Mimik und Körperhaltung, die Sehnsucht und Enttäuschung darstellen und als wolle sie sich jeden Moment umdrehen. (Dazu kein Hintergrund)
    Oder
    wie wäre es mit dem Foto von Glasperlenspiels Internetseite, das mit "Wer weiß, wie weit die Reise geht?" betitelt ist? Das würde doch ausgezeichnet den Inhalt des Liedes darstellen: Ich werde mich immer an unsere schöne Zeit erinnern, zum Beispiel unsere Spaziergänge am Strand, die werde ich nie vergessen!


    > Die Musik :

    He, spannend, hier gibt es etwas, was früher bei den Schallplatten als B-Seite betitelt wurde: ein zusätzliches Lied! Das find ich toll: Noch mehr Musik des Interpreten. Bei Depeche Mode und Alphaville gab es sogar echte Raritäten, und bei Alice war es, glaube ich, wo ich die B-Seite noch besser fand als die eigentliche Single "Per Elisa"!

    >- "Nie vergessen" :

    Sehr gut! Kein Unterschied zur Albumversion. Zumindest fiel mir keiner auf.
    Ich habe es bis heute nicht verstanden, welcher Sinn dahinter stecken soll, die Single in Nuancen anders klingen zu lassen als auf dem Album: Entweder es entwertet das Album, weil die Single besser ist, oder es entwertet die Single, weil das Album besser ist. Ganz besonders frustrierend fand ich dies bei Depeche Modes "Strangelove", wo ich die Single vor dem Album kannte. Die Single ist knackig, fetzig, mitreißend und trotzdem düster und mysteriös, auf dem Album aber klingt das dann doch recht lasch.

    Eine gute Variante ist natürlich, wenn beide Versionen gleichwertig sind, keine besser als die andere, wie Glasperlenspiels "Ich bin Ich". Aber... ist das wirklich erstrebenswert? Es handelt sich doch um eine "Singleauskopplung aus dem Album". Wenn sie aber anders klingt, kommt sie doch gar nicht aus dem Album...
    .---

    >- "Wenn sie träumt" :

    Uih, toll, zum Album noch ein Lied! Es hat zwar ein paar Macken, aber es gefällt mir gut!
    Es nimmt die depressive Grundstimmung von "Was du nicht weißt" auf, doch während dies nur ein Soundtrack zu entsprechenden Geschichten sein könnte, wird hier direkt eine beklemmende Lebensfrustgeschichte erzählt und die Musik paßt dazu!

    Doch auch hier gibt es für mich einen Stimmungsbruch, der diesmal sogar technisch bedingt ist: Der Anfang des Refrains. Besonders deutlich hört man es mit Kopfhörern: Dieser links-rechts-Effekt ergibt ein unglaublich fülliges, tragendes Klangbett, doch mit dem Refrain bricht dieses weg. Das finde ich sehr enttäuschend, es schmerzt eigentlich schon in den Ohren. ("Risiko" macht genau genommen den selben Fehler: die stereo-(links-rechts-gleichzeitig)-erklingende Gitarre bricht zum Refrain ersatzlos weg, wodurch dieser fantastisch sphärische, schwebende Refrain zumindest mit Kopfhörer doch etwas schmal wirkt. Irgendein passender sythetischer Klang (von den zu hörenden?) im Stereo, der dieses tragende Klangbett in den Refrain hinübernimmt, hätte "Risiko" vielleicht perfektioniert)

    Jedoch ist es auch der Refrain an sich, der die Stimmung der Strophe bricht. Das erstaunliche aber ist: nur für einen Takt! Der zweite Takt nimmt die Stimmung sofort wieder auf. Zusätzlich mit einer ganz tollen Harmoniefolge: Dieser doppelte Sekunde-Tonschritt, der sich zu einer kleinen Terz ergänzt, diese Terz, die Kraftwerk einst als die Vollendung (tanzbarer, düsterer) elektronischer (Pop-)Musik vorgegeben haben, auch hier in einer elektrisch brummenden Klangfarbe, verfeinert durch die beiden Sekunde-Tonschritte, hach, irre!
    -Eigentlich ist das ganze Lied irre:
    ein Elektronengewitter!
    Synthiepop pur!
    (Ach, ich würde mir so sehr wünschen, dass Glasperlenspiel zukünftig die Gitarren und sonstige Akustik- oder Kammermusikklänge ganz weglassen!)

    Vom Text her finde ich "Wenn sie träumt" erstaunlich: Alle Titel der beiden Alben sind in der ersten oder zweiten Person verfaßt, diese Single-B-Seite erscheint nicht auf dem Album und ist demgegenüber in der dritten Person geschrieben.
    Das finde ich interessant!
    Das ist natürlich ein grammmatikalisches Problem, doch diese Lied bietet mir, der damals in der Schule ein grottenschlechter Deutschschüler war, sogar noch eines: "Denn morgen in der Schule schau'n sie wieder alle an", was für mich dann schon eine Herausforderung ist:
    Da stimmt doch was nicht? Da fehlt doch was?
    Nein, -ausnahmsweise habe ich auch dazugelernt-, da fehlt nichts, das ist völlig korrekt, es sind alle notwendigen Satzglieder für einen sinnvollen Satz da, nur sind sie wegen des Versmaßes umgestellt: Denn morgen in der Schule schau'n alle sie wieder an.
    Puh, Glasperlenspiel machen es ihren Hörern nicht leicht...

    Auch wenn Glasperlenspiel eher an Leuten gefallen finden, die die Ruhe bewahren, anstatt Zorn zu verbreiten, macht mich der Text von "Wenn sie träumt" dennoch zornig, denn ich bin mir sehr sicher, dass solche Geschichten, oder Varianten davon, viel zu häufig vorkommen, wo Kinder, aber auch bereits Erwachsene, in einem alptraumhaften Leben gefangen sind, ohne dass jemand käme und sie befreite!
    Warum eigentlich nicht?
    Warum immer nur lustig und sorglos miteinander? Warum nicht auch FÜReinander?
    Und warum nicht auch über Familiengrenzen und Freundeskreise hinweg, bei Kollegen, Bekannten, bei Nachbarn oder sonstigen Leuten, die man entfernt kennt?
    Und warum nicht auch mit der notwendigen und unnachgiebigen Penetranz, in die Privatsphäre einbrechend? Mir ist selbst so ein Schicksal bekannt, wo über Jahre hinweg die Anzeichen durchaus gegeben waren, dennoch jeder untätig blieb und somit das Familienleben sich hermetisch von der Außenwelt abschottete, mit dem Ergebnis, dass das aus dieser Familie hervorgegangenen Kind heute als Erwachsener lebensunfähig irgendwo im luftleeren Raum zwischen nicht mehr leben wollen und noch nicht sterben wollen erstickt.
    Warum mußte es erst so weit kommen?
    Warum brachte keiner den Schneid auf zu drohen: "Wenn ihr zwei zu blöd sein, ein Kind großzuziehen, dann..."
    Warum hat allein schon das System Patentante und Patenonkel so jämmerlich versagt? Warum stand diesen beiden, und allen anderen, selbst das Wasser bis zum Hals?
    Warum hat die Menschheit an sich versagt, weil sie durch stetigen, blindwütig zukunftsgläubigen Fortschritt so asozial geworden ist, sodass die Hilfe, die manche Kinder und Erwachsene so dringend wirklich bräuchten, heutzutage gar nicht mehr möglich ist?
    Und warum wird dieser asoziale und untragbare Zustand einfach so schicksalsergeben hingenommen?

    Ich finde jeden einzelnen Menschen zu kostbar, um ihn "verantwortungslos" seinem unerträglichen Schicksal zu überlassen!
    Warum nicht: Ich möchte, dass es allen Menschen um mich herum so gut geht, wie mir selbst, und ich werde dafür auch etwas tun?

    ---

    Nun ja, aber ich bin zufrieden, dass Glasperlenspiel einmal darauf aufmerksam gemacht haben!


    Nachdenklich grüßt

    Traumwaldschrat

    (#14)


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  5. Nach oben   #5

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    Letzte Woche hatte ich es tatsächlich nicht verpaßt, Glasperlenspiel im Fernsehen zu sehen...

    Doch Teile des Festivalkonzerteprogramms noch einmal zu sehen hat mich nicht umgestimmt, ich fand es... enttäuschend. Vielleicht war auch eine schlechte Übertragungsqualität schuld, weswegen es stellenweise so anders klang, aber es ist eben auch das Bühnenkonzept, als Synthiepopgruppe mit Gitarren und Schlagzeug auf die Bühne zu gehen. [und dann nicht einmal die Gitarre so eingesetzt, wie es sich gehört: Der Refrain von "Risiko" - gnadenlos durchgeschrammelt, einfach mit der Gitarre glattgebügelt - ...schlimm! /"dildin, dildin, dildin": so klingt "Risiko"!]

    Ich verstehe es einfach nicht:
    Die beiden gingen nicht den einfachen Weg, schnallten sich mit vertiefter Harmonielehre die Gitarre um und gingen auf die Bühne, sie machten es sich auch nicht so leicht, einfach mit den einprogrammierten Klangfarben eines Synthesizers sich ihre Musik zusammenzubasteln, zumindest hört es sich für mich so an, dass sie im Gegensatz dazu die Mühe auf sich nahmen, neben Harmonielehre auch noch die Physik elektronischer Schwingkreise (Grundbaustein eines Synthesizers), das Wissen um die Verwendung von Wellenformen, Wellenüberlagerungen, Amplituden, Modulationen, Hüllkurven, Obertönen und dergleichen mehr sich anzueignen. Das Ergebnis dieser Arbeit ist grundlegend ihr Markenzeichen, denn sie haben sich wie einst Kraftwerk ein eigenes elektronisches Musikinstrument gebaut, und es sind die beiden Alben, die, wie ich finde, an technischer Brillanz schon nah an Depeche Mode herankommen. Deswegen meine ich, wäre es nicht verkehrt, Carolin und Daniel nicht einfach nur als Musiker zu sehen, sondern als ehrgeizige Klangtüftler. Läßt man sich dann noch zu der klischeehaften Behauptung hinreißen, dass Frauen von technischen Spitzfindigkeiten nichts verstehen, könnte man es noch extra betonen, dass auch Carolin voll hinter dem Glasperlenspielkonzept steht und ebenso wie Daniel der Klangtüftelei angetan zu sein scheint.

    Man könnte also, gerade weil es verblüffend erscheint, wie ihr bodenständiger und selbstbewußter, ehrlicher und unverfälschter, lockerer und lebensfroher persönlicher Auftritt und auch ihre Fotopräsentationen so gar nicht darauf schließen lassen, dass sie sich gerne in die sterile und abstrakte Welt der Klangsynthese vertiefen, es noch einmal besonders hervorheben:
    Hier stehen zwei musikalische Elektroniker!

    Das finde ich außergewöhnlich! Nur: Erfüllt sie das nicht mit Stolz?
    Und vor allem: Warum bringen sie diesen Stolz nicht auf der Bühne zum Ausdruck?


    Anstelle dessen haben sie sich scheinbar zu dem Glauben hinreißen lassen, dass eine erfolgreiche, konzertkonforme Bühnenshow nur mit bühnentauglichen Variationen ihrer Lieder und vor allem nur mit Gitarren und Schlagzeug möglich ist. Ich finde das traurig! Es hinterläßt den seltsamen Eindruck, als trauten sie es ihrer eigenen Musik nicht zu, das Publikum zu begeistern oder zu faszinieren und mitreißend zu sein. Warum denn das? Sie ist es doch! Die beiden Alben anstelle eines Konzertes in einer Disco aufgelegt, ich kann mir nicht vorstellen, dass das nicht rockt, das da keine Stimmung im Haus ist.


    Ach, genau, die Sache mit den Diskotheken, das wäre noch eine andere Möglichkeit, meine Enttäuschung zu den Glasperlenspielkonzerten zum Ausdruck zu bringen. Auch ich war einst auf der Suche nach der für mich besten Disco. Aber ich glaube, "die beste Disco" gibt es nicht. Es gibt nur die am wenigsten schlechte. Deutlich wird dies vielleicht auch mit der hoffnungsvollen, aber doch immer recht enttäuschenden Einrichtung dieser 80er-Parties oder gar Depeche-Mode-Parties: Man kommt einfach nicht auf seine Kosten! Doch mit Glasperlenspiel täte sich da eine Vision auf, doch noch zum Zug zu kommen, wenn man ihre Konzerte als Disco "mißbraucht": Zwei Stunden auf Lieblingsmusik tanzen, -ähnlich dem, was ich mir unrealistischerweise als die ultimative Depeche-Mode-Party gewünscht hätte, einfach die Alben nacheinander auflegen und durchlaufen lassen-, nur dass als Zugabe Carolin und Daniel auf der Bühne die Lieder singen und spielen. Das wäre traumhaft! Ich jedoch habe an so einer "Disco" kein rechtes Vergnügen, wenn die Musik nicht so klingt, wie ich es von den Alben gewohnt bin. Das macht mich traurig: Warum wollen die beiden ihren Fans diesen Traum nicht erfüllen?

    Oder bin ich tatsächlich der einzige mit so einer Wunschvorstellung?
    Weil für alle anderen dies gerade den Reiz eines Konzertes ausmacht zu sehen, dass ihre Stars die Musik auf der Bühne auch variieren und neu interpretieren können, weil sie eben so gute Musiker sind? Diese Motivation kann ich nachvollziehen, jedoch nicht damit anfreunden. Wenn die Musik anders klingt, nur so ähnlich wie auf dem Album, für die Bühne neu interpretiert ist, dann brauch ich doch nicht auf ein Konzert des Interpreten, dann tut es doch auch die Coverband auf der lokalen Festveranstaltung, oder wenigstens, siehe Rammstein, so eine "Tribute"-Band.

    Meine Motivation für ein Glasperlenspielkonzert wäre dagegen, so gut wie es geht eine eins-zu-eins-Übertragung ihrer Musik auf die Bühne zu erleben, eben weil nur Glasperlenspiel so spielen und singen können wie Glasperlenspiel und auch nur so die musikalischen Feinheiten, die Glasperlenspiel ausmachen, zur Geltung kommen. Natürlich liefe das auf "größtenteils Playback" hinaus, nur, warum eigentlich nicht: Die Singstimmen gesungen, dazu zwei, drei, vielleicht vier Tonspuren von Daniel und ab und zu Carolin gespielt und der Rest von Band. Ganz ehrlich, man darf mich dafür gerne auslachen, aber ich hatte wirklich gehofft, dass genau dies das Bühnenkonzept Glasperlenspiels sei. Für mich hätte das absolute Berechtigung, schließlich ist es künstlicher Synthiepop und elektronische Musik kann eben nur aus der Maschine kommen; warum nicht auch auf der Bühne, zumal sie ja nur zu zweit sind?


    Man müßte es nur effektvoll in Szene setze!
    Zum Beispiel, passend zur "Grenzenlos"-Tour:
    Ein riesengroßes Tuch/Leinwand/..., das hinter Carolin und Daniel die gesamte Bühnensicht ausfüllt. Darauf riesengroß aufgemalt/-gedruckt/-genäht eine Kreislinie, im Verhältnis so dick wie auf dem schwarzen "Perle"-T-shirt. In diese Kreislinie einbeschrieben ist ein gleichseitiges Dreieck mit Spitze nach oben.
    Nun kommt's:
    Die Fläche des Dreiecks ist mit Elementen ausgefüllt, die Schalter, Hebel, Taster, Knöpfe, Dreh- und Schieberegler sowie Anzeigen mit Zeigern darstellen. Dies ist ausgeschmückt mit leuchtenden und blinkenden farbigen Lämpchen/Leuchtdioden. Irgendwo dazwischen noch zwei Tonbandspulenattrappen inklusive Tonkopfblock, die sich nach Möglichkeit auch drehen sollten.

    Was das darstellen soll?
    Der Glasperlenspielmusikgroßrechner
    oder die elekt(ron)ische Tonbandmaschine

    Symbolik:
    Das Herz aus Elektronik der Glasperle
    oder
    das Herz aus Elektronik Glasperlenspiels.

    Für die Zukunft wäre es (sofern es die Möglichkeiten zulassen [finanziell, Material, Transport]) natürlich erstrebenswert, dies in eine dreidimensionale Erscheinung umzusetzen: Eine riesenmordsdrumteilgroße (Plexi-)Glasperle oder aufgeblasene Ballonglasperle (->Kaugummiblase!), in der ein prismaförmiger Gegenstand steht, der auf der dreieckigen Vorderseite die Schalter, Regler, Anzeigen, Lämpchen und drehenden Tonbandspulen zeigt...

    Ja, sag amol, warum mach ich mir hier eigentlich 'nen Kopf über Glasperlenspiels Bühnenpräsentation?

    Ich stell mir das aber schon irre vor, mit blau und grün ausgeleuchteter, aber nicht zu heller Bühne sogar beeindruckend: Da sollte es doch gar nicht mehr stören, dass nur Carolin und Daniel auf der Bühne stehen und die Musik größtenteils vom Band kommt!
    Vielleicht sogar eine für ein Konzert lebendiggewordene Neuinterpretation des Films "Tron": Die surreale Elektronenwelt eines Synthesizers als Bühnen- und Tanzfläche.

    Was wohl Carolin und Daniel selbst von dieser Idee halten würden?

    (Ohweia, wenn ich mich mal nur nicht in Glasperlenspiel getäuscht habe!)


    Es grüßt

    Traumwaldschrat

    (#15)


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  6. Nach oben   #6

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    Ach so ist das!

    Is ja doof!

    Ich las es im Glasperlenspieltagebuch bei facebook: Jemand bemängelte, dass er die neue Single "Grenzenlos" als CD in Kiel nicht kaufen könne, ein zweiter in Stuttgart auch nicht. Ich dachte eigentlich nur an Verzögerungen, kam aber dennoch auf die Idee, der Sache nachzugehen, und siehe da, "Grenzenlos" wird offenbar tatsächlich nicht als CD verkauft, denn im Gegensatz zu zum Beispiel "Nie vergessen" lautet das Verkaufsformat bei "Grenzenlos" nicht "CD", sondern "Track", also vermutlich ausschließlich mp3-download.

    Is ja saudoof!
    Das heißt nämlich, jetzt kann ich mir (wenn es die Single überhaupt noch gegeben hätte) gar nicht die Single-"B-Seite" "Tanzen im Regen" anhören ohne den mp3-Heckmeck, mit dem ich mich bestimmt noch lange nicht anfreunden kann, denn auch "Freundschaft" wurde nur als "Track" verkauft.


    Ich weiß nicht, wer mit solchen Unsitten angefangen hat, manche Singles nur noch als mp3-Datei zu verkaufen, aber lustig finde ich es nicht, neben der Schallplatte nun auch noch auf das Ende der CD zu setzen. Ich fand es ja dementsprechend idiotisch, als der Drogeriemarkt das Angebot umstellte und nur noch die Singles der aktuellen Top 3 verkaufte, doch auch der Elektronikmarkt ist nicht allzu gut bestückt. Ja, so kann man die CD zugrunde richten!
    Was soll das?
    Da meckert die Musikbranche wie deppert wegen Umsatzrückgänge, weil jeder Musik nur noch kostenlos im Netz runterläd, aber wenn man dann mal Musik kaufen will, kann man es gar nicht, weil sie keiner mehr verkauft! Ganz toll! Da braucht man dann doch auch nicht mehr rummeckern...

    Außerdem fänd ich es ganz gesund, auch wenn es noch so praktisch ist, trotzdem diesem digitalen Wahnsinn mal wieder Einhalt zu gebieten, denn ich finde es... naja, ich weiß auch nicht recht: Wie eine Schallplatte funktioniert ist noch zu verstehen, auch bei einem Tonband ist die Funktionsweise noch nachzuvollziehen, vor allem, wenn man das Prinzip elektronischer Schwingkreise vestanden hat. Doch bei der CD sieht es da schon schwieriger aus, denn zum einen ist sie digital, was bedeutet, dass auf einer CD nicht mehr die Musik selbst ist, sondern nur noch die Informationen über Tonveränderungen, mit denen der CD-Spieler die Musik quasi "rekonstruiert", zum anderen ist es schier unvorstellbar, dass auf einer CD pro Millimeter CD-Radius knapp 170 digitale Tonspurrillen nebeneinander liegen! 170 pro Millimeter!

    Und bei mp3 ist es nur noch absurd: Auf einem Mikrochip, der gewiß nicht größer ist als die Erdkugel auf einer 1-Cent-Münze und genauso dick wie Alufolie, sollen bis zu 1200 Musiktitel gespeichert sein! 1200 Musikstücke in sehr guter Tonqualität, von Anfang bis Ende, ohne Sprünge, ohne Leiern und ohne Spulen in Echtzeit abrufbar auf einem winzigkleinen Fetzen Metallfolie! Neee, also da setzt es aus, das kann ich mir nicht mehr vorstellen! Das ist unheimlich!

    Es beschreibt die Sache zwar nicht richtig, aber es hinterläßt den Eindruck, als kaufe ich mir mit einem mp3-download nicht das Lied, sondern nur die Rechte, dieses Lied hören zu dürfen...

    Mir kam es irgendwann einmal sogar so vor, als wäre es so bereits mit vielem, es läuft immer mehr darauf hinaus, nur noch Rechte zu erwerben, aber dass man in einen Laden geht, Geld ausgibt und anschließend mit etwas Greifbarem wieder herauskommt, das scheint immer weniger zu werden.


    Ich finde Musik schon so ungreifbar! Das macht Musik ja auch aus, das ist Musik! Musik kann man nicht anhalten und sich diese tolle Melodiefolge "genau anschauen", denn diese Melodiefolge ist nur hörbar, wenn die Musik fließt! Ganz besonders bei elektronischer Musik, wie Glasperlenspiel sie macht, weil da noch die unwirklichen Klangfarben hinzukommen, die man mit keinem Instrument außer dem Synthesizer nachmachen kann. Doch wenn Musik schon so ungreifbar ist, dann sollte man sie wenigstens auf etwas Greifbarem bannen; am liebsten auf Schallplatte (Au ja, Glasperlenspiel auf Schallplatte, das wär doch irre!), aus technischer Sicht wäre das Tonband angeblich noch besser, aber wenigstens auf CD.


    Ich finde es ewig schade, dass sich damals die 8-cm-CD als Single nicht durchgesetzt hatte, schon allein, weil es nicht gar so eine Materialverschwendung wäre wie auf der normalen 12-cm-CD, wo man bei einer Single-CD nur einen sehr schmalen Streifen innen auf der Scheibe hat, auf dem die Musik ist, und der Rest ist leer. Aber auch, weil sie viel handlicher gewesen wäre, eine Sammlung hätte nicht so viel Platz weggenommen und wenn man sie nicht umständlich in eine Mini-Plastik-CD-Hülle wie die großen gesteckt hätte, sondern in eine kleine Papptasche mit gefalztem Klappdeckel... ,das wäre doch kultig gewesen! (Und vielleicht 'n bischen umweltfreundlicher)


    Es grüßt

    Traumwaldschrat

    (#16)


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  7. Nach oben   #7

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    Glasperlenspiel auf der Bühne in Memmingen!

    Eine Synthiepopgruppe in Memmingen, alte Heimat, dort, wo ich Synthesizerpop einst am Radio meiner Eltern kennen und lieben gelernt hatte und nun ebendort von Glasperlenspiel in neue deutschsprachige Sphären gehoben!
    He, das ist magisch!
    Und ich war dabei!
    Spitze! Das Konzert war ein Erlebnis!

    ##############
    [Bemerkenswert finde ich, dass ich das Konzert überhaupt sehen konnte! Zur Hochzeit des Synthiepop hätte das mit dem Zug nicht geklappt, der letzte Zug zurück wäre noch vor dem Konzert, bzw. gerade begonnen, gefahren. Diesen Sonntag dagegen hätte ich noch eine Stunde später nach dem Konzert fahren können. Ein Hoch auf die Bahnprivatisierung, sollte man meinen! Doch das sehe ich ganz bitter anders! Es trifft zwar so nicht zu, aber der Preis für diesen Komfort, mitten in der Nacht noch Zug fahren zu können, ist der, dass zwischen Buchloe und Lindau so gut wie kein Güterzug mehr fährt; aber täglich hunderte, tausende LKW. Daß der Bahngüterverkehr unrentabel war, halte ich für gelogen, ich hätte eine Idee, dass er für viel Betriebe nach wie vor billiger wäre als der LKW. Deswegen kann ich es nicht anders bezeichnen: Das System Eisenbahn wurde zerstört! Ich persönlich fände es auch neunzig Jahre nach der Glanzzeit der Eisenbahn eine erstrebenswerte Philosophie, dass die Eisenbahn, der möglichst flächendeckende Bahngüterverkehr, die wirtschaftliche Grundlage eines Landes sein sollte, ERGÄNZT, aber nicht ersetzt durch den LKW!
    Doch, oh, Entschuldigung, das ist eine ganz andere Geschichte...
    Obwohl? Vielleicht an dieser Stelle doch nicht so unpassend, denn Glasperlenspiel wollen es doch:
    "Laßt uns was bewegen"
    "Wir woll'n was verändern, wir sind nicht allein, uns're kleine Welt könnte schöner sein"
    Das wäre mein Beitrag dazu! Zumindest mal ein Anfang.]
    ##############

    Zwar muß ich dabei bleiben, auch dieses Mal hat mich deren Bühnenkonzept mit Gitarren und Schlagzeug nicht überzeugt, denn so manches Stück hatte mit der Glasperlenspielmusik eigentlich nur noch den Text und die Gesangsmelodie gemeinsam, ansonsten haben so viele typische und musikalische Feinheiten gefehlt...
    Doch sogar ganze Lieder haben "gefehlt"...
    Nein, aber "Wenn sie träumt", "Laßt uns was bewegen", "Ich hol dich hier raus", und vor allem "Beweg dich mit mir" und "Traumschiff" habe ich schon vermißt, aber offenbar bin ich mal wieder von total falschen Voraussetzungen ausgegangen: Zwei Alben zu je 45 Minuten und noch ein bischen Erzählen, das macht zweieinviertel Stunden und alles gehört!
    Tja, denkste!
    So läuft das nicht!

    ABER:
    Es war ein Erlebnis!

    Schon allein Max Giesinger; solch eine Musik sagt mir zwar nicht zu, aber was er mit seinem Kumpel mit nur zwei Gitarren an Musik auf die Bühne gebracht hat, das konnte sich schon sehen lassen!

    Doch noch mehr natürlich Glasperlenspiel!
    Da war zum Beispiel der Auftritt selbst, auch wenn mir das Bühnenkonzept nicht gefällt, aber es war sehenswert, schon allein, weil es einen ruhigeren, nicht so gehetzten Eindruck wie das Festivalkonzert machte, doch auch die Beleuchtung kam zur Geltung; dadurch eine tolle Atmosphäre, quasi die Band und deren Fans unter sich, und die Akustik fand ich sehr viel besser, mit Ohrenstöpsel richtig angenehm (aufgepaßt: Sollte bei jemanden der Eindruck entstanden sein, dass die Lautsprecher krachten, nein, das sind die Ohren selbst! Ganz sicher! Deshalb: Ohrenstöpsel!), die Akustik klar und ausgewogen, nichts übersteuert. Eher untersteuert, so manche Hintergrundmelodie habe ich fast gar nicht gehört, doch das kann eventuell wirklich an den lebensnotwendigen Schaumstoffohrenstöpsel liegen, denn zum Beispiel von den mit Pelzbommel angeschlagenen Becken hab ich nix gehört. Das ist echt ärgerlich, in der Disco hat das mit den Ohrenstöpsel so gut funktioniert, bei Liedern, die ich von Schallplatte oder CD kannte, war nie etwas zu leise.

    Doch das reicht für ein "Erlebnis" noch nicht aus, nein, da war noch mehr:
    Zum Beispiel Carolin und Daniel selbst, das möchte ich auch mal betonen! Daniel sachlich, männlich gekleidet wie stets, diesmal aber mit noch etwas Farbe dazu, und Carolin mit einem schriftlosen Oberteil und ohne Stirnbendel mit Ponyhaarpferdeschwanz, mmh, hübsch!

    Was mich noch mehr begeistert hat, war "Dein Geheimnis", ich glaube sehr nah an der Albumversion dran (mist, kann ich mich nicht mehr daran erinnern), "Risiko", da gab es das "dildin dildin dildin" von der Gitarre (stark!), und "Nie vergessen" hat auch auf der Bühne so schön elektrisch geblubbert! Ganz toll!


    Glasperlenspiel haben mir sogar mindestens drei unvergeßliche, kostbare Perlen geboten!

    In Ulm hatte ich es vor lauter Staunen fast verpaßt, hier konnte ich es nachholen: Ich hab mitgemacht, den Schmerz wegzutanzen! Herrlich! Wie Disco! (nur der Effekt hat nicht geklappt).

    Geradezu überwältigend schön waren die Strophen und Überleitungen von "Wie ich nicht sein will", die waren eins zu eins vom Album auf die Bühne umgesetzt! Sogar vom Schlagzeug gab es synthetische Klänge, super, vor allem aber war die Hintergrundmelodie der Überleitungen, die auf dem Album ein wenig leise und unscheinbar abgemischt ist, klar und deutlich zu hören, so richtig hinreißend wehmütig, wundervoll! Der echte, synthetische Glasperlenspielklang auf der Bühne, zum Heulen schön!

    Und zum Schluß gab es eine echte Krönung!
    Die erste Zugabe, die "Echt"-Interpretation, war ja der Hammer! Synthiepop in Reinkultur, eigentlich schon EBM-Techno, absolut spitzenmäßig! Das beste Lied des Abends, eigentlich schon das beste Glasperlenspielstück überhaupt, vielleicht sogar, wenn ich es mir in Ruhe anhören könnte, das erste Lied von den beiden, bei dem ich nichts zu bemängeln hätte, mitreißend, tanzbar und vor allem füllig, atmosphärisch dicht, flüssig, elektrisch, sphärisch schwebend und zusätzlich mit kantigen, knackigen Klanggeräuschen rhythmisch unterlegt! Das Stück war fantastisch! Echt super! Traumhaft!
    Das hat mir von Glasperlenspiel noch gefehlt!
    Wenn das die, oder eine, neue Richtung ihrer Musik sein soll: Ich bin dabei!
    Leider konnte ich gar nicht so laut klatschen, wie ich begeistert war!

    Das war ein Erlebnis!


    Begeistert grüßt

    Traumwaldschrat

    (#17)



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    Echt bleiben - Echt werden - Was bewegen

    Es paßt ja, glaube ich, ganz gut in die Jahreszeit, denn ich habe noch etwas Nachdenkliches.

    -------

    Eine kleine Begebenheit verleitet mich nun doch dazu, noch einmal über Glasperlenspiels Bühnenauftritt "rumzunörgeln"

    Bei einer Bekannten hörte ich Rainhard Fendrichs "Es lebe der Sport" als Livemitschnitt eines Konzerts. Im Tonfall bester Partylaune schmettert er die Strophe ins Mikrophon: "...ein Sturz bei 120 km/h entlockt dem Moderator ein..." und das Publikum grölt "Hopperla!" und mit energisch treibender Stimme singt er weiter: "...und liegt der Körper regungslos im Schnee, macht das den Sport erst richtig schee [schön]..."

    Ach, neinneinnein, so geht das doch nicht!
    Sicherlich, der Refrain: "Es lebe der Sport, ..." ist zum Mitgrölen, aber die Strophen doch nicht!
    Das Lied ist eine Satire auf allzu sensationslüsterne Sportübertragungen im Fernsehen, deswegen singt Rainhard Fendrich auch in der Radio- und Schallplattenfassung die Strophen mit einem lässig sarkastischen Tonfall! Das ist die Qualität dieses Liedes! Nur..., kann man das wirklich nicht auf die Bühne bringen? Bühne ist doch nicht nur "das Publikum zum Kochen bringen", Bühne ist auch Theaterspielen. Ich erzähle doch bestimmt nichts Neues, wenn ich mir vorstelle, dass Musiker auf der Bühne nicht nur die Halle zum Beben bringen sollten, sondern auch, um eben ihre eigenen Stücke ihrem Charakter entsprechend auf die Bühnen zu bringen, in gewisser Art und Weise auch Theater spielen könnten. Den Sarkasmus auf der Bühne gespielt, warum soll das unpassend für ein Popkonzert sein oder gar eine biedere Spaßbremse? Warum besteht ein gutes Konzert nur aus den beiden Extremen Partykracher oder Ballade? Ein guters Konzert kann doch aus noch mehr bestehen als nur Mitgrölen und Feuerzeugmeer, warum nicht auch eine gelungene, überzeugende Bühnenaufführung in der Art, die charakterlichen Klangfarben einzelner Stücke auf die Bühne zu bringen und dadurch das Konzert auch abwechslungsreich zu machen.

    Dieses Rainhard-Fendrich-Stück hatte mich unmittelbar wieder an Glasperlenspiel erinnert, weil sie aus meiner Sicht genauso ungeschickt sind. Natürlich verständlich, die beiden wollen ihr Publikum anheizen, nur ist es unglücklicherweise bei einem Lied sogar hörbar, dass das so nicht geht, dass es dafür nicht geeignet ist und eigentlich anders auf die Bühne gebracht werden müßte: Daniel hatte seine liebe Not, mit diesem energisch treibenden, anstachelnden Tonfall so tief zu singen, wie es bei "Grenzenlos" nötig ist. Bei "Alles auf Anfang" mußte er sogar kapitulieren, so tief kann man in diesem Tonfall nicht singen.

    Doch was er daraus gemacht hat, das möchte ich an dieser Stelle doch mal deutlich betonen, ist eine musikalische Glanzleistung. In Ulm fiel mir das sofort auf und in Memmingen kam ich noch einmal in diesen Genuß: Er hat die Refrains eine Quinttonstufe über der eigentlichen Tonlage gesungen, sogar unter Beachtung, dass man bei bestimmten Tönen, -über dieses Problem bin ich selbst schon einmal gestolpert-, die Tonstufe um eins reduzieren muß ("...ja ich bin STARTklar...").
    Ganz echt:
    Das hat mich begeistert! Spitze!

    Jedoch gäbe es dieses Problem, nicht so tief wie nötig singen zu können, gar nicht, wenn man die beiden Lieder anders auf der Bühne zur Aufführung brächte: Wenn Carolin und Daniel nicht mit der Motivation "He, super, Leute, stark, dass ihr alle da seid, wir sind voll gut drauf und spielen gleich mal unsere Lieder für euch" auf die Bühne stürmten und loslegten, sondern sich selbst mit der entsprechenden Motivation einbremsten: "He, super, Leute, stark, dass ihr alle da seid, aber jetzt paßt mal auf, Ruhe, ruhig, wir wollen euch erst mal was erzählen", dann könnte Daniel auch so tief singen und für meinen Geschmack könnte dadurch der Charakter der Lieder besser zum Ausdruck kommen, vielleicht auch unter Zuhilfenahme eines kleinen Bischens Theaterspielen: Das fasziniert Leidenschaftliche in "Grenzenlos" und das sinnierend Nachdenklilche, Leidenschaftliche in "Alles auf Anfang". Warum soll das auf der Bühne nicht beeindruckend rüberkommen?

    Ich hätte die Idee, dass so viel besser der echte Glasperlenspielklang auf der Bühne zu erleben wäre, weil ja auch sehr viele ihrer Lieder deutlich zwischen den beiden Extremen Partykracher und Ballade angesiedelt sind, schon allen, weil sie so extrem abwechslungsreich sind. Und ich würde natürlich hoffen, dass man so öfters auf die Gitarren verzichten könnte... (so, aber jetzt hör ich auf, über die Gitarren auf der Bühne rumzunörgeln)

    Aber was rede ich, vielleicht liege ich ja total falsch!
    Vielleicht war es für Carolin und Daniel schon im Jahre '11, als sie alles auf Anfang setzten, klar, daß, sobald sich die Möglichkeiten dazu ergeben, sie mit Gitarristen und Schlagzeuger auf der Bühne stehen und es krachen lassen.
    Werde ich es je erfahren? Oder begreifen und akzeptieren, dass es tatsächlich so ist?


    Sollte es jedoch anders sein, verleitet es mich zu einer ernstgemeinten Mahnung:

    Echt bleiben!


    Auch auf der Bühne.
    Oder sogar noch mehr:
    Echt bleiben, auch wenn die Verlockungen noch so groß sind!

    Ja, es klingt so, als wäre ich besorgt. Ich bin ja schließlich auch ein Waldschrat. Und Grund zur Sorge gäbe es vielleicht allemal, hat doch die Musikbranche oder der Starrummel schon genügend hoffnungsfrohe oder ahnungslose oder wehrlose Seelen verschlissen. Aber ich bin auch deswegen besorgt, so weit möchte ich mir heute in dieser nachdenkliche Jahreszeit herausnehmen auszuschweifen, weil ich sehr um das Leben allgemein besorgt bin , das von dem ständig zunehmend um sich greifenden Turbokapitalismus unablässig gedehmütigt, gequält, entmutigt, gejagt, entwürdigt, mißbraucht und der Hoffnung beraubt wird und dadurch bis heute überhaupt nicht seine überwältigende, kosmische Pracht und Schönheit entfalten konnte.

    So manches Mal sind es glitzekleine Augenblicke, in denen ich erahnen kann, wie sehr die meisten, von Erfolg, Vergnügungssucht, Anerkennung und Wohlstand getrieben, am wahren, am echten Leben vorbeizuleben scheinen. Schon beispielhaft könnte man die genannte Jahreszeit anführen, die zwar Ruhe, Harmonie und Nächstenliebe vorgibt, sehr viel treffender und ehrlicher jedoch wohl nur mit Konsumterr*rismus zu umschreiben ist. Und Auslöser dieser alljährlichen Zinnobers ist ein schon längst verstorbener Einzelner, von dem auch heute immer noch hartnäckig behauptet wird, dass er es richten wird, die Welt eine bessere zu machen.

    Nein! So funktioniert das nicht!
    Das hat sich schon vor 2000 Jahren gezeigt und auch die jüngere Zeit hat es bestätigt: Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Nelson Mandela, alles herausragende Persönlichkeiten, drei der ganz wenigen nicht politischen und nicht militärischen Namen, die es in die Weltgeschichte geschafft haben, die etwas veränderten. Jedoch, den Lauf der Welt konnten sie dennoch nicht aufhalten, nein, es ging und geht trotzdem immer weiter in den turbokapitalistischen Wahnsinn, und seit dem Fall des Eisernen Vorhangs, der Mauer, seit der Wiedervereinigung sogar nahezu ungebremst. Nein, ein einzelner kann es nicht richten, die Welt eine bessere zu machen! Wirklich nicht!

    Wenn die Welt wirklich eine bessere werden soll, dann ist das eine Aufgabe ALLER!

    Doch selbst das ist noch zu wenig! Es funktioniert nicht, einfach eine bessere Welt machen zu wollen, viel wichtiger ist zu verstehen, wie es geht, welche Veränderungen was bewirken, damit nicht über unbedachte sogenannte Wirkungszusammenhänge, über unbeachtete Folgen einzelner Veränderungen genau das Gegenteil rauskommt. Und noch wichtiger ist es zu verstehen, wodurch diese Welt überhaupt so schlecht und ungerecht geworden ist, um nämlich das Übel an der Wurzel anzupacken, um diejenigen Störfaktoren zu beseitigen, die die Veränderungen für eine bessere Welt behindern, blockieren oder gar unmöglich machen.

    Wenn man die Welt eine bessere machen will, dann muß man sie erst einmal verstehen und damit unmittelbar verbunden muß man auch das Leben, das Lebendigsein verstehen.

    Und dieses Verstehen könnte man vielleicht auch mit zwei Glasperlenspielzitaten umschreiben:
    Wenn man WAS BEWEGEN will, um diese Welt eine bessere zu machen, dann muß dazu das Leben in dieser Welt erst einmal ECHT werden.

    Verstehen, das ist ganz wichtig!
    Wobei ich ermuntern möchte: Es geht nicht darum, dass jeder restlos alles versteht. Das geht auch gar nicht. Und es geht auch nicht darum, büchereiweise die dicksten Wälzer durchzupauken. Vielleicht reicht es unter Umständen schon, wenn man mit offenen Augen und wachem Geist möglichst unverblendet durch den Tag geht. Besser wäre es natürlich, sich auch aktiv darum zu bemühen, die Welt zu verstehen, doch auch da könnte es möglicherweise schon genügen, wenn man sich auf das beschränkt, was der eigenen Interessenslage am nächsten kommt. Das wäre eventuell sogar noch erfolgsversprechender, weil man sich in Dinge besser vertiefen und sie verstehen kann, wenn sie einen interessieren.

    Und wenn man dann alle, die ein oder ein paar Aspekte dieser Welt und des Lebens verstanden haben, zusammennimmt, dann haben sie gemeinsam die ganze Welt und das Leben verstanden, die beste Voraussetzung, um die Welt eine bessere zu machen. Dann gibt es auch keinen Einzelnen, von dem erwartet wird, das er es richten wird, sondern dann kommen Glasperlenspiel voll zum Zug:

    "Wir woll'n was verändern, wir sind nicht allein, uns're kleine Welt könnte schöner sein"


    Viele winterliche Grüße

    Traumwaldschrat

    (#24)




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    Verstehen - und der Mut dazu

    Verstehen-, das finde ich wichtig!
    Wenn man die Welt eine bessere machen will, dann muß man sie verstehen.
    Doch einen wichtigen Aspekt dabei habe ich noch vergessen:
    Eventuell erfordert es Mut!
    Denn wenn man sich daran macht zu verstehen, gerade, warum diese Welt so schlecht und ungerecht geworden ist, dann stößt man dabei vielleicht auf Dinge, auf Tatsachen, die einem unangenehm sind, die das gewohnte Weltbild ankratzen, die man eigentlich gar nicht wissen will, die das Weltbild vielleicht sogar ins Wanken bringen, die verstörend sind oder die Angst machen.
    Ja, das stimmt!

    Doch ich möchte ermutigen: Davon stirbt man nicht!
    Wirklich!
    Das, was ich von dieser Welt schon weiß, ist sogar noch mehr als verstörend, eigentlich grauenhaft, entmutigend, gar hoffnungslos! Dennoch bin ich, wie man hier vielleicht bemerken kann, davon nicht umgekommen, nein, eher das Gegenteil! Ich bin fasziniert!
    Das klingt unpassend und total plemplem, trifft aber genau den Kern, denn das, was die Welt so schlecht und ungerecht macht, ist nichts übermächtig-mystisch-undurchschaubares oder unausweichlich unveränderbares, was man eben so hinnehmen muß, sondern sind im Grunde genommen relativ einfache, durchschaubare Zusammenhänge, die man relativ einfach -verstehen- kann; Zumindest im Grundprinzip, die Details sind dann schon schwieriger, aber nicht unüberwindbar. Deswegen, weil es so einfach ist, bin ich eher begeistert und würde dieses Verstehen gerne teilen, mitteilen; sofern es mir gelänge, es für andere verständlich zu machen.

    Deswegen möchte ich ermutigen zu verstehen: So schlimm ist es gar nicht!
    Eher erstrebenswert, weil erleichternd, wenn sich das bedrohlich wirkende Dunkel dieser schlechten und ungerechten Welt in Klarheit auflöst:
    Ach, so ist das ?!


    Man könnte es auch anders sehen: Wenn man schon dazu Mut aufbringen muß, warum es dann nicht einfach als Abenteuer betrachten? Es gibt im Leben so viele Dinge, wo die meisten sich ohne mit der Wimper zu zucken ins Abenteuer stürzen, das erste Treffen mit dem oder der Angebeteten, der erste gemeinsame Urlaub, das erste Mal, aber vielleicht auch der erste Tag in einer neuen Klasse, der Eintritt in einen (neuen) (Sport-)Verein, nach der Schule der Start ins Berufsleben oder wenn man sich "ganz toll unanständig" fürs Kinderkriegen entschieden hat, alle das ist sehr abenteuerlich!
    Tja, das ganze Leben ist ein Abenteuer, warum soll man sich dann nicht einem weiteren hingeben, indem man es wagt zu verstehen?
    Ist doch spannend!

    Und prinzipiell erleichtert Verstehen so manches!


    Sogar noch eine Ermutigung hätte ich; Glasperlenspiel singen:
    "...das hier ist für die Macher unter all den Verpeilten, für die, die lesen -zwischen den Zeilen!"
    Wäre das kein Anreiz, sich beim Anhören dieses Liedes "Laßt uns was bewegen" auch noch angesprochen zu fühlen?

    Es hört sich hochtrabend an, aber für mich war und ist dieses Lied eine Genugtuung, vor allem, wenn ich mich der Illusion hingebe, es sah so aus, als hätte ich auf den Konzerten sogar Blickkontakt mit Carolin gehabt (Ah, Wahnsinn!):
    (Zwar nicht direkt dieses Lied, aber) Carolin hat für mich gesungen!
    [Jaja, träum schön weiter!]
    [Gern! {Schmelz!}]


    Sogar Glasperlenspiel selbst geben eine Ermutigung, singen sie doch:
    "Das ist für all diese Kämpfer auf Erden, für die, die es sind und..."
    Aufgepaßt, ganz wichtig:
    "...für die, die's noch werden..."

    Also, los!


    Viel Spaß

    Traumwaldschrat

    (#30)



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  10. Nach oben   #10

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    Fanclub

    Ich hatte mal wieder noch ein wenig in Glasperlenspiels Facebook-Tagebuch geschmökert.

    Ein Interview mit Daniel über ihr Bühnen-Setup. Das ist wirklich nur für Nerds! Da wird einem die Systembeschreibung nur so um die Ohren gehauen!


    Und ich fand die erneute Werbung für den Glasperlenspiel-Fanclub, der Eintrag vom 2.Februar.
    Was ich daran bemerkenswert finde: gerade vier Tage nach meinem letzten Forumbeitrag!
    Hmmm, da könnte ich mir einbilden (jaja, ich bin total eingebildet!), dass dies als Wink mit dem Zaunpfahl und indirekte Antwort zu sehen ist, weil da jemand doch meine Beiträge mitgelesen hat und doch irgendwie gerne etwas dazu sagen wollen würde (totaaal eingebildet, gell?).
    Öhm, ...nun ja, einfach als Musiker hier im Forum anmelden...

    Ach so, ja, Werbung, ich könnte mich ja im Fanclub anmelden!
    Tja, da muß ich aber leider enttäuschen: Nein, Nein, Nein! Das mach ich nicht!
    Ja dann... selber schuld!...?
    Nein, auch nein!
    Das ist nicht Dummheit oder Bequemlichkeit oder gar Überheblichkeit, sondern das mache ich aus Überzeugung nicht, aus "politischer" Überzeugung!

    Denn in meinen Augen ist facebook, genauso wie twitter, google und das ganze Gschwerl nur mit Globalisierungsterr*r zu beschreiben, die systematische Entmenschlichung, "Verkapitalisierung" [Es interessiert nur, wie der einzelne Mensch zur Profitsteigerung nutzbar ist] und Gleichschaltung der gesamten Menschheit, die Zugang zum Internet hat, zugunsten einer ungebremsten Macht- und Profitgier einiger weniger; erst letzte Woche war darüber ein Artikel in einer Tageszeitung, der diese "Hinterhältigkeit" erstaunlich offen beleuchtet hat.
    -Für mich genauso wesentlich ist noch ein anderer Aspekt:
    Jeder, der hip ist, jeder, der etwas auf sich hält, also eigentlich alle, sind bei facebook angemeldet und nutzen natürlich jeder für sich die dadurch gebotene Möglichkeit, auf der eigenen "Pinnwand" groß und breit zu erzählen, was man gerade macht und was man alles toll findet und bemerkt dabei gar nicht, dass er damit der Kontrolle oder gar Überwachung Tür und Tor öffnet, denn wenn alle mitmachen, sich bei facebook über sich und sein Leben auszutauschen, bedeutet das, dass alle Fäden der Kommunikation, Informationen über Vorlieben und Interessen, bei facebook, bei einem einzelnen Internetdienst zusammenlaufen, und wenn man dort, wo alle diese Fäden zusammenlaufen, jemanden hinsetzen würde, der an eine weltweite Kontrolle und Überwachung auch interessiert ist, könnte aus facebook plötzlich ein globaler Überwachungsstaat werden.
    -Es erscheint zwar unglaublich praktisch, ohne viel Mehraufwand und ohne zusätzliche Kosten alles aus einer Hand zu bekommen, aber durch diese Zentralisierung der gesamten Freizeit-Internetaktivitäten und multimedialen Kommunikation entsteht an einem einzigen Punkt unglaublich viel Macht und das ist schädlich!

    Deswegen melde ich mich nicht an, um dadurch so gut wie es geht facebook und diesen Globalisierungsterr*r zu boykottieren. Im Gegenteil, ICH nutze facebook aus, weil ich mich in dem Tagebuch über Glasperlenspiel informiere, OHNE angemeldet zu sein, also ohne dass facebook über mich ein lukrativ verwertbares Bewegungs- und Interessenprofil erstellen könnte! (Es sei denn, dass im Internetcafe wider Erwarten {auch wider Erwarten der Betreiber} die blöden Webcams, die ich ständig vergesse wegzudrehen, schon mit dem Aufrufen der entsprechenden Seiten mich filmen, optisch erfassen und so ein Interessensprofil dieser einen Person da erstellt wird. {oder übernehmen das, ohne dass es jemand auch nur ahnen würde, die ach so sicherheitsrelevanten Raumüberwachungskameras?} ---Ach nee, glaub ich doch nicht, da müßte doch schon längst der Chaos-Computer-Club Rabatz geschlagen haben)

    Nein, ich melde mich nicht an,
    selbst wenn dann Glasperlenspiel endlich das Tourfoto von Memmingen veröffentlichen würden (auf dem ich meine, drauf, nicht verdeckt, zu sein, denn ich habe die Linse der Kamera gesehen, also hat die Kamera mich gesehen), oder selbst wenn Glasperlenspiel dann mit mir persönlich kommunizieren wollen würden.

    Ja, schon gerne, aber hier im Forum, mit ".de" und ohne Globalisierungsterr*r! Dazu ist ein Forum ja da, um sich auszutauschen! Aber etwas datensicherer!


    Ich verstehe es sowieso nicht, warum Glasperlenspiel zugunsten einer einfachen Handhabung und angeblich besseren, multimedialeren und populäreren Verfügbarkeit des Fanclubs in gewissem Sinn die Verantwortung ihrer Fanwebung an facebook abgegeben und sich so in meinen kritischen Augen an facebook "verkauft" haben.
    Den Spieß umdrehen!
    Natürlich kann man mit facebook noch mehr Fans erreichen, aber das sollte doch wirklich nur WERBUNG sein, denn das Maß aller Dinge sollte der eigene Internetauftritt sein. Wenn sie schon im Besitz einer eigenen Internetseite "Glasperlenspiel.com" sind [wo ich mich noch zusätzlich an dem .com stören könnte, aber verständlich, die Asperger Kleinkunstbühne war halt wohl früher dran, -oder haben die beiden solche Staraspirationen, dass sie trotz des deutschen Gesangs wie Rammstein und in die Fußstapfen Kraftwerks tretend musikalisch die Welt erobern möchten? Gönnen tät ich's ihnen ja!], sollte es doch mit vertretbarem Aufwand möglich sein, ALLES, was ein Fan interessieren könnte, auch dort zu präsentieren! Als Inhaber einer eigenen Webdomain sollte man doch auch uneingeschränkte Zugriffsrechte haben, um die Internetseite , zum Beispiel im Rahmen eines Tagebuches, ständig zu aktualisieren, also eben DORT das Tagebuch (Glasperlenspiel.com/tagebuch) oder eben dort der Fanclub (/fanclub). Wo denn auch sonst als direkt bei Glasperlenspiel, aber ohne facebook, das braucht's dazu doch gar nicht.
    Glasperlenspiel, alles Interessante für die Fans ohne Fremdbeeinflussung aus einer Hand, aus der eigenen Hand!
    Wo bleibt der Ehrgeiz?
    Nein, eigentlich ist es mehr:
    Wo ist das Pflichbewußsein? Gegenüber der eigenen Idee!
    Wenn man "Ich bin ich" und "Echt" sein will,
    wenn "Wir woll'n was verändern...",
    dann gehört da auch dazu, so gut wie es geht möglichst alle Fäden in der eigenen Hand zu behalten!
    Sonst kann jemand, der davon nichts versteht oder sogar absichtlich dagegen ist, dazwischenfunken und dann funktioniert das nicht!


    Wie gern hätte ich mich "direkt bei Carolin und Daniel" angemeldet, auf Glasperlenspiel.com, so wie ich mich beim Musikforum.de angemeldet hatte, grundsolide, mit hohem Datenschutz, ohne Glabalisierungsterr*r, ohne dass Cyberbots zu meinem Teilnehmernamen ein Bewegungsprofil erstellen und analysieren, wie sich daraus Profit schlagen läßt, und ohne dass ich dadurch allzu leichtfertig eine mögliche Überwachung begünstige.


    Ach ja, bei der Gelegenheit: Was ist eigentlich mit dieser ominösen Glasperlenspiel-fanclub.de (.de!) Seite, auf der nur zwei unsinnige Keine-Ahnung-Links angezeigt werden? Das wär doch was, um den Globalisierungsterr*r zu boykottieren.


    [Und außerdem:
    wozu eigentlich überhaupt facebook?
    Das Internet ist doch multimedial, überall verfügbar, man kann sich (im Forum) mit Gleichgesinnten vernetzen, man kann in Chats und Foren seine Meinung kundtun, und mit einem vernünftigen E-mail-Postfach (Internet made in Germany) mit hohen Sicherheitsstandards und der angebotenen Möglichkeit verschlüsselter Anmeldelinks für andere Internetseiten (war doch so, oder? Hab's jetzt gar nicht mehr gefunden) braucht man sich auch so nur einmal anmelden und hat Zugang zum gesamten Netz, was seiner oder ihrer Interessenslage entspricht. Alles Qualitäten, die das Internet von Haus aus hat, es braucht also gar kein facebook; facebook ist doch sozusagen nur ein Internet im Internet - so'n unnützer Blödsinn!]


    Traumwaldschrat

    (#31)


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    Verstehen / Neues von Glasperlenspiel

    Eigentlich wollte ich hier über so etwas erst mal nicht mehr reden, aber es paßt von der Aktualität her einfach nicht besser, hatte ich mich doch um Silvester herum erst über das Thema Verstehen ausgelassen, und außerdem muß ich mich wenigstens einmal irgendwo darüber aufregen:

    In der "heute show" am letzten Freitag konnte man es sehen und ich finde es schon reichlich unverfroren, was unser aller Bundespräsident sich da geleistet hat! Vor versammelter Mannschaft Vertreter der Bankenbranche stellte er sich hin und meinte in etwa, sie (seine Zuhörer) können glücklich sein, dass die Bundesbürger so wenig vom Bankenwesen verstünden, sonst wäre morgen Revolution.
    He, ich weiß nicht, geht's noch!
    Er behauptet, wir alle seien zu blöde, um etwas von Banken und Geldwirtschaft zu verstehen, und findet das auch noch richtig so und vermittelt so gegenüber seinen Zuhörern den Eindruck: Macht nur ruhig weiter mit euren undurchsichtigen, schmutzigen Geschäften, es versteht ja eh keiner!

    Und so jemand schimpft sich Bundespräsident! Kann man den auch absetzten?


    Doch es gibt mir eben auch ganz aktuell noch einmal Anlaß, darauf aufmerksam zu machen, was ich in meinen Beiträgen im Dezember und Januar vermitteln wollte:
    Verstehen ist ganz wichtig!
    Gerade, wenn die Welt eine bessere werden soll!
    Oder einfach, um sich nicht übers Ohr hauen zu lassen!

    Ich finde, man könnte sich doch den Scherz erlauben, es doch zu verstehen, was die Vertreter des Bankenwesens so treiben und vorhaben und es dann ganz revolutionshaft anprangern, zum Beispiel darüber reden, zum Beispiel im Internet! Dann täten die aber ganz schön dumm aus der Wäsche gucken!
    -Fänd ich spannend, denen so unerwartet einen Strich durch die Rechnung zu machen! Von wegen, es versteht keiner!

    Ja,da zeigt es sich eben:
    Verstehen!
    Ganz wichtig!


    ---

    Was gibt es seit Februar Neues von Glasperlenspiel?

    Aha! Sie touren jetzt wieder!
    Und ne neue Single gibt's demnächst! Oho!
    "Moment"
    Halt, Moment mal, den Titel kenn ich ja noch ganr nicht!
    Also ganz neue Musik!
    Ist es das, was sie im Januar in ihrem Tagebuch meinten:
    "Neues Jahr, neue Songs"
    Spannend!


    Sogar ein ReReRel...? (Was für'n Ding?) -Album gibt's noch oben drauf! Ja hoi!
    Und bei Glasperlenspiel ist auf einmal auch noch alles Blauviolett!
    UND auch noch auf dem Titelbild...! Hmmm? Lieg ich irgendwie doch falsch...?


    Re-Edition!
    Was soll ich jetzt davon halten? Werd ich für Popmusik jetzt doch langsam zu alt? Falsch und zu alt, oje!
    Neu ist mir so ein Vorgehen jetzt nicht, aber macht man das heutzutage so? Früher ("...war die Welt einfach besser", Glasperlenspiel) war das ein wenig übersichlicher, so scheint es mir zumindest in der von langjährigen Schallplattenflomarktbesuchen beeinflußten Rückschau, da gab es ein Album und daraus die Singles und dann das nächste Album, wieder mit Singles, und so weiter. Einzige Ausreißer waren da Singles, die nie auf einem Album erschienen, "Get the balance right" (Depeche Mode) ist ein prachtvolles Beispiel dafür, aber das ist ja noch nicht so kompliziert, man muß es halt nur wissen. Doch heutzutage gibt es ein Album, mit Singles, und dann irgendwie ein neues Album, das aber doch nicht neu ist, weil nur ein paar Lieder darauf neu sind, also eigentlich doch das alte, aber irgendwie halt doch nicht ganz... Es scheint, als wäre das früher etwas geradliniger gewesen. Ich werd halt doch alt, wenn ich mich jetzt an so etwas störe.
    -Es macht die Sache halt ein wenig ungenau, vor allem auf Flomärkten oder bei Bestellwünschen, hatte ich ja schon: "Ich hätte gerne dieses Album, aber bitte nur die zweite Edition"


    Ähnlich ungeschickt finde ich es, wenn Album und eine Single daraus den selben Titel haben, ...
    [Gell, nur am Rumnörgeln, der Kerl! [Hatten wir ja schon mal] Jaja, mit mir haben sich Glasperlenspiel keinen leichten Fan geangelt. Bestimmt haben sie es schon verflucht, dass es das bedienungsfreundliche Internet für Jederfrau/mann bereits seit 1993 gibt...]
    ...seitdem ich den Begriff des Konzeptalbums kenne, bin ich sogar... nein, nicht dagegen, das wäre ja lächerlich, aber ich bin anders herum einfach begeistert von dieser Idee und es muß ja nicht gleich ein Konzeptalbum sein, doch ich finde diesen Gedanken einfach wunderbar kunstvoll, wenn man einen Albumtitel auswählt, der, ohne mit einem der Liedtitel identisch zu sein, möglichst treffend alle auf dem Album vorhandenen Titel zusammenfaßt oder umschreibt, ihnen einen Rahmen gibt.



    Ursprünglich dachte ich, dass "Moment" eben so eine Singleveröffentlichung ist, die auf keinem Album erscheint; hätte ich schon edel gefunden. So ist es natürlich noch besser, gleich sechs neue Lieder von Glasperlenspiel dieses Jahr, wo ich mich doch schon auf die große Hungertour (nicht Hungergames) bis nächstes Jahr gefaßt gemacht hatte, nachdem sie, entgegen dem, wie es mir von Kraftwerk, O.M.D. oder Depeche Mode her bekannt ist, offensichtlich nur alle zwei Jahre ein neues Album herausbringen.

    Da bin ich echt gespannt, was es da zu hören gibt. Mal schauen, vielleicht gönne ich mir dieses Album ja, wenn es es gibt, ohne aufwendige Bestellung als Schallplatte...
    He! Ich hab ja nicht schlecht Bauklötze gestaunt (also jetzt nicht der Lego-Film, der kommt noch):
    Seit letztem Jahr kann man hier in diesem Kuhkaff (->Allgäu = Kühe) handelsübliche, aktuelle Schallplatten kaufen, also Linkin' Park, Bastille, Lorde, Cro, Daft Punk, Jason Derulo, Elli Goulding, Sportfreunde Stiller, Revolverheld, FloRida oder ich weiß nicht mehr genau, was ich alles gesehen hatte, auf schwarzer Vinylscheibe. Ich war total aus dem Häuschen! Nicht, dass ich Interesse hätte, diese zu kaufen (doch, Lorde), aber ich staune, "hier auf dem Land" und dass die aktuellen Interpreten in Zeiten von mp3-Downloads, wo sogar die CD schon irgendwie zum alten Eisen gehört, so konsequent auf ein Medium setzen, das eigentlich schon totgesagt ist. Das hatte mich ja vor sieben oder zehn Jahren schon erstaunt, dass es überhaupt aktuelle Neuveröffentlichungen auf Schallplatte gibt. Und jetzt könnte ich sogar hier, fernab der Großstädte, ohne Bestellung nur mit zwei mal Umfallen aktuelle Schallplatten kaufen.
    Das sieht ja fast so aus, als würde die Welt doch ein kleines Stück eine bessere...


    Grüße

    Traumwaldschrat

    (#35)


    [Wenn hier unten in meinen Beitrag (im unangemeldeten Zustand) eine Werbung erscheint, dann habe ich damit nichts zu tun, sie gibt keinesfalls meine eigene Meinung wieder, was ich als beachtenswert erachte]

  12. Nach oben   #12

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    4.7.14
    16.7.14

    Jajaja, ich weiß!
    Aber Glasperlenspiel haben eine solche Flut an Ideen ausgelöst, was ich zu ihren neuen Liedern sagen möchte, dass es leider noch eine Weile dauert. Vielleicht sogar eine ganze Weile...

    Traumwaldschrat

    (#36)


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  13. Nach oben   #13

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    Wer weiß, wie weit die Reise geht / Tagebuch (1. Teil 4.7.14)

    [Wenigstens "a bissle" gibt es jetzt schon zu lesen, den Rest muß ich noch tippseln (die Finger glühen schon!)]

    "WER WEISS, WIE WEIT DIE REISE GEHT"

    Kann sich jemand noch, ohne den Text gleich wieder hochzurollen, daran erinnern, wie hübsch ich das Bild mit diesem Bildtitel im Textheftchen fehlinterpretiert hatte?

    Nun ja! So fehlinterpretiert finde ich das gar nicht, gerade aus jetziger Sicht. Gut, Flucht vielleicht nicht, aber irgendwie doch eine erstaunlich ehrliche, echte Darstellung von Carolins und Daniels Lebenssituation: Wer weiß, wie weit die Reise geht. -Ja, wenn die Fans ausbleiben und keiner mehr ihre Platten kauft, kann es doch sehr schnell zu Ende sein mit der Reise über die Konzertbühnen dieser Welt. Zum Beispiel, wenn andere Musiker oder Musikgruppen dann doch Glasperlenspiel ihre Fans abwerben. Deswegen Carolins Blick zurück: "Oh, verdammt, sie kommen immer noch hinter uns her!" Ich hatte damals ganz speziell Frida Gold im Sinn, aber auch Ellie Goulding und Katy Perry, die immer noch hinter Glasperlenspiel herkommen. "Roar" finde ich einfach ein ganz tolles Synthiepopstück, schön moll, schön elektrisch brummend. Ellie Goulding ist für mich noch erstaunlicher, wie fein sie ihr "Burn" mit schwebenden und märchenhaft klingelnden Klangfarben ausgemalt hatte, richtig betont elektronisch. Und Frida Golds "Die Dinge haben sich verändert". Dieses Lied hatte ich zwar nie richtig gehört, immer nur zwischen Tür und Angel, dennoch war da diese melancholische Melodie, die mir fast noch besser gefallen hatte als "Nie vergessen".

    Die Situation mit Frida Gold finde ich sowieso verblüffend: Wie parallel diese Musikgruppe mit Glasperlenspiel ging. Beide Bands hatten relativ zeitgleich ihre Debütsingle in der Hitparade auf Bayern3 platziert, beide Singles waren betont Synthiepop und auf deutsch, beide waren textlich auf ehrliche Selbstfindung oder so ausgerichtet und beide hatten ihre Macken, weswegen ich sie nicht ganz gut fand, Glasperlenspiel, weil das Lied zu abwechslungsreich, zu wild, zu krachig war, Frida Gold, weil sie das Lied mit der Mundharmonika versemmelt hatten. Erst mit der zweiten Single schoben sich Glasperlenspiel nach vorn. -Doch beide Gruppen machten eine zwei- statt einjährige Schaffenspause, beide brachten im Frühling '13 ihre neue Single heraus, beide veröffentlichten zum Sommer '13 hin ihr neues Album...
    also ich find das schon komisch!

    Glasperlenspiel hatten für mich im Herbst '13 auf jeden Fall noch lange nicht den Rücken frei. Jemand war ihnen noch auf den Fersen. Ich zweifelte noch ein bischen, welche Musik ich besser fand. Da war ja noch Frida Gold...
    Wenigstens schien es so, als kamen zumindest keine neuen, beachtenswerten Bands mehr nach... So furchtbar langweilig und uninteressant, schon fast nervig, fand ich die Bayern3-Hitparade schon lange nicht mehr wie im November, Dezember '13. Zum Beispiel Martin Garrix. Eigentlich ja von herrausragend technischer Brillanz, was dieser Jüngling aus den Niederlanden da abgeliefert hatte, aber es war halt keine Musik, lediglich ein interessantes Experimentierstückchen, und wenn man es mehr als drei Wochen in der Hitparade hören muß, ist es halt nur noch Gestampfe, Gequäke, Gegrunze, Gezerre und Gestolper. Vor allem, weil es ja nicht das einzige blieb: Ursprünglich dachte ich, dass diese Unmusik etwas eigenes, neues von diesem jungen Kerl war, von daher hätte ich ja noch Respekt gehabt, aber nein, irgendwie hat er auch nur eine Strömung aufgegriffen, denn dann kamen ja noch die "Tsunami"-Fritzen mit fast dem gleichen Stück und David Guetta stampfte auch noch mit.
    Och nöö!
    Auch den Rummel um Avicii hatte ich nicht verstanden. Das erste Lied war echt gut, der Rest dagegen doch belanglos.


    Aber offenbar hatten Glasperlenspiel ihre Situation auf dem Popmarkt sehr viel besser, realistischer eingeschätzt, Daniels ernster Blick: "Mist, das könnte Probleme geben"

    In der Tat!
    Die Musik in der legendären Bayern3-Hitparade "Schlager der Woche" wurde im Winter '14 um Welten besser.
    Allen voran:
    Lorde aus Neuseeland!
    Und schon damit punktet sie bei mir. Nachdem ich in meiner Jugend von Peru mit dem höchstgelegenen Bahnhof der Welt begeistert war (seit 2005 ist er es nicht mehr), finde ich heute (aber nicht deswegen!) Neuseeland das interessanteste Land der Südhalbkugel und freue mich , dass dieses Land neben den "Herr der Ringe"-Filmen nun auch im Bereich Musik aus dem Schatten des großen Bruders mit der fast gleichen Flagge heraustreten kann.

    Doch noch viel mehr punktet Lorde mit ihrer Musik, nimmt sie mich schon fast ein: Wahnsinn! Lorde macht Synthiepop! 100%, ohne jede Gitarre, pur! Und wie gut! Einzig, dass sie mit sich selbst im mehrsimmigen Chor singt, handelt ihr ein paar Minuspunkte ein.
    -->"Royal"
    >Ich finde es erstaunlich:
    Es ist sehr minimalistisch, trotzdem gefällt es mir und das liegt nicht nur am Baß, so ein perfekter, fülliger, satter, glatter Baß!
    -->"Team"
    >Voll und ganz Synthesizer! Ein pulsierender Rhythmus, der sich aus dem Sprachrhythmus heraus entwickelt, prachtvolle, leicht klingelnde Strophen, elektrisch brummige Refrains.
    -->"Tenniscourt"
    >Ach, fies, an irgendein Lied erinnert mich der Anfang...
    (...ähmähmähmähm...mh...ha...ja?...äähm...)
    Ich bin sogar draufgekommen: Es ist ein bischen die Mischung aus den Anfängen von "Sooner than we think" (Camouflage) [Album: Methods of silence] und "And on" (Yazoo) [Album: You and me both]. -He, das finde ich schon spannend: Daß es Zufall ist, damit wäre ich voll zufrieden, aber kennt Lorde vielleicht sogar Camouflage?
    /Diese blechern-metallische, gongähnliche Klangfarbe, das regelmäßige Klicksen und das ausschmückende Tickern, echt stark! Und der Refrain: Propellrig brummend schraubt sich die Baßmelodie schon fast herrlich disharmonisch einmal die Tonleiter runter und wieder rauf! Ein super Stück!
    /Doch was liest man in der Zeitung? Lorde hadert mir ihrem Künstlernamen? Hehehe, nicht doch, Mädle! Lorde ist jetzt Lorde, da gibt's nichts mehr dran zu rütteln! Oder willst Du Dich am Ende noch umbenennen? Nenene, das geht ja gar nicht!


    Welche Musik gab es noch?
    -->"Black saturday" ( Mando Diao):
    >An dieses Lied kann ich mich gar nicht mehr erinnern, aber es hatte einen tollen Ohrwurm und schön viel Synthesizer!
    -->"Midnight" (Cold Play):
    >(Hoffentlich hab ich mir den richtigen Titel gemerkt!)
    Boa, was war denn das? Dieses Stück war nur eine Woche in der Hitparade und genau dann, als ich ausnahmsweise neben dem Hören mich mit etwas anderem beschäftigt hatte. Erst nach der Hälfte hatte ich endlich registriert, dass ich da genauer hinhören muß. Ich glaube, dieses Lied war fantastisch!
    -->"One day {Vandaag}" (Bakermat):
    >Ich finde es eigentlich gar nicht so gut, aber diese hin und her hüpfende, elektronische Melodie ist so spitze!
    -->"Rather be" (Clean Bandit f. Jess Glynne):
    >Toll! Diese piepsige, springende Melodie und in der zweiten Strophe diese knackige Baßmelodie! Nur das Klavier und die Streicher finde ich nicht so gut, aber insgesamt gefällt mir das Lied gut.
    -->"My love" (Route 94 f. Jess Glynne):
    >Dieses Lied ist fantastisch! Richtig toll düster und sphärisch, dieser satte, treibende Baß zum flotten Rhythmus und dazu diese dumpf piepsende 4-Ton-Melodie, super! Nur das Klavier finde ich störend und, dass das Lied eigentlich nach mehr klingt: Man könnte erwarten, dass dies nur der Auftakt ist und es gleich in ganz surreale, schwebende Klangsphären abhebt, -was es aber nicht macht. /Trotzdem ist es für mich eines der besten Stücke des Jahres!
    -->"Dare {Lalala}" (Shakira):
    >Erstaunlich! Das Lied ist durchweg in traurigem Moll und dennoch Partykracher im Refrain! Die Strophen sind schön knackiger Elektropop und die Überleitungen finde ich ganz toll!
    -->"Prayer in C" (Lilly Wood & The Prick f. Robin Schulz):
    >Dies ist die Coverversion eines Liedes, das Mißstände in der Welt anprangert (...verhungern...ihre Häuser zerstört...). Nun könnte man einwenden, daraus ein lockeres, flottes, tanzbares Popstückchen zu machen, ins irgendwie unangebracht. -Schon. Aber ich hätte noch eine andere Idee: Dieses Flotte, Tanzbare hat vielleicht auch etwas Anstachelndes. Dadurch, dass das Lied so gut ist, ist man freudig erregt, und diese Erregung könnte man ja umlenken in Tatendrang, um etwas gegen die angeprangerten Mißstände zu unternehmen. Durch das Lied die "Ach, ich kann doch eh nichts ändern"-Trägheit und -Litargie aufbrechen oder auch betäuben und es gleichzeitig als "Soundtrack" verwenden, während man etwas unternimmt. -Und so locker und flockig ist es auch nicht, denn da sind ja noch diese kratzigen synthetischen Streicher (Synthiestrings)...herrlich! Stark! Trotz Gitarre...
    -->"Auf uns" (Andreas Bourani):
    >Klasse, überzeugender Deutschpop, diesmal wuchtig-pompös!
    -->"Au revoir" (Mark Forster f. Sido):
    >Es zeigt sich: Man kann auch mit deutscher Sprache tolle, düstere, herrlich melancholische, füllige, atmosphärisch dichte Popmusik machen. Einfach spitze! Auch ein paar tolle Reime sind drin! Nur Sidos Strophe finde ich etwas unpassend.


    Und noch ein paar andere Titel, die mir gut gefallen.
    Aber eben ganz besonders: Lorde!
    Und...
    Kaisza!
    Die kanadische Antwort auf Lorde?
    Wahnsinn! Auch Kaisza macht 100% Synthiepop! (Auch sie singt mit sich selbst im Duett, hmpf!) Fantastisch! "Hideaway". Echt super! Fast noch besser als "My love"! Flotter, zackiger, mitreißender Rhythmus, schön poppig-düster in Moll, tolle gegenläufige Hintergrundmelodie und diese hölzernen (oder Xylophon?) Töne, die den Strophengesang einrahmen! Einfach spitze!


    Tja, für mich ist dieses Bild im Textheftchen überhaupt nicht fehlinterpretiert, sondern näher an der Realität, als ich es selbst im Herbst gedacht hätte. Daniels Blick, der vielleicht neue, noch bessere Musiker entdeckt. -Ich hab welche für mich entdeckt und ich werd da schon ein bischen schwach!

    Ja, wenn die Reise weitergehen soll, dann sollten sie auf jeden Fall nicht nachlässig werden, sich lieber anstrengen! Mindestens aus Neuseeland und Kanada kommt starke Konkurrenz, sogar aus Deutschland selbst, mit Mark Forster!


    ---------------------

    NEUES AUS DEM GLASPERLENSPIEL-TAGEBUCH UND SONST SO

    -->Ach so!
    Mark Forster ist gar keine Konkurrenz! Sondern Carolin macht sogar mit ihm zusammen Musik! Das ist ja spannend! -Und das Lied "Hundert Stunden" ist guut! Trotz Gitarre...

    -->Was? Beim Verlag Universal-music konnte man ein handsigniertes Glasperlenspiel-Säckchen mit Murmeln gewinnen? Ach, das ist ja eine süße Idee! Stark!

    -->Das find ich erstaunlich! Glasperlenspiel machen Werbung für PULS, das junge Radio des Bayerischen Rundfunks. Ich meine, es gibt in Deutschland neun öffentlich-rechtliche Sender und ausgerechnet der bayerische wird als besonders herausgestellt. Da fühle ich mich jetzt schon geehrt! -Aber, neinnein, nicht, weil ich ein stolzer Bayer wäre, nein, das bin ich nicht, ich bin ein Schwabe, ein allgäuer Schwabe, und "muß" in Bayern wohnen, weil diese widersinnige bayerische Westgrenze von 1815, die drei Kulturkreise willkürlich durchschneidet (Allgäu,Schwaben, Franken), bis heute nicht geändert wurde. Deswegen sitzt in einem Bundesland, das auf der Landkarte wie eine laufende Hexe aussieht, an deren Wade ein Waltschrat und tippselt wie wild Texte über Glasperlenspiel ins Internet und hört Bayern3.
    /Ich bin mit Bayern3 aufgewachsen und großgeworden, deswegen fühle ich mich geehrt. Trotz der politischen Ungereimtheiten ist das meine Heimatwelle. Wenigstens heißt der politische Bezirk Schwaben. Wenn ich freitags nach der Bayern3-Hitparade das Radio weiterlaufen laß, kann ich PULS hören, und das ist echt nicht schlecht!

    -->Wie? Knatsch gibts? Wegen GZSZ?
    Ja, jetzt gibt's Knatsch!
    He, Leute, jetzt hört auf!
    Ich hab jetzt bald echt keine Lust mehr auf Internet! Es scheint sich immer und immer wieder zu bestätigen, dass das Internet letztenendes doch nur niveauloser Mist ist. Gigabyteweise Belanglosigkeiten (Wow! Super! Geil! Great! Voll krass! Endsfett! Hypersupermegaaffenstark! :P! :o!), nichts, was einen wirklich schlauer macht (außer Wikipedia), gerade in so manchem Forum, aber wenn es etwas zu lästern, diffamieren, kleinreden, herabwürdigen, beleidigen gibt, dann sind auf einmal alle neunmalgscheit mit Feuereifer dabei (am 3.Juli): gejaule [warum taktlos?], SCH..., Katastrophe!, Menschen...quälen! Braucht's solche Beiträge? Nein! Wenn Dir der Song nicht gefällt, kannst Du erklären, was Dir an dem Song nicht gefällt, und wenn Dir dazu nichts Vernünftiges einfällt, dann gefällt er Dir einfach nicht, dann schalt ihn aus, klick ihn weg oder schalt den Computer oder Fernseher ab und gut ist. Das reicht doch, da muß man doch nicht noch so einen unsinnigen Heckmeck veranstalten.
    /-Aber noch viel mehr finde ich die Antworten eine Frechheit: ...ein Seil..., Dü...sch..., ...Horizont..., eingebildete Stadttussen und dann schon fast eine Drohung! He, sag mal, geht's noch! So eine unverschämte Beleidigung! Was ist denn das für ein niveauloser Mist! Sacklzementnomool! So was braucht es doch echt nicht!
    /An Glasperlenspiel gerichtet, könnte ich mich noch einmal wiederholen, dass ein Glasperlenspiel-Tagebuch mit Fanclub auf einer eigenen Internetseite, außerhalb von Facebook, vielleicht doch wesentlich besser wäre, da könnten sie solche niveaulosen Beiträge löschen, oder erst gar nicht veröffentlichen. Eine solche Maßnahme würde vielleicht die Welt ein kleines bischen besser machen, nämlich das Internet etwas gehaltvoller.
    /Ich könnte diese Angelegenheit noch etwas anders sehen:
    Glasperlenspiel sind ja einst in die Zukunft gestartet, um mit ihrer Musik darum zu werben, echt zu sein, unverfälscht. Nun ja, es sei dahingestellt, ob mit diesem Song wirklich bei manchem Fan der Serie diese zerstört wurde, aber wenn doch, dann könnte ich es erstaunlilch finden, dass Glasperlenspiel ihre Botschaft so perfekt in ihre Musik eingebaut haben, sodass sogar eingefleischte GZSZ-Fans bemerken, dass es noch eine echte Welt außerhalb der Fernsehintrigen und Serienschindludereien gibt. Das wär doch was!

    -->Ooh, was seh ich? Glasperlenspiel spielen im Allgäuer Käschtle im Kultkäschtle! Sehr verlockend!

    -->Hab ich ja ganz vergessen zu erzählen: Ich bin sogar schon im Besitz eines Exemplars "Das Glasperlenspiel" von Hermann Hesse, Suhrkamp Taschenbuchausgabe, für zwei Eurotaler auf 'nem Büchermarkt. Einfach mal mitgenommen, man kann ja nie wissen. Der Klappentext liest sich schon interessant, nur ob ich es jemals lesen werde...

    -->Uuh, jetzt wird's spannend! Sie hat ausgesprochen, was ich mir bisher verkniffen habe: "Singt doch amal auf schwäbisch" meinte eine Tagebuch-Teilnehmerin am 23.Juli zum 15.Juli.
    Mich verfolgt so eine Idee ja schon länger, als ich Glasperlenspiel kenne. Sie kommt aber aus einer gewissen Unzufriedenheit heraus. Ich weiß nicht, ob es durch meine Herkunft bedingt ist, aber da ich ja in Bayern leben "muß", stellte sich mir irgendwann die Frage: Warum in der Hitparade eigentlich immer nur bayerisch bzw. damit verwandt österreichische Dialekte? STS, Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich, Haindling, Nicki, Relax, Spider Murphy Gang. Aber sonst? Nur noch'n bischen Plattdeutsch mit Klaus&Klaus und Torfrock, aber das ist ja mehr Spaßmusik, doch das war's dann! Und musikalisch hat mich das eh nie überzeugt, häufig Rock, manchmal Schlager, meistens "Liedermacher" und so. Nur "Schifoan" (Wolfgang Ambros), "Pfüadi Gott, Elisabeth" (Spider Murphy Gang) und vor allem "Lang scho nimmer gsehn" (Haindling) find ich richtig gut!
    /Dabei wird es mir erst jetzt bewußt, dass es eine glänzende Ausnahme gibt, nämlich BAP! Texte im kölsche Dialekt und die Musik jenseits von Schlager, Chanson, "Liedermacher", Balladen oder Spaß- und Gute-Laune-Musik, sondern richtig ernstzunehmender, popfähiger Rock. Mein Problem ist nur: Ich mag keinen Rock.
    /Und es kam ja wirklich überhaupt nichts nach, nicht mal im Rockbereich: Ein kläglicher Hoffnungsschimmer, als damals Gotthard in die Hitparade einstiegen. Dreißig, vierzig, fünfzig Sekunden, von der Anmoderation bis zum ersten Gesang, hatte ich gehofft, dass sie, wenn schon Rock, dann wenigstens auf schweizerdeutsch rocken! -Nein! Nichts!
    /Die Idee blieb jedoch und verfestigte sich durch meine Herkunft und Musikinteresse schnell zu einer konkreten Wunschvorstellung: Synthiepop mit schwäbischen Texten! Das wär doch was! Wenn ich halt Musik machen könnte! Dabei ist diese Idee überhaupt nicht abwegig, sondern vielleicht ist gerade das Schwäbische besonders gut für Popmusik geeignet, wie es Holstuonarmusigbigbandclub (HMBC) mit "Vo Mello bis ge Schopp*rnou" bewiesen: "...die Fiaß händ wäh dau..." (die Füße haben weh getan) singen sie im Refrain und dieses "wäh dau", das betonte auch eine Radiomoderatorin, klingt schon sehr englisch nach "way down". Das Schwäbische scheint dem Englischen sehr ähnlich zu sein.-Na also, wär doch was!
    /Und nun ist da die Idee dieser Tagebuch-Teilnehmerin "Singt doch amal auf schwäbisch" Nun ja: Glasperlenspiel machen Elektropop, Glasperlenspiel sind aus Schwaben...! Mir wird es da schwindelig! -Ich hätte die Befürchtung, dass dies nicht mehr zum Glasperlenspielkonzept paßt, das hätten sie vielleicht, wenn überhaupt, gleich von Anfang an machen müssen.
    Oder...?
    Obwohl, Hermann Hesse war auch Schwabe, aus Calw...
    Velockend klingt das schon: Wenn das funktionieren würde, ohne dass es peinlich wird, richtig überzeugend und gut, das wär... gigantisch!
    -Aber ich wage es nicht, es mir von Glasperlenspiel zu wünschen...


    [Wird natürlich fortgesetzt..., denn es fehlt ja noch die neue Musik]


    Traumwaldschrat

    (#37)



    [Wenn hier unten in meinen Beitrag (im unangemeldeten Zustand) eine Werbung erscheint, dann habe ich damit nichts zu tun, sie gibt keinesfalls meine eigene Meinung wieder, was ich als beachtenswert erachte]

  14. Nach oben   #14

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    Das neue Re-release-Album "Grenzenlos in diesem Moment" (2. Teil 4.7.14)

    [Ach, männo, kleiner Fehler: Bei der Fehlinterpretation zu Carolins Zurückschauen konnte ich wahrscheinlich gar nicht auch "Burn" und "Roar" im Sinn haben, da sie zu dem Zeitpunkt eventuell noch gar nicht veröffentlicht waren]
    [Jetzt fiel es mir ein! Die Überleitungen in Shakiras "Dare(La...)" gefällt mir so gut, denn diese Akkordfolge klingt irgendwie so...geheimnisvoll und sie klingt irgendwie alt, nach 80er. -Ja, genau, jetzt hab ich's endlich! Es klingt genauso wie der Refrain eines Liedes, das ich damals als sehr ungewöhnlich, geheimnisvoll erlebt hatte: "Das Omen [Teil 1]" (Mysterios Art)]


    DAS NEUE RE-RELEASE-ALBUM "GRENZENLOS IN DIESEM MOMENT"

    BILDER

    ->Titelbild:
    Hmmmmmm...?
    Dieses Titelbild gut zu finden, fällt mir schwer.
    Die farbliche Gestaltung finde ich interessant, das Dunkelviolett mit dem leicht violetten, roten Disconebel. Auch Carolins Körperhaltung mit Mimik und Frisur finde ich toll, kunstvoll. Doch dann verließen sie ihn, finde ich zu viele Details, die für mich verpatzt wirken. Daniels Blick vermittelt unpassend: "Boa, schau mal, so'n Blödsinn" und dadurch, dass der Nebel seine Beine verdeckt, die Schuhe aber sichtbar sind, entsteht ein bißchen der Eindruck, als laufe er Carolin gedankenverloren in den Rücken. Carolins Kleidung finde ich unordentlich oder unvollendet. Was ich über so ein Oberteil denke, darüber hatte ich schon geschrieben, aber, ich weiß nicht, die Hose sieht so aus wie "Rutscht immer"-hochgezogen, weil der Hosenbund so stark nach unten läuft. Dadurch finde ich die Nabelschau ungelungen, denn sie wird dreieckig eingerahmt, und zusammen mit der Körperhaltung sieht es so aus, als wäre es unbeabsichtigt, weil das Oberteil zu kurz ist und dadurch beim Zurückbeugen der Bauchnabel frei wird.
    Hmm?
    Ich finde das Bild unvollendet, aber bestimmt habe ich es einfach überhaupt nicht verstanden...

    ->Rücktitel:
    Kann ich leider nicht viel besser finden, "Grenzenlos in diesem Moment" ist auch das nicht. Daß die beiden aus dem Nebel herausragen, finde ich klasse, auch Carolins Blick, markant, aber dass Daniel so betont abgewendet ist, hinterläßt bei mir eher den bangen Eindruck, als hätten sie sich auf dem Weg zu ihrem Glück verirrt. Nönönö, das darf nicht sein! Bitte nicht!

    ->hinter dem CD-Halter:
    He, stark, ein Schattenrißbild... Ach nee, wart mal, man kann ja das Oberteil erkennen und schon fast Carolins Gesicht. Und Daniel hat sich schon wieder abgewendet...? Zumindest gestalterisch konsequent, aber doch schade!

    ->Textheft, alte Bilder:
    Och nöö, das finde ich jetzt schon enttäuschend, einfach neue Bildtitel eingesetzt.

    ->Textheft, neues Bild:
    Dieses Bild finde ich wunderschön!
    Dabei ist es für mich ganz unerheblich, ob es ein echter Schnappschuß ist oder gestellt. Als Schnappschuß ist er echt gut gelungen und wenn es gestellt ist, bin ich begeistert, wie gut und überzeugend die beiden mimen und posieren können! So sieht Lebensfreude aus!
    Hmm... hätte sich als Titelbild vielleicht besser gemacht, oder...?



    MUSIK

    Bis zuletzt hatte ich das Bild mit dem Bildtitel "Wer weiß, wie weit die Reise geht" aus dem Textheftchen im Kopf, bis zuletzt gingen mir Lorde und Kaisza nicht mehr aus dem Kopf, ob ich die vielleicht doch besser fand. Dementsprechend mulmig war mir, als ich die CD einlegte.
    -Völlig unnötig, ich hätte mir gar keinen Kopf machen brauchen! Nachdem ich mich im letzten halben Jahr allzu großzügig in meinen Traumwäldern verlaufen hatte und ich somit außer Hitparade nichts anderes mehr gehört hatte, schlackelte ich nicht schlecht mit den Ohren, "Grenzenlos", "Nie vergessen": He, soo gut ist Glasperlenspiel! Hatte ich ganz vergessen!
    -Und die neue Musik?
    Ach, ich hätte mir wirklich überhaupt keinen Kopf machen brauchen...



    --->"Moment":

    Oh nee, gleich die ersten neuen Klänge Gitarre!
    ...
    Boa!
    Was ist das denn?!
    Was fegt mir denn da in die Ohren?!
    Das?... ist Glasperlenspiel?
    Unglaublich! Fantastisch!
    Die Klangfarben-Stimmungswechsel finde ich bei diesem Lied nicht mehr störend, auch die kleinen Brüche nicht, nur der letzte ist für mich einen Moment zu kurz. Herrlich melancholisch, prachtvoll, füllig, super! Auch den Schluß, der meiner Meinung nach für dieses schöne Lied viel zu schnell und abrupt ist, finde ich passend, die Aussage des Textes in die Liedstruktur eingebaut: "Warum bist du nicht hier?", zack, aus, Schluß, Stille, Leere, Einsamkeit...

    Ja, es funktioniert wirklich! Überzeugend und mitreißend, Synthiepop auf deutsch!

    Da wundert es mich sehr, dass sie dieses Lied nicht auch als CD-Single veröffentlicht haben. Wäre das kein Hit geworden? Dieses Lied müßte doch auch eine Vielzahl von Nicht-Glasperlenspiel-Fans ansprechen. Gerade zur Zeit der Veröffentlichung, nach der Schulabschlußzeit, geschafft, Erfolg, neue Freiheit, vielleicht sogar mit einer besseren Hälfte, auf der Grillparty, im Urlaub, beim Zelten, "in diesem Moment", CD rein, anschalten und vor Glück heulen!


    --->"Für immer dein":

    Boa, super! Noch so'n starkes Stück! Synthiepop! Auch hier sind die Stimmungswechsel viel besser auf einander abgestimmt. Nur diese quietschende Hintergrundmelodie links nervt ein bißchen, aber nicht viel. Den Text in der zweiten Strophe finde ich klasse: die nachgestellten Jede(r)-Dinge!

    Im Refrain dagegen gibt es für mich etwas zu bemängeln, nämlich eine ungeschickte Wortwahl! "...ich bin gefallen, doch..."
    Natürlich kann es im Sinn von "hingefallen, gestolpert" sein oder auch "ins Bodenlose fallen", aber ich finde dennoch, man sollte mit dem Begriff "gefallen" vorsichtig sein, zumindest die Wortwahl so gestalten, dass es möglichst unzweideutig ist, weil er ist leider auch vorbelastet: Gefallen sind Menschen, die im Krieg gestorben sind. Wenn aber ein Mädchen von sich singt, gefallen zu sein, wird daraus leider allzu leicht ein "gefallenes Mädchen", und diesen Begriff finde ich... eine unverschämte Beleidigung! (In diesem Fall wäre es eine Selbstbeleidigung): Ob eine junge Frau schon vor der Ehe mit ihrem Freund Kinderkriegen geübt hat, geht absolut gar überhaut niemanden etwas an! -Nun ja, glücklicherweise haben sich die Zeiten geändert und der Begriff ist heute nahezu bedeutungslos, aber ich finde die Wortwahl trotzdem ungeschickt.

    -Besonders gut gefällt mir, dass das Lied richtig schön, passend und lange ausläuft, auch super passend zum Text: "Für immer dein" und man ist am Ziel, kann sich fallen lassen und wird noch so herrlich lange vom Glück bzw. vom Lied weitergetragen!


    --->"Tief":

    Hehe, was is'n jetzt kaputt! Noch so ein gutes Lied! Langsam wird's unheimlich! Noch eins ohne allzu wilde Klangfarben- und Stimmungswechel, noch eins, eigentlich schade, das gar nicht mehr so BETONT Synthesizer ist, noch eins, dass dafür aber abgerundet, flüssig und atmosphärisch dicht, bester Synthiepop, ist! Super!

    Der Text bietet mir eine Menge interessanter Feinheiten! Ich beschreibe es mal so, ein nicht langweiliges, stetig durchlaufendes Versmaß, sondern eines gegen den Rhythmus, nämlich mit einer Pause, und der Reim ist überraschend gestaltet, entgegen der vorhergehenden Zeile nur aus fünf Silben: "Doch auch die Schattenseiten (Pause) nehmen mich jetzt ein, will doch nur frei sein". Find ich spitze! (Obwohl es kein korrekter Reim ist: "...-ein, ...-eisein" (Betonung!), aber das stört mich gar nicht)

    Und noch zwei Feinheiten, die mir gut gefallen: Zum einen vermeiden Glasperlenspiel eine Gesangsspurenüberlagerung. Anstelle eines übereinandergelegten "auf" und "tief", womit dann zwei Carolins gleichzeitig gesungen hätten, wird beim ersten Mal das "auf" einfach abgetrennt. Zum anderen vermeiden sie eine langweilige, und in diesem Fall vielleicht sogar nervige, Wiederholung, indem sie den Zwielaut unterschiedlich betonen: "...aaaaauf, wieder auuuuuf! Ganz ungewönlich und pfiffig! -Und: Sie singen zweistimmig!


    --->"Wie Sonne und Erde":

    Nein!
    Wahnsinn!
    Was ist denn das für ein Wahsinnsstück!
    Wahnsinn!
    Ich faß es nicht!
    Glasperlenspiel machen genau die Musik, die ich mir von Glasperlenspiel gewünscht hatte!
    Das gibt's doch nicht?! Irre!
    Unglaublich! Fantastisch! Eine Vollendung!
    -He, ich kann es nicht glauben! DAS ist Glasperlenspiel? FANTASTISCH!
    Zum Heulen schön!

    Sogar mit dem Schluß, viel zu plötzlich und viel zu hart, kann ich mich anfreunden, finde ihn doch sehr gut gelungen, denn es geht in dem Lied ja um Sonne und Erde, Umlaufbahn, also Kosmos, Weltraum. Ich stelle mir vor, dass der Knall zum Schluß die musikalische Interpretation einer kosmischen Katastrophe ist, der Knall "zerstört" und beendet dadurch die Pracht und Schönheit des Liedes. Ein Spiegelbild der Realität, es ist einem gar nicht bewußt, glücklicherweise ist es auch sehr unwahrscheinlich, aber leider doch nicht unmöglich: eine echte kosmische Katastrophe, zum Beispiel ein Asteroideneinschlag, kann die ganze Pracht und Schönheit des Lebens auf unserer Erde zerstören! -Überhaupt nicht abwegig, standen wir doch erst vor eineinhalb Jahren scheinbar kurz davor, als die halbe Welt den Weltuntergang "feierte"!

    Doch nicht nur der Schluß, das gesamte Lied ist Kosmos! Ist das die Musik des Weltalls, die die beiden in Ehrfurcht anzuhören bzw. sogar selbst zu machen bereit sind? Für mich hat dieses Lied so wunderschön die unendliche Leere und Einsamkeit des Weltraums mit Musik eingefangen, mit wehmütigen, schwebenden Klängen, eine Leere und Einsamkeit, die vielleicht ganz urgewalthaft und unüberwindbar im Menschen fortlebt und deswegen bestimmt allzu viele Seelen auf dieser Erde zerfrißt. Dennoch strahlt es trotzdem eine unerschütterliche Lebensfreude aus, mit dem zackigen elektronischen Rhythmus und dieser zaghaft fröhlichen, zaghaft hüpfenden Zweiton-Hintergrundmelodie. Mit Musik ausgedrückt: Das Leben ist so entsetzlich schrecklich und doch so wunderschön!

    Der Text dagegen könnte auch eine Ehrerbietung Glasperlenspiels an ihre Fans sein. Er stellt die Beziehung zwischen beiden Seiten erstaunlich gut dar: Ständig von irgendwelchen Absperrgittern getrennt, kreisen Glasperlenspiel und ihre Fans immer nur umeinander herum, ohne sich zu erreichen, sie sehen sich immer nur aus der Ferne, die Fans vor der Bühne, Carolin und Daniel auf der Bühne oder sogar nur im Fernsehen, trotzdem schenken sie sich gegenseitig Wärme, Glücksgefühle, den Fans, wenn sie Glasperlenspiel hören oder/und sehen, und Carolin und Daniel, wenn sie sehen, wieviele Mädchen und Jungs sie mit ihrer Musik erreichen. Auch die anderen Sätze des Refrains beschreiben die Beziehung ganz gut.

    Der Refrain ist etwas besonderes: Es ist, glaube ich, der bisher längste Refraintext, den Glasperlenspiel gedichtet haben, und dies mit keinen Wiederholungen, sondern ein richtig schön langer, erzählender Text mit einem interessanten, abwechslungsreichen Sprachrhythmus! Davon bin ich absolut begeistert! Glanzleistung!

    Dieses Lied ist fantastisch!


    --->"Ich kämpfe um dich":

    Wer das Textheftchen etwas aufmerksamer liest, bemerkt, dass dieses Lied eigentlich gar nicht neu ist, denn es ist als einziges von den Ausnahmen (produziert...gemastert...außer) ausgenommen, wurde also anscheinend schon damals in London aufgenommen. Und das hört man: Es ist wieder viel mehr ursprünglich Glasperlenspiel, in einer wilden Klangcollage windet und schraubt sich die Melodie durch das Lied. Deswegen gefällt es mir gleich etwas weniger. Aber ich finde es interessant, da gibt es eine Menge zu hören, ein röhrenhaftes Zischen, die Musik wird für einen kleinen Moment abgewürgt, eine Melodie, die so herrlich brillant aus den Lautsprechern perlt, dass ich mich frage, ob ich anschließend die Noten vor den Lautsprechern zusammenkehren muß, und ganz zum Schluß sogar noch einmal Weltraum, Science-fiction, es klingt wie ein Hyperraumantrieb aus Krieg der Sterne, sowie anderes mehr; alles so schön elektrisch! Herrlich!

    Die wilde Klangfarbencollage paßt aber gut zum Thema des Liedes: Im Wettkampf muß man absolut flexibel und schnell reagieren, um jede noch so kleine Möglichkeit auszunutzen, den Gegner zu überrunden. Auch der Text unterstreicht dies, denn ich finde ihn in gewisser Weise sehr rasant, abwechslungsreich im Versmaß.

    Der Text bietet mir noch etwas ganz tolles: einen kunstvollen Fehler! "bietet" reimt sich eindeutig nicht auf "geht", aber, es läßt sich schwer beschreiben, ich finde dieses "bietet" so irre, auch, weil es synkopiert, mit versetztem Rhythmus, mit einem noch längeren "ie" gesungen wird! Spitze!

    Und mit diesem Stück gibt es auf dem Album jetzt dreimal hintereinander den gleichen Schluß! War das Absicht?


    --->"Folge mir":

    Ach, nein, witzig, jetzt geht es mit Glasperlenspiel auf eine Reise zurück in die 80er Jahre! Es klingt wirklich so original nach diesen Synthiepoprocksachen aus den 80ern und ich mußte so lachen, als mir einfiel, es klingt nach Münchener Freiheit. Ich könnte sogar noch weiterspinnen und den Text wörtlich zur Musik nehmen: Glasperlenspiel wollen die gute Synthesizermusik aus den Fängen der bösen, peinlichen 80er Jahre befreien.

    Aber nein, Spaß beiseite, ich sehe dieses Lied schon in direktem Zusammenhang mit "Laßt und was bewegen", und es bietet mir passend noch einmal die Möglichkeit, auf meine Glasperlenspielbeiträge im Dezember'13 und Januar'14 aufmerksam zu machen, in denen ich darstellte, dass man die Welt nur dann eine bessere machen kann, wenn man sie versteht, dieses Verstehen aber auch Angst machen kann, was man jedoch dadurch begegnen kann, wenn man den Mut aufbringt und es als Abenteuer annimmt. Als hätten sie es tatsächlich gelesen, bringen Glasperlenspiel für diese Abenteuer jetzt sogar einen "Soundtrack", in dem diese Aussage in schöne Bilder verpackt ist: Zum Beispiel aus den dunklen Wäldern der Desinformation, Heimlichtuerei,Vertuschung, Meinungsmache das Gute, das Verstehen zu befreien.

    Doch auch ohne diesen tiefschürfenden Anspruch gefällt mir dieses Lied gut, nur hat es dennoch einen dicken Patzer: Dieser schöne warme, füllige, tragende Baß bricht zum Refrain hin ab, das finde ich so schade! Natürlich, der Refrain gehört so, das hört man, so schön pulsierend, aber es fehlt halt etwas wesentliches!


    --->"Ich seh in dein Herz":

    Soso, das ist also nun Gegenstand des Knatsches!
    Ich muß schon sagen:
    Boa! Wahnsinn!
    Was fegt denn da einem zum Schluß noch mal in die Ohren?!
    Bester Depripop!
    Einsam schwebende Synthesizerklänge, eine gnadenlos monoton plingelnde Gitarre, ein elektronischer Baß, der alptraumhaft einen zu erdrücken droht und als Höhepunkt alles zusammen mit einer nervenzerreibenden, spitz-quietschenden Hintergrundmelodie. Irre! Super! Dieses Lied ist die musikalische Darstellung eines Alptraums! Nein, noch schlimmer! Es ist die Darstellung des alptraumhaften Lebensabschnitts eines jeden jungen Menschen zwischen 11 und 22 Jahren und gleichsam die musikalische "Liveschaltung" aus deren hin und her gerissenen Gefühlschaos: Gnadenlos beißender Liebeskummer, unerbittlich drückendes Lampenfieber (nicht Theater, eher Bühne des Lebens), nervenzerreibende Ungewißheit und über allem schwebend die grenzenlose Einsamkeit, allein gelassen in einer chaotisch sich überschlagenden Gefühlswelt, der man nicht mehr Herr zu werden scheint. Dieses Lied ist brutal echt! ...Eben Glasperlenspiel...

    Mir wird schon klar, warum dieses Lied in GZSZ-Kreisen nicht beliebt ist und kann schon nachvollziehen, dass es tatsächlich ein Stück weit die Serie zerstört; wenn es wirklich die neue Titelmelodie sein soll. Es wird doch offensichtlich: Ich denke, in vielen Fällen ist die Sendung bestimmt eine Realitätsflucht, für einen Moment dieses alptraumhafte Leben, dieses vernichtende Gefühlschaos vergessen und dadurch betäuben, dass man mit den Serienhelden mitfiebert, anstatt sich diesbezüglich um die eigenen Probleme zu kümmern, doch wenn zu Beginn dieser Sendung den jungen Zuschauern mit diesem Lied noch einmal deutlich und vor allem emotional erlebbar vor Augen geführt wird, wovor sie sich in dieser Fernsehscheinwelt verstecken, wovor sie flüchen wollten, was sie eigentlich vergessen, betäuben wollten, dann funktioniert diese Flucht nicht mehr, ist die Serie zerstört.

    Ich würde es mal so sagen: Dieser Titel sollte vielleicht nicht drohend zwischen Realität und Scheinwelt stehen, sondern wenn überhaupt sollte Glasperlenspiels "Ich seh in dein Herz" Teil der Scheinwelt sein, in Ausschnitten als neue, ständige Hintergrundmusik zu entscheidenden Szenen, weil sich dann nämlich die Dramatik des Liedes nur auf das Leben der Serienhelden bezieht. Dadurch jedoch, wäre für mich vorstellbar, könnte die Serie schon in kinohafte Sphären abheben: Schon allein der Anfang des Liedes paßt bestimmt zu solchen Szenen, die die Handlung im Sinne von "Ja, jetzt geht es endlich los!" vorantreiben, oder der Refrain zu Szenen, wenn man im Gesicht sehen kann, dass da gerade eine Welt aus den Fugen gerät.

    Mir jedoch ist es völlig egal, was GZSZ-Fans zu diesem Lied sagen, denn ich bin von diesem Lied absolut begeistert, absolute Spitze! Weil es, passend zur Thematik, von fast erschlagender Düsterkeit ist, die aber umgewandelt ist zu einer schon fast tröstlichen, auf jeden Fall aber fantastisch schönen musikalischen Brillanz! Dieses Lied ist sensationell gut!

    Und ich bin überwältigt: Das ist Glasperlenspiel?!
    Wahnsinn! Unbeschreiblich!

    So habe ich mir Glasperlenspielmusik gewünscht!

    ...Trotz Gitarre!
    Trotz des wieder zu abrupten Schlusses, auch dieses Lied hätte gerne noch eine Weile so düster weiterplingeln und -dröhnen dürfen, auslaufen dürfen! Diese fantastische Klangatmosphäre! Einfach irre!

    Geradezu perfekt, dass es das letzte Lied des Albums ist, denn neben dem Leidenschaftlichen, das trotz der Düsterkeit aus diesem Stück herausleuchtet, hat es auch etwas Anstachelndes: So, und jetzt schalt das Radio aus, mach dich auf und kümmere dich drum...


    BEGEISTERUNG

    Boa, Wahnsinn! Ich bin echt hin und weg von Glasperlenspiels neuem Album! -Ach nee, ein neues Album, oder sogar das dritte Album , finde ich, ist es ja gar nicht, es ist das zweieinhalbte Album! Mit sieben neuen Liedern. Aber die haben es in sich! Mit einer verspielten Leichtigkeit und dennoch unverfälschten Ernsthaftigkeit, zusammen mit einer Fülle, Pracht und Brillanz, wie man sie von Glasperlenspiel bisher noch nicht gekannt hat, schwingen sich sich flugs auf, die Besten sein zu wollen! So hört es sich für mich an, für mich werden sie es auch immer mehr und für mein Empfinden haben sie mit diesen sieben Titeln schon einiges der diesjährigen Popmusik in den Schatten gestellt! Das ist Synthiepop!

    ------

    Ach, Carolin, Daniel, ich würde mir so sehr wünschen, dass ihr ganz groß werdet!
    Auch wenn ich außer guter Musik eigentlich nichts davon habe, denn ich werde wohl immer als Fan zurückbleiben.

    ---

    Wenn ich mich wenigstens einmal für ein paar Zeilen dem hingeben darf, bin ich irgendwie schon neidisch auf Euch. -Aber wer träumt nicht davon, und sei's drum, ich mache mir keine Illusionen, dass das je Erfolg gehabt hätte, dazu bin ich zu unmusikalisch. Zwar hatte in meiner Jugend meine Mutter mir Musikunterricht aufs Auge gedrückt und in Musiktheorie fühle ich mich auch einigermaßen fit, aber mit dem Notenlesen hapert es schon, und dann auch noch aus den sieben Tönen der Tonleiter richtige Musik kreieren, dies auch noch auf dem Synthesizer mit der richigen Wahl der Wellen und Wellenüberlagerungen, damit auch die gewünschte Klangfarbe dabei herauskommt, nein, das ist mir viel zu komplex!

    Außerdem hätte ich nicht die Ellenbogen, um in diesem Geschäft zu bestehen, weil ich zu denjenigen Menschen gehöre, die Ihr in "Laßt uns was bewegen" besingt, und solche Menschen haben keine Ellenbogen, ganz einfach, weil Ellenbogen diese Welt nicht besser machen.

    Daß Ihr dennoch in diesem Geschäft besteht, ohne Euch kleinkriegen zu lassen, ohne Euer Lebensziel aus den Augen zu verlieren, kann ich mir nur dadurch erklären, weil Ihr beide einst als Pärchen alles auf Anfang gesetzt hattet!
    -Ja, zum Leben braucht es eben immer zwei...


    NOCHMAL BILDER

    ->"Du glaubst nicht, wie ich dich vermiß":

    He, warte mal! Moment! Dieses Bild im Textheftchen!
    He... wahnsinn!
    Jetzt kapier ich erst! Wie man es interpretieren könnte.
    Nicht einfach nur ein neuer Bildtitel eingesetzt, von wegen, es steht in direkter Verbindung mit dem ursprünglichen Titel, ist die direkte Fortsetzung des Gedankens, ein weiterer Aspekt ihres Musikerlebens: immer weiter! Und welche bittere Konsequenz sich daraus ergibt! Nicht nur wachsam bleiben und sich nach möglicher Konkurrenz umsehen, sondern gleichzeitig ihr eben auch davonlaufen und dadurch keine Zeit, keine Ruhe mehr haben, immer weiter!

    Vielleicht haben sie schon so viele Menschen getroffen oder gesehen, die ihnen wichtig wären, die sie interessant fanden oder einen starken Eindruck hinterlassen haben, mir denen es bestimmt bereichernd wäre, sich näher auseinanderzusetzen, vielleicht ja jemand von denen, die dieses Jahr auf der Bühne mitsingen durften, vielleicht aber auch nur ein markantes Gesicht in der Menge vor der Bühne.

    Jedoch genau dafür ist eben keine Zeit, keine Möglichkeit, weil die Lebenssituation es nicht zuläßt und der Termindruck der Konzerttour unerbittlich ist. Somit bleibt nur die Erinnerung an diesen Menschen, an diesen Moment, nur ein gedanklicher Blick zurück, "Du glaubst nicht, wie ich dich vermiß", doch der Wunsch eines näheren Kontaktes bleibt unerfüllt, weil sie eben wie Sonne und Erde nur umeinanderkreisen und sich nur aus der Ferne sehen können.

    ---

    Wobei das Bild selbst, ohne Text, schon für ihr Lebensziel stehen könnte: "Laßt uns was bewegen". Für diese Idee suchen sie Anhänger: Daniel mit strengem, kritischem Blick, wer so jemand sein könnte, während Carolin die bereits gewonnen Anhänger nicht aus den Augen verliert.


    DAS VIDEO "MOMENT"

    Ohweia, Glasperlenspiel haben eine "schlechten" Einfluß auf mich...
    Prinzipiell schaue ich keine Musikvideos, nein, ich HÖRE Musik und gebe mich dem Kopfkino hin [Kopfkino, welcher Musiker war das?], ich kenne deswegen auch fast keine Videos. Doch nachdem ich das Lied "Moment" kannte und dann diesen gequälten Gesichtsausdruck Carolins im Hochzeitskleid sah, da... konnte ich nicht anders, mußte ich es mir ansehen, weil es den Eindruck erweckte, als stecke da etwas wichtiges drin!

    Oh ja, ich hab den richigen Riecher gehabt! Wahnsinn! Sind die beiden wahnsinnig! Die können doch nicht so ein Wahnsinnsvideo drehen! Aua!

    Im ersten Moment erscheint das Video unsinnig: Wenn sie einen anderen begehrt, warum heiratet sie dann? Doch mit dieser Unsinnigkeit ist dieses Video gleich mal extrem politisch, gesellschaftskritisch: Eine Kritik gegen Zwangsheirat! - Doch auch ohne politischen Anspruch hat es zumindest etwas Ermahnendes: Man solle sich vor Zweckehen hüten!

    Ich denke, es gibt schon Gründe, ohne Liebe zu heiraten: Weil dadurch das gesellschaftliche Ansehen wächst, weil der Partner einem viel Sicherheit bieten kann oder aber aus Verzweiflung, bevor gar keinen, dann wenigstens mit dem/der, dies vielleicht, um nicht das Gesicht vor der Familie zu verlieren, oder vielleicht traurigerweise sogar deswegen, weil man sich durch widrige Lebensumstände aus den Augen verloren und nicht mehr wiedergefunden hat. Doch mit ihrem herzerschütternden Blick und den Gedanken an vergangene Tage läßt Carolin im Video erkennen, dass so eine Entscheidung vielleicht doch zu sehr Selbstzerstörung wäre: Die Lebensfreude bleibt verloren zurück!

    Auch Daniel ist Leidtragender einer möglichen Zweckehe, er kann es einfach nicht verstehen, vielleicht auch, ganz besonders traurig, weil er im entscheidenden Moment es verpaßt hatte, seine bessere Hälfte für sich zu gewinnen, und er hat Angst vor diesem einen endgültigen Schritt. In einem verzweifelten Spurt versucht er, das Ruder im letzten Moment noch herumzureißen, doch ihm bleibt nur der Blick zurück mit der Gewißheit: Jetzt ist es vorbei! Aus! Verloren! Ein Leben verloren! Leere! Einsamkeit!

    Aua! Wahnsinn! Dieses Video tut so weh!

    -Eigentlich ist dieses Video damit auch eine kleine Darstellung des Begriffs Wirkungszusammenhänge, dass eine Veränderung eben auch viele Konsequenzen haben kann, zum Beispiel, dass durch den letzten Schritt in eine neue Zukunft Erinnerungen geweckt werden, die diesen Schritt auf einmal unmöglich werden lassen, oder auch diese ganz tückischen Konsequenzen, denen man sich gar nicht richtig bewußt sein kann, weil sie außerhalb des eigenen Blickfeldes liegen: Dieser Schritt reißt das Leben eines anderen Menschen in Abgründe!-

    -Sehr gut finde ich an diesem Video, dass es kein Happy-end gibt, das hätte glaube ich wirklich nicht gepaßt, aber einen Hoffnungsschimmer darauf, nämlich die Flucht (schon wieder Flucht!). Sehr gut gemacht!

    Dieses Video ist meisterhaft!


    TOTAL AUS'M HÄUSCHEN

    Fantastische Musik, super Video, ich glaube, vor Begeisterung bekomme ich jetzt langsam echt 'nen Koller!
    -Ja, doch, schon! Irgendwie hat das schon etwas Unwirkliches! Ich meine, es klingt überheblich, aber irgendwie läßt es sich schon so beschreiben:

    Glasperlenspiel haben mich nicht verprellt, indem sie sich doch mehr der Gitarrenmusik zugewandt hätten. Hätte ja, meine schlimmsten Befürchtungen, durchaus sein können, nämlich aus der Erfahrung heraus, dass Bühnenshows mit Gitarre doch lockerer, lebhafter, lässiger und deswegen schöner sind, aber nein, sie sind ihrer Grundidee tatsächlich treu geblieben, die Gitarrenklänge sind immer nur Randerscheinungen, schmückendes Beiwerk und meistens sehr synthesizesig, das Hauptmerk gilt den beiden der elektronischen Ausgestaltung ihrer Musik und in "Tief" fehlt die Gitarre sogar ganz.

    Glasperlenspiel haben mich auch nicht links liegen gelassen, indem sie auch weiterhin sich wildester Klangfarbencollagen hingegeben hätten, mit denen ich mich schwer getan hätte, sie gut zu finden. Stattdessen haben sie tatsächlich ihre Musik flüssiger, harmonisch abgerundeter, atmosphärisch dichter, brillanter gestaltet, wirklich eine erste Vollendung deutschsprachigen Synthiepops, so... -ja, so wie ich es mir gewünscht hatte! -Ich kann es einfach nicht glauben: Ohne mich zu fragen...?... oder, ohne mein Zutun machen Glasperlenspiel meine Lieblingsmusik! Carolin und Daniel haben gefallen daran, meine Lieblingsmusik zu machen! -So beschrieben sieht das doch total verrückt aus?!

    Mein Glasperlenspiel! Da bin ich musikalisch zu Hause! Für immer dein!

    Da muß ich mir vor lauter Begeisterung wohl doch einen Stein ans Bein binden, um nicht allzu weit hochzufallen, damit der Alltag wenigstens noch in halbwegs geordneten Runden verläuft!


    NÄCHSTES KONZERT

    Huch!
    Jetzt seh ich es erst: Das Glasperlenspielkonzert im Kultkäschtle im Käschtle ist ja genau an der Wintersonnwende! In der Winterecke Deutschlands an der Wintersonnwende!
    Und:
    Genau zwei Jahre (zum Leben braucht es immer zwei, alles hat immer zwei Seiten, Carolin und Daniel), genau zwei Jahre nach dem Maya-Super-Sylvester, als drei unterschiedliche Kalender am selben Tag auf Sylvester standen!
    Und!
    Glasperlenspiel haben (hoffentlich) Musik des Weltalls dabei!
    Boa! Das ist ja ein kosmisches Ereignis! Im Allgäu!
    Mensch! Ich glaub, da darf ich nicht fehlen!


    DIE KOSMISCHE PERLE

    So langsam wird es echt unheimlich! Ich sehe mich schon als lebenserfahren, schließe aber überhaupt nicht aus, immer wieder noch etwas dazu zu lernen, bin ja auch neugiereig, doch nun haben es die beiden Jungspunte Carolin und Daniel bereits zum zweiten Mal geschafft, meinen Horizont zu erweitern. Daß ich da trotz meiner Begeisterung für Science-fiction und den faszinierenden, absurden Dimensionen des Weltraums noch nicht draufgekommen bin?!

    "Wie Sonne und Erde", Glasperlenspiel, Kosmos, Perle.

    Seit diesem Frühjahr gibt es in Kaufbeuren einen Planetenweg, kannte aber so etwas bereits seit meiner Schulzeit. Von daher habe ich mir schon oft diese unfaßbaren Dimensionen des Weltraums vor Augen geführt. Ganz gut geht es zum Beispiel, wenn man die Erde für ein Modelluniversum so klein macht wie das Kügelchen einer Tintenpatrone für einen Schulfüller. In diesem Maßstab wäre die Sonne in etwa so groß wie ein Volleyball und von der Erde etwas mehr als 25 Meter entfernt, Pluto etwas mehr als einen Kilometer entfernt und nur ein Sandkorn, Uranus etwas größer als eine Erbse und ungefär auf halbem Wege zu Pluto. Der nächstgelegene Stern zur Sonne ist Sirius, 8,8 Lichtjahre entfernt, alle anderen Sterne sind noch weiter entfernt. In diesem Modelluniversum mit dem Patronenkügelchen als Erde wäre das die Luftlinie von hier, zum Beispiel Stockach oder Kaufbeuren, bis in die Northern Territories von Kylie Minogues Heimat Australien. Würde man sich mit einem ledernen Medizinball, der Sirius wäre, auf den Weg machen, um dieses Modelluniversum aufzubauen, müßte man für diese Strecke 204 Tage, das sind 6 Monate und 21 Tage, je 24 Stunden am Tag ununterbrochen laufen, bevor man Sirius aufstellen könnte.

    Und das ist wahrscheinlich das Minimum, alle anderen Sterne, hatte ich ja gesagt, sind noch weiter entfernt, wobei aber noch nicht sicher gesagt ist, ob um diese Sterne auch Planeten kreisen, und erst recht nicht, ob einer davon vielleicht bewohnbar wäre. Auf jeden Fall müßte man sowohl von der Sonne aus als auch untereinander, von jedem beliebigen Stern zu einem beliebigen anderen, bestimmt mindestens 6 Monate oder ein Vielfaches davon laufen, um sie in diesem Modelluniversum aufzustellen und dazwischen ist... -nichts, gar nichts, absolut nichts, absolut gar überhaupt nichts, einfach nichts, nur lebensfeindlicher, luftleerer Raum!

    Führt man sich diese unfaßbaren Dimensionen, 6 Monate, 10 Monate, 20 Monate durch "luftleeren" Modellweltraum laufen, bevor man endlich wieder auf eine Stern stößt, vor Augen und betrachtet dabei das perlenhafte Tintenpatronenkügelchen in der Hand, das die Erde mit den sechs Kontinenten und drei Ozeanen sein soll, auf der die Pracht und Schönheit des Lebens existiert, ist es dann nicht nachvollziehbar, was für eine unglaublich seltene und deswegen unendlich kostbare kosmische Perle unsere Erde ist!

    ---

    Was dagegen das Leben selbst betrifft, bin ich mir schon lange bewußt, wie unermeßlich kostbar es ist. Auch deswegen bin ich so begeistert von Glasperlenspiels "Wie Sonne und Erde", weil es die perfekte Musik ist, um diese Kostbarkeit zu ehren und zu feiern!

    Gleichzeitig macht mich dieses Lied aber auch entsetzlich traurig, wenn ich mir vor Augen führe, was aus diesem kostbaren Leben geworden ist, und wenn ich mir ausmale, wie wundervoll und tröstlich es sein könnte, wenn man nicht irgendwelchen unsinnigen, erfundenen oder angeblich heilsbringenden Idealen hinterherrennen würde oder es nicht durch blindwütigen Fortschrittsglauben verschmeißen würde, sondern verstehen, sich zusammenraufen und das Leben so annehmen würde, wie es kosmisch unausweichlich ist:

    absurd, grausam, sinnlos, hoffnungslos und dennoch so überwältigend und prachtvoll schön!


    ------

    Aus hochschwebenden Synthiepopsphären grüßt Euch

    Traumwaldschrat

    (#38)



    [Wenn hier unten in meinen Beitrag (im unangemeldeten Zustand) eine Werbung erscheint, dann habe ich damit nichts zu tun, sie gibt keinesfalls meine eigene Meinung wieder, was ich als beachtenswert erachte]

  15. Nach oben   #15

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    Hinterlistige und freche Kiesza / Klassik trifft Pop / Wie Sonne und Erde

    KIESZA

    Es ist wirklich haarsträubend: Ich war mir so sicher, dass ich mich um eventuelle Konkurrenz zu Glasperlenspiel erst mal keine Sorgen machen brauchte, mit den sieben neuen Liedern haben sie erst mal das Feld für sich entschieden.

    Doch irgendwie grummelt es doch leise vor sich hin und mit der Neuvorstellung (nicht Neuzugang!) in der Bayern3-Hitparade ist es wieder in den Vordergrund getreten.
    Es ist so FIES! :
    Ich find Kiesza so süß!
    Ich hab mich sogar dabei ertappt, wie ich den ganzen Abend wie wild alles Mögliche über Kiesza gesucht, gelesen und angeschaut habe.
    Wirklich schlimm!
    Ich wollte doch voll und ganz Glasperlenspielfan sein und jetzt grätscht mir diese freche Kanadierin in die Parade und lockt mich! Ganz fürchterlich lockt sie!

    Schon allein mit ihrer Musik! "Hideaway" ist ja eh klar, aber auch "Giant in my heart", klingt im ersten Moment gar nicht so interessant, beißt sich aber schon beim zweiten Mal ohrwurmgleich mit seinen wehleidigen, resignativ depressiven Klängen in den Gehörgängen fest!

    Sie lockt jedoch auch mit ihrer Art, quirlig, lebendig, frech und dazu vielleicht sogar sehr selbstreflektierend, zum Beispiel, mit hochgezogenen Augenbrauen erweckt sie ein wenig den Eindruck, als nähme sich sich selbst nicht ganz ernst, fände ich eine sehr positive Eigenschaft, was sie eventuell sogar mit der Wahl ihrer Titelbildergestaltung unterstreicht: Mir kam bei diesen ziemlich schnell die Zeichentrickserie Southpark in den Sinn. Zu dieser Serie habe ich mir sagen lassen, dass die US-Amerikaner ein schlechtes Bild über die Kanadier haben, weswegen sie in Southpark nur Klappdeckelköpfe bekommen. Ist Kiesza so frech, den US-Amerikanern zuvor kommen zu wollen, indem sie sich selbst verballhornt und mit dieser Titelbildgestaltung mit Fleiß ein Klappdeckelkanadier sein will? -Wobei beim Titelbild "Giant in my heart" könnte es auch eine Anspielung auf Babuschka/Matrjoschka-Puppen sein, was mich, zwar nicht ganz stimmig, zu der Vermutung veranlaßt, ob Kiesza vielleicht polnisch zu lesen ist, also "[kiescha]" (sz->sch), denn ich frag mich, mit welchen englischen Ausspracheregeln man von Kiesza auf "[kaisa]" (mit stimmhaftem S) kommen soll, dazu müßte man es doch Kiseza schreiben?

    Sie lockt mich aber auch ganz hinterhältig und gemein, richtig fies, so, wie man halt jeden Kerl rumkriegt!
    Ich wollte ja nur das Video von "Hideaway" sehen, weil es im Radio hieß, sie könne gut tanzen, und das ist für mich ja schon sehr verlockend. Mich hat auch nur das interessiert, doch ich hab so mit mir gerungen, ich hätte so ein schlechtes Gewissen gehabt, hätte ich es mir nicht ein zweites Mal angesehen und hingeguckt:
    Hah, wirklich, sOOO'n TOLLa Popo!
    (He, wenn ich 'ne Zecke wär, ich würd ja so dermaßen fest da neibeißn. Und wenn Kiesza mich mit einer Pinzette wegzupfen wollt und mir dabei ungeschickterweise den Kopf abreißen würde, das... wär kein klägliches Ende, eher das Gegenteil!)

    Für mich jedoch, der immer bemüht ist, diese Welt und das Leben zu verstehen, ist das in höchstem Maße verblüffend:
    Was ist denn sooo toll daran? Warum ist es so gnadenlos verlockend hinzugucken?
    Rund...! Ja gut! Aber sonst?
    Obwohl ich es schon lange beobachte, fand ich noch keine Antwort, die es noch genauer, greifbarer gemacht hätte als der Begriff Schlüsselreiz, der ja auch für Menschen seine uneingeschränkte Bedeutung hat, aber für meinen Geschmack fehlt bei diesem Begriff noch etwas, das ist mir noch zu wenig Aha-Erlebnis.

    Doch mir dämmert es auch, ob es eventuell gar nicht möglich ist, es noch besser zu verstehen, so wie es mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht möglich ist, mit dem dreidimensionalen, menschlichen Gehirn die vierte Dimension zu verstehen.

    Wenn aber doch, gäbe es jedoch noch ein anderes Problem, eines, das auch ganz grundlegend sehr wichtig ist, wenn man die Welt verstehen will, um sie eine bessere zu machen: Sich nicht von "falschen" Fragen in die Irre führen lassen!

    Wie eben bei diesem Problem, das Kiesza so beiläufig, aber so großzügig und entzückend über ein Musikvideo in den Raum wirft:
    Was ist daran so toll? Warum ist das so toll?
    Vielleicht führt diese Frage in eine falsche Richtung, eine andere Frage wäre eventuell hilfreicher.
    Wozu ist das so toll?
    Nun ja, eben Schlüsselreiz, damit zwei halbe Kinder zusammenkommen!
    Man könnte das "Wozu" aber auch von der anderen Seite betrachten.
    Wäre das nicht so gnadenlos und überwältigend bestechend toll, wäre die Menschheit schon längst ausgestorben!
    Hmm, ich weiß nicht, ob es für die Leserschaft nachvollziehbar ist, aber da fängt das jetzt schon zu kribbeln an, ob es so doch schon ein klitzekleines Stück greifbarer geworden ist. Irgendwie geht es ums Überleben, aber... oha, man sollte sich nicht täuschen lassen, vielleicht gar nicht um das der Menschheit, sondern um das Überleben des Lebens selbst, dieser Eigenschaft nicht toter Materie, nicht nur auf der Oberfläche von Planeten rumzuliegen, sondern sich auch bewegen zu können, lebendig zu sein, in Gestalt aus Materie geformter Lebewesen. Aber nicht nur einmal und dann nie wieder, sondern immer wieder, und für diesen Zweck muß das Leben jeweils zwei dieser Lebewesen irgendwie zusammenbringen und zwar unbedingt, ohne dass die sich wehren dürfen, sonst bestünde die Gefahr, dass das Leben doch nicht überlebt.
    Hmm, ganz schön... rücksichtslos, ja brutal, gewalttätig, dieses Leben, aber...
    ohne Fesseln, ohne Schläge, ohne Schmerzen, überhaupt ohne Gewalt, ohne überhaupt die beiden Lebewesen anzufassen, sondern einfach nur dadurch, dass es so wahnsinnig toll rund ist!
    Wahnsinnig absurd, dieses Leben, wie funktioniert das nur!
    -Trotzdem schmecke ich da, ein kleines bißchen mehr verstanden zu haben, um es mal so ungewöhnlich auszudrücken.


    Doch zurück zu Kiesza,
    sie hört gar nicht auf, mich zu locken, finde ich noch etwas anderes, was ich an ihr sehr interessant finde. Sie scheint eine kleine Perfektionistin zu sein und eine Begeisterung dafür zu haben, was man mit Theaterleidenschaft umschreiben könnte.

    Es wird sogar speziell darauf hingewiesen: "Hideaway" ist ein sogenanntes "One-shot-Video", also ein Video ohne Schnitt, eines, das in einem Stück gedreht wurde. Drehtechnisch durchaus eine Herausforderung, aber wenn man es genau nimmt eigentlich nichts besonderes, denn wenn man zum Beispiel ein Volkstheaterstück fürs Fernsehen aufzeichnet, dabei auf verschiedene Kameraeinstellungen verzichtet, sondern einfach die Kamera aufstellt und laufen läßt, ist das schon ein "One-shot-Video" von eineinhalb Stunden, entgegen den Möglichkeiten des Films quasi nur ein Versuch und der muß sitzen, das, was eben Theaterspielen ausmacht.
    -Kiesza verlegt dieses Theaterspielen auf eine ganzen Straßenzug mit einer sehr aufwendigen Choreographie und Kamerafahrt und macht daraus ein Musikvideo!

    Das Video "What is love"funktioniert sogar nur als "One-shot-Video": Dieser Effekt der sich immer weiter entfernenden Kamera, die dadurch den Blick weitet von den Lippen bis zur sogenannten Halbtotalen von elf Personen, -ein Bildschnitt würde diesen Effekt zerstören. Wenn man aber aufmerksam zuschaut, kann man dabei das notwendige Theaterspielen, die dazu notwendigen Schauspielkünste sogar erahnen:
    Ursprünglich fand ich es einfach sehr kunstvoll, dass sie nicht nur in die Kamera schaut und singt, sondern auch einmal markant ihren Kopf abwendet. Doch dann hakten sich diese ganz kurzen, ganz leichten, unfreiwilligen Grimassen in meiner Erinnerung fest, zum Beispiel, wenn sie den Kopf abwendet ("...I don't know...") und bei ihrem Blick nach links oben ("...what can I say...") und mir kam dazu die Idee, ob die Kopfbewegungen und Blicke nicht einfach kunstvoll sind, sondern kunstvoll schauspielerisch professionell, hautnahes Theaterspielen: Kiesza mußte sich irgendwie das Lachen verkneifen, deswegen blickte sie für eine Moment zur Seite und nach links oben, um die Fassung zu bewahren und irgendwie den Lachkrampf zu überlisten. Wenn ich mir das so überlege, finde ich das Video total witzig, vor allem, weil es noch mehr kurze Momente gibt, wo sie damit zu ringen scheint, dass der Lachkrampf ihr nicht den ernsten Blick verreißt!

    Kieszas Begeisterung fürs Theaterspielen beschränkt sich scheinbar aber nicht nur auf ihre Musikvideos, sondern trifft wohl auch für ihre Konzerte zu. Ich hab den Arte-Mitschnitt ihres Berlinkonzertes gesehen, nur 30 Minuten, aber die waren halt nicht einfach nur Konzert, sondern eine Show, bis auf die Publikumsdialoge ist von Anfang bis Ende jede einzelne Hand-, Arm-, Lippen-, Bein- und Körperbewegung exakt durchchoreographiert, wie ein Musik- und Tanztheater. Für Kiesza scheint das ganze Leben eine Theaterbühne zu sein und ich wäre schon neugierig, ob sie, angesp*rnt von ihrer Ballerinaausbildung, mit dieser Begeisterung für Tanz, Musik und Show insgeheim in die Fußstapfen Michael Jacksons treten will? Würde mich jetzt nicht mehr überraschen!

    So viel, mit dem diese quirlige, lebensfrohe, süße Kanadierin mich lockt!
    Es ist wirklich gemein!
    Carolin, Daniel, haltet mich fest!

    Weiß nicht, ob es da hilft, wenn ich mir ihre Vergangenheit vor Augen führe. Was soll man davon halten, mit siebzehn Jahren eine freiwillige Ausbildung zum Kriegsdienst, also nee, das finde ich mehr als komisch, wie ist denn die gestrickt? Und muß man das auch noch, wie mancher Artikel, betonen, dass sie angeblich eine gelernte Scharfschützin ist? Ist sie darauf stolz? Wirklich sehr seltsam!


    LORDE

    Lorde ist dagegen sehr weit abgefallen.
    Wie ich ihr Album finde, kann ich immer noch nicht sagen, denn an dem Tag, als ich es mir anhörte, hatte ich eigentlich gar keinen Nerv dafür und seitdem auch nicht mehr. Mir ist nur hängengeblieben, dass sie einen ganz bitteren Patzer gemacht hat. Der Refrain des letzten Liedes "A world alone" ist fantastisch, monströs prachtvoll mitreißend, aber eben nur der Refrain, der Rest bricht diese Klangatmosphäre so fürchterlich! Hätte sie dieses Lied atmosphärisch stimmig ausgebaut, so überwältigend und mitreißend, wie es verspricht zu sein, wie ich es mir selbst gar nicht vorstellen könnte, dann hätte sie damit Glasperlenspiel echt übertrumpfen können. -Hat sie aber nicht. -Ist das jetzt gut, weil Glasperlenspiel die Besseren bleiben, oder schlecht, weil es ein Lied weniger gute Musik gibt?

    Lorde holt aber noch etwas auf, mit ihrem Charakterzug!
    Wie wurde sie in etwa zitiert: Sie möchte kein Vorbild für ihre Fans sein, denn bestimmt baut sie irgendwann doch irgendeinen Bockmist und würde es dann bitter bereuen. -Das finde ich beeindruckend! Ich glaube, ich war mit siebzehn, achtzehn noch nicht so helle.


    WER WEISS, WIE WEIT DIE REISE GEHT

    Es ist wirklich echt haarsträubend!
    Hätt ich doch bloß nicht mit dieser Fehlinterpretation angefangen, auf einmal seh ich so viel Konkurrenz zu Glasperlenspiel:
    Jess Glynne macht jetzt solo weiter und das macht schon neugierig, was man zu hören bekommt. Aber auch Route 94 könnte man im Auge behalten, wenn sie schon den Instrumentalteil zu "My love" beisteuern, scheint es ja um Synthiepop zu gehen. Sia gibt's auch noch und ganz aktuell kommen da sehr verlockende Synthesizerklänge aus Kalifornien, von einem sehr verschlossenen Typen, der sich Zhu nennt.
    Und dann das: Classic meets Electro!
    Mich hat es ja schier von den Socken gehauen, als ich die Fernsehwerbung sah! Lindsey Stirling verbindet Klassik mit Elektropop! Das klingt ja extrem spannend!

    Nur hält es leider doch nicht, was es verspricht. Ich weiß nicht, ob auch hier daran Schuld ist, dass ich in dem Moment fürs Musikhören eigentlich keinen Nerv hatte, aber überzeugt hat mich das erst einmal nicht. Obwohl es so vielversprechend klingt, ist Geige für Elektropop irgendwie doch viel zu kratzig und die Lieder fand ich alle wenig spektakulär. Vielleicht, so schien es mir, ist die elektronische Musik viel zu wenig auf die Geige abgestimmt, von daher eine zu unausgewogene Klangfarbencollage.

    Oder, Geige ist einfach nicht meins, weil ich mir eigentlich insgeheim etwas ganz anderes gewünscht hätte, was ich aus meiner langjährigen Discoerfahrung in der legendären Disco am Platze (die letztes Jahr leider abgebrannt ist, welch Tragödie!) noch am ehesten aus der Gruftiszene heraus erwartet hätte, wo sich aber schon letztes Jahr ganz unvermutet ernstzunehmende Hoffnung aus einer ganz anderen Richtung ergab. In der Zeitung las ich von Cameron Carpenter, der Revolutionär auf der Kirchenorgel! Angeblich ein Virtuose, der es gewagt hat, die Kirchenorgel in die Moderne zu holen und quasi popfähig zu machen! Das wär doch was! So ganz herrlich sphärisch surreale Melodien, vielleicht vergleichbar mit Jean Michel Jarre, nur auf der Kirchenorgel, diesem "prähistorischen Synthesizer", oder einfach tatsächlich Popmusik mit der Kirchenorgel oder popähnlich, so wie VNV-Nation, Covenant, Apoptygma Berzerk mit einem Lied, richtig toll mit verschraubten Harmonien oder sonst wie zum Verrücktwerden schön.
    -Jedoch das Konzert in Füssen, genau zwei Monate vor dem Glasperlenspielkonzert in Memmingen letztes Jahr, fand ich sehr enttäuschend, etwas Revolutionäres habe ich nicht gehört, einfach nur eine Orgelinterpretation der klassischen Großmeister wie Bach, Chopin, Liszt und anderen sowie eigene Kompositionen, die sich davon aber nicht unterschieden.

    Doch irgendwie gärte diese Idee und durch Lindsey Stirling wurde sie in neue Bahnen gelenkt, zurück zu Glasperlenspiel und diesem einen Aspekt ihrer Biografie. Mir kommt da eine ganz verrückte Idee: Carolin und Daniel haben doch in der Stockacher Kirchen-Pop-Band Crazy Flowers gespielt. Zwar ist in diesem Wort mit Kirche bestimmt die Institution und nicht das Gebäude selbst gemeint, aber es klingt schon sehr verdächtig nach Popmusik in der Kirche, und in diesem Fall wäre es ja nicht mehr weit hergeholt, für diese Musik neben Keyboard und Synthesizer auch in die Tasten der Kirchenorgel zu greifen. Keine Ahnung, ob sie das je gemacht haben, aber wenn sie das gemacht hätten und ihr Werdegang sich trotzdem so ähnlich weiterentwickelt hätte, wie er bekannt ist, sich zunehmend mehr weltlichen Themen in ihrer Musik gewidmet und den Ehrgeiz einer Musikerkarriere entwickelt hätten, nur mit dem Unterschied, dazu in irgendeiner Art und Weise die "Kirchenorgel mit ins Gepäck genommen zu haben", wäre daraus vielleicht etwas ganz verrücktes geworden, fände das nächste Glasperlenspielkonzert nicht im Allgäuer Käschtle statt, sondern in der Kemptener St-Lorenz-Kirche, und hätte Madonna einst mit einem Musikvideo einen halben Kontinent in Aufruhr gebracht, hätten Glasperlenspiel diese Idee Realität werden lassen und einen nicht ganz so steif gläubigen Kontinent vielleicht mit Begeisterungsstürmen überzogen, sodass neben Rußland wegen Conchita Wurst auch Amerika uns der gesellschaftlichen Dekadenz bezichtigen könnte. -Das wär doch witzig!

    Und dekadent fände ich das beileibe nicht, nein, es wäre eventuell eine Bereicherung, die Kirchenorgel endlich von ihrer schweren Bürde, stets nur Begleitinstrument nicht allzu lebensfroher Gesangsmusik zu sein, zu befreien, dieses faszinierende Instrument von seiner Vorsilbe "Kirchen-" zu befreien und es als vollwertiges, eigenständiges, reines Musikinstrument neu zu entdecken und seine klanglichen Möglichkeiten endlich einmal voll auszuschöpfen! Zur Ausmalung von Vampir- oder Gruselfilmen hat sie sich ja schon bewährt, ins Musikal hat sie es auch schon geschafft, doch ich hätte eine Ahnung, dass noch viel mehr möglich sein könnte, was vielleicht sogar mit den besten, mitreißensten, überwältigensten und fantastisch schönsten Lieder der Synthiepop-, Depripop- und Gruftiszene locker mithalten könnte.

    Aber, nun ja, Glasperlenspiel haben sich offenbar anders entschieden und möglicherweise finde ich es sogar besser so, denn der Synthesizer bietet eindeutig noch mehr Möglichkeiten.
    Jedoch:
    Finden sich hier im Musikforum aus der Ecke MusikerForum nicht vielleicht ein paar Musiker, die eventuell so recht noch keine Idee für eine Musikerkarriere haben?
    Wie wäre es damit?
    Popmusik mit Kirchenorgel!
    Oder, Kirchenorgel trifft Synthiepop!



    GLASPERLENSPIEL IM MORGENMAGAZIN

    Ich hab mir den Ausschnitt mit dem Auftritt Glasperlenspiels im Morgenmagazin angesehen.
    Tja..., begeistert mich nicht, wie gesagt, mit Neuinterpretationen für die Bühne kann ich wenig anfangen. Ich kann dem nicht viel abgewinnen, denn mit "Moment" hat das nur noch wenig zu tun.
    Begeistert mich nicht, -aber-, es erstaunt mich!
    Ich finde diese Version wirklich sehr düster und depressiv, da erstaunt es mich erst mal, wie so etwas ins Morgenmagazin paßt, denn nach einem guten Start in den Tag klingt das jetzt nicht.
    Und es macht mich hellhörig:
    Wenn Glasperlenspiel in einem Moment, in dem sie sich einer mehr oder weniger großen Öffentlichkeit zeigen, sich so düster präsentieren, dann wollen sie wohl auch als düster wahrgenommen werden. Für mich eine beruhigende Bestätigung, denn dann liege ich bei Glasperlenspiel mit meiner Hoffnung auf noch mehr düsteren Synthiepop doch richtig!
    Außerdem werde ich hellhörig, ob es da Kunst zu entdecken gibt:
    Ich kenn mich mit Musik ja nicht soo gut aus, aber was passiert eigentlich, wenn man von einem Musikstück die Obertöne zu den Grundtönen macht? Kommt dann diese Version "Moment" dabei heraus?
    -Doch mit der Düsterkeit erweckt dieser Glasperlenspielauftritt auch ein gewisses Kribbeln, eine leichte Erregung: Wenn sie sich so ausdrücklich düster geben und Carolin dazu noch so herrlich die Halbtöne trifft, werde ich doch aufgeregt, was es da in Zukunft noch zu hören gibt!


    WIE SONNE UND ERDE

    Hmmm, ich bin mal ganz vorsichtig gewagt: Um Konkurrenz zu Glasperlenspiel brauch ich mir vielleicht doch keine Sorgen zu machen, denn das mit der Orgelmusik haut erst mal nicht hin (wenn es überhaupt funktioniert, möglicherweise paßt die Orgel und Synthesizer oder Popmusik klanglich doch nicht zusammen, wie ich es auch bei Lindsey Stirling befürchte), bei Glasperlenspiel geht es in Zukunft offenbar auch düster weiter und ich habe so den beruhigenden Verdacht, dass andere Musiker und Musikgruppen an Glasperlenspiel erst mal nicht vorbeikommen, -auch Kiesza nicht! Denn das Lied "Wie Sonne und Erde" hat etwas, was ich, wenn ich mich recht erinnere, bisher noch nie so deutlich in einem Lied gefunden habe und vermutlich so schnell kein zweites Mal mehr finden werde. Wobei gefunden stimmt nur indirekt, denn der Text erzählt ja von etwas ganz anderem. Das paßt also eigentlich gar nicht zusammen, weil ich das, was ich angeblich gefunden habe, einfach in dieses Lied hineininterpretiert habe. Doch das könnte eventuell durchaus auch als Finden durchgehen: Ich habe bisher noch kein Lied gefunden, das zu meiner Utopie einer besseren Welt so bezaubernd perfekt paßt.

    Deswegen hat sich dieses Kopfkino auch so hartnäckig entwickelt, wenn ich "Wie Sonne und Erde" höre, sehe ich es im Geiste vor mir, diese einsam um eine Sonne kreisende, blaugrüne, kosmische Perle in den unendlichen Weiten des lebensfeindlichen, luftleeren Weltraums, die aber auf ihrer hauchdünnen Oberfläche aus Atmosphäre, Erde und Ozeanen eine solch überwältigende Vielfalt an Leben beherbergt. Doch das Wesentliche an dieser Utopie sind die Menschen auf dieser Erde, die nämlich diese unermeßliche Kostbarkeit des Lebens erkannt haben, dieses Bewußtsein trotz aller Verlockungen des Fortschritts hartnäckig bewahrt haben und deswegen auch heute in ihrer Zivilisation, mehrere hunderttausend Jahre nach der frühesten Menschheit, kein höheres Ziel des Lebens kennen, als seine Kostbarkeit zu ehren und zu feiern.
    Wie sie das machen?
    Tja, das kann ich leider gar nicht genau sagen, denn dieses Kopfkino ist eigentlich kein Film, sondern eher ein Standbild, oder ein Gemälde, aber, nun ja, wie könnte man die Kostbarkeit des Lebens besser ehren und feiern, als immer wieder das zu tun, woraus das Leben neu entsteht und was gleichzeitig vielleicht die einzigen Momente im Leben sind, in denen man vom Leben selbst gelebt wird.
    Den Kosmos spüren.



    Aus immer noch hochschwebenden Synthiepopsphären
    grüßt Euch

    Traumwaldschrat

    (#39)



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  16. Nach oben   #16

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    "Folge mir" / Dampftraumschiff

    Hoi, am 25. Juni letzten Jahres hat sich die Sonne anscheinend errötet und ist dabei doch etwas früher als ursprünglich untergegangen. Nur die Straßenlaterne hat es nicht mitbekommen...
    Wahrscheinlich aber Zornesröte?
    Oweia!


    Ach nee, ich bin so uninformiert!
    Waldschrat und Internet paßt halt einfach nicht zusammen.
    Von wegen: "Folge mir" ist nur ein neues Lied.
    Nein, auch dieses Lied hat eine tiefere Bewandnis!
    Nur, warum hatten sie es verheimlicht? Weder im Facebooktagebuch noch bei Universal-music hatte ich etwas darüber gelesen, erst durch Zufall, weil ich aus Langeweile noch etwas geschmökert hatte, fand ich einen Hinweis in einem Tagebuchkommentar, der den Waldschrat erst mal mit den Tücken einer Suchmaschine überforderte (nein, nicht einmal! Glei auf Anhieb gefunden!): "Folge mir" ist die Titelmusik einer neuen Attraktion im Europapark!

    Da komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus: Die Titelmusik zur DTM-Meisterschaft, das ist ja spannend, doch nur für sich genommen noch nicht überragend. Dann aber gleichzeitig noch die neue Titelmelodie einer Fernsehserie, he, das ist erstaunlich: Dann aber auch noch zusätzlich gleichzeitig die Titelmusik einer neuen Freizeitparkattraktion, he, das ist... wahnsinn!
    He, wo die überall ihre Finger drinhaben...
    Neinnein, laßt es mich höflicher formulieren:
    Es ist beeindruckend, was für einen Ehrgeiz die beiden an den Tag legen, die ziehen ja echt alle Register!
    Letztes Jahr in diesem Interview mit den Perlen auf dem Boden hatten sie es ja beschrieben, dass Glasperlenspiel nicht nur Musik sein soll, sondern ein Gesamtkunstwerk. Jetzt wird es allmählich sichtbar, wie es zu verstehen ist:
    Drei Titelmusikstücke, 361°-Respekt, Jury des Eurovision Song Contests, PULS, Häkelmützen und Strickschals... wirklich sehr ehrgeizig!

    Und nun ist die "Grenzenlos - die Zugabe 2014"-Tour noch lange nicht abgeschlossen, da stürmen die zwei schon wieder ins Studio und basteln an neuer Musik!
    Mannomann, die beiden machen echt Volldampf! Den Dampfregler echt bis zum Anschlag geöffnet!
    Das Traumschiff, auf dem Carolin mit Daniel durch die Zeit in die Zukunft reisen, scheint wohl ein Dampfschiff zu sein!

    Gute Reise, ihr zwei!


    Traumwaldschrat

    (#40)




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  17. Nach oben   #17

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    Uaah, doch Konkurrenz! / sparsam?

    Tja, tückisch, dieses Jahr komme ich nicht so leicht weg wie letztes Jahr um die Zeit, als ich die Hitparade so langweilig fand. Dieses Jahr gibt es viel Musik, die mir sehr gut gefällt, mit einem Lied, das ganz fürchterlich am Glasperlenspielthron rüttelt, wirklich gemein!

    Da war doch noch was, mensch, hätt ich fast vergessen, kam nämlich (noch?) nicht in die Hitparade, Fritz Kalkbrenners "Back home", so wunderbar herrlich depressiv, und ganz aktuell aus der Hitparade: Sheppard mit "Geronimo" finde ich erstaunlich gut und Robin Schulz f. Jasmine Thompson mit "Sun goes down" noch besser. The Avener mit "Fade out line" finde ich stark, denn es fängt recht zurückhaltend und trocken an, ist aber dann doch knackig und mit einer sehr ohrwurmfähigen Melodie, baut sich immer mehr auf, bis es in voller, ausgefüllter Klangausstattung in der Mitte noch mal von vorne beginnt, das ist echt mitreißend. Und für mich mal ganz anders, gute neue Musik aus dem Fernseher anstatt Radio: Kraftklub hatten einen Fernsehauftritt mit ihrem Lied "Schüsse in die Luft", die Wiederholung der Sendung sah ich mir auch an und, he, echt stark, der Refrain ist so erfrischend poppig.
    ...Fies, gell, bei Glasperlenspiel nörgel ich wegen jedes leisen Tons Gitarre rum und hier finde ich ganze Lieder einfach gut. Tja, ähm, nun ja, The Avener und Kraftklub machen ja von Haus aus nicht den Eindruck, als wollten sie Synthiepop machen...
    Noch mitreißender, wenn auch etwas unrund, zu wenig flüssig und allzu kurzweilig, David Guetta f. Sam Martin mit "Dangerous".

    Doch mein Lieblingslied diesen Herbstes ist Tove Lo mit "Habits (Stay high)"! Ein irres Lied! Das eine solch fürchterlich scharfe Konkurrenz zu Glasperlenspiel ist, wirklich so gemein! Ich könnt echt schwach werden! Ich schau auch nicht nach, wie die aussieht! Obwohl es auch seine Macken hat: Die Übergänge von den Refrains zu den Strophen sind schon sehr hart und außerdem singt sie mit sich selbst. Trotzdem: Zum Beispiel diese elektrisch brummenden Synthiestrings und dazu perfekt abgestimmt "o-uh" und "o-u-uh". Herrlich! Und Tove Lo hat halt diesen Lebensschmerz, von dem sie zu singen scheint, so überwältigend und mitreißend in Musik gegossen, mit leichten Anklängen zu Filmmusik, einfach irre, zum Mitheulen schön!

    Ja, -Lebensschmerz, Filmmusik, -oder auch Weltschmerz. Deswegen steht es bei mir ganz hoch im Kurs, weil es, wie "Wie Sonne und Erde", trotzdem, dass es von etwas ganz anderem erzählt, Weltschmerz ausdrücken bzw. untermalen kann:
    Ganz kurios, dieses Lied hat sich im Kopf zum "Soundtrack" einer Fernsehdokumentation entwickelt, dadurch konnte ich ganz eigene, eigenwillige Gedanken zum Thema dieser Dokumentation entwickeln und mit diesen Gedanken eine Weltschmerz ausdrücken, -was dann sogar noch zu Glasperlenspiels "Wie Sonne und Erde" und meiner Utopie einer besseren Welt führt.

    Doch diese Gedanken fand ich für das Glasperlenspielthema unpassend, deswegen finden sie sich an einer anderen Stelle hier im Forum unter Sonstiges (Allgemeines & Smalltalk, Plauderthread)(für die, die neugierig sind)

    -------

    Ich erinnere mich noch, im Sommer las ich in Glasperlenspiels Tagebuch einen Beitrag von jemandem, der recht betrübt war, dass "Moment" wieder nur eine Download-Single ist, und seine Gedanken darüber waren vergleichbar mit meinen. Das nehme ich nun doch zum Anlaß auszudrücken, was mich schon seit längerem verwundert:
    Mit CD-Single-Veröffentlichungen sind Glasperlenspiel recht sparsam!
    Finde ich schade, vor allem, weil ich mich unglücklicherweise so konkret in Erwartungen festgebissen habe. Es wäre ja gänzlich offen, welches Lied, doch ich hätte schon auf eines gehofft. Wobei, ich sag es ganz ehrlich, ursprünglich war mir schon fast bange, dass wirklich mein Lieblingslied die nächste Single werden würde, weil... ich hätte es zu fantastisch gefunden. Doch mittlerweile merke ich, ich hätte es mir doch sehr gewünscht, ich wäre schon neugierig, wie dieses Lied, das für mich so besonders ist, ankommt.

    Aber Glasperlenspiel sind anscheinend sehr eigenwillig!
    Das erhält natürlich Spannung!


    Grüße

    Traumwaldschrat

    (#43)



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  18. Nach oben   #18

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    Glasperlenspiel im Allgäuer KultKäschtle (Teil 1)

    Oh nöö, das war ja wohl nichts!
    Zugfahren zum Konzert funktioniert doch nicht!
    Dabei sah es so vielversprechend aus, die Bahn hat mich nach dem Fahrplanwechsel mit dem letzten Zug nicht im Stich gelassen!
    Doch es war trotzdem zu knapp.

    Ich denke, es hätte nichts daran geändert, wenn ich mich vorher noch einmal genauer informiert hätte, irgendwie hätte ich es auch wissen können, schließlich hatte ich mich schon geärgert, als ich irgendwas von Kuult gelesen hatte, hatte es aber dann doch erfolgreich verdrängt.
    Außerdem, so wie ich mich kenne, hätte ich es trotzdem versucht.
    Und es hätte ja wirklich nicht funktioniert!

    Wer hat eigentlich mit dieser "Unsitte" der Vorbands angefangen? Erst um fünfzehn oder zwanzig nach neun kamen Glasperlenspiel auf die Bühne, eine viertel Stunde, die diesmal die Zeitplanung komplett zunichte gemacht hat. Somit hätte ich mir das Konzert eigentlich sparen können, denn spätestens nach der Hälfte mache sich für mich immer drängender das Problem breit, dass ich ja die Garderobenwartezeit mit einkalkulieren muß, also irgendwie noch während des letzten Applauses oder noch früher hinausstürmen, und vor allem allerspätestens um 22:59. Bereits vor "Nie vergessen" war ich eigentlich schon wie betäubt. Ein Erlebnis war das nicht.

    Da ist es bitter, es sagen zu können, dass es deswegen gar nicht schlimm war, dass "Ich seh in dein Herz" und "Wie Sonne und Erde" gar nicht im Programm waren, ich hätte es wahrscheinlich gar nicht genießen können.

    Aber die Echt-Zugabe, gerade noch, einfach fantastisch, diese Version!


    Trotzdem bin ich jetzt echt sauer!


    Traumwaldschrat

    (#44)


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  19. Nach oben   #19

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    Glasperlenspiel im Allgäuer KultKäschtle (Teil 2)

    Tja, das war dann wohl nichts mit dem (kosmischen) Konzerterlebnis!

    Wobei...
    Ich finde es schon bemerkenswert, dass es wenigstens nicht funkioniert hat, denn wie gesagt, im Zusammenhang mit dem Memminger Konzert hatte ich es ja bereits erwähnt, zur Hochzeit des Synthiepop hätte es überhaupt nicht funktioniert. Doch im Falle Kemptens, das ist noch bemerkenswerter, braucht man gar nicht so weit zurückzudenken, denn es ist nur drei Jahre her, da hätte es ebenfalls noch überhaupt nicht funktioniert, fuhr der letzte Zug Richtung Buchloe noch früher, eine halbe Stunde. Das heißt, ich hätte die letzte halbe Stunde des Konzerts mit der Zugabe verpaßt. Vermutlich hätte ich es mit diesem Fahrplan gar nicht versucht, sondern ganz auf das Konzert verzichtet.

    Ich bleibe aber dabei: Daß man heutzutage noch spät nachts Zugfahren kann, sehe ich nicht als Errungenschaft.
    Oder nein!
    So stimmt das nicht:
    Es ist schon eine Errungenschaft! Nur war für mein Empfinden der Preis dafür zu hoch, denn ermöglicht hat diese Errungenschaft die Bahnreform, die aber gleichzeitig durch die Kurzsichtigkeit oder durch die Kaltschnäuzigkeit (Bereicherung auf Kosten des Gemeinwohls), mit der sie ausgearbeitet wurde, dafür verantwortlich ist, dass es heute keinen flächendeckenden Güterverkehr mit der Bahn mehr gibt, wodurch aber die einst zukunftsorientierte Idee, mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, einfach überhaupt nicht mehr möglich ist. Es ist das, was ich entweder kurzsichtiges oder böswilliges Kaputtmodernisieren nennen würde, zum Beispiel Modernisierung durch angebliche Kosteneinsparung. Dazu wurden deutschlandweit [letztendlich europaweit] Überholungsgleise, Zugkreuzungsbahnhöfe, unzählige Anschlußgleise der Industriebetriebe, ganze Bahnlinien, Rangierbahnhöfe und Verladeanlagen, zum Beispiel Containerbahnhöfe, stillgelegt und abgebaut. Kempten hatte mal einen Containerbahnhof und ein größeres Netz Anschlußgleise. Wollte man heute wirklich mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern, müßte man erst einmal, wie damals um 1890, jahrelang alles wieder flächendeckend aufbauen, -und das im 21. Jahrhundert!

    Ich finde das absurd, deswegen kommt mir auch ein absurder, übertriebener Vergleich in den Sinn:
    Wir haben unglaubliche Errungenschaften des modernen Lebens, durchs Internet Informationen aus der ganzen Welt, wir können von jeder erdenklichen Stelle des Landes telefonieren, wir können aus was weiß ich wievielen Fernseh- und Radiosendern auswählen, wir können weltweit in Bild und Ton mit Menschen kommunizieren, haben Autos mit Airbag, Hochleistungs-Audioanlage und Navi, die sogar bald selbst fahren können und können innerhalb weniger Tage alles Erdenkliche und Unnötige übers Internet bestellen, aber vom Eisenbahnwesen her sind wir noch weniger als ein Entwicklungsland im Jahr 1970, als das Wählscheibentelefon und ein wohnzimmerschrankgroßer Computer mit der Rechenleistung eines heutigen Schultaschenrechners der neueste Stand der Technik, die Zukunft waren.

    Es ist bestimmt nicht sinnvoll, aber mir ist diese Thematik so wichtig, dass sie mich auch emotional berührt, wie auf der Heimfahrt nach dem Glasperlenspielkonzert:
    Ich saß links im Zug mit Blick auf das Gleis des Gegenverkehrs, hab natürlich nichts gesehen, war ja dunkel, doch plötzlich, weit hinter Günzach, drei Lichter in Dreiecksposition, wrummhuschhuschhuschhusch, ein Personenzug mit unbeleuchteten Wagen, ein Leerzug, wahrscheinlich auf Fahrt ins Kemptener Betriebswerk. In diesem Moment dachte ich mir, vor 30 Jahren wäre das bestimmt ein Güterzug gewesen, der sich noch durch die unzähligen Kurven rumpelnd auf der Allgäubahn, wie diese Strecke heißt, durch die Nacht geschlängelt hätte.
    Ein schönes Bild!
    Wirklich traurig!
    Die Zukunft, mit mehr Güterverkehr auf der Schiene, hatte noch gar nicht begonnen, da war sie schon wieder vorbei.
    Das ist eigentlich nicht traurig, sondern absurd!

    Nun gibt es fast keinen Schienengüterverkehr im Allgäu mehr, aber die Errungenschaft, nachts noch mit dem Zug fahren zu können, hat mir dann doch nichts gebracht, weil es für ein Popmusikkonzert immer noch zu früh war. Auch in Memmingen letztes Jahr, wenn man es genau rechnet, wäre die Geschichte auch eigentlich äußerst knapp ausgegangen, wäre der Beginn nicht um 19 Uhr gewesen. So wie es für meinen persönlichen Geschmack eigentlich sein sollte, wenn man schon mit Vorband durchs Land tingelt. Hätte das Glasperlenspielkonzert im KultKäschtle ebenfalls schon um 19 Uhr angefangen, wäre auf dieser kleinen Informationstafel als vorraussichtliches Ende 21:45 Uhr gestanden und sie hätten in Folge der Umbauerei locker bis 22:15 Uhr überziehen können (tatsächlich nur eine viertel Stunde) und es wäre trotzdem kein Thema gewesen, noch rechtzeitig zum Bahnhof zu kommen.
    Wirklich so ärgerlich!
    Ich bin immer noch sauer.


    Leider kann ich es mir nicht verkneifen, auch noch mit billigen Sparwitzen um mich zu schmeißen:
    Man schaue nur einmal in den wolkenlosen Nachthimmel, da kann man anhand zweier Sternbilder sehen, dass ein solides, flächendeckendes Eisenbahnnetz als Grundlage des wirtschaftlichen Lebens geradezu eine kosmische... naja, wie soll man sagen, Vorsehung, Eingebung, Bestimmung ist, umso mehr, als in europäischen Breiten diese Sternbilder zirkumpolar sind, was bedeutet, dass man sie das ganze Jahr immer sehen kann, sie also nicht untergehen, so wie diese Zukunftsperspektive nicht untergehen sollte.
    -Diese Sternbilder dazu sind der große und der kleine Waggon, ein großer, mehr als 26 Meter langer Personenwaggon und ein kleiner, kürzer als 22 Meter, Güterwaggon.

    Blöder Witz, gell!
    Ja, nunja, es ist eigentlich auch nicht witzig, denn man könnte es der Realität entsprechend so umdeuten, dass eine Zukunft mit solidem, flächendeckendem Eisenbahnnetz, vielleicht für immer(?), in den Sternen steht...


    (Das Konzert = Teil 3)


    Traumwaldschrat

    (#45)



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  20. Nach oben   #20

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    Glasperlenspiel im Allgäuer KultKäschtle (Teil 3)

    DAS PUBLIKUM

    Schon in Ulm hat es mich erstaunt! Ich dachte ja wirklich, bei einem Glasperlenspielkonzert als einer der ältesten in einem Meer kreischender Teenies zu stehen...
    Nö, gar nicht!
    In Kempten, wenn ich in die Runde blickte, fühlte ich mich schon fast wieder jung, dabei waren es, glaube ich, nicht nur Eltlern mit ihren minderjährigen Kindern, sondern wirklich Fans. Mir juckt ja schon lange diese freche Bemerkung in den Fingern:
    Carolin und Daniel tun mir irgendwie leid.
    Ich geh doch davon aus, dass die beiden bei der Idee ihrer Musikerzukunft hauptsächlich ihresgleichen, die sechzehn bis vierundzwanzigjährigen, mit ihrer Musik erreichen wollten und nun stehen da so viele oide Daggl wie ich im Publikum!
    Die Armen!
    Tja, Daniel sagte in einem Interview: "...vielleicht haben die Leute mal wieder Lust auf Depeche-Mode-Klänge..." (oder so ähnlich). Vermutlich hat er mit dieser Bemerkung hauptsächlich die alten Depeche-Mode-Fans neugierig gemacht.
    Nunja, oder: Glasperlenspiel sind gegerationenverbindend!


    DIE ERSTE VORBAND

    Mit Gitarre?
    Naja...
    Mit Trommel!
    Damit haben die zwei bei mir schon gewonnen!
    Glücklicherweise stand ich so günstig, dass ich die Trommel auch sehen konnte, wie sie gespielt wurde.
    Dabei recht ungewöhnlich, Marke Eigenbau?
    Das letzte Lied "too close" kannte ich natürlich, die Idee, es mit Gitarre und Trommel zu interpretieren, ist auch gut und passend, die Strophen auf alle Fälle, nur der Refrain vielleicht ein bißchen anders. Ich kann nicht sagen, ob es funktioniert und besser klingt, aber meine Empfehlung wäre, den Refrain irgendwie energischer zu spielen, irgendwie mit einem synkopierten Trommelwirbel oder so.


    KUULT

    Recht verwundrlich war für mich, dass ich über meine eigenen Ideen gestolpert bin. Dieses Gerät, mit dem man acht oder sechzehn Takte gespielter Melodie unmittelbar als Endlosschleife laufen lassen kann, das geht eigentlich in die Richtung, wie ich mir ein Livekonzert ohne Tonband vorstelle, wenn die Musik aus mehr Tonspuren als Bandmitgliedern besteht, doch irgendwie hat es mich überhaupt nicht überzeugt, irgendwie fand ich es doof, dass da von irgendwo noch Hintergrundstreicher zu hören waren. Vielleicht lag es aber auch daran, weil die drei den Eindruck erweckten, als würden sie reine Handarbeit, rauhen, kernigen Rock machen, wozu dann so etwas doch nicht paßt. Oder ich war zu dem Zeitpunkt schon so genervt, weil mit einer ZWEITEN Vorband die Sache mit dem letzten Zug anfing, mir querzugehen!

    KUULT haben aber vielleicht tatsächlich das Zeug, Kult zu werden! Wobei ich jetzt nicht die Musik meine; wie gut die ist, müsssen andere entscheiden, die Gitarrenmusik mögen. Ich meine etwas, wovon ich, der männlich ist, aus Sicht der Frauen eigentlich doch nichts verstehe, aber... ich komm halt nicht drumrum: Dieser Philipp ist irre! Weil... nee, also irgendwas paßt da nicht. Er macht irgendwie den Eindruck, als hätten sich die Mittelalter-Gruftirockband Tanzwut als neuen Gitarristen den dreißigjährigen Richard Clayderman geholt. Der Richard Gere der Rockmusik! Irgendwie bleibt der Eindruck, als wäre Philipp der Spaßvogel der drei, als nähme er die ganze Sache gar nicht so ernst, als nähme er sich selbst nicht so ernst. Irgendwie paßt er scheinbar nicht zu einer Poprockband, zu den anderen beiden Rabauken; den Eindruck hat er zumindest bei mir hinterlassen. Vielleicht macht aber gerade dieser Widerspruch den Reiz dieser Band aus!
    -Wenn ich ein hübsches Mädchen wär, ich würd ja so dermaßen weiche Knie kriegen. Keine Ahnung, wie es Frauen wirklich sehen, aber ich meine, Philipp hat eine unglaubliche Aura, eine Wahnsinnsaustrahlung!
    Deswegen könnte ich mir vorstellen, wenn KUULT neben der Musik zusätzlich noch ganz speziell auf Philipps Charme setzen, könnte aus ihnen, zumindest bei weiblichen Fans, echt 'ne Kultband werden!


    GLASPERLENSPIEL

    Ich hatte mich vor dem Konzert noch auf den neuesten Stand der Dinge gebracht und das Tagebuch angesehen. Somit war ich also schon vorinformiert, dass ihr Glasperlenspiel offenbar Schaden genommen hat, denn die Xylophonperle war auf den neuesten Tourfotos nur noch halbrund. Als ich dann im Saal den Bühnenaufbau ohne das Glasperlenspiel sah, dachte ich schon, dass es nun ganz hinüber sei. Bis ich dann bei den Umbauarbeiten erkannte, dass dafür einfach kein Platz war, um es von Anfang an aufzustellen.
    Puh, das ist ja nochmal gutgegangen!

    Mit ihrer Kleiderwahl hat Carolin mich dieses Mal ganz schön irritiert! Das war ja königlich ...nein, ...ähm... kieszalich! Ich habe ja schon mal geschrieben, dass ich dazu neige, fürchterlich eingebildet zu sein, aber... hat Carolin das absichtlich gemacht? Weil sie entsprechende Beiträge im Internet gelesen hatte und davon ausgehen konnte, dass dieser Kauz aus Kaufbeuren zu ihrem Konzert nach Kempten kommt?
    Nö, gell!
    Das bilde ich mir jetzt nur ein, gell!
    Auf jeden Fall... seeehr spannend hübsch!
    Da würde man gerne einmal um die Ecke... ?...--... !...um die Kurve spitzeln, hach! Durfte man aber nicht! Denn sie hatte ihre Kostbarkeit mit diesem netzartigen Umhang... quasi ausgegraut! Wie im Internet. (oje!)
    Wobei ich ganz deutlich, ohne Ironie oder neckischen Hintergedanken, einmal betonen möchte, dass ich es sehr gut finde, dass Carolin nicht mit Reizen spielt. Wenn Shakira, Beyonce, Pink, Kiesza, Rihanna, Ariana Grande oder Kim Wilde wie einst mit dem Titelbild ihres Albums, das man auch fast aussprachlich identisch ins Schwäbische übersetzen könnte: "datsch mi" (Soll noch einer sagen, dass Schwäbisch nicht popmusikgeeignet wäre!), wenn die keine Gelegenheit auslassen, um ihre Verführungen in die Kamera zu strecken, dann ist das denen ihre Sache, wenn die so etwas nötig haben oder es grundsätzlich zum Karrierekonzept dazugehört, aber bei Glasperlenspiel fände ich persönlich so etwas unpassend, dafür finde ich Glasperlenspiel zu besonders. Glasperlenspiel ist interessante und faszinierende Musik mit Aussage und Seele, da braucht es so etwas nicht. Es sei denn, es diente zur Unterstreichung eines Liedtextes.

    ---

    Tja, das Glasperlenspielkonzert, das war dann wohl nichts.
    Ich will ja gar nicht unbedingt etwas gegen Vorbands sagen, denn von der Veranstaltungsplanung macht das ja einen ganz soliden Eindruck, fünfundvierzig Minuten plus Abbauen oder wie in Kempten, zweimal fünfundzwanzig Minuten plus Abbauen, und selbst 21:05 Uhr wäre ja noch im grünen Bereich gewesen. Das wäre Zugabe um 22:30 Uhr gewesen. Für einen alten "Fahr Bus und Bahn"-Profi (schon aus Ehrgeiz, obs klappt!) wär das noch locker zu kalkulieren gewesen, auch mit Garderobe. Aber 21:20 Uhr! Das hat alles zerschlagen! Damit war für mich der Abend gelaufen! Eigentlich wollte ich ja noch einmal einen Blick erheischen...

    Den Nerv hab ich dann nicht mehr gehabt und auch keinen, mich noch mal genau auf die Musik einzulassen. Nein, da wog doppelt schwer, dass ich mit Konzertversionen der einzelnen Lieder nichts anfangen kann. Mittlerweile kann ich es sogar noch treffender ausdrücken: Warum wurden nicht alle Lieder wie die Echt-Zugabe auf die Bühne gebracht? Es geht doch um Elektropop?!

    Mich macht das traurig! Und es verunsichert wieder, ob ich mit meinen Erwartungen an Glasperlenspiel doch auf dem falschen Dampfer bin.
    -Ich bin sogar erschrocken: Zu Hause hatte ich noch ein wenig "Grenzenlos in diesem Moment" gehört und war begeistert! Doch die Lieder auf dem Konzert fand ich auf einmal so leer, so fremd, so schwerfällig, da war keine Energie drin.
    Nö, gell, stimmt gar nicht?
    Das empfand ich nur, weil ich halt so frustriert war! Gell...?
    Oder... ich glaub, das waren die Ohrenstöpsel! Mann, ist das tückisch! Aber es könnte echt sein! Schon während des Konzerts habe ich es, glaube ich, verstanden, laut ist eben nicht gleich laut!
    Wieviel Dezibel hat eigentlich so ein Glasperlenspielkonzert? Ich könnte vermuten, gerade in bißchen mehr als die Gehörschädigungsgrenze 70dB. Das wäre die Lösung! Vermutlich hat eine Diskothek knapp unter 100dB und für Schaumstoffohrenstöpsel ist das ideal, dann ist es ein Musikerlebnis. Doch mit 70dB wird von den Schaumstoffohrenstöpsel schon zu viel von der Musik verschluckt!
    Oh nee, den Konzertbesuch hätte ich mir echt sparen können!
    Wenigstens konnte ich noch schön Zugfahren. Mit einem richtigen Zug! Mit Lok und Waggons! Nicht so ein Triebwagenscheißglump, wo die Dieselmotoren durch die ganzen Abteile dröhnen, dass man sich sogar beim Zugfahren besser Ohrenstöpsel in die Ohren schrauben sollte...

    Aber irgendwie bin ich dann doch nur noch traurig, wenn ich sogar sagen kann: Dann war es ja nicht so schimm, dass ... nicht gespielt wurden. "Wie Sonne und Erde" auf alle Fälle, aber auch und gerade "Ich seh in dein Herz".
    -Und das erstaunt mich überaus! "Ich seh in dein Herz" ist ja schon wie eine Bühnenversion, hat doch von Haus aus nur sechs Tonspuren, ist für die Bühne also geradezu ideal, könnte man sogar ohne Tonband den 100%igen Glasperlenspielklang auf die Bühne bringen! Warum haben sie das denn nicht gemacht?
    Sehr eigenwillig...?
    Schlagzeug, Bene, geht eh klar, Baß, Markus, gut, sollte eigentlich ein synthetischer, dröhnender sein, aber auf der Bühne ist die Baßgitarre bestimmt akzeptabel, Nico könnte richtig schön nach Herzenslust und vor allem stimmig und passend auf der Gitarre rumplingeln, Daniel mit der einen Hand die schwebenden Hintergrundklänge, mit der anderen Hand die quietschende Hintergrundmelodie und Carolin singt. Fertig! Prefekt! Eins zu eins! Wie auf der CD, nur etwas "wackeliger", weil es live ist.
    Warum nur nicht?
    Blöderweise fällt mir auch noch ein, wie ich es am besten fände, es zu beleuchten:
    Mit den ersten Takten schwenken blaue, grüne und gelbe Scheinwerfer über die Bühne, mit der Schlagzeugüberleitung zur Strophe "verstecken" sich alle bis auf einen blauen, der Carolin von oben anstrahlt. So singt sie die Strophe. Mit der Schlagzeugüberleitung zum Refrain "kommen" dann die anderen Scheinwerfer "wieder hervor" und schwenken während des Refrains blau, grün und gelb über die Bühne!
    (-Ich bin doof, gell? Was ich mir hier alles erlaube...)

    ---

    Wenigstens einen kleinen Trost gab es:
    "Wie ich nicht sein will", wie in Memmingen, der originale Klang auf der Bühne!
    Und!
    Die Echt-Zugabe!
    Dieses Stück ist spitze!

    ---

    Mir tat dieses kleine Mädchen leid, die neben Carolin singen durfte!
    Ich würde mir so sehr wünschen, dass sie es als ein besonderes Ereignis erlebt hatte, aber wenn ich mich an Schulkonzerte oder dergleichen zurückerinnere, sah es für mich eher so aus, als wäre sie lieber auf der Stelle gestorben. Und wenn sie älter ist, wird sie vermutlich gleiches wollen, wenn sie realisiert, welch kostbaren Moment ihr die Bühnenangst verhagelt hat.
    Eigentlich traurig...

    ---

    Zum Schluß berichtete Carolin ja, dass sie nun wieder ins Studio gingen und an ihrem nächsten Album arbeiteten.
    Das hat mich beruhigt, hatte ich es doch erhofft, vielleicht sogar nicht anders erwartet, trotzdem war ich beeindruckt! Denn Mitte Dezember war nämlich in der Zeitung ein Bericht über Dorothee Pesch, diese Rocknudel, (scheint sehr hübsch zu sein, soweit man das erkennen konnte) und sie hat sehr viel schmissiger ausgedrückt, was ich vorletztes Jahr im Dezember zu sagen versuchte, warum ich mich um Carolin und Daniel ein wenig gesorgt hatte. Sie wurde zitiert: "Die Musikbranche ist ein Haifischbecken!"
    Genau das meinte ich!
    Und nun stellte sich Carolin hin und bestätigte: Wir machen weiter!
    Also nix da, dass die beiden wieder aus dem Becken herausspringen würden: Iiiih! Haie!, sondern sie bleiben drin... und beißen sich durch...?
    Selber zwei so Haie?
    Wirklich beeindruckend!

    Dieses Jahr gibt es also neue Glasperlenspielmusik! Oje, da werd ich ja jetzt schon ganz hippelig!


    Viele Grüße

    Traumwaldschrat

    (#46)




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  21. Nach oben   #21

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    Jetzt geht's rund / Musikalische Feinheiten

    Langweilig?
    Gell, Fan sein ist schon irgendwie doof, denn man weiß ja Bescheid. Zum Beispiel Hitparade: Woche um Woche voller Spannung abzuwarten, ob ein Lied von Glasperlenspiel eingestiegen ist, das ist relativ unsinnig, weil als Fan weiß man ja, dass da erst mal nichts passiert. Was also Glasperlenspiel betrifft, ist die Hitparade derzeit recht langweilig. Die Hitparade selbst ist aber nach wie vor sehr interessant:

    Omi: "Cheerleader"
    Charli XCX: "Break the rules" [ausgeschieden]
    Hosier: "Take me to church"
    Years & Years: "King"
    Lost Frequencies: "Are you with me"
    Herzdame: "Dunkle Seite" ist gar nicht schlecht
    und das neue Lied von Rihanna scheint sehr gut zu sein, muß ich mir diese Woche noch mal genau anhören,

    vor allem aber
    Kygo f. Conrad: "Firestone"

    und ganz besonders
    Christine and the Queens: "Christine",
    dieses Lied ist super!


    Noch mehr Konkurrenz zu Glasperlenspiel?
    Ach nee!
    Ich hatte doch an anderer Stelle hier im Forum geschrieben, dass ich mir dieses Konkurrenzdenken wieder abgewöhnen möchte, lieber sehe ich es als stetig größer werdende Lieblingsmusikfamilie, aus der Glasperlenspiel deutlich herausragt. Wobei Familie eigentlich ein bißchen zu viel gesagt ist, denn von den genannten ist es nur Christine and the Queens, die mich so neugierig macht, dass ich eventuell doch noch das Album kaufe und vielleicht sogar auch noch irgendwo Kommentare dazu schreibe.
    -Aber ich müßte mich erst mal dahinterklemmen, was eigentlich Sache ist, denn ich habe so die Vermutung, dass diese Interpretin in Deutschland noch gar nicht veröffentlicht ist.
    -Ich hatte ja im Aktuell-Thema meine Begeisterung zu Christine and the Queens mitgeteilt, durchaus mit dem Hintergedanken, dass dadurch vielleicht so viel Interesse zu "Christine" entsteht, sodass dieses Lied in der Hitparade erscheint. Doch das hat irgendwie nicht funktioniert, weit und breit nichts davon zu hören. Eventuell gefällt es doch keinem, aber möglicherweise kann man es noch gar nicht kaufen.


    Doch jetzt wird im Bezug zu Glasperlenspiel die Hitparade ausgesprochen spannend! Fast hätte ich es ja noch um eine Woche verpaßt, denn gerade habe ich mich wieder extrem in meinen Traumwäldern verlaufen: Im Mai gibt es Neuveröffentlichungen von Glasperlenspiel, das neue Album und die erste neue Single "Paris".
    -Boa, stark! Dann geht's ja demnächst wieder rund!

    -----------

    Seeehr rund sogar!
    Offenbar macht Carolin jetzt Schluß mit zahm, jetzt werden ein paar Register mehr gezogen, so als wolle auch sie jetzt für Jungs gefährlich sein, fähig, sie ins schmachtende Verderben zu reißen: Auf den neuen Bildern ihrer eigenen Internetseite ist sie wirklich ganz ausgesprochen seeehr spannend hübsch! -Wenn ich es mir recht überlege, eigentlich nicht verkehrt! Zwar meinte ich ja, dass ich es sehr positiv finde, wenn Carolin nicht mit Reizen spielt, andererseits fände ich es noch besser, wenn man diese unausweichliche Realität nicht ignoriert: Menschen werden zum Kinderkriegen geboren. (Aus meiner Sicht die kostbarste Bestimmung.) Deswegen ist es ja so wahnsinnig toll, damit es auch ja kein Mensch vergißt. Deswegen sind aber Menschen auch so wahnsinnig toll rund hübsch, damit man auch ja immer wieder daran erinnert wird. Und weil es eben kosmisch-natürlich-bedingt so unglaublich wichtig ist, dass immer wieder neues Leben entsteht, sind Menschen auch wirklich IMMER ganz fürchterlich kinderkrieglich hübsch, wirklich absolut immer, jede(r) und überall! Auch Elektropopmusiker/innen im Wüstenbrachland vor einer Großstadt oder im Stadion.

    Ich finde, diese zwei Bilder passen so wunderbar treffend zu diesem Gedanken, vor allem auch deshalb, weil sie es eher durch Nichtbetonung betonen und dadurch den Aspekt immer-und-überall hervorheben: Es ist ganz dezent, unaufdringlich, zurückhaltend und beiläufig in Szene gesetzt und trotzdem sieht Carolin sooooo hübsch aus!
    -Jaja: Carolin will jetzt auch für Jungs gefährlich sein!
    -Uuuh! Heiß!

    Und Daniel? Sieht er "heiß" aus ? So im Sinne von "Dem würde ich mich um den Hals werfen!"? Kann ich ja nur schlecht beurteilen, bin ja selbst ein hübscher Bub und habe nur Augen für hübsche Mädchen.

    -----------

    Aber anscheinend geht es jetzt sogar... extrem rund!
    Denn jetzt schießt auch noch die Gerüchteküche quer! He, was ist los? Was liest man im Tagebuch, irgendwas von "...nicht magersüchtig..." Und ein paar andere, die voll drauf einsteigen?

    Ööhm... ja?
    Der Hals ist zu dürr? Hmm? Ähm: Das Bild ist zu schlecht!
    Schon mal aufgefallen, dass es von seltsam mieser Qualität ist? Da kann schnell ein falscher Eindruck entstehen! Auch die Perspektive macht es vielleicht noch schlimmer als es ist: Weil nur der Hals zu sehen ist. Aber macht man sich die Mühe zu vergleichen, sieht man, dass auch auf dem Foto vor der Großstadt und auf den Stadionsitzen die Halsknochen deutlich hervortreten und sogar vor zwei Jahren auf dem Titelbild der Single "Nie vergessen". Also bei Carolins Anatomie scheint das normal zu sein! Außerdem: Sieht Carolin im Wüstenbrachland mager aus? Wenn man es unbedingt sehen will vielleicht.

    Vergleicht man es aber mit dem Titelbild der Single "Ich bin ich", bestünde schon seit drei(!) Jahren Grund zur Annahme ihrer Magerkeit, aber keiner hat was gesagt! Deswegen scheint es wahrscheinlicher zu sein, dass sie von Natur aus sehr schmächtig gewachsen ist, zusammen mit einem relativ großen Kopf mit vielen Haaren drauf.


    Dummerweise nützt aber das Vergleichen auch nicht in dem Sinne wie erhofft, denn das neue Titelbild ihrer eigenen Internetseite schießt quer, dort sieht der Hals im Vergleich zu anderen Bildern irgendwie komisch aus, schon fast aufgedunsen, irgendwie kegelförmig, auf jeden Fall zu glatt und konturlos. Für mich sieht das so aus, als wurde da retuschiert, und da ich diesen unglücklichen Kommentar nun kenne, stellt sich mir plötzlich die Frage, ob es da wirklich etwas zu retuschieren gab.


    Wenn das Gerücht der Magerkeit wirklich wahr wäre, das wäre schon schlimm... ganz schlimm!
    Da würde doch das ganze Glasperlenspielkonstrukt zerbröseln, denn sich um die Karriere kümmern und noch um eine gequälte Seele, das kann doch nicht gut gehen und außerdem wären Glasperlenspiel dadurch angreifbar, für Widersacher wäre es auf einmal viel leichter, sie aus dem Geschäft zu drängen.

    Doch wäre das wirklich war, stellte sich für mich die Frage, ob man als Fan nicht irgendwie helfen könnte. Ich könnte mich irgendwie nicht damit zufrieden geben: Ja, sie wird das schon schaffen, sie hat ja ihre Leut. Carolin hat mit Daniel zusammen mir bisher eine Menge gegeben, für mich wäre es da schon selbstverständlich, ihr in diesem bedürftigen Moment etwas zurückzugeben, und sei es auch nur in der Masse der Fans, wie auch immer das aussehen würde. Doch wie könnte das gehen?


    ...? ...!
    Ohjemine! Ach du Keks! Nichts mehr essen!
    Wenn das wirklich wahr wäre und es käme daher, weil sie im Plauderthread etwas davon gelesen hat, wie grausam dieses kostbare Leben ist...

    Oder hat es gar nichts mit Essen zu tun? Irgendwie sieht das Bild wirklich seltsam aus und ich hatte, obwohl ich es nur von Erzählungen her kenne, sehr schnell den Gedanken, dass es nach Totkrank aussieht.
    -Puh! Das wäre so schrecklich!

    Aber vielleicht hat es ja doch etwas mit Essen zu tun, nur ganz anders!
    Stichwort Haifischbecken.
    War der Druck, ein neues Album zu kreieren, doch eine keine Nummer zu groß, sodass unglücklicherweise ihre Ernährung wesentlich zu kurz gekommen ist? Zum Beispiel Appetitlosigkeit oder fehlendes Hungergefühl als Folge des Stresses? Das wäre auch eine sehr viel weniger dramatische Erklärung, auf die glücklicherweise auch jemand im Tagebuch gekommen ist.
    -Mit diesem Gedanken hätte dieses Bild mit der entsprechenden Interpretation einen ganz anderen Geschmack: "Ach, Bussi, ich liebe Euch alle, deswegen habe ich wie wild an einem neuen Album für Euch gearbeitet, so wild, dass ich jetzt erst mal ein paar Wochen Mahlzeiten nachholen muß". In diesem Fall wäre "mitleiderheischend" gar nicht negativ, sondern einfach eine berechtigte Darstellung, dass sie dieses Mal vielleicht tatsächlich ein Opfer bringen mußte, um ihren Fans etwas bieten zu können.


    Ach nee, Mensch, das Internet ist so tückisch!
    Zwar bietet es einen nie dagewesene Fülle an Informationen, aber bestimmt noch eine wesentlich größere Menge an Fehlinformationen. Das ideale Medium, wie durch Gerüchteküche sich auf einmal Realitäten selbst aufbauschen, wo gar keine sind, und aus belanglosen Kleinigkeiten Katastrophenmeldungen werden. Eigentlich wäre es nötig, bei allem, was man im Internet liest oder sieht, nachzuforschen, wie glaubhaft, korrekt, wahrhaftig es ist. Aber wer macht das schon. Ich ja auch nicht. Somit ist eigentlich alles im Internet glaubhaft und fragwürdig zugleich! Was wiederum eigentlich ideal ist, um mit Fehlinformationen von wichtigen Informationen abzulenken oder mit Scheinrealitäten echte Realitäten zu vertuschen. Zum Beispiel auch dadurch, Aufmerksamkeit in eine falsche Richtung zu lenken, was aber wiederum, ganz besonders tückisch, auch unbeabsichtigt passieren kann.
    Deswegen finde ich es absolut lehrbuch-beispielhaft:
    Ich bin mir sehr sicher, ich hätte dieses Bild bestimmt nicht weiter beachtet, wenn mir nicht zufällig dieser unglückliche Kommentar "...nicht magersüchtig..." ins Auge gesprungen wäre. Erst dadurch hat sich mein Blick völlig verändert in die Richtung: "Stimmt, da ist wirklich was komisch". Natürlich gleich ganz ehrgeizig mit Bildvergleichen und zusätzlich eine kilobyteweise blühende Fantasie, was das bedeuten könnte.


    Und?
    Was bedeutet es jetzt?

    Ich glaube, irgendetwas ist da schief gelaufen; oder droht schief zu laufen, wenn sich die Gerüchteküche weiter hochschaukeln sollte. Natürlich merkwürdig, dass nur der Bussimund zu sehen ist ohne Gesicht, so als hätte man mit der Handyfotolinse danebengezielt. Und dies auch noch mit diesem kriminell dürren Hals.
    -Aber ich gehe eher davon aus, dass es allerhöchstens ein Gag sein sollte, vielleicht ja ein Kunststück, wie Carolin (ist sie das überhaupt?!) trotz Bussimund die Halsmuskulatur so dermaßen verziehen kann, dass gleich die Halsknochen aus der Haut rausquellen (oder heute die Halssehnen), allerallerhöchstens ist dieses Bild retuschiert, -deswegen vielleicht auch die schlechte Qualität-, damit es schön gruselig aussieht.

    Warum das?

    Man beachte einfach mal das Datum dieses Tagebucheintrages...


    ###########


    MUSIKALISCHE FEINHEITEN


    Carolin und Daniel waren in Hollywood. Irgendwie kam ich auf den dussligen Gedanken: Dann ist es ja zum Synthiepopmusiker Zhu nicht mehr weit, haben sie sich vielleicht mit ihm getroffen? Doch dann erinnerte ich mich, dass die beiden ja auch in New York waren, wo ich durch den Gedanken mit Zhu plötzlich auf den Trichter gekommen bin: Haben sie sich dort vielleicht mit Kiesza getroffen! Glasperlenspiel singen übers Tanzen, Kiesza tanzt im Video, das paßt doch zusammen: Glasperlenspiel tanzen den Schmerz weg, Kiesza tanzt mit Schmerzen eines Rippenbruchs. Wenn ich mich nicht täusche, lebt und werkelt sie doch in New York. Diesen Gedanken eines Treffens fand ich lustig und die Vorstellung fand ich so süß! Würde man es jemals erfahren?

    -----------

    Letzten Sommer las ich im Tagebuch den Kommentar, dass Glasperlenspielhören einfach nie langweilig werde, man entdecke sogar beim wiederholten Male immer noch etwas Neues.
    Absolut! Dem kann ich nur zustimmen!
    Und mich über meine Transusigkeit ärgern!
    Ich habe mich ja kilobyteweise über Glasperlenspiels Musik ausgelassen, aber trotz meines Eifers total überhört, dass es eine kleine Besonderheit gibt.
    -Etwas Besonderes ist für mich Popmusik im 3/4-Takt, weil es nur sehr wenige Lieder gibt und von denen mir nur ein ganz kleiner Teil wirklich gut gefällt. Spontan fallen mir sogar nur drei Lieder ein:

    Mecano: "Hijo de la luna"
    Depeche Mode: "Blue Dress"
    OMD : "Maid of Orleans"

    Auch im Sommer hatte ich dann endlich entdeckt, dass Glasperlenspiel auch ein Lied im 3/4.Takt haben, nur muß man genau hinhören, denn es ist versteckt: "Herzschlag".
    Versteckt deshalb, weil der Rhythmus hört sich an wie ein extrem langsamer 4/4-Takt, aber auf jeder Viertelnote liegt ein Triolenrhythmus, der einen 3/4-Takt ergibt:

    Bist-du-vom / He-erz-schlag / auf-gewa-cht / (1)-(2)-jeder /
    Tag-(2)-ein / Tag-der*et-was / Neues-schafft-(3) / (1)-(2)-(3) /

    Das ärgert mich echt, dass ich da nicht schon früher draufgekommen bin!

    -----------

    Den Winter über gab es in der Hitparade etwas Verblülffendes zu hören, das indirekt irgendwie auch etwas mit Glasperlenspiel zu tun zu haben schien, fand ich zumindest:

    Echosmith: "Cool Kids"

    Gefällt mir gut!
    Verblüffend schon allein, wie teilweise gerade mal siebzehnjährige Jünglinge und Mädchen zu Musik von solch trauriger, schon fast depressiver Stimmung kommen, noch verblüffender aber, ob sie zufällig während eines Europaurlaubes von einem Glasperlenspielkonzert inspiriert wurden, denn ich finde, "Cool Kids" klingt schon sehr glasperlenspielig! Das, was man als Erkennungsmelodie des Liedes bezeichnen könnte, klingt doch verblüffend ähnlich schnarrend wie das Bühnenglasperlenspiel, oder! Wirklich erstaunlich! -Dabei ist diese Klangfarbe sogar noch eine Tonmischung aus Gitarre, Synthiestrings und diesem elektronischen Schnarren. Aus drei Klangfarben! Find ich bemerkenswert!

    -----------

    Da wir gerade beim Bühnenglasperlenspiel sind:
    Im Nachklang des Glasperlenspielkonzertes in Kempten entdeckte ich diesen Januar etwas, -das klingt jetzt zwar ein bißchen doof, aber-, das mich entzückt hat: Das Bühnenglasperlenspiel ist ja auf dem erste Album zu hören! Wobei es sich versteckt hat! Denn es hat nicht diese elektronisch schnarrende Klangfarbe, wie man es vom Konzert her kennt, sondern es ist einfach nur dieses Instrument zu hören, das Glasperlenspiel vermutlich in die Plexiglaskugel gestellt haben und wohl mit Elektroden und elektronischen Kniffs aufgepeppt haben, was ich als Xylophon bezeichnete, aber es ist wahrscheinlich so ein xylophonähnliches Kinderglockenspiel. Ich bin echt... entzückt... begeistert! Man hört es auf dem Album und ich meine, sogar mit der selben Melodie wie auf der Bühne! Das finde ich echt ganz besonders! Somit kann ich das namensgebende Bühneninstrument sogar daheim hören!

    Hee! Sogar auf der Single "Ich bin ich" ist es zu hören, zum Schluß des Nelly-Furtado-ähnlichen Zwischenteils.

    Das hat mich nicht locker gelassen: Ist es vielleicht auch in "Dein Geheimnis" zu hören; wie ich es auf dem Memminger Konzert erleben konnte?
    -Oh, das finde ich jetzt sehr kniffelig: Die Melodie, die mir aus Memmingen noch im Ohr ist, ist auf jeden Fall zu hören, als Teil des Instrumentalteils auf der CD. Aber die Klangfarbe klang für mich bisher nach einer Synthesizerprogrammierung. Wenn man jedoch ganz genau hinhört. meine ich, kann man im Hintergrund "ping - ping..." hören, und plötzlich hört es sich wie das Bühnenglasperlenspiel an, nur dass es elektronisch nicht mit diesem Schnarren kombiniert ist, sondern mit einer synthetisch schwebenden Klangfarbe.
    Ob's stimmt?

    -----------

    Dafür habe ich bis jetzt immer noch nicht herausgehört, ob in "Tief" wirklich keine Gitarre ist. Dieses Plingeln im Hintergrund der Strophen hatte ich bisher als eine Synthesizerprogrammierung angenommen, die Klangfarbe eines E-Pianos elektronisch verändert. Aber zum Schluß der Strophen hin klingt es für einen Moment doch eher wie eine Gitarre mit angeschlossenem... ja, wie könnte man es beschreiben, diesen Pitch-Generator, dieses Gerät aus der Technoszene (?). Das ist echt so fies, ich kann dieses Lied eigentlich nicht mehr entspannt anhören, weil ich immer wieder versuche, es herauszuhören, was es ist.


    ------------


    Mensch, das wird ja jetzt richtig aufregend:
    Neue Single, neues Album!
    Bin mal gespannt, ob und wann ich Glasperlenspiel in der Hitparade höre!

    Traumwaldschrat

    (#52)



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  22. Nach oben   #22

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    Neues Bild / zu wenig informiert

    Als wollte Carolin es bestätigen, "Jaa! Genau!": Auch ich möchte für Jungs gefährlich sein! So könnte man das letzte Bild ihrer eigenen Internetseite interpretieren. Ich habe es erst letztens bemerkt. Als ich das Mal davor die Seite aufgerufen hatte, war an der Stelle noch das Bild mit dem Auto, in das Daniel so interessiert hineinblickte.

    Man könnte Carolins Mimik in diesem neuen Bild aber auch eine wenig anders interpretieren, wie einen Kommentar zu den beiden Bildern darüber: "Jaa! Ganz schön hübsch, gell!"

    Mir gefällt dieses Bild sehr gut, denn es ist diese Form von Kunst, die auch ich künstlerisch finden kann, zu der ich nicht unbedingt eine Interpretation oder gar Erklärung brauche, um sie schön zu finden, vergleichbar dem Titelbild der Single "Ich bin ich":
    Irgendwelche ungewöhnliche Gestik oder Mimik, die unpassend und zusammenhangslos erscheint, die vielleicht sogar unsinnig erscheinen mag, die aber einfach nur gekünstelt ist und auch nichts anderes als gekünstelt sein soll und trotzdem so stark aussieht, lebendig. Gestik und Mimik als Kunstgegenstand.


    --------------


    Ich schmunzel ein wenig:
    Denn ich frage mich, ob vielleicht der eine oder die andere sich wundert, dass manches Mal meine Beiträge den Eindruck machen, als sei ich total uninformiert.
    Ja! Bin ich auch!
    Ich hatte ja gesagt, dass ich mich bei facebook nicht anmelde, deswegen vermute ich, bekomme ich eigentlich auch fast nichts mit, außer das, was man im Tagebuch lesen und sehen kann, gerade, dass ich mir noch alle Kommentare anzeigen lassen kann, aber bei allem Weiteren springt mir sofort eine Informationsmaske "Nicht angemeldet. Bitte melde dich an, um fortzufahren!" entgegen.

    Über die ich mich schon aufgeregt hatte, denn so etwas Hinterlistiges ist mir noch nicht untergekommen. Hat eigentlich schon mal jemand bemerkt, Daß man diese Maske überhaupt nicht wegklicken kann: nirgendwo eine Schaltfläche: "Zurück", "abbrechen", "ignorieren", "schließen", oder einfach "[X]"! Nein, man hat nur die Wahl, sich anzumelden oder aber das facebook-Tagebuch neu hochladen zu müssen (und dann nicht mehr zu wissen, wo man gerade war...). Ich staune da echt, mit welch miesen, hinterlistigen Tricks facebook arbeitet: Einfach den Internetnutzern gar keine andere Wahl lassen, als sich anzumelden; oder dann wie Sisyphus wieder von vorne anfangen zu müssen. Ist facebook deshalb so erfolgreich mit weltweit Millionen Teilnehmern, nicht, weil es ein hervorragendes Angebot ist, um sich mit Menschen auszutauschen, sondern einfach nur, weil sie die Internetnutzer überrumpeln und mit solch kleinen Tricks sie schon fast zur Mitgliedschaft zwingen. Da staune ich wirklich, dass facebook damit so ungeschoren davonkommt!


    Erst vor ein paar Monaten war facebook in den Schlagzeilen, weil die Geschäftsbedingungen geändert wurden. Ich vermute einmal: Noch weniger Nutzerrechte für noch weniger Durchschaubarkeit (Transparenz).Eigentlich wollte ich ganz aktuell nochmal loszetern, dass damit doch der beste Zeitpunkt wäre, um das Benutzerkonto bei facebook zu löschen. Einfach aus Protest! (Wenn das überhaupt geht...)


    Aus meiner Sicht wäre jeder Zeitpunkt dafür der beste, je eher, desto besser, denn mir kam noch ein anderer Gedanke. Ich hatte ja letztes Jahr geschrieben, dass ich facebook für schädlich halte, weil durch diese Plattform soviel Informationsaustausch und in der Folge auch mögliche Macht sich in einem einzigen Punkt konzentriert. Und weiter hatte ich geschrieben, dass ich es unsinnig finde, weil facebook nichts anderes zu sein scheint wie ein Internet im Internet. Dieser Gedanke gärte weiter, bis hin zur mißtrauischen Verblüffung, ob facebook eigentlich ein trojanisches Pferd ist.

    Das Internet zeichnete sich doch ursprünglich dadurch aus, dass es anonym ist: Internetnutzer verstecken sich hinter Avataren und Fantasienamen und treten nur so in Erscheinung. Wer die Person wirklich ist, erfährt man bestenfalls gar nicht.
    -facebook ist dazu das Portal der gegenteiligen Idee. Man kann sich ein ausgiebiges und umfassendes Benutzerprofil anlegen und hat zusätzlich noch die Pinnwandfunktion, um allen anderen sein Seelenleben auszubreiten oder was man gerade macht.

    Mittlerweile sind aber nicht nur Privatpersonen bei facebook, sondern auch Firmen, Betriebe, Konzerne, vermutlich nicht nur Nutella, Deutsche Bahn, Cinema, Sparkasse und Schlager der Woche, sondern auch beide Colas, Chio, Lorenz, McDonalds, BurgerKing, Aldi, Lidl, Kik, C&A, K&L Ruppert, Lufthansa, Sixt, Hotels, Restaurants, Clubs, Vereine, Internetforen, Internetanbieter, Kinos, Videotheken, Veranstaltungshallen, V&R-Bank, ARD, ZDF, Adidas, Nike, Converse, NewYorker, Esprit, StOliver, Sheba, Kitekat, Kitkat, Mars, Saturn, Venus von Gilette und und und, vielleicht auch das Goethe-Institut, das Fraunhofer-Institut, Kliniken, der Deutsche Wetterdienst, Stiftung Warentest, vielleicht aber sogar die Kfz-Zulassungsbehörde, das Standesamt, (städtische) Energie und Wasserwerke, die Agentur für Arbeit, die Steuerbehörde, die GEZ, das Einwohnermeldeamt und was weiß ich noch,

    also eigentlich alle, bzw. alles. Alles, was es im Internet gibt, gibt es als zweiten Aufguß auch bei facebook.
    Wenn aber jetzt alles, was es zuvor im anonymen Internet gab, sich auch bei facebook mit seinem sozialen Netzwerk und persönlichen Kommunikationsmöglichkeiten findet und man folglich alles, was man bisher mit unzähligen Anmeldungen im Internet machte, mit nur einer einzigen Anmeldung über facebook macht, wo jedes facebookmitglied nicht nur ein Avatar mit Fantasienamen ist, sondern eine reale Person mit Kenndaten und Persönlichkeitsprofil, bedeutet das doch nichts anderes, als dass die Anonymität des Internets abgeschafft wurde: Jeder kann gucken, wer der andere ist, was der andere im Internet macht, was den anderen am meisten interessiert.

    Aber!:
    Da nun bei facebook nicht nur Privatpersonen sind, sondern eben auch Firmen, Betriebe, Konzerne und vielleicht auch Institute, Behörden und Ämter, bzw. deren Angestellte für Öffentlichkeitsarbeit im Internet, denen dann, wie jedem anderen facebookmitglied auch, die Kenndaten, Persönlichkeitsprofile, Vorlieben, Interessen und Aktivitäten der anderen ohne Probleme einsehbar sind, bedeutet das doch... im schlimmsten Fall... nichts anderes...?... als Überwachung? Oder die Möglichkeit der Überwachung? Oder die Gefahr der Überwachung?
    Oder?



    Ähm?!
    Wo war ich stehen geblieben?
    Ach ja! Ich krieg nichts mit! Kann bei facebook nicht mehr als das Tagebuch lesen.
    Zum Beispiel Cabrio: Im Tagebuch fragte jemand, welches Cabriomodell das sei. Ein anderer hatte dann die Antwort: Beetle Cup Cabriolet. Woher weiß der das? Das macht mich doch neugierig: Kann man innerhalb facebooks richtig mit Carolin und Daniel kommunizieren? (Ich melde mich trotzdem nicht an! Wozu gibt's ein Musikforum! [Wenn es nur Text wäre, würde ich es sowieso nicht glauben, dass es wirklich sie sind])
    -Oder zum Beispiel Las Vegas: Haben sie jetzt dort geheiratet, wie im Tagebuch gemunkelt wurde, oder war es doch der Drehtermin fürs neue Musikvideo? Keine Ahnung! Ich wüßte nicht, wo ich nachschauen müßte, oder könnte. Vielleicht haben sie sich ja mit Imagine Dragons getroffen?

    Bewußt oder unbewußt haben Glasperlenspiel eigentlich ganz im (hinterlistigen) Sinne facebooks gehandelt: Im Tagebuch große Rätsel aufstellen, aber die Auflösung gibt's nur dort, wo man sich anmelden muß.

    Tja, das Internet ist tückisch und hinterlistig.

    Also, ich krieg nix mit. Macht aber eigentlich auch nichts: Welches Cabrio, was machen sie in Las Vegas. Unwichtig! Wichtig ist die Musik! Und da bin ich informiert: 25.5. neues Album und 8.5. neue Single!
    Kommenden Freitag! Bin echt gespannt, was ich demnächst in der Hitparade von und über Glasperlenspiel höre. Ob ein Verkaufstag für eine Hitparadenplatzierung schon ausreicht? Das wird jetzt echt spannend!


    --------------


    Haaa! Ich krieg ja doch was mit!
    Die Auflösung gibt's doch nicht nur dort, wo man sich anmelden muß!
    Hab gerade noch das Tagebuch aufgerufen. Also doch Video!
    Wie ich mich schon gewundert habe: Das neue Video zu "Paris" nicht in Paris gedreht, sondern in Las Vegas. Ja, dees baßt zam...


    Und ich krieg sogar noch gleich mehr mit, als mir lieb ist.
    Auch die Biografie auf ihrer eigenen Internetseite ist jetzt neu! Mit Andeutungen auf die neue Musik!
    ...organische Facette... Band-kompatibel... in den Hintergrund...
    Das klingt ja... gruselig für mich.
    Das nährt wieder die Zweifel, ob ich mich in Glasperlenspiel doch getäuscht habe, wie ich es schon öfters angedeutet hatte.
    Ich hatte mit "Nie vergessen" echt auf eine kratzige, piepsig zirpend flirrige oder absurd sphärisch schwebende Synthie-/Elektropopband mit deutschen Texten gehofft, und jetzt machen sie doch mehr auf Handarbeit-Band. Das schmälert ein wenig die Vorfreude. Hmmmm?
    Aber nun gut! Erst mal abwarten! So schnell gebe ich nicht auf. Musik besteht ja aus noch mehr als nur der Instrumentenwahl.
    Das macht die Sache jedoch nun extrem spannend!


    Noch ein tolles Bild! Das Schwarz-weiß-Bild in der Biografie finde ich stark!



    Viele Grüße

    Traumwaldschrat

    (#53)



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  23. Nach oben   #23

    Dabei seit
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    Wie klingt jetzt "Paris"?

    Schade, das hat ja gar nicht funkioniert.
    Ich wollte mich im Radio von der neuen Single "Paris" überraschen lassen!
    Nichts!
    Zumindest nicht in der Hitparade und mehr hör ich ja nicht.
    Vorletzte Woche sah ich dann endlich bei Universal-music, dass "Paris" nur als "Track" verkauft wird.
    Na toll! Da hätte ich ja gar nicht warten brauchen. -Was ist denn das für ein komischer Plattenvertrag?
    Na gut. Dann muß ich wohl doch nachhelfen! Und gleich das ganze Album anhören.

    Uuuh! Das trau ich mich ja gar nicht!
    Doch echt! Weil ich ja so'n paar Biografiebemerkungen in den falschen Hals gekriegt habe. Total dusslig! Ich hab mich sogar ertappt, wie ich für einen Moment ganz kurz mich von ein paar Bildern im Textheftchen "als Fan im Stich gelassen" fühlte. Find ich schon interessant, was für Kurzschlüsse im Hirn entstehen können, nur weil man sich als Fan einer Popgruppe sieht. Genauso wie mit dem letzten Lied des Albums "Unser letzes Lied":
    Was? Wie?
    Uaah! Hilfe!
    Nach "Alles auf Anfang", nun "Unser letzes Lied"? Jetzt schon?
    Doch ich hab dann mal gleich ins Textheft gespitzelt: Mhm, eine gesungene Geschichte. Aber schon heftig! -He, was ist denn das für ein Text?! Ist ja der Hammer, der haut ja beim Lesen schon um!
    Da kann ich mich anscheinend auf was gefaßt machen!


    Traumwaldschrat

    (#54)



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  24. Nach oben   #24

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    Hat eigentlich jemand schon... / wo "Tag X" einkaufen

    ...ihr/sein facebookkonto gelöscht, wie ich es vorgeschlagen hatte?
    Ende Mai hatte ich im Fernsehen erfahren, dass die Idee gar nicht so ohne ist!

    Die Kabarettistin Christine Prayon sprach in der Politsatire "Die Anstalt" im Zusammenhang mit twitter, apple, google, facebook und so von privater Überwachung und erklärte aber auch, wie man sich im Kleinen dagegen wehren könnte, indem man zum Beispiel Linux, Startpage(?), Diaspora(?) statt windows, google und facebook verwende oder, wie sie es ganz krass fand, einfach gar nicht mehr zu facebook gehe.

    Ja, wenn die Welt eine bessere werden soll, wenn man sich wirklich gegen den turbokapitalistischen Globalisierungswahnsinn wehren möchte, muß man auch etwas tun! Ich mach das auch, so gut ich es kann: zum Beispiel CDs.

    Musikalben kaufe ich nicht im Elektromarkt, ich kaufe sie auch nicht im Drogeriemarkt und erst recht nicht bestelle ich sie im Internet, nein, ich kaufe Musikalben in einem der letzten EINZELHANDELSGESCHÄFTE der Stadt.

    Das einzig blöde, dass der Besitzer dieses Mal quer schlug: Grad pünktlich zur "Tag X"-Veröffentlichung macht er drei Wochen Urlaub (mit einem neckischen Grinsen behaupte ich: Das hat er absichtlich gemacht, weil er sich, so wie es mir scheint, mit seinem Sortiment eigentlich auf Metal, Rock, Gruftie, Indi und noch ein bißchen Klassik spezialisiert hat, Pop hat bei ihm irgendwie nur Restpostenstatus. Deswegen ist er vielleicht ganz schnell in den Urlaub, damit er nicht schon wieder für diesen Popper Glasperlenspiel bestellen muß).

    Doch selbst in diesem Fall war es mir noch möglich, etwas für eine bessere Welt zu tun und trotzdem das Album zu kaufen. Zwar widerstrebte es mir, aber ich kaufte "Tag X" dann eben in meinem Stammsupermarkt. So konnte ich wenigstens ein kleines bißchen gegen den Turbokapitalismus anrennen, weil diese Supermarktkette eine lokale Größe ist, und trotzdem mir "Tag X" bis jetzt schon zweimal anhören (Ja, ich bin nicht so schnell).


    Immer wieder auch selbst schauen, wie man im Kleinen die Welt eine bessere machen kann! facebookkonto löschen wäre das eine, doch es geht noch weiter!

    Ich zum Beispiel lebe eigentlich auf teurem Fuß, aber das mache ich ganz bewußt, weil ich mir schon sein Jahren denke:

    >Billig einkaufen macht diese Welt keine bessere!

    Denn billig ist die Wirtschaftsgrundlage global agierender Konzerne, die sich für ihre Produktionsstätten das Land mit den niedrigsten Steuersätzen aussuchen und dort im großen Stil die Arbeiter mit Hungerlöhnen ausbeuten; so etwas macht sie Welt nicht besser!

    Gleiches gilt eigentlich auch für die Bequemlichkeit!

    >Bequem einkaufen macht diese Welt keine bessere!

    Bequem ist zum Beispiel, übers Internet zu bestellen. Wenn man es aber ganz genau betrachtet, ist das vermutlich nichts anderes als die allmähliche Abschaffung der Gesellschaft, des gesellschaftlichen Lebens, wenn niemand mehr in den Geschäften einkauft, sondern alles, ohne die Wohnung verlassen zu müssen, sich nach Hause bestellt; auch das macht die Welt nicht besser!

    Oder bequem einkaufen ist vielleicht auch die endgültige Abschaffung des Einzelhandels; alles bequem aus einer Hand in einem einzigen Großmarkt kaufen, anstatt von Geschäft zu Geschäft zu tingeln.


    Eine bessere Welt lebt vom Mitmachen!

    "... wir woll'n was verändern, wir sind nicht allein, uns're kleine Welt könnte schöner sein..." singen Glasperlenspiel.


    Traumwaldschrat

    (#56)



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  25. Nach oben   #25

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    Tag X (erster Teil)

    TITELBILD

    Für diejenigen, die vom Album "TagX" begeistert sind, ist die Titelbildgestaltung natürlich in gewisser Weise recht praktisch.
    Zum Beispiel:
    "Welches Album gefällt Dir dieses Jahr am besten? Bitte ankreuzen!"
    "Brauch ich nicht! Is' schon!"

    [Frech, gell?]


    Schon mit dem Tagebucheintrag vom 15.4. hatte ich sehr bald im Kopf, was für Interpretationen zum Titelbild des Albums "Tag X" mir in den Sinn kamen. Verblüffend fand ich dann am 28.5., dass Carolin mit der Videobotschaft dieser Interpretation sehr weit entgegenkam.

    "Ein Neuanfang. Neue Wege gehen. ... Willkommen, in Tag X!" hatten sie als Vorankündigung des neuen Albums geschrieben. Ich dachte mir sofort: "Ja, genau, Tag X! Wann ist der Tag X, wenn wir mit den Übungen aufhören und ernst machen, erwachsen werden und wirklich Kinder kriegen?" Eine fundamentale, alles verändernde Frage, wie ich finde!

    Carolin schien dann in der Videobotschaft nicht grundlegend zu widersprechen: (zwar kein echtes, lebendiges, aber) "...dieses Baby hier...". Meine Anspielung, "Tag X" mit Kinderkriegen in Verbindung zu bringen, war also doch nicht ganz so abwegig.


    Ich finde, dass die Titelbildgestaltung die kosmische Bedeutung dieser kleinen "Unanständigkeit" ausgesprochen kunstvoll und mehrschichtig ins Bild setzen könnte!

    Nö, ich mein jetzt nicht: "Guck, die zwei ham grad und liegen ganz kunstvoll noch danach Kopf an Kopf beisammen, Daniel ist schon weggeknickt". Blöder Witz!

    Nee! Es fängt eigentlich schon mit dem X an. Wenn man die vier Felder in ganz bestimmter Weise mit zwei Farben ausfüllt, drei Felder in der einen, das vierte in der anderen, entsteht eine ganz ganz grobe, piktogrammähnliche Darstellung, was passieren muß, damit man Kinder kriegt. (Rund wäre die Darstellung natürlich noch passender, aber auf der CD ist das X zu klein)

    Es geht noch weiter. Man könnte es so sehen, dass Carolin und Daniel je ein Feld des Xs besetzen, das linke und das rechte. Das obere und unter bleibt frei. Aber man könnte gedanklich schon mal etwas einsetzen, -wann ist das Tag X-, und zwar ein Mädchen und einen Jungen. Damit hat man aus meiner Sicht die Grundformel des Lebens: Frauen und Männer müssen Mädchen und Buben kriegen, erst dann(!) ist sichergestellt, dass das Leben immer weitergeht, dass das Lebendigsein nicht versiegt, dass das Leben nicht ausstirbt.

    Ich find das wesentlich! Vor allem, weil es eine notwendige Korrektur dessen ist, was ich im Zusammenhang mit dem "Beweg dich mit mir"-Album gemeint hatte: "Zum Leben braucht es immer zwei". Schon! Aber genau hinschauen, das reicht noch nicht ganz! Und schon staune ich zum wiederholten Male, was diese beiden "Jungspunte" Carolin und Daniel trotz ihrer geringeren Lebenserfahrungszeit mich, der sich schon so intensiv damit befaßt hat, auf einmal viel deutlicher sehen lassen:

    Zum Leben braucht es immer zwei. Das reicht aber noch nicht, denn aus diesen zweien müssen wieder zwei hervorgehen, die es ihrerseits zum Leben immer zwei braucht: Aus Frauen und Männern dürfen nicht einfach nur Kinder, sondern müssen Mädchen und Buben hervorgehen, die ihrerseits als Frauen und Männer wieder Mädchen und Buben hervorbringen. Erst dadurch entsteht die schier endlose Kette, die das Leben ausmacht!
    Also muß es richtig heißen: Zum Leben braucht es immer vier!
    So stimmt's!
    Kunstvoll dargestellt zum Beispiel mit einer Titelbildgestaltung mit den vier Feldern eines Xs, von denen je eines von Carolin und Daniel belegt ist und die zwei übrigen, die von den beiden mit dem entsprechenden Glück beide ausgefüllt werden könnten!
    4 ist also eine kosmisch sehr bedeutende Zahl!


    Die 3 übrigens auch!
    Über einen Erwachsenencomic in Form eines Webcomics bin ich darauf gestoßen. Eine außergewöhnliche, ausgezeichnete Horrorgeschichte, in der auf einmal, in einer Speicherkammer unter dem Dach, ganz seltsam mystisch rätselhaft drei Gegenstände zufällig in einer Reihe, auf einer gedachten Linie lagen. Welchen Sinn diese Szene für den Inhalt der Geschichte hat, hatte ich nicht verstanden, aber ich konnte auf einmal deutlich sehen, was die 3 für eine kosmisch bedeutende Zahl ist.

    Das fängt schon in der Speicherkammer an: Ein Gegenstand ist ein Gegenstand, zwei Gegenstände liegen höchstens beieinander oder von einander entfernt, erst DREI Gegenstände können zueinander in einer sichtbaren Beziehung stehen, indem sie auf einer gedachten Linie liegen oder nicht.

    Ja, das klingt verdächtig nach Geometrie, gell, und viele finden Geometrie doof, aber man kommt halt, auch wenn man sie doof findet, trotzdem nicht drumherum: Denn wir sind nunmal dreidimensionale Lebewesen auf einer dreidimensionalen kosmischen Perle in einem dreidimensionalen, absurden Universum; wir leben auf dem geometrischen Gebilde namens Kugel.

    Da wir aber im Verhältnis zum Erddurchmesser so wahnsinnig winzig klein sind, ist für uns die Kugeloberfläche eine Ebene. Da könnte man es so sehen, dass die Ebene die Grundlage des Lebens ist, auf einer ebenen Ebene kann man unbesorgt leben, kochen, essen, spülen, werkeln, arbeiten, zeichnen, schreiben, musizieren, ohne Angst haben zu müssen, dass der Kinderwagen wegrollt.

    In der Geometrie aber wird eine Ebene ganz eindeutig durch drei Punkte definiert, wobei diese Punkte nicht auf einer Geraden liegen dürfen; drei Punkte können die Lage einer Ebene eindeutig festlegen. Ganz eindrucksvoll und praktisch anschaulich deutlich macht es der beste aller Hocker, nämlich der dreibeinige, der durch seine Dreibeinigkeit auf keinem Untergrund kippelt: Mit seinen drei Stehpunkten legt er eindeutig eine Ebene, eine Sitzebene fest!

    Die 3 definiert also die Grundlage, auf der das Leben stattfindet!


    Drei und vier sind also kosmisch sehr bedeutende Zahlen: in einem dreidimensionalen Universum das Leben, zu dem es immer vier braucht.
    -In genau dieser Reihenfolge könnte man sie zu einer Zahl zusammenschieben, vielleicht zur "Grundformel" des Lebens: 34.
    Zum Beispiel als die Antwort auf die Fra... !... ge...


    Ach, nee!
    Ach, Mensch!
    Ach, ist das betrüblich! Douglas Adams ist leider schon gestorben. Wie gerne hätte ich ihm diese Idee zukommen lassen:
    Die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest ist nicht 42 (die laut ihm selbst überhaupt keine tieferen Sinn hat, sondern eine reine Zufallszahl ist), sondern 34 (mit tiefem Sinn)!
    Oh, nein, ist das ärgerlich! Wie neugierig wäre ich, was er von dieser Idee gehalten hätte!


    Dafür kann ich in meinem "Gemälde" langsam erahnen, wie denn diese "Wie Sonne und Erde"-Menschheit die Kostbarkeit des Lebens ehrt und feiert: Vielleicht halten sie eine Feier zu Ehren der 34, des Kosmos oder Universums und des Lebendigseins.

    ...?

    Hmmm?

    Nein, doch nicht, das ist keine gute Idee! Das klingt mir zu sehr nach Ritual und gegen Rituale habe ich etwas. Ich finde Rituale problematisch, ganz einfach, weil sie etwas Ausgrenzendes haben:
    Rituale werden häufig abgehalten, um sich von anderen (Menschen) abzugrenzen, am Ende sogar mit der unguten Motivation, dass man sich durch dieses Ritual für etwas besseres hält. Rituale an sich haben schon etwas Ausgrenzendes, man muß sie erlernen, und man darf sich nur als einer von denen sehen, wenn man an diesem Ritual teilnimmt oder teilnehmen darf. Und durch Rituale findet man sich sehr schnell ausgegrenzt wieder, wenn man einfach die Motivation, die zu diesem Ritual geführt haben, nicht teilt, weil man andere Ansichten hat, dann ist man sehr schnell als Unwürdiger ausgegrenzt.

    Deswegen bin ich gegen Rituale, sie können ausgrenzen, so etwas sollte meiner Meinung nach nicht die Grundlage menschlichen Zusammenlebens sein.
    Das einzig akzeptable Ritual wäre für mich das, was ich dann doch am ehesten vermute, wie diese "Wie Sonne und Erde"-Menschheit die Kostbarkeit des Lebens ehrt und feiert: Immer wieder das tun, woraus das Leben neu entsteht. Ich bin mir ganz sicher, so ein "Ritual" grenzt niemanden aus, da wollen bestimmt alle freiwillig mitmachen!

    [Man beachte bitte unbedingt:
    Durch so ein "Ritual" werden bestimmte Menschengruppen dennoch ausgegrenzt, weil sie, durch Schicksalsschläge oder anderem bedingt, nicht mitmachen KÖNNEN. Das ist aber keinesfalls mein Anliegen, ich möchte niemanden ausgrenzen, mir ist im Moment nur noch nichts Schönes, Kostbares eingefallen, wie man diese Menschengruppen in diese "Wie Sonnen und Erde"-Menschheit eingliedern, aufnehmen, wie man sie in dieses Gemälde am würdevollsten einbauen könnte!
    Aber vielleicht fällt mir irgendwann noch etwas ein.
    Vielleicht aber auch doch nicht, weil es für mich einfach selbstverständlich ist, keine Menschengruppe auszugrenzen.]


    Rituale haben also etwas Ausgrenzendes. Mutproben sogar noch mehr, für sie ist diese Ausgrenzung ja Sinn und Zweck (siehe diverse Jugendbücher, zum Beispiel "Vorstadtkrokodile"): Du gehörst nur zu uns, wenn du die Mutprobe bestehst.

    Für mich sind diese Gedanken sehr wichtig, denn ich fühle mich ganz Glasperlenspiels Textzeile "... wir woll'n was verändern, wir sind nicht allein, uns're kleine Welt könnte schöner sein..." verpflichtet. Ich denke viel darüber nach, was man verändern müßte, wie man die Menschheit verändern könnte, damit die Welt eine bessere wird. Und für mich dabei ganz bedeutend, wie ich um diesen ausgrenzenden Aspekt Ritual oder Mutprobe drumherumkommen könnte, denn ich habe ein paar Gedanken, die so etwas für eine bessere Welt vielleicht doch irgendwie nötig machen könnten.


    Zum Beispiel: Hunger!
    Ich sehe die Welt mit anderen Augen, deswegen würde in meiner Vorstellung die Menschheit möglicherweise viel würdevoller miteinander umgehen und sehr viel sorgsamer mit der Natur, wenn jeder Mensch einmal am eigenen Leib erfahren würde, was Hunger wirklich ist, was für ein fundamentales, grundlegendes und unausweichliches Problem es ist, ohne Nahrungsmittel nicht leben zu können.

    Doch wie könnte es gehen? Ein Ritual? Jeder sollte zu seinem achtzehnten Geburtstag sich einmal den Hungerqualen aussetzen lassen...? Doch was ist mit denen, die vor so einem Ritual zu große Angst hätten, vernichtend große Angst? Daraus würde dann wieder Ausgrenzung folgen, denn diese Menschen hätten doch einen wichtigen Aspekt des Leben gar nicht erfahren, ihnen fehlt also etwas, um... zu uns Menschheit zu gehören.

    Nein, so geht das nicht, das bringt nichts! Und es einfach dann zur Pflicht machen, jeder MUSS zu seinem achtzehnten Geburtstag sich einmal den Hungerqualen aussetzen lassen, ginge erst recht nicht, denn das wäre einfach nur noch verwerflich, unwürdig, menschenverachtend, einfach keine Rücksicht darauf zu nehmen, ob er dieses Ritual überhaupt unbeschadet überstünde, einfach ihn überhaupt nicht fragen, ob er zu so etwas bereit wäre oder nicht. Genaugenommen wäre es nichts anderes als ein Verbrechen, ich weiß nicht genau welches Delikt, aber eventuell vorsätzliche Körperverletzung.
    Die Grundlage einer besseren Welt auf ein Verbrechen aufbauen...?
    Nein, so geht das erst recht nicht!


    Also als Ritual funktioniert es nicht. Doch als Mutprobe auch nicht: Wenn jemand einfach nicht den Mut aufbringen könnte, die Angst zu überwinden und sich den Hungerqualen aussetzen zu lassen. Es wäre das Gleiche in grün, bloß blau: Diejenigen, die diesen Mut nicht aufbringen könnten, wären gleich wieder ausgegrenzt, weil ihnen doch eine wichtige Erfahrung des Menschseins fehlte...


    Es müßte also wenn überhaupt irgendwie ganz anders gehen.
    Aber der Begriff Mutprobe geht vielleicht doch in eine nicht ganz verkehrte Richtung, wenn man den Blick weitet für das kosmische Ganze.
    -Ein Mensch, der den Mut nicht aufbringen könnte, sich den Hungerqualen aussetzen zu lassen, hätte bestimmt andere Qualitäten, vielleicht sogar in der Art, dass es eine andere Mutprobe sein könnte, zu der er wesentlich besser die Fähigkeit hätte, die Angst überwinden zu können.

    Genau da setzt mein Gedanke des kosmischen Ganzen an:
    Ich denke, aus der Tatsache des Lebendigseins ergeben sich noch mehr Aspekte, aus denen man Mutproben konstruieren könnte, die vielleicht das Bewußtsein schärfen könnten, was Leben wirklich bedeutet, wie kostbar es ist.
    -Wenn man nun herginge, eine Sammlung aus was weiß ich wie vielen Mutproben zu gestalten, und jeder Mensch dürfte, wenn er wollte, sich einer oder mehreren oder gar keiner Mutprobe aussetzen?
    Vielleicht würde das das schädliche Pflichtempfinden aus diesem Ritual oder dieser Mutprobe herausnehmen, auch deswegen, weil es dem entgegenkäme, was ich auch wichtig fände, wie ich es schon erwähnt hatte:
    Nicht jeder muß alles verstehen!

    Und noch etwas wäre sehr wichtig:
    Oder gar keiner!
    habe ich geschrieben!
    Das finde ich absolut wesentlich dabei: Diese Mutproben dürfen eben keine unausgesprochene Pflicht sein, sondern nur ein absolut offenes Angebot.
    Es dürfte nicht passieren, dass irgendjemand schief angeschaut werden würde, weil er sich keiner einzigen dieser Mutproben ausgesetzt hätte, keine Erfahrung zum Menschsein gemacht hätte, weil er dazu wirklich überhaupt nicht den Mut hätte aufbringen können. So eine unsinnige, unmenschliche Ausgrenzung wäre auch sehr kurzsichtig und dumm und würde nur beweisen, dass der Sinn und Zweck dieser freiwilligen Mutproben überhaupt nicht verstanden wurde. Denn das Wesentliche wären nicht die Mutproben, sondern das Verstehen, das Bewußtsein, das sie auslösen sollen. Da fände ich es erstaunlich und nicht verkehrt, wenn die Angst vor so einer Mutprobe schon mehr Verständnis bewirken würde zu begreifen, was Leben wirklich bedeutet, wie kostbar es ist, als die Mutprobe selbst! Vielleicht müßte man deswegen auch eigentlich diejenigen schief anschauen, die sich einer der Mutproben aussetzten, weil die so "begriffsstutzig" wären, dass sie erst durch eine Mutprobe die Bedeutung des Lebendigseins begreifen würden.

    Außerdem bestünde das Problem, dass sich manche vielleicht einer solchen Mutprobe aussetzten, nicht um zu begreifen, sondern einfach, um sich den Kick zu holen.

    Irgendwie scheint mir diese Idee mit den Mutproben doch recht... blödsinnig!

    Vielleicht wäre es eine sehr viel intelligentere Idee, die Welt eine bessere zu machen, indem man es irgendwie mal schaffen würde, Verstehen so deutlich, anschaulich und mitreißend oder drastisch zu machen, sodass Rituale, Mutproben und dergleichen einfach gar nicht nötig wären, um zu vermitteln, was im Leben wirklich zählt!

    Und vielleicht wäre es eine noch intelligentere Lösung zu überlegen, wie man es schaffen könnte, dass sich die Leute überhaupt etwas vermitteln LASSEN, anstatt, nur auf das eigene Vergnügen bedacht, das Leben gedankenlos herunterzuspulen!


    Also, das mit der besseren Welt wird dann sehr kompliziert:
    Rituale, Mutproben, das scheint doch nur Quatsch zu sein. Doch wie könnte man dann sonst seinen Mitmenschen vermitteln, was Lebendigsein wirklich ausmacht, als einfach mal selbst erleben? Nur kann ich es leider nicht sehen, was es sonst sein könnte, dieses Bewußtsein zu vermitteln, obwohl ich selbst auch noch nie in einer mutprobenähnlichen Situation war und dennoch zum Beispiel um die Bedeutung des Gefühls Hunger weiß: Ich habe noch nie echten, lebensbedrohlichen Hunger gehabt, kann mich zumindest nicht erinnern, trotzdem hat sich durch das Buch "Das Haus der Treppen" von William Sleator, in dem Hunger ein zentrales Element ist, im Zusammenhang mit dem weltwirtschaftlichen Gefüge meine Sicht auf diese Welt wesentlich verändert. Wie läßt sich so etwas vermitteln?

    Wirklich schwierig!

    -----------


    Ach ja, fast hätte ich es übersehen:
    Tag X,
    X-Chromosom, "Wann ist der Tag X, ..."
    Wann ist der Tag X, wenn wir mit den Übungen aufhören und ernst machen, erwachsen werden und das X-Chromosom der weiblichen Eizelle sich mit dem X- oder Y-Chromosom der männlichen Samenzelle vereinen lassen?"
    Also, wann ist der X-Chromosomen-Tag?

    Man beachte, wie pfiffig und vor allem automatisch neben dem X, dass auch für das Chromosom stehen könnte, das Y in der Titelbildgestaltung gar nicht vergessen wurde, gar nicht vergessen werden konnte. Zu "Beweg dich mit mir" hatte ich ja gesagt, dass nach meinem Wissen der männliche Fötus sich aus dem weiblichen entwickelt, jeder Fötus ist von Anfang an erst mal weiblich (XX), erst nach Tagen, wenn sich anstatt des Xs- das Y-Chromosom mit der Eizelle vereinigt hatte, bildet es sich männlich (XY) heraus. Ganz in diesem Sinne kann auch aus einem X ein Y entstehen, es müßte nur einer der vier X-Arme wegfallen und schon hat man ein schneidig schick schiefes Y. Carolin müßte nur ihren rechten Arm mehr nach unten drehen, sodass dann der Unterarm den einen X-Strich verdeckt.
    Da ist das Y!
    Man kann auch den Daumen draufhalten.
    Pfiffig, gell!

    ---


    Sogar noch was:

    34!

    So, wie es die beiden als Logo schreiben

    Glas-
    perlen
    -spiel.

    Das sind

    3 Wörter
    4 Silben

    und sogar das Bild erfolgreichen Kinderkriegens:

    Mama ist Glas; Frauen sind immer sooo hübsch, wie kostbare Glasfiguren.
    Papa ist Spiel, Fußball spielen, Modellbahn spielen, Schach spielen...

    und ich denke, viele Eltern sehen ihre Kinder als die

    Pre-len (zwei Perlen)

    ihrer Beziehung,
    die dann passenderweise zwischen Glas und Spiel stehen,
    so wie die Kinder meistens zwischen den Eltern laufen oder kuscheln!


    Kosmisch!

    -----------


    Ich finde die Titelbildgestaltung sehr schön!

    Vor allem nutzt es die Möglichkeiten fotographischer Tricks aus: Es scheint schwerelos, wie schwebende Astronauten/Kosmonauten [Kosmos], es gibt im Bild kein unten und oben.

    Verstärkt wird es für mein Blickempfinden wieder durch Gegensätze, Carolin mit zarter, glatter Haut, Daniel etwas rauher, und Gegensätze, die gleichzeitig Glasperlenspiel beschreiben: Carolin mit offenen Augen und geöffnetem Mund als diejenige, die "wach" hauptsächlich im Rampenlicht agiert und singt, während Daniel mit geschlossenen Augen und Mund "ruhend" eher im Hintergrund Instrumente spielt. Carolin im Blickkontakt mit den Fans, während Daniel in sich gekehrt über neue Klangmöglichkeiten sinniert; und natürlich der Gegensatz Frau - Mann. Doch bei all diesen Gegensätzen soll es kein besser oder schlechter, wichtiger oder unwichtiger geben, sondern alles ist gleich wichtig, -nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders, unterschiedlich-, was wiederum durch den Schwereloseffekt betont wird, weil es so auch kein oben und unten gibt, -nichts ist bevorzugt, alles hat seinen notwendigen, gleichberechtigten Platz neben dem anderen.

    Das unscheinbare X ist dabei meiner Ansicht nach auch noch sehr wesentlich!
    Durch dessen Symmetrie wird der Schwereloseffekt noch zusätzlich verstärkt und es hebt in gewisser Weise sogar Widersprüche auf, indem es trotz seiner winkelhaften Geradlinigkeit das Bild vollendend abrundet: Ich glaube, ohne dieses X würde ein ganz entscheidender optischer Kontrast fehlen, der dem Bild die endgültige Fülle gibt!

    Mir gefällt das Titelbild!

    (Schön kosmisch schwebend!)


    Traumwaldschrat

    (#57)




    [Wenn hier in meinen Beitrag (im unangemeldeten Zustand) eine Werbung erscheint, dann habe ich damit nichts zu tun, sie gibt keinesfalls meine eigene Meinung wider, was ich als beachtenswert erachte]

  26. Nach oben   #26

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    Tag X (zweiter Teil)

    [Oh nöö, jetzt hör mir doch auf, genau da, wo's garantiert auffällt und sogar stört, verschreib ich mich: Pre! So'n Mist! Per!]


    RÜCKTITEL

    Ich saß an meinem Schreibtisch, der Rücktitel des Albums "Tag X" lag oben und ich starrte gedankenverloren vor mich hin, als ich plötzlich im linken Augenwinkel bemerkte, dass der Rücktitel wie in Douglas Adams' Buch "Per Anhalter durch die Galaxis" aussah, die Szene im magrateanischen Planetenkatalog, nur noch viel besser, vollständiger.
    Naja, fast!
    Die Szene kommt nämlich gar nicht im "Anhalter" vor, sondern ist eine nicht verwendete Rohfassung aus der fünften Episode der TV-Serie des "Anhalters" (siehe Neil Gaiman: "Keine Panik...")
    Vollständiger deswegen, weil in dieser Szene nur von "Hügeln" die Rede ist, während auf dem Rücktitel die zweite Sorte normalerweise niedrigerer Hügel auch zu sehen ist, sodass passenderweise scheinbar Carolin und Daniel als Kinder gerade von Mutter Erde in die Welt gestreut wurden. Und der Vater fehlt auch nicht, findet sich doch in der Gestaltung eine spitz zulaufende Fläche, die sogar anatomisch-geographisch einigermaßen passend positioniert ist.
    -Damit hätten wir sie schon wieder, alle viere, die es zum Leben braucht!

    Doch auf dem Rücktitel findet sich sogar die vollständige "Grundformel" des Lebens: 34. Die 3 ist auch in dem Bild versteckt: drei Sandhügel.
    Die 4 ist dagegen zusätzlich gar nicht versteckt: Carolins Arme beschreiben eine 4!

    He, nee?
    Jetzt echt?
    Soll ich jetzt echt glauben, dass die beiden mit diesem Bild tatsächlich auf diese Bedeutung hinauswollen?
    Oder spinn nur ich hier so rum?
    Bestimmt schon, gell!
    Na gut.


    Ich finde, dieses Bild hat etwas sehr Lebendiges. Mit den Fußspuren hinter Daniel könnte dieses Bild schon fast eine Kurzgeschichte darstellen, bzw. eine ganz kleine Sequenz. Für mich entsteht durch diese Fußspuren das Bild im Kopf, als habe Daniel gerade eben noch Carolin gefragt:
    "So? Und was woll'n wir jetzt hier?"
    "Mmh, tja? Ganz kunstvoll hübsch sein!" [wusch]
    "Naja, du vielleicht! Ich seh mich mal lieber 'n bißchen um."

    An dieser Stelle wird dann das dünne, weiße X wieder unglaublich wesentlich, nicht einfach nur ins Bild gesetzt, weil es halt auch auf der Rückseite nicht fehlen darf, sondern wieder ein ganz wichtiges Bildelement, das optisch eine wichtige Funktion hat: Es stellt eine Verbindung her zwischen der Landschaft mit den beiden und dem Text.
    Find ich zumindest.
    Für mich könnte es so aussehen, als schaue Daniel nicht nur irgendwo in die Landschaft, sondern als betrachte und kontrolliere er die Titelliste:
    "Ah ja! Alle Titel aufgeführt, die Nummerierung stimmt, richtig geschrieben. Gut!"

    Carolin stellt zusätzlich noch eine weitere Verbindung her: Ihr linkes Bein ist fast genauso eckig wie das X.


    So, und was gibt's auf dem Album? -Ach je, was ist denn das für'n "Duränand"
    Nach Rerelease jetzt auch noch Interlude! Und sogar mehrmals:
    "Interlude Tag X", "X", "Tag X" und das alles auf dem Album "Tag X"... ,da blickt doch keiner mehr durch! -Ich glaub, die zwei wollen mich ärgern?


    TEXTHEFT

    1.) Oh! Wieder so herrliche Lebensfreude!
    1. OBEN) Typisch! Mädchen lassen sich von ihren Jungs immer so gerne in den siebten Himmel heben! Was Jungs auch immer so gerne machen!
    (Bemerkenswert finde ich den Hintergrund, ist ja wohl L.A., Hollywood. Für die Amerikaner scheint der Schein unglaublich wichtig zu sein: Bevor ein Baustellenbrachland das Stadtbild "stört", lieber 'ne mordsdrum Fassade davor stellen, damit man das "Loch" nicht sieht, oder was soll das sonst sein. -Irgendwann hatte ich es mal sehe können: Die Häuser einer typischen Westernstadt bestehen eigentlich nur aus Fassade (außer das Hotel), von des Straßenseite sieht es aus wie ein zwei- bis dreistöckiges Haus, doch auf der Rückseite sieht man nur eine einstöckige, ebenerdige "Hütte" und darüber die Holzvertäfelung der zweistöckigen Fassade.)
    1.UNTEN) Stark! Einfach Lebensfreude! Daniel etwas neckisch und mit Carolins Hand kommt noch etwas Verlegenheit ins Spiel!

    2. OBEN) Sieht aus wie: "Verliebt und endlich allein" (mmh! und toll hübsch!)
    2. UNTEN) Eigentlich finde ich Daniels Körperhaltung irgendwie unpassend, trotzdem, das Bild hat was! --Ach, jetzt erkenn ich's erst: Das sind gar keine Glastüren, sondern verspiegelte Türen! Daniels seltsamer Kragen! Um seinen Hals herum spiegeln sich seine Haare (und seine Arme unten). Also, wenn diese Seltsamigkeit KEINE Absicht war, dann finde ich es schon verpatzt, eine tückische, fotographische Unachtsamkeit.

    3.) Aha? Jet-set?
    Ursprünglich malte ich mir aus, das das untere Bild auch eine Szene aus einem Agentenfilm sein könnte, doch nun habe ich andere Ideen zu diesen Bildern. Ich sprach ja mal vom Haifischbecken, die aktuelle Biographie scheint mir ungeahnt eine Bestätigung zu sein, denn angeblich thematisiert "Wölfe" deren Erfahrungen in der Musikbranche. Deswegen sehen ich die Bilder nach längerem Sinnieren jetzt ganz anders:
    3. OBEN) Der Blick aus dem Fenster, der gleichzeitig ein Blick in die Vergangenheit sein könnte und ihnen dadurch ihre Lebenssituation vor Augen führt: Da draußen aus dem normalen, alltäglichen Leben, da kommen wir her, nun stehen wir hier drinnen als (werdende) Stars. Daniel mit auf unendlich gestelltem, gedankenverlorenem Blick im inneren Widerstreit mit der Verwunderung und vielleicht auch Enttäuschung, was aus ihrem Leben geworden ist, Carolin vielleicht gerade eine Straßenszene beobachtend, die ihr eventuell schmerzlich vor Augen führt, wie unerreichbar für sie beide das normale Leben geworden ist.
    3. UNTEN) "Die Wölfe gehen immer auf die Jungen..." Deswegen? Beschreibt dieses Bild in einem gewissen Grad ihre Situation: in die Enge getrieben? -Aber Daniel scheint ein unglaublicher Kämpfer zu sein, dieser entschlossene, unerschütterliche, wahnsinnig stechende Blick! Echt ganz super fotographiert! Das finde sogar ich als hübscher Bub: heiß!

    4.) Ohweh! Die zwei überfordern mich mal wieder! Denn für mich sind diese Bilder nur bizarr.
    Ein Treppenhaus ohne Wände...?
    Carolin sieht ganz anders als sonst aus, irgendwie fremdländisch, schon fast ostasiatisch, und mit dem Kleid...

    Kleid?

    Treppen...?

    Kleid!

    Treppen!

    He, nee, wie bitte?
    Was ist denn das für ein bizarrer Zufall!?
    Die Wochen, bevor ich zum ersten Mal ins Textheft gesehen habe, beschäftigte ich mich zum wiederholten Mal mit dem Jugendroman von William Sleator: "Das Haus der Treppen". Abgesehen vom Straßenhintergrund paßt das obere Bild so verblüffend perfekt zu diesem Buch, als wäre es davon inspiriert:
    4. OBEN) Zwar gibt es die Szene so im Buch nicht, aber es könnten
    Abigail mit ihrem Anstaltskleid,
    (staatliches Waisenheim) ['tschuldigung, Carolin!]
    das ihr angeblich in gewisser Weise schmeichelt (Wie geht das?),
    und Oliver sein,
    wie sie irritiert und ziellos in diesem Treppengewirr umherirren und sich fragen: Was hat das alles zu bedeuten?
    -Auch Carolins Mimik könnte dazu eins zu eins aus dem Buch sein: Abigail hat irgendwann eine dunkle Vorahnung, was passiert. Dieser Blick könnte es irgendwie darstellen: Nein! Ich habe Angst! Ich will nicht, das so etwas mit mir passiert! -Zumindest ein ganz kleines bißchen sieht's so aus.
    4. UNTEN) Auch das untere Bild könnte zum Buch passen, zumindest ungefähr: Ratlos, hilflos verloren im Treppengewirr... Aber, nee! Es sollte doch eigentlich um "Tag X" gehen?

    Total bizarr!

    (Wo ist das überhaupt fotographiert? Dieses Treppenhaus ohne Wände kam ja auch schon im Tagebuch vor. Ist das die turbokapitalistische Bauruine, diese geplatzte Immobilienspekulationsblase in Südspanien, diese neu gebaute, aber unbewohnte Geisterstadt am Strand, die den Spanischen Staat ins Verderben riß?)


    Dieses Mal waren sie mit dem Textheft besonders ehrgeizig!
    Farblich genau aufeinander abgestimmt: Der Liedtext auf der gegenüberliegenden Seite der Bilder ist mit der Farbe unterlegt, die in den Bildern am häufigsten, dominantesten vorkommt oder am wichtigsten, herausragensten ist.


    T-SHIRT

    Boa, das neue schwarze T-shirt ist ja schick!
    [Wenn man UNBEDINGT wollte, könnte man schon wieder die "Grundformel" hineininterpretieren, die beiden Schriftzüge: 3 Buchstaben - 4 Buchstaben... oder noch besser: die drei Eckpunkte des Dreiecks und ein leuchtender Punkt auf der rechten Seite, also insgesamt vier Punkte...]
    Nur kann ich es mir doch nicht verkneifen zu sagen!
    Glasperlenspiel bleibt einfach in jeder Form als Bandname ganz ungeschickt zweideutig:
    Ich hatte es ja erzählt, wie mich vorletztes Jahr jemand angesprochen hatte und davon ausging, mit dem T-shirt laufe ich Werbung für Hermann Hesse. Die Abkürzung GPS, auch mit dem eckigen S, ist kein Stück besser geeignet, ist genauso zweideutig, denn GPS ist die allgemeine Abkürzung für das satellitengestützte Positionierungssystem (Global Positioning System), mit dem Navis in Autos, Vermessungsgeräte und Wanderhilfen betrieben werden, und die Grundlage dieses Systems ist die Dreiecksvermessung (je zwei Satelliten zum Empfangsgerät zur Entfernungsmessung)

    Somit könnte man irrigerweise annehmen, dass dieses Musikband-T-shirt mit dem Dreieck und dem Schriftzug GPS die neue Out-door-Fashion fürs Geocaching ist, dieser satellitennavigationsgestützte Schatzsuche- und Schnitzeljagtspaß.

    Damit mich aber keiner falsch versteht: Ich bin wirklich überhaupt gar nicht für eine Umbenennung! Nee, bloß nicht! Glasperlenspiel ist Glasperlenspiel!

    Aber wenn sich die beiden für die T-shirts in Zukunft auf etwas Eindeutigeres konzentrieren würden, zum Beispiel dieses ganz eindeutig musikbandglasperlenspielige Zacken-E, vielleicht ließe sich damit was anfangen?
    Mir fiele ein: gE pE Es, jeweils mit dem typischen E.
    Oder einfach: glaspErlEnspiEl, kleingeschrieben, mit sehr großem Zacken-E;
    das sähe vielleicht nicht mehr so zweideutig nach Hermann Hesse aus?


    Traumwaldschrat

    (#58)




    [Wenn hier in meinen Beitrag (im unangemeldeten Zustand) eine Werbung erscheint, dann habe ich damit nichts zu tun, sie gibt keinesfalls meine eigene Meinung wider, was ich als beachtenswert erachte]

  27. Nach oben   #27

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    Tag X (dritter Teil)

    "WÖLFE"

    Ein sphärisch verträumtes, trauriges Klingeln mit vereinzelten rhythmischen Ausschmückungen, dazu ein musikalisches Wolfsgeheul, -Shakira hat es ja schon vorgemacht ("Loba"), wie gekonnt man es in die Musik einbauen kann, Glasperlenspiel machen daraus eine ganze kleine Melodie-. Tja, wie könnte man diese fantastische Stimmung zu einem ganzen Lied ausbauen? Hmm, für meinen Geschmack nicht so, wie sie mit der Überleitung zum Refrain lospoltern.
    Aber darum geht es ja gar nicht!
    Glasperlenspiel haben erneut ein ganzes musikalisches Bild gemalt, den Text eins zu eins in Musik umgesetzt (vergleiche zum Beispiel "Herz aus Gold"):
    Die Strophe, wie die Schafherde auf der Weide grast, mit den rhythmischen Ausschmückungen hie und da ein Geräusch von sich gebend, ein Schaf kratzt sich, ein anderes galoppiert für fünf Schritte los, und darüber kreisen Krähen. Doch auf einmal entsteht Unruhe, Gefahr wird gewittert, bis dann im rasanten Refrain alle rennen.

    Mir gefällt in der Überleitung dieser disharmonische Sekundentonschritt nach unten wahnsinnig gut, gekonnte Disharmonien machen für mich Musik erst richtig gut; und beim ersten Hören gab es für mein Ohr wieder ein "Wenn sie träumt"-Schockelement: Der Refrain scheint wieder die musikalische Stimmung der Überleitung zu zerreißen, aber wieder nur für einen Takt, dann wird die Stimmung wieder aufgenommen und zum Refrain ausgebaut.

    In der zweiten Strophe gibt es dann für mich gleich noch eine tolle Synthesizerklangfarbe: pruoööt! Die in der Überleitung zurückhaltend bleibt. Obwohl von der Melodie her eigentlich acht Pröt-Klänge erklingen müßten, bleiben es trotzdem vier. Find ich gut! Denn auch wenn etwas zu fehlen scheint, klingt es so bestimmt besser!

    Die zweite Strophe ist bewegter, was auch gut ins musikalische Bild paßt: Die Schafe sind jetzt wacher, aufmerksamer!

    Nach dem zweiten Refrain sind dann zwei Gitarren zu hören! Ja, Hilfe! -Klingt aber gut! -Wenn das ein Konzertlied ist, wie geht das dann? Schrubbt Daniel auch noch 'ne Klampfe?

    Die Nachstrophe find ich interessant, denn durch sie läuft das Lied förmlich davon, das Lied geht immer weiter, immer weiter, als musikalische Darstellung des Textinhaltes: Immer weiter laufen, weiter laufen. Vom Gesamtbild her eigentlich traurig, dass die Notsituation der Flucht vor den Wölfen dann eigentlich irgendwie zum Normalzustand, immer weiter, wird. Aber musikalisch gibt es echt was her!

    "INTERLUDE TAG X"

    Boa, jetzt geht's los: sphärischer EBM-Techno! ...Naja, eben doch nicht, ist ja nur ein Zwischenspiel, aber es würde mir schon gefallen:
    Anstachelnde 16tel-Staccatos, die einsetzenden stockenden Akkorde, nur dass dann die Baßtrommel mit den Akkorden stockt, sowas gefällt mir nicht. Aber es paßt gut in die Struktur, eben die Überleitung zum letzten, getragen sphärischen Teil mit dieser fast kreischenden Hintergrundmelodie. Das gefällt mir wieder gut!
    (Ach, wenn es halt ein ganzes Lied wäre...)

    Mit diesem Zwischenspiel entstehen auch schöne Bilder im Kopf: Die Hochebene, die die Schafe nach der Flucht vor den Wölfen erreichen, weitet sich sphärisch-surreal in den Weltraum hinaus.

    (Als Ohrwurm funktioniert dieses Zwischenspiel echt super: Manchmal dudelt ja ein Ohrwurm immer auf ein paar wenigen Takten rum, genau das macht dieses kurze Zwischenspiel zu einem ganzen, tollen Glasperlenspiellied)


    "PARIS"

    Uä-h-ou!
    He, das fängt ja schon gut synthesizesig an!
    Und geht gleich noch weiter, trotz Gitarre, die klingt nämlich irgendwie hölzern, also eigentlich mehr nach einer Synthesizerklangfarbe, echt stark! Versucht Daniel, mich doch noch von der Gitarre zu überzeugen? Mal schauen, vielleicht hat er es irgendwann tatsächlich geschafft, eine Gitarre in einen Synthesizer umzubauen! Für mich klingt es auch immer wieder danach und es ist eventuell gar nicht so abwegig, denn für bestimmte Klangfarben muß man auf einem Synthesizer auch die dazugehörigen Obertöne mitprogrammieren. Obertöne kann man aber auch spielen, zum Beispiel auf der Gitarre: Erst die Melodie spielen und aufnehmen, dann die Obertonmelodien spielen und mit einem Tonspurgerät dazumischen. Ich könnte mir vorstellen, erst durch dieses Verfahren klingt die Gitarre in "Paris" so hölzern. So baut man eine Gitarre zum Synthesizer um.
    Interessant! Und glasperlenspielig-innovativ!

    Und es geht gleich noch weiter: Der versetzte Versrhythmus der Strophen ist absolut spitze! Echt was Neues!

    Die Strophe ist schön trocken und knackig. Da platzt dann der zweite Strophenteil oder die Überleitung hinein, aber das ist super, denn die Stimmung der Strophe bleibt erhalten, wird nur gesteigert, außerdem kommt noch ein schöner elektronischer Baß dazu. Und dann kommt kein Bruch, sondern einmal Luftholen und der Refrain bricht los, schön schwebend satt und hölzern blubbernd mit einem richtig tollen synthiepop-prachtvoll-moll-traurigen Melodieverlauf, den ich mal als "doppelter Terz-Rückschritt" beschreibe. Und... ja, und was ist denn das für eine irre, blechern dengelnde Klangfarbe! Genauso spannend wie bei "Tief": Ist das eine verzerrte Gitarre oder eine bearbeitete E-Piano-Klangfarbe? Interessant!

    Dann gibt es noch mal die tolle Strophe, diesmal mit musikalischer Lautmalerei, denn man hört sogar, wie der Lack abplatzt.

    Es ist zwar kein Reim, aber es gefällt mir unheimlich gut: "Laß uns raus aus alten Mustern, komm wir fangen mit 'nem Schluß/Kuß an"!

    Danach kommt der Refrain zweimal, bei der Wiederholung mit dem Dengeln unterlegt! Sehr gut!

    In der Instrumentalstrophe kommt zum Schluß der Baß richtig zu Geltung, kann man ihn sich mal genau anhören: So'n richtig typischer 80er-Jahre, schaumig schnarrender Elektrobaß, und er kann es nicht verheimlichen, aber es klingt ein bißchen nach "Ain't nobody"! Herrlich! Richtig toller Synthiepop von Glasperlenspiel!

    Und nach dem letzten Refrain läuft das Lied schön aus!

    Wunderbar! Ein tolles Lied!

    -----------


    Was für ein Lied! Spitze!

    Was für ein Hit...

    Und...

    ...warum durfte es kein Hit werden?
    Zum wiederholten Mal stehe ich da und... verstehe es nicht; genauso wie "Moment": Warum wurde "Paris" nur als mp3 veröffentlicht, warum nicht als richtige CD-Single? Diese beiden Singles haben es als mp3 in der Hitparade glaube ich nicht allzu weit gebracht. Wie soll denn da ein neuer Stern am Synthiepophimmel entstehen?

    Ich finde das so enttäuschend: Letztes Jahr (Mal wieder typisch: Ich hab's nicht mehr wiedergefunden) meinte eine oder einer im Tagebuch, sie/er fände es klasse, dass Glasperlenspiel ihre Berühmtheit dazu nutzten, andere neue Musikerinnen/er zu "pushen". Für mich war das schmerzlich zu lesen: Berühmtheit. Ja, doch, ganz ehrlich, ich würde mir so sehr wünschen, dass Glasperlenspiel schon berühmt wären, aber..., ne..., irgendwie... berühmt ist für mich was anderes.

    Im Interview zur Veröffentlichung des "Grenzenlos"-Albums 2013 brachte Daniel Glasperlenspiel mit Depeche Mode in Verbindung. Was aber den Erfolg angeht, können sich die beiden mit ihnen noch lange nicht messen. Ein Vergleich, zumal es sich von den Jahreszahlen besonders leicht vergleichen läßt, fällt ziemlich ernüchternd aus:

    1981 hatte die Welt zum ersten Mal etwas von Depeche Mode gehört, im Februar die Debutsingle, im Oktober das Debutalbum. genau dreißig Jahre später betreten im Spätsommer des Jahres 2011 Glasperlenspiel die Bühne, doch während Glasperlenspiel in den vier Jahren bis heute 2015 sieben Singles aus dreieinhalb Alben haben, jedoch nur drei CD-Singles, nur zweimal Top10, Bestplatzierung zweimal 9, hatten Depeche Mode in den vergleichbaren vier Jahren bis 1985 dreizehn handfeste Singles (damals noch Vinyl), elf aus vier Alben und zwei Singles "außer Konkurrenz" und bereits nach drei Jahren einen Platz-eins-Hit.

    So eine Erfolg hätte ich mir für Glasperlenspiel gewünscht!

    Aber nein, lassen wir das!
    So ein Vergleich ist wahrscheinlich unfair!


    Trotzdem, für meinen Geschmack haut das mit dem Berühmtsein noch lange nicht hin. Shakira, die ist berühmt, Rihanna, auch die ist berühmt, Lady Gaga, die erst recht, ebenso P!nk. Zumindest für mein Empfinden. Doch es fällt mir irgendwie schwer zu beschreiben, warum ich im Vergleich zu diesen vieren Glasperlenspiel noch lange nicht als berühmt erlebe. Irgendwie hängt das mit der Hitparadenpräsenz (Bayern3-Hitparade) zusammen und da ich mich nicht mehr sicher erinnern kann, schaute ich bei Wikipedia nach. Machte die Sache aber auch nicht viel klarer, außer, dass alle vier tatsächlich innerhalb zweier Jahre (mindestens) einen Platz-eins-Hit hatten (P!nk solo Platz zwei). Dann ist natürlich klar, dass sie von den Radiostationen als Hitgaranten gehandelt werden und dementsprechend häufiger genannt oder erwähnt werden, zum Beispiel als Hittip. Tja, sowas fehlt Glasperlenspiel!

    Aber das beschreibt es vielleicht, weswegen ich die beiden als noch nicht berühmt erlebe:
    Um die vier Berühmtheiten war jahrelang immer irgendwie Gerede, während es bei Glasperlenspiel eine, wie ich finde, viel zu lange Zeit gab, in der man von ihnen gar nichts mehr hörte: Nach "Echt" und "Ich bin ich" kam erst mal vierzehn lange Monate nichts mehr, wo ich die beiden auch irgendwie schon wieder vergessen hatte, bevor sie sich mit "Nie vergessen" in meinem Bewußtsein festgruben. Doch danach hörte man in der Bayern3-Hitparade schon wieder nichts, mittlerweile schon zwei Jahre, weder Querverweise, noch Gerede, noch Hittip. Ich find das so ärgerlich! Irgendwas ist da schiefgelaufen!

    Dabei hätten Glasperlenspiel doch Hitparadenpotential gehabt, zumindest für meine Vorstellung:
    "Moment" und jetzt "Paris".
    Für mich ein mögliches Problem: Warum nicht als CD?
    Wer auch immer dafür verantwortlich ist, ich finde, Glasperlenspiel haben für diese lange Zeit, vier Jahre, einfach zu wenig CD-Singles veröffentlicht!


    Aber vielleicht sind Singleveröffentlichungen noch nicht alles, ich hätte noch andere Gedanken:
    Gerade passend las ich letzte Woche in der Tageszeitung eine Artikel über die aktuellen Albencharts: Die ersten zehn Plätze nur von deutschen Interpreten besetzt (Naja! Fast! Neun Interpreten und die deutschen BravoHits 89!). In diesem Artikel war auch etwas zu lesen von einer Quote, über die einzuführen vor Jahren nachgedacht wurde, um deutschsprachige Interpreten zu fördern. Darüber hatte ich nachgedacht und ich persönlich fand es wenig sinnvoll, weil es aus meiner Sicht kleine, unscheinbare, aber wesentliche Dinge übersieht.

    Für meine ganz eigene Vorstellung liegt das Problem vielleicht eher daran, dass sich die deutschsprachige Musikbranche immer noch nur als (lästiges) Anhängsel der internationalen, englischsprachigen Musikszene sieht, anstatt einfach mal ganz frech selbstbewußt zu sein. Und weiter könnte ich mir vorstellen, dass deswegen die Plattenverträge dementsprechend halbherzig sind: Wir sind Helden, Juli, Silbermond, Christina Stürmer, Rosenstolz, Jupiter Jones, ..., Frida Gold und eben auch Glasperlenspiel, sind die wirklich alle schlechter als Die fantastischen Vier oder Xavier Naidoo? Oder werden die doch eher schon von Haus aus von ihrem Plattenvertrag auf Platz vier verwiesen, weil "richtige Musik" angeblich englisch zu sein hat (Skorpions, Sarah Connor, ...)?

    Außerdem geht es für meinen Begriff auch ums Marketing:
    Könnte es sein, dass Robbie Williams, Bruno Mars, Flo Rida, James Blunt, Pit Bull, Lady Gaga, Rihanna, Shakira, P!nk und andere nicht nur deswegen so erfolgreich sind, weil die Musik (ganz) gut ist, sondern wesentlich mehr auch deswegen, weil hinter diesen Musikerinnen/er eine schon fast absurd penetrante Werbemaschinerie steht, die unablässig und gnadenlos auf die musikhörende Jugend einhämmert, bis auch der letzte Dödel und Trollo im hintersten Bayerischen Wald oder in der entlegensten brandenburgischen Heide endlich glaubt, dass man diese Künstlerinnen/er haben und hören muß, um ein richtiger, normaler oder hipper Mensch zu sein, während sich die deutschsprachigen Musikerinnen/er und Bands selbst abstrampeln müssen, um überhaupt wenigstens irgendwo in den deutschen (österreichischen, schweizerischen) Top100 zu erscheinen?


    Ich glaube, anstatt einer Quote wäre deutschsprachigen Künstlerinnen/ern wesentlich mehr geholfen, wenn die deutschsprachige Musikbranche mal etwas selbstbewußter auftreten würde.

    Vielleicht wäre es zusätzlich auch ganz hilfreich, ein Umdenken anzuregen:
    Nicht alles, was englischsprachig ist, ist automatisch hip und trendig und sowieso besser als alles Deutschsprachige. Man sollte sich nicht nur blindlings von der vermeindlichen, stylischen Coolness internationaler Hits verführen lassen und sich nur durch sie up-to-date fühlen, sondern auch mal genauer hinhören.


    Ach ja, ich würde mir so wünschen, dass Glasperlenspiel wirklich berühmt wären!


    [Ende des dritten Teils]



    Traumwaldschrat

    (#59)




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  28. Nach oben   #28

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    Tag X (vierter Teil)

    "BEGINNER FÜR IMMER"

    Dieses Lied direkt nach so einem guten ist für mein Ohr schon heftig, klingt im ersten Moment nach clownhafter Spaßmusik. Im zweiten Moment könnte ich staunen, dass Glasperlenspiel eine Zeitreise noch weiter zurück machen, für mich klingt's ein bißchen nach 70er, und im dritten Moment bin ich zufrieden, dass diese Piepsmelodie gnädiger ist, als sie zuerst befürchten läßt, denn sie wiederholt nicht die ganze Eingangsmelodie, sondern nur den ersten Teil. Und ich kann schon wieder kein Deutsch, war ich zuerst mißtrauisch, ob mit "Beginner" Glasperlenspiel mit Anglizismen um sich schmeißen.
    Nee, so'n Quatsch!
    Beginnen ist ein ganz normales deutsches Tunwort, das man auch in ein Hauptwort umwandeln kann.

    Den Text finde ich sehr zweideutig, man darf mir auch gerne "Woran du schon wieder denkst!" unterstellen, wenn es einfach nur darum geht, egal, wie, was, wo, wer..., man ist halt wieder ein Beginner. Aber ich mein halt nur: "Und sie (denkt) ans Frühstück danach [wonach?]... es ist egal, wie cool du bist... (es ist egal,) wer dich mit nach Hause nimmt... (es ist egal,) ob du dir Mut antrinkst...", ähm, nunja, das klingt schon nach: Ist doch alles egal, hauptsache hoppeln...?

    Interessante Klangfarben gibt es für mich! Die Überleitung zum Refrain hat einen tollen Harmonieverlauf, zusammen mit einem knurrenden Baß, und in der dritten Strophe ist eine schöne Klangfläche im Hintergrund. Und es wird ganz pfiffig einmal der Titelname umgedreht gesungen: "... für immer Beginner..."

    Ich bin mir nicht sicher, ob mir die Sache mit dem Kinderchor gefällt. Melotron hatten sowas auch mal und ich fand ihn nicht gut gelungen, weil sie die Kinder so tief singen ließen. Außerdem ließen sie die Kinder allein singen. Das haben Glasperlenspiel nicht gemacht, zum Beispiel hinten raus noch ein paar Takte, hätte mir wirklich nicht gefallen.


    "FÜR NICHTS"

    He he? Eine Verbeugung an die 80er? Fängt an wie Clowns & Helden: "Ich liebe dich". Wird aber viel besser!

    Die schwebenden hohen Akkorde in der ersten Strophe haben etwas Schreiendes, womit sie auch Schmerz darstellen könnten, zum Beispiel den Seelenschmerz in einer alptraumhaften Trabantenstadt-Lebensfrust-Geschichte, wie ich es bei "Was du nicht weißt" angedeutet hatte. Ich finde, dieses erste Strophe provoziert so perfekt diese Stimmung:
    Wenn einem das eigene Leben zu ersticken droht.
    Wenn man sich ein Leben aufgebaut hat und dennoch darauf nicht Stolz sein kann, weil es einem sinnlos leer erscheint, es überhaupt nicht das ist, was es sein sollte, aber eine ebenso große Leere bei dem Gedanken sich auftut, was es sonst sein sollte.
    Wenn man sich sein Leben eingerichtet hat, die Umgebung kennt und als seine Heimat akzeptiert und dennoch sich so verloren und fremd fühlt, es aber auch keine anderen Platz zu leben gibt, weil jeder andere Ort einen noch verlorener und fremder sein lassen würde. (weil man ja alles neu aufbauen müßte)
    Dazu die versumpfende Sternschnuppe links als Symbol erloschener Lebensfreude...

    ...und diese wahnsinnig fantastische, musikalisch perfekt dargestellte, vernichtend düstere, künstlerisch brillante, malerisch melancholische Atmosphäre wird mit dem loskrachenden Refrain gnadenlos gebrochen! Eine Tragödie! Sogar doppelt, denn erst mit dem dritten Takt wird diese fantastisch düstere Stimmung zumindest halbwegs wieder aufgenommen.

    Der Refrain für sich genommen ist aber gut, schön poppig düster moll und er ist elektronisch interessant ausgemalt, unter anderem mit "...tit-tit tat-tat..." und "grääuch" (stark!). Der Refrain im Zusammenspiel mit der darauffolgenden Strophe, das ist fantastisch:
    Nach dem Refrain ein samtig weich platzender Baß, dann das Schlagzeugsolo und die zweite Strophe legt los mit dem Schlagzeug und dazu diesem rüttelnden Baß! Super! Synthiepop!

    "... die Leute könn' ("disch")...", ich hab schon lange nicht mehr so ein trockenes, perfekt platziertes Schlagzeugbecken gehört, echt stark!

    Die zweite Strophe rettet also ein bißchen die Grundstimmung, weil sie die Atmosphäre der ersten in den poppig bewegten Teil mit hinübernimmt, auch wenn der zweite Refrain eigentlich wieder bricht, aber nicht mehr so stark, weil die zweite Strophe gute Vorarbeit geleistet hat. Außerdem wird er zweimal hintereinander gespielt, wodurch das Lied schön dicht, mitreißend und fließend wird, sogar mit zwei unterschiedlich hohen "tit-tit, tat-tat"s.

    Der Zwischenteil mit der ruhigen Hälfte des Refrains, bricht zwar wieder ein bißchen, ist aber in Ordnung, rappelt sich dann ganz gut, denn man könnte es auch als ein weiteres musikalisches Bild sehen: Es kommt noch ein anderer Gedanke mit ins Spiel, der sogar eine kleine Verschnaufspause nötig macht, bevor es zum "Finale" geht. Außerdem zeigt sich hier in der ruhigen Refrainhälfte und in den zweiten Teilen der Strophen ein weiteres Mal und eigentlich viel besser als in "Paris", wie Daniel die Gitarre immer mehr zum Synthesizer umbaut, denn diese Gitarrenklänge klingen doch sehr nach einer Synthesizerklangfarbe. Und es gibt nochmal zwei interessante elektronische Ausschmückungen: das leise, spannende "...dro-dro-dro-dig dro-dro-dro-dig..." vom Anfang und ein Klang wie ein elektrischer Lichtbogen, "brzz!" Spitze!

    Zum Schluß machen Glasperlenspiel glücklicherweise nicht den "Risiko"-Fehler, denn nach dem halben Refrain, wird er noch einmal vollständig wiederholt! Klasse!
    Der Schluß ist zwar schade, abrupt, aber das paßt!

    He, ich glaube, dieses Lied finde ich super!

    Es ist zwar etwas unstetig, aber in der Gesamtheit durch und durch düster, so, wie für mich Synthiepop sein soll! Herrlich! -Und auf deutsch und von Glasperlenspiel! Fantastisch!


    Textlich gibt es auch noch Bemerkenswertes:
    -Ich schmunzel, warum es gerade Buchen im Park sein mußten, "...von den Bäumen..." hätte dem Sinn, Reim und Versrhythmus keine Abbruch getan!
    -"...ich trag mich nach Hause..." finde ich ein erstaunliches, poetisch literarisches Bild, und was ich witzig finde, ist die argumentative Folge: "...und mit dem Denken auch...".
    -"...und Alkohol reinigt Wunden...": Das finde ich natürlich etwas bissig, zweideutig, ist es doch eine bequeme Ausrede für Alkoholismus: "Ja, ich muß die Wunde in der Seele reinigen"...
    -Ebenso bissig, "...ja, das Leben ist schön..." Im Zusammenhang dieses Liedes ist es aus meiner Sicht sehr sarkastisch, heuchlerisch, nicht ernst gemeint. Das soll keine Kritik sein, sondern eine künstlerische Anerkennung, könnte es doch ein dezenter, musikalischer Hinweis darauf sein, dass für nicht wenige dieses kostbare Leben doch recht schrecklich und unerträglich ist. Dazu passend und sehr verblüffend: "...jeder soll's sehen, ich bin am Leben..." Ich staune, wie Glasperlenspiel Realitäten schon wieder ganz anders aussehen lassen: Anstatt freiwillig das Leben von sich zu schmeißen, ganz frech am Leben bleiben und sich der Gesellschaft aufdrängen: "Ja, ich lebe noch, und jetzt seht zu, wie ihr damit fertig werdet!" Wenn man sich für einen Moment zugesteht, dass vielleicht in vielen solchen Fällen die durch Fortschritts- und Kapitalhörigkeit entmenschlichte Gesellschaft doch einen wesentlichen Anteil an solchen zerstörten Seelen hat, finde ich dieses Sich-aufdrängen gar nicht so unberechtigt.


    Ich würde mal ganz frech behaupten: "Für nichts" ist ein Singleanwärter.


    "ETWAS ALTES"

    Noch eine Verbeugung an die 80er? Der Anfang erinnert an Eurythmics!
    Singt Kitty Kat die "Uuuh"s?
    Boa, fetzig, jetzt geht's ab: Interessante Baßtrommel mit vielen Vor- und Nachschlägen, zum ohnehin zackigen Rhythmus der 16-beat-Rhythmus, der zu den Überleitungen und den Refrains wieder einsetzt, interessante Klangfarben, mit denen das Lied ausgeschmückt ist, "tschatschatschak" und ganz speziell die Synthiestrings in den Strophen, da entstehen wieder Bilder im Kopf, noch mehr mit dem verzerrten Schnarren, dass unweigerlich die Clubszene-Stimmung von "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" oder ähnliche Filme provoziert, diese ganz typische no-future-Resignation der 80er: Nur noch für die Disko leben, wofür auch sonst, es gibt nichts, was erstrebenswert wäre, als der Kick auf der Tanzfläche. Mit den Strophen, unterstützt durch den Text, holen Glasperlenspiel diese Resignation ins Zeitlose: "...hier schmeißt man tanzend seine Jugend weg..."

    Außerdem setzen sie wieder ganz genau (in der zweiten Strophe noch besser) den Text in Musik um: In dem Moment, wo etwas passiert und sich verändert, wird die Monotonie der Strophe aufgebrochen, sogar mit aufgelöstem Mollakkord!

    Und in den Refrains diese herrlich kitschigen 80er-Jahre-Synthiestrings!

    Diese Lied ist in sich stimmig, harmonisch abgerundet und flüssig und durch die Wiederholung des zweiten Refrains herrlich tanzbar füllig; es ist aus einem Guß und geht immer weiter!
    -Ungewöhnlich ist die Liedstruktur: nur zwei Strophen und zwei Refrains.

    Dieses Lied ist gut!


    "INTERLUDE MIT KITTY KAT"

    Was Glasperlenspiel für elektronische Ausschmückungen auf Lager haben, echt irre!
    Zu Anfang das "trdrl-trdrl-trdrl" und bei "...mach nicht auf baff..." dieses einsetzende Klingeln, zuerst tief, dann hoch, fantastisch, denn für eine Moment klingt es original nach Depeche Mode und es ist genauso irre, mitreißend, wie in "Ich seh in dein Herz", wenn in der zweiten Strophe die plingelnde Gitarre wieder einsetzt:
    Gänsehaut!
    Zum Übergang zum nächsten Lied (oh, interessant, Glasperlenspiel lassen auch mal Lieder ineinander übergehen) kann man dann die zweite irre Klangfarbe genau hören und genießen:
    "...g-h-idrl-g-h-odrl-g-h-idrl-g-h-idrl..."!
    Wahnsinn!


    "GEILES LEBEN"

    Leider setzt das "...g-h-idrl..." zusammen mit dem flotten Rhythmus (super!) wieder aus, aber dafür gibt es einen ganz tollen satten Baß! Und Daniel singt wieder solo! Ich hatte schon Befürchtungen, weil er bei allen sieben "Grenzenlos in diesem Moment"-Liedern nicht mehr solo gesungen hatte. Der zweite Strophenteil ist spitze: schön knackig mit Klingeln im Hintergrund und einem gegenläufigen, verschobenen Versmaß: "...entspannt auf morgen... um zu versteh'n..." Lässig!

    Passend zum Text gibt es im Refrain kurz einen Jet-set-Flieger zu hören und der Refrain selbst fetzt: knackiger Rhythmus und es klingelt und blubbert! Boa, stark! Und weil das "...g-h-idrl..." so verschluckend hoch-tief-hoch und hoch-mittel-tief eingesetzt wird ( In der Harmonielehre würde man es wohl "ohne Akkordumkehrung" nennen, zusammen mit sowas wie einem "Single-tone"-Effekt), finde ich und das begeistert mich, klingt es ein bißchen alptraumhaft!

    Die zweite Strophe finde ich etwas schade, das hat nicht geklappt: Zwar singt Carolin tief, um sich stimmlich an Daniel anzugleichen, aber dazu klingt ihre Stimme zu weich. Ich finde Carolins Strophe nicht schlecht, aber sie kann mit der klanglich rauhen Brillanz der ersten nicht mithalten, auch textlich nicht, Carolins "Einwand" ist blasser als Daniels "...will ich mir nicht geben!"

    Die dritte Strophe ist interessant: (Neben dem, dass sie mit sich selbst singt?) singt Carolin im Duett mit einer Synthesizerklangfarbe oder einem verzerrten Sample.
    -Und die beiden können halt Deutsch, ganz locker, flockig und melodiös verstellen sie den Satz: "Ich hab dich fast so verstellt nicht erkannt."

    Nur der Schluß gefällt mir gar nicht. Ich hätte es besser gefunden, das Lied für ein oder zwei ganze Refrains instrumental auslaufen zu lassen und dann mit dem Ende des letzten Takts: Zack, aus!
    -Aber... tjmmmh... da sage ich mal ganz ausgesprochen frech: das könnte man ja zur Single hin korrigieren (Single-Schluß-Version...?, der Rest müßte auf jeden Fall so bleiben!)...
    Doch, auch "Geiles Leben" wäre für mich ein Singleanwärter!

    Ich finde das Lied super! Schön aus einem Guß, rund, flüssig, schön knackig und elektronisch verspielt!


    "X"

    Carolins Begeisterung zum Meer treibt Blüten: Jetzt müßte man morsen können, dann könnte man die Buchstaben heraushören.

    Dieses Lied gefällt mir nicht, für mich klingt es zu belanglos. Aber Glasperlenspiel schaffen es trotzdem, mich mit Kleinigkeiten zu begeistern:
    Das hölzerne Plicken ist stark, das in den Strophen zu einem pelzig weichen Pluppen wird und darüber zarte schwebende Klänge.
    -Was ich witzig finde: Das Lied schleift so beiläufig in die erste Strophe hinein (weil sie nicht mit dem Grundton beginnt), und 'ne lustige Spielerei hört man, zu "...was Mädchen so machen..." hört man Mädchenstimmen "He! He!" und zu "...was Jungs halt machen..." hört man Jungenstimmen "He! He!"
    -Strophen und Refrains sind gut aufeinander abgestimmt, aber für meinen Geschmack bricht die Überleitung beide Male so unpassend langweilig hinein.
    -Hier ist einmal deutlich zu hören, was ich immer wieder vermute: Das Textheft stimmt manchmal nicht mit dem Text auf der CD überein. Wie kommt's?

    Auf schmunzelnde Art betrüblich für mich Allgäu-Schwaben, wie gut sich Carolin und Daniel zugunsten eines fast-Reimes im Land Berlin schon akklimatisiert haben, wenn ihr Spielplatz schon der KIEZ ist...

    Was mich verblüfft, sind die Überleitungen: Es sind gar keine 5/4-, 7/8- oder 9/8-Takte oder 4/4+3/4-Kombinationen, sondern ein durchgehender 4/4-Takt, nur der Text ist extrem gegen den Takt gesungen! Boa!


    -----------

    Tja...?
    Was Mädchen und Jungs halt so machen...?
    Das macht mich, der sich zumindest im Geiste als Waldschrat sieht, schon traurig!
    Denn wenn man mal ehrlich ist, es hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert: Für Jugendliche geht es allwochenendlich hauptsächlich darum, sich die Hucke voll laufen zu lassen, bis man nicht mehr grad stehen kann. Ich finde das schon traurig! Gibt es denn wirklich überhaupt nichts Erstrebenswerteres? Seit meiner Schulzeit habe ich es nicht verstanden: Warum kann man nicht auch ohne Alkohol Spaß haben? Aus meiner heutigen Sicht finde ich es eigentlich sogar erschreckend, denn es ist ja nicht nur die Jugend: Warum macht sich eine gesamte Menschheit vom Alkohol abhängig, warum ist es so selbstverständlich, ohne Alkohol kein Spaß, warum sind deswegen Leute, die in einer geselligen Runde keinen Alkohol trinken, sofort als Außenseiter ausgegrenzt? Warum vertraut wirklich überhaupt niemand auf die kreativen Fähigkeiten seines eigenen Oberstübchens, um Spaß zu haben?

    Oder warum vertraut eigentlich niemand auf seine körpereigenen Rauschmittel:
    Natürlich ist es leichter, sich auf die Tanzfläche zu trauen, wenn man schon einen Zacken in der Krone hat, aber ich möchte einmal dagegenhalten, was für ein berauschendes Erfolgserlebnis es sein könnte, wenn man es ohne Alkohol schaffen würde! Wäre es nicht vielleicht trotz Nüchternheit ähnlich berauschend wie Schulkonzerte, Schultheater oder sonstwelche Aufführungen auf der Bühne oder vor einem größerem Publikum (Geburtstag, Einweihung, Jubiläum, ...), wenn man davor vor Lampenfieber sich nicht mehr einkriegt, aber dann auf der Bühne, wenn man den inneren Schweinehund überwunden hat, oder allerspätestens nach der Vorführung vom Glücksrausch überwältigt wird:
    BOA, WAR DAS SCHÖN!

    Wenn man in der Disko nur noch Limo oder Saftschorle trinkt, kann man sich diesen Glücksrausch jedes Wochenende holen! Wäre das nichts?


    Sowas geht vielleicht sogar auch noch anders:
    "...und die Echos von den Häuserwänden klingen schön schief..."
    Dieses im-Suff-rumgegröle...
    Warum nicht mal provokativ anders, ganz provokativ: nüchtern! Und erst dadurch fähig zu sein, vielleicht wirklich mal richtig zu singen, die einen hoch, die anderen tief, tatsächlich, die einen die Melodie, die anderen die Melodie tief oder vielleicht tatsächlich die Baßstimme, irgendjemand noch die zweite Stimme oder irgendetwas, was eigentlich die Akkorde sein sollten, und dazu klatschen, auf den Bauch oder die Schenkel klopfen und gegen einen großen, leeren Karton treten oder mit dem Mund beat-boxen. Und wenn man drei, vier, fünf, zehn Mal in einer Endlosschleife das "gesamte" Lied "durchgeübt" hat, klingt es vielleicht schon richtig gut und wenn dann plötzlich vielleicht einen der Glücksrausch übermannt, singt und klopft man vielleicht automatisch "richtig" und auf Wolke 7!
    Ja, besoffen geht sowas nicht!


    Ich meine, Spaß ohne Alkohol geht schon:
    In einer Zeit hatte ich mich mindestens zweimal ohne einen Tropfen Alkohol in den Mittelpunkt drängen können, vielleicht sogar noch ein, zwei Mal mehr respektvolle Anerkennung erheischen können, aber, möglicherweise ist es das, weil der Alkohol so selbstverständlich war, geriet dieser Ruhm und Anerkennung leider allzu schnell wieder in Vergessenheit.


    Ja, und was Mädchen und Jungs halt sonst noch so machen...?
    Zum Beispiel Fernsehserien gucken und... als Vorbild nehmen...?
    Da ich mich als Waldschrat sehe, bin ich innerlich schon ein kleines bißchen daran verzweifelt, was mir vor Jahren möglicherweise bewußt wurde.

    Ich hatte einen kurzen Ausschnitt "X-diaries" mitbekommen, irgendein Beziehungsknatsch, irgendeine, die sich betrogen fühlte, irgendeiner (nicht er), der zu beschwichtigen versuchte, und vor allem dazu das richtige Vokabular: "Scheiße, man!"
    Irgendwie war das... total cool...?
    Aber eventuell ist genau das das Problem solcher Fernsehserien. Ich behaupte mal ganz forsch, dass möglicherweise dieses ganze daily-soap-, Telenovela- und reality-Krempelzeug einen viel schädlicheren Einfluß auf die Jugend hat als die wirklich grenzwertigen Sendungen und Filme.
    Wie ich zu dieser abenteuerlichen Behauptung komme?
    Vielleicht schon gerade deswegen, weil sie durch ihre Struktur nicht mehr als Sendung oder Film, als fiktive Scheinwelt wahrgenommen werden, sondern als nachzuahmende Wahrheit, während die wirklich jugendgefährdenden Filme möglicherweise viel weniger jugendgefährdend sind, weil sogar für Jugendliche eindeutig klar ist, das es nur ein Film ist.

    Was ich aber als das Problem sehe, ist folgendes:
    Irgendwann nach diesem kurzen Fernseherlebnis konnte ich real ein oder zwei Szenen beobachten, wie in der Diskothek oder in der Fußgängerzone sie und er wild gestikulierend ihren Beziehungsknatsch aushandelten. Diese Szenen gingen mir nicht aus dem Kopf und sehr schnell fiel mir der Ausschnitt aus "X-diaries" wieder ein. Und ich ließ meinen Gedanken freien Lauf:

    Kann es sein, dass es in der Disko und in der Fußgängerzone eigentlich überhaupt keinen richtigen Grund zum Streiten gab, sondern der Streit, dieser vermeintliche Beziehungsknatsch relativ grundlos vom Zaun gebrochen wurde, ganz einfach, um sich in aller Öffentlichkeit so richtig schön cool, selbstsicher, erwachsen und fotogen zu geben, vor allem mit den passenden Ausschmückungen: "Jetzt will ich dir mal was sagen...", "Laß mich ausreden, verdammt!" und dazu ganz heldenhaft sich in den Weg stellen oder noch heldenhafter posieren: "Nein, ich schlag keine Frauen!"

    Kann es sein: Beziehungsknatsch in aller Öffentlichkeit ist einfach so unglaublich cool!
    Wie... ja, genau... wie in den Fernsehserien...

    Kann es sein, dass viele solcher Streitereien nur den Zweck haben, den Serienhelden nachzueifern, genauso cool und fotogen zu sein, wie diese Figuren im Fernsehen? Ich hatte ja behauptet, dass diese Fernsehserien eventuell einen schädlichen Einfluß auf die Jugend haben. Ganz speziell meinte ich, ob sie möglicherweise sehr großzügig und unausweichlich penetrant ein falsches Ideal vorgaukeln:
    Erwachsen ist, wer cool ist!
    Fänd ich ungut!


    Dazu gehört eigentlich auch: "Ich wünsch dir noch 'n geiles Leben...".
    Ich hatte selbst so etwas mal mitbekommen, einstige dicke, doch dann verkrachte Freundinnen, wo die eine zu einer dritten meinte: "He, guck, die is so blöd, schreibt mir 'ne SMS: 'Ich wünsch dir noch ein schönes Leben!'"
    He, was ist das? Irgendwie, ich versteh's nicht?
    Eine freundschaftliche Beziehung mit einem Gruß(!) beenden, als wolle man noch "und einen schönen Tag noch!" wünschen?
    Ich weiß nicht, ist das... cool...?
    Es geht doch hier um eine Freundschaft!
    Was soll das?


    Tja, das, was Mädchen und Jungs halt so machen, macht mich als Waldschrat schon sehr traurig, weil... irgendwie... man kann mich in meinem Urteil als zu streng sehen, aber irgendwie ist das in viel zu vielen Fällen doch nur noch Selbstzerstörung mit System, Spaß haben auf Teufel komm raus und ohne Rücksicht auf Verluste, gnadenlos, ungebremst, bis der Arzt kommt. Und das als "ganz normale" Jugend, irgendwie, das kann's doch nicht sein? Das Leben hat doch noch viel mehr zu bieten, vor allem die Kreativität des Oberstübchens!

    Ich weiß nicht, ob es nachvollziehbar ist, aber man halte sich fürs Verständnis hilfsweise mal die Waldschratfigur vor Augen, wenn ich sage: "Warum paßt eigentlich wirklich überhaupt niemand wenigstens ein bißchen auf die Jugend auf?
    Aufpassen?!
    Ja, ich weiß nicht, facebookparties, Komasaufen, S-Bahn-Surfen, Ladendiebstahl, Kiffen und damit verbunden die Beschaffungskriminalität, Zickenkrieg, sich mit dem Türsteher anlegen, aus Wut über eine zerbrochen Beziehung gegen Schaufensterscheiben rennen, für ein paar gefährliche Sekunden auf dem Innenstadtring Fast&Furious nachspielen, nur um dazuzugehören irgendwelche grenzwertigen Sachen mitmachen und was weiß ich noch alles für einen Quatsch!
    Braucht's das wirklich?
    Lernt man daraus fürs Leben? Was ist daran noch Spaß?

    Wie das gehen soll aufzupassen?
    ...Weiß auch nicht...
    Vielleicht... wenn Pärchen, die wirklich was vom Leben verstanden haben, sich verkleiden und als Wichtelmännchen und Wichtelfee durch die Clubs, Bars, Spielecenter und Diskotheken und über Festivals, Konzerte und Partymeilen tingeln würden...
    Nur mal einfach so rumgesponnen...



    Traumwaldschrat

    (#60)



    P.S.:
    Ach ja, noch was ganz anderes:
    Ist eigentlich den in Bayern lebenden und Bayern3 hörenden Glasperlenspielfans schon aufgefallen, dass Carolin dieses Jahr genau am Schlager-der-Woche-Freitag Geburtstag hat, sogar einen halbrunden?
    Mir kam da die verrückte Idee, ob man da nicht was drehen könnte:
    Wenn alle, die eigentlich nur das Album kaufen wollten, doch noch die Downloadsingle kaufen würden, und alle, die sie schon haben, trotzdem nochmal kaufen würden und zusätzlich der eine oder die andere, sofern es finanziell vertretbar wäre, sie sogar zweimal kaufen würde, wer weiß, vielleicht könnte man so Carolin ein ganz verrücktes Geburtstagsgeschenk machen, wenn genau an ihrem Geburtstag "Paris" doch noch in der Bayern3-Hitparade platziert wäre! Wenigstens für diese eine Geburtstagswoche!
    Ob das funktionieren könnte?
    Aber nicht gleich sofort bestellen! Die Wertung für den 24. Juli geht erst ab dem 17. Juli, so weit ich weiß, also lieber erst nächste Woche Montag, Dienstag oder Mittwoch bestellen, um ganz sicher zu gehen.




    [Wenn hier in meinen Beitrag (im unangemeldeten Zustand) eine Werbung erscheint, dann habe ich damit nichts zu tun, sie gibt keinesfalls meine eigene Meinung wider, was ich als beachtenswert erachte]

  29. Nach oben   #29

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    Tag X (fünfter Teil)

    MÄDCHEN

    Oh! Was sind denn das für wunderschöne, hoffnungslose, vereinsamte, resignierte Klänge! Das klingt wie, weit weg einsam in einer hügeligen Graslandschaft stehen! Auch, wenn dann die Hintergrundmelodie einsetzt! Echt gut!
    Aber dann...?
    Dann im Refrain singt Carolin plötzlich auf einer von Metallgitterträgern eingerahmten Tanzfläche in einer dunklen Halle über der Landschaft und von bläulichem Strahlerlicht beleuchtet. Dabei weitet sich die Tanzfläche nach hinten durch die Dunkelheit hinaus zwischen science-fiction-haften Hochhausklötzen hindurch bis in den Weltraum. -Das Gurgeln ist witzig!

    In der zweiten Strophe sitzt Carolin auf einmal in einem Zug, der ratternd durch die hügelige Graslandschaft eilt. -Diese spitzen Klänge sind fantastisch, ganz toll Synthesizer, ooh, mehr davon! -Dagegen: Schwebende Hintergrundakkorde, die nach jedem zweiten Takt abstürzen...? Naja, gibt schon was her, in der Gesamtheit des Liedes, aber irgendwie...?

    Im zweiten Teil dieser Strophe sitzt Carolin dann in einer länglichen, offenen Gondel, die mit Seilen an einem Luftschiff hängt, das sich träge und gemächlich durch die Luft propellert.

    "Pogch!" Uuh! Stark!
    Dann wieder die Tanzfläche, diesmal ist Carolin nicht allein auf der Tanzfläche.

    In der dritten Strophe steht Carolin an der Kante eines Hochplateaus über der hügeligen Graslandschaft der ersten Strophe.

    Au!...?

    He, Carolin!
    Das ist ja Gänsehaut!

    Nun ist die Tanzfläche in der Halle direkt an der Ausfallstraße durch eine Trabantenstadt. Carolin steht mit Jacke und Tasche im Fußgängerzonenbereich daneben, verzweifelt einknickend und ihrem hübschen Bub hinterherflehend.

    Und zum Schluß sitzt jemand in einer Stuttgarter Altbauwohnung und klimpert gedankenverloren auf 'nem Klavier rum.


    Tja, ganz schön durcheinander, gell?
    Ja, das ist einmal bildlich dargestellt, warum ich mich mit Glasperlenspielmusik doch immer wieder so schwer tue: so wild abwechslungsreich!
    Wobei es mich bei diesem Lied eigentlich mehr ärgert, warum es mir so schwer fällt, mich darauf einzulassen und es einfach schön und interessant zu finden, denn zweifelsohne, das Lied hat was, das gibt echt was her, da kommt was rüber, gerade der Schluß, so richtig schön zu Mitheulen. Eigentlich: Es baut sich abwechslungsreich auf und ist von mitreißender Wucht! Eigentlich schon spitze! Richtig kunstvoll Elektropop!
    Find ich es doch gut?

    Das Schlagzeug in diesem Lied gewinnt auf jeden Fall meine höchste Beachtung: Im ersten Refrain nur die Baßtrommel, im zweiten baßtrommellastig und im dritten Refrain, ich glaube, für Glasperlenspiel in noch nie dagewesener Brillanz (zumindest erinnere ich mich jetzt mal an nichts):
    16-beat mit haufenweise synkopierten Vor- und Nachschlägen, sowohl Marschtrommel(snare-drum) als auch Baßtrommel und vor allem gegeneinander synkopiert, wie man es vielleicht nennen könnte! Echt super!

    Doch, ich glaube, dieses Lied gefällt mir immer besser, deswegen würde ich mal sagen: "Mädchen" ist auch ein Singleanwärter!

    Nur müßte man für meinen Geschmack auch hier noch mal den Schluß überarbeiten, um diese mitreißende Wucht richtig und noch länger auskosten zu können und dadurch das Lied auch noch länger tanzbar zu machen, auch im Sinne von "...tanzen den Schmerz weg!":
    Den gesamten Refrain noch einmal instrumental wiederholen und dazu vielleicht irgendwie noch zusätzlich schwebende Klänge, die klingen, als wollten sie glattsteichen, den Kummer wegstreichen, vielleicht sogar über die Seele streichen, die Seele streicheln: streichelnd den Schmerz wegtanzen! Und dann einfach den ausklingelnden Schluß ohne Klavier.


    Schon ein tolles Lied!


    -----------

    Hmmmm...?
    "Ich bin doch nur ein Mädchen, DAS vor dir steht und will, dass du ES liebst, ..."
    ...Wie ist das für eine Frau, so "über sich" singen zu MÜSSEN?
    (Carolin hat ja ganz gut versucht, es gesanglich zu verquetschen, damit man es vielleicht doch nicht hört)
    Mir fiel spontan wieder die Politsatiresendung "Die Anstalt" ein, April dieses Jahres, in der gleich zu Beginn der Feminismus begraben wurde (der in Gestalt einer sie aber dann recht lebendig wieder aus dem Sarg geklettert kam). Grundaussage dieser Folge: Von Gleichberechtigung von Frau und Mann kann noch lange nicht, vor allem in beruflichen Belangen, gesprochen werden, der Feminismus hat viel zu wenig bewirkt, wurde viel zu früh schon wieder vergessen.

    Schon!
    Zum Beispiel hätte sich der Feminismus, wenn schon Rechtschreibreform, umgehend für eine grammatikalische Gleichberechtigung einsetzen können: Mädchen! Warum ist dieses Wort immer noch sächlich? Jungs und Buben sind doch auch männlich!
    Also:
    Die Mädchen (das ist Einzahl!), die Puppe der Mädchen, ...
    Klingt komisch?
    Ach was, Gewöhnungssache!

    Aber gut, wie wäre es dann mit einer grammatikalischen Sonderregelung (schließlich sind Frauen auch besonders, besonders schöne Lebewesen!). Man könnte die Sache mit der Gewöhnung vielleicht umgestalten zu einer Sonderregelung zugunsten einer mahnenden Tradition: Tradition, weil man sich halt so daran gewöhnt hat, dass Mädchen einen sächlichen Artikel hat, und mahnend, dass es so bleibt, um immer wieder an die frauenverachtende Vergangenheit der (deutschen) Menschheit zu erinnern. Die Sonderregelung wäre dann die, dass trotz des sächlichen Artikels sämtliche Pronomen (Relativpronomen), die sich auf Mädchen beziehen, dagegen weiblich sind!

    Das sähe dann so aus und mir gefällt das unheimlich gut:
    "Ich bin doch nur ein Mädchen, die vor dir steht und will, dass du sie liebst, ..."
    Mir gefällt das so gut, dass ich gleich ganz besonders frech bin, denn ich finde, man sollte damit nicht warten, bis das Goetheinstitut und der Duden sich vielleicht doch irgendwann einmal oder doch nicht zu dieser Sonderregelung breitschlagen lassen. Nöö, ganz frech:
    Einfach machen!
    Verbal auf alle Fälle, man könnt sich ja rausreden, so'ne neue Mode halt, total hip, aber schriftlich bitte nur dann, wenn man keine Schularbeiten, Extemporalen, Aufsätze, Abschlußarbeiten, Bewerbungen, Amtsbriefe oder ähnliche offizielle und wichtige Sachen schreiben muß.


    Für mich sehr kniffelig, wie "Mädchen" eigentlich zu verstehen ist.
    Geht es darum, man solle sich doch nicht so unglücklich an einer zerbrochenen Liebe verzehren, sondern versuchen, dieses Schicksal anzunehmen, anstatt durch unsinniges, verblendetes Hoffen sein halbes Leben zu verschmeißen? Oder geht es darum, eben nicht so launisch, ferngesteuert, jugendlich schnell aufzugeben, sondern auch für das Glück, es zu erhalten, zu kämpfen?
    Tja, keine Ahnung...
    Das einzige , was ich sicher weiß, wenn ich mich wieder in die Waldschratfigur hineinversetze, dass ich es fürchterlich traurig finde, was für furchtbare Schmerzen die Liebe mit sich bringen kann, wenn Menschen an einer verflossenen Liebe schier zerbrechen, was für schon fast schädliche Anwandlungen die Liebe mit sich bringen kann: "...ich will, dass du mich liebst!" Eine ungeheuerliche Forderung! Man kann doch niemanden zwingen, jemand anderen zu lieben! Gefühle lassen sich nicht erzwingen! Auch wenn es noch so schrecklich wehtut, aber es geht wirklich nicht! Und welche schon fast selbstzerstörerischen Irrungen und Wirrungen die Liebe mit sich bringen kann, denn ich gehe doch davon aus, dass es nicht gänzlich aus der Luft gegriffen ist, worüber Glasperlenspiel in "Unser letztes Lied" und "Für nichts" singen:

    -Anstatt der unausweichliche Realität tapfer und standhaft ins Auge zu sehen: "Es tut mir leid, es ist aus! Lebe wohl!" mit einem unsinnigen "Vielleicht kriegen wir ja doch noch mal die Kurve, ansonsten war es das letzte Mal"-Ritual sich selbst zu quälen.
    -"...und lieb irgendwen für 'ne Nacht." Wie muß ich mir das vorstellen: In selbstzerstörerischem Selbstbetrug wahllos mit irgendwem Arm in Arm liegen oder sogar durchs Bett hoppeln: "Ja!... Ich bin immer noch verliebt!"

    Ich finde das so absurd traurig!
    Und ich finde es so frustrierend traurig, dass man jemandem, die oder der ihre/seine Liebe verloren hat, anscheinend wirklich überhaupt nicht helfen kann, diesen Schmerz irgendwie zu lindern. Man kann sogar als beste Freundin oder bester Freund nur recht betreten und hilflos danebenstehen und... ja: und! Gibt es denn wirklich überhaupt nichts, das irgendwie helfen könnte?

    Ich finde das echt vernichtend: Daß das Leben naturgegeben ganz schön grausam ist, damit kann ich mich ja ganz gut abfinden, aber dass das Leben so HOFFNUNGSLOS grausam ist, das zermürbt mich schon!


    Hmmm?
    Vielleicht ja doch?
    Einfach in den Arm nehmen! Aber ganz fescht!
    Aber vielleicht noch mehr: Immer wieder in den Arm nehmen! Vielleicht sogar: Sich aufdrängen, in den Arm zu nehmen! Vielleicht sogar noch mehr: Zu allen passenden und unpassenden Gelegenheiten in den Arm nehmen! Und nicht nur die beste Freundin oder der beste Freund, sondern alle Freunde, oder möglichst viele, und zusätzlich noch die gesamte Familie und Verwandtschaft und vielleicht sogar ein paar aus der Klasse oder aus der Arbeitsstelle oder die Nachbarn...
    Diese arme gequälte Seele es spüren lassen, nicht allein zu sein.


    Hmm?
    Vielleicht würde das ja sogar die Welt eine bessere machen, wenn die Menschen des Freundes-, Familien-, Verwandten- und Bekanntenkreises sich viel viel öfters in den Arm nehmen würden, auch ohne Kummer, einfach so!

    Gerade fiel mir wieder ein: Letztes Jahr(?) las ich in der Zeitung von einer neuen Bewegung: Kuschelparties! Veranstaltungen, wo sich wildfremde Menschen ohne Hintergedanken(!) in den Armen liegen. Eventuell gar keine schlechte Idee! Ich als Waldschrat denke mir aber auch, wie kaputt ist eigentlich diese Menschheit, dass es Menschlichkeit nur noch als Event gibt oder als Selbsthilfegruppe unter einem Gruppenleiter! Ist doch irgendwie... kaputt!
    Warum nicht einfach selber machen?
    Brandaktuell las ich letzte Woche in der Zeitung über einen Buchautor, der mit seinem Buch ein Bewußtsein gegen den multimedialen, digitalen Wahnsinn machen möchte: Seine Grundaussage: Benutze deine Hände nicht nur für die Tastatur, lege den ganzen Digitalkrimskrams zur Seite und denke selbst. Oder mache selbst: Mit den Händen kann man ja noch so viel mehr machen, als nur auf der Tastatur rumzuhacken. Zum Beispiel:
    Jemanden in den Arm nehmen!
    Ja, vielleicht würde das wirklich die Welt eine bessere machen, wenn sich die Menschen viel viel öfters in den Arm nähmen. Ich könnte mir vorstellen, dass das doch irgendwie viel schöner ist als facebook, youtube, twitter, Schnäppchen jagen... Möglicherweise fühlt man sich dann auch besser, ausgelassener, wodurch einem facebook, youtube, twitter und der ganze Internetkram gar nicht mehr so wichtig ist. Durch diese größere Desinteresse zum Internet wäre es aber bestimmt den Internetfirmen nicht mehr so leicht möglich, mit noch so unsinnigem Zeug neue Kaufrauschwellen und Trends zu provozieren.

    Vielleicht ließe sich so der ganze turbokapitalistische Internetwahnsinn zurückdrängen und die vom digitalen Fortschrittsglauben entmenschlichte Gesellschaft wieder vermenschlichen, wenn durch das Sich-mehr-in-den-Arm-nehmen die digitale Scheinwelt endlich mal wieder in den Hintergrund treten würde.

    Ich meine, man könnte die Welt eine bessere machen, wenn man es sich bewußt macht und es in die Realität umsetzt, so wie ich den Buchautor verstanden habe:
    Digital und Internet sollte ein Werkzeug für uns Menschen sein, und nicht, dass wir dem Digitalen und dem Internet ein höriger Diener sind.
    Vielleicht ginge dies ja ganz leicht, wenn man sich öfters in den Arm nähme?
    Anstatt digitaler Scheinwelt das Menschsein spüren!

    Vielleicht würde dann eine verlorene Liebe auch nicht ganz so entsetzlich wehtun!


    ###########

    Letzten Mittwoch hatte ich ja angeregt, ob es gelingen könnte, wenn alle oder viele Glasperlenspielfans in Bayern sich/sich nochmal (mehrmals) die Downloadsingle "Paris" kaufen würden, damit genau an Carolins Geburtstag, der dieses Jahr gleichzeitig ein Schlager-der-Woche-Freitag ist, diese Single vielleicht doch noch in der Bayern3-Hitparade platziert wäre.
    He, damit habe ich mir echt selbst ein Bein gestellt: Weiß nicht, ob ich zu naiv bin, aber ich bin seit Mittwoch total hippelig und das geht bestimmt noch bis Freitag so! Äh, puuh! -Aber es wäre halt echt so irre! Vor allem auch so einmalig: Es wäre erst wieder in fünf Jahren möglich und hat es so etwas überhaupt schon mal gegeben, dass Fans ihrem Star so ein passendes, verrücktes Geburtstagsgeschenk gemacht hätten? Man stelle sich das nur mal vor!

    Aber nicht erst am Donnerstag kaufen, ich könnte vermuten, trotz online-banking wird das trotzdem erst am Freitag gebucht und dann zählt es wahrscheinlich nicht mehr, die Wertung geht, meine ich, nur bis Donnerstag.

    -----------


    Traumwaldschrat

    (#61)




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  30. Nach oben   #30

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    Geburtstag!

    Hallo Carolin,

    Du Geburtstagskind,
    ich wünsch Dir alles Gut zu Deinem 25. Geburtstag!
    Ein viertel Jahrhundert,
    he, epochal!

    Ich geb zwar nichts auf Sternzeichen, aber ich bemerkte, dass Du ja "Mietzekatze" bist!
    Ah, schnurrrr!

    Hmm?
    Da möchte ich Dich fast in den Arm nehmen und streicheln:
    Warum denn so zaghaft?
    "Zeig jetzt Mut, sie stürzen sich auf's schwächte Schaf."
    "Bleib nicht steh'n, knick' jetzt bloß nicht um."
    Wenn Du schon so ein praktisches Sternzeichen hast (und Daniel ja auch), dann nutz es doch aus:

    FAUCH! Krall! (Schneid! Stech! [daher!: stechender Blick!])

    Und wenn es nicht nach Deinem Mietzekatze-Schnuppernäschen geht, dann wird erst mal ganz großzügig rumrandaliert, dass die Fetzen fliegen:
    Krawummdumrmmlmjaaakrchtschratschfauchkpffstbmmpol terkrach...
    Aber zerleg nicht als Aufwärmübung gleich Deine ganze Geburtstagstafel!

    Sarah Connor brachte mich auf die Idee; ich wünsch Dir alles Gute und vor allem: Löwenmut!

    Feiere schön!

    Dein
    Traumwaldschrat

    (#62)



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    Tag X (sechster Teil)

    ERINNERUNGEN

    DA!...Daaa!...Da war's! Ich hab's genau gehört: Kinder kriegen!
    Lag ich mit meiner Titelbildinterpretation doch nicht so falsch...

    Da ich aber diese Welt und das Leben ganz extrem provokativ mit anderen Augen sehe, frage ich ganz neckisch, warum sie dann noch versucht, den Sinn des Lebens zu finden? Da ist er doch: Das Lebendigsein am Leben erhalten! Was sonst sollte der Sinn des LEBENS sein?

    Was das Zweifeln betrifft, möchte ich ganz vorsichtig anregen, einfach neugierig mitzuzweifeln, eventuell werden dadurch ja alte, festgefahrene und somit wenig hilfreiche Denkmuster aufgebrochen oder sogar der Blick für Neues geweitet.


    Dieses Lied ist für mich genauso wie "X", es gefällt mir nicht so gut, hat aber interessante Klänge.

    Hier ist erneut so beispielhaft, woran ich mich immer wieder störe: Die Überleitungen zwischen Strophen und Refrains. Zum Ende der Strophe legt gerade ein mitreißendes Schlagzeugsolo los, wo man den Eindruck gewinnt: Ja, jetzt geht's los!, doch dieser Schwung bleibt plötzlich mitten in der Luft kleben mit zarten und zaghaften Klängen ohne Rhythmus. Natürlich, vom Textsinn her ist das wieder ausgezeichnet, eins zu eins in Musik umgesetzt, was man, wenn man auch mal ganz hochgestochen mit Fremdwörtern um sich schmeißen will, wohl mit "retardierendes Moment" beschreiben könnte, das noch einmal überdenkende Innehalten, ganz wörtlich: "Denk noch mal darüber nach: Bist du wirklich glücklich?", bevor es zum musikalischen Höhepunkt geht. Aber gefällt mir das? Eigentlich sehr kunstvoll, aber halt zerrupft, den Popmusikfluß störend.

    Für mich bleibt da nur eine super interessante Synthesizerklangfarbe:
    "...goch-goch-goch goch..."

    Und dieser langgezogene Ausruf, diesmal absolut brillant, weil er nicht den Refrain stört ("Beweg dich mit mir"), sondern, wo er eben nicht stört, ein Zwischenspiel veredelt! Und gleich wie gut: Ohne Tremolo! HERRLICH!

    Ja, ich gebe es zu, ich bin Kunstbanause, aber grad mit Fleiß und voller Überzeugung: Ich hasse Tremolo! Dieses dämliche Rumgewimmer!
    Zum Beispiel Oper: "...Juhuhuhuhuliahahahahahahahahah!"
    Ich kann nicht nachvollziehen, was an diesem Rumgewimmer Kunst sein soll, ich finde, es klingt schrecklich, und denke mir ganz provokativ laienhaft, wenn man den Ton nicht halten kann, sollte man halt nicht singen. Furchtbar!
    -Tja, Carolin kann singen!

    Aber traurig, sie "verlernt" es sich immer mehr hin zum Tremolo [oder muß es(!)], zum Beispiel in "Etwas Altes": "...anfühühühült...anfühühühühült...". Und wenn ich es richtig herausgehört habe auch noch: "anlahahachst...andahahas..." usw. und sogar: "kommst du mir nhahah... Playlhihist..." und noch enttäuschend mehr. Gerade das finde ich so schlimm, und in der Popmusik kommt es leider häufig vor, wenn sogar auf jeder noch so kurzen Viertel- oder Achtelnote rumgewimmert wird. Was denken sich die Produzenten dabei, so die Sängerinnen/er singen zu lassen, so weit ich weiß, ist doch das Tremolo dazu da, Töne, lange Töne zu halten: Was muß man bei Viertel- oder Achtelnote HALTEN, Viertel und Achtel werden einfach gesungen, fertig! Mir kommt es so vor, als würden die Produzenten übersehen, dass man kunstbildende Elemente auch kunstvoll einsetzen sollte, damit wirklich Kunst dabei herauskommt, und nicht penetrant und mit Brachialgewalt zu jedem Verszeilenende, ob es paßt oder nicht. -Ich fände es überlegenswert, ob Tremolo in der Popmusik überhaupt was verloren hat: Gesungenes Tremolo ist doch ein Element der klassischen Musik, Popmusik ist doch dafür viel zu rasant, ruhelos und unorganisch. -Da braucht es doch keine CDs und digitale Studiotechnik, wenn Popmusik rumwimmert wie eine alte, leierige Musikkassette!

    Wenn es wenigstens so wunderbar dezent eingesetzt würde, wie es Carolin in "Tief" oder "Folge mir" gesungen hat, wo das Tremolo nur noch so eine Art Nachhall ist:
    "...wieder a-a-aaaaaahahahauf, wieder auuuuuuuhuhuhuf!"
    "...riesengroooooohohohoß!"
    DAS ist brillant, da kann sogar ich mich mit Tremolo anfreunden!
    Aber nicht dieses Rumgewimmer auf Teufel komm raus, um jeden Preis, ohne Rücksicht auf Verluste und bei jeder noch so unpassenden Textstelle!
    Das ist doch nicht schön!


    Noch etwas finde ich bemerkenswert, weil bei "Erinnerungen" dem Gedanken doch nicht widersprochen wird: Die Namensgebung der Titel. Auch da könnte man, wenn es schon um deutschsprachigen Pop geht, wieder ins Fettnäpfchen typisch deutscher Peinlichkeiten treten, empfinde zumindest ich so, wenn man den Liedern keine Titel gibt, sondern Überschriften, soll heißen, wenn das Wort oder die Wörter des Titels im gesamten Liedtext überhaupt nicht vorkommen, weil sie nur den Sinn des Textes beschreiben oder zusammenfassen (ich kenn so einen Fall). Glasperlenspiel hielten und halten sich durchweg daran, es nicht zu tun, im Gegenteil, sie benennen ihre Lieder mit besonderer Finesse, weil sie nicht nur einfach Satzteile zum Titel machen, "Beginner für immer", "Ich kämpfe um dich", so wie es sich gehört, sondern auch ausgewählte einzelne Wörter aus dem Text zu einer beschreibenden oder zusammenfassenden Quasi-Überschrift machen, und dies teilweise mitten aus einem Satz, zum Beispiel "Risiko", sogar nicht mal aus dem Refrain: "Wölfe". Ich bin davon echt begeistert!

    Und auch wenn es im ersten Moment nicht so aussieht, hält sich auch "Erinnerungen" an diese Regel, ist ein Wort des Liedtextes, denn das einzige, was nicht stimmt, ist, dass ausnahmsweise die gesanglich verschluckten Buchstaben oder Silben trotzdem nicht, wie sonst häufig üblich, im Textheft ausgeschrieben wurden. Im Textheft steht nicht: "...wenn uns die ErinngerungEN fehlen?" Dagegen wurde das verschluckte E von "fehlen" geschrieben, während davor wie gesungen erzähln' geschrieben wurde (müßte doch erzähl'n lauten, oder?)

    Echt edel!


    "PHÖNIX"

    Ja, ich glaube, dieses Lied ist gut, vor allem der Refrain, Jungejunge, da kommt was rüber! Gut gebrüllt, Löwe! Aber mir gefällt es dennoch nicht so gut. Trotzdem könnte ich vermuten, dass es auch ein Singleanwärter sein könnte. Das käme vielleicht an, schließlich las ich schon Begeisterungsstürme: Phönix ist mega! Mega mit mehr als dreißig Buchstaben geschrieben!

    Für mich wieder ein paar interessante Klänge und Klangfarben:
    Dieses Kreischen, wie direkt aus einem Fantasyfilm, wenn der Phönix energisch durch die Luft jagt und dabei die Federn so surreal bedrohlich rauschen, echt super, echt ein schönes akustisches Bild! Und die 4/4-Hintergrundmelodie, so richtig schön synthiepoppig!

    In den Refrains finde ich sehr bemerkenswert, dass das zweite "Flammen" kurz und zurückhaltend gesungen wird!


    "Tag X"

    "Beaaoouu baobaaoouu..." und dazu das plickende Tröpfeln!
    He, das fängt ja gut an! Und zum Schluß der Einleitung wird das "Baou" plötzlich durch ausklingende Synthiestrings ersetzt! Das ist ein starker Effekt!

    (In ein paar Sequenzen des Liedes ist das Tröpfeln durch ein uhrähnliches Ticken ersetzt: Gitarre, gell? Ja: Synthesizergitarre!)

    Doch dann wird es recht wild: Nach einer fantastischen, schleppenden ersten Strophe, die recht abenteuerlustig oder abenteuerlich klingt, knickt die Stimmung mit einem ruhigen, rhythmuslosen Teil, der durch ein paar hohe, leicht ziehende Hintergrundklänge wieder mehr an den Trabantenstadtalptraum erinnert, wieder weg. Und danach ein doppelt so schneller Rhythmus und dann wieder schleppend langsam, mit und ohne hohen "Bou"oder tiefen "Baou" und mit und ohne Plicken, nur mit Baßtrommel und dann wieder volles Schlagzeug, und die zweite Strophe beißt, weil sie nur halb so lang ist wie die erste und somit akustisch enttäuschend zu kurz, und irgendwo noch ganz ruhig, aber mit Schlagzeug (Baß - Baß - Baß - Marsch[-trommel], find ich ja stark!) und ... ähpuuh! He, die zwei stressen mich wieder! Das ist ja wahnsinnig wild abwechslungsreich!

    Hmm? Tja?
    Ich bin da eigentlich recht zerknirscht, denn ich möchte diesen Abwechslungsreichtum ja nicht verteufeln. Abwechslungsreich kann auch wichtig sein, damit Musik nicht monoton langweilig wird, ebenso wie dadurch wichtige Effekte entstehen können, zum Beispiel wird durch die Ruhe vorher der "Knall" oder was auch immer danach noch mitreißender, oder allgemein, Kontraste bilden, damit folgende Sequenzen besser zur Geltung kommen. Und die dritte Strophe klingt sowieso immer ganz anders. Da Glasperlenspiel immer sehr sorgsam arbeiten, ist es im Grunde genommen ausgesprochen kunstvolle, künstlerisch hochwertige Musik, finde ich.

    Trotzdem hab ich den Bogen noch nicht raus, obwohl ich es doch weiß: Glasperlenspielmusik ist keine Musik zum Berieseln, sondern zum Zuhören, da gibt es eine Menge zu hören. Eigentlich geht genau das in Richtung Jean Michel Jarre. Das paßt auch irgendwie: Jean Michel Jarre hat viele Lieder, die eigentlich sehr poppig oder popähnlich sind, vielleicht wollen es Glasperlenspiel ein wenig andersherum machen. Hmmm? Könnt spannend werden...

    Gefällt mir das Lied doch? Hach, ich glaube, ich will, dass es mir gefällt, weil es zwar wild abwechslungsreich ist, aber die Grundstimmung bleibt, durchweg schön elektronisch düster moll traurig! Außerdem weckt es Kindheitserinnerungen! Als kleiner Bub las ich viel Lustige Taschenbücher, aber nur die Donald Duck Bände (außer nach Band 118). Besonders eine Geschichte blieb mir in besonderer Erinnerung, weil mir beim Lesen ganz massiv ein Popmusikstück als Ohrwurm durch den Kopf dudelte, wie Filmmusik, ein anderes Lied wurde sogar "Soundtrack" zu einem ganzen Band, und eine weitere Geschichte, die einen sehr bewegten, wendungsreichen Verlauf nahm. So manche dieser Geschichten hatte ich sehr surreal fantastisch erlebt, deswegen empfinde ich, könnte "Tag X" ein weiterer Soundtrack-Ohrwurm für (die alten) Donald Duck Abenteuergeschichten sein, weil dieses Lied so einsam (allein mit den Neffen und Onkel Dagobert in der Wildnis), surreal (fantastische Landschaften, Orte, Völker) und bedrückend (Gefahr lauert, verirrt, Vorräte leer, ausweglos in der Falle) spannend klingt, wie ich die Geschichten damals erlebt hatte und dabei dieses Lied genauso abwechslungsreich ist wie die Landschaften und Örtlichkeiten während so mancher Geschichten.

    Deswegen gefällt mir "Tag X" glaube ich doch: schön düster, moll, elektronisch und man kann schön träumen!

    Außerdem gibt es tolle Synthesizerklänge:
    Zum Beispiel die Marschtrommel des Schlagzeugs, klingt wie... ich beschreib es mal so: Trommelwirbel-vor-Hall (kann man sowas auch real spielen?) (Jean Michel Jarre hatte das auch!), und ganz besonders gefallen mir die zuspitzenden Klänge vor der zweiten Strophe und, habe ich richtig gehört: In der zweiten "Wasser auf Lippen"-Sequenz wird das plickende Tröpfeln von schaumig spitzen Klängen überlagert! Ooh, diese zwei Klangfarben sind so genial!


    "AUFTRIEB"

    He, was ist das?
    "Piu-pau-pou...chrogrch...tich-tich-tich-tich...pmöp-pmöp-pmöp..."
    Das ist ja interessant, wirklich mal ganz anders!
    Zwar gefällt mir wieder nicht, dass diese diesmal so ganz andere Stimmung nicht gehalten wird, aber der Rest nach der zweiten Strophe ist echt gut, es ist der gleiche Effekt wie in "Wölfe", nur noch stärker, mit den Wiederholungen und den Wechseln zwischen Refrain, Zwischenspiel, mit und ohne Gesang und kurz ohne Rhythmus, geht auch hier rasant das Lied immer weiter, immer weiter und hört und hört nicht auf. Gefällt mir echt gut und paßt zum Text, losgerannt und jetzt hält einen nichts mehr auf, egal was kommt. In diesem Sinne auch ein akustisches Bild einer Rally, rasant durch immer neue, wechselnde Landschaften, Klanglandschaften jagen!

    Der Auftrieb geht sogar bis in den Weltraum hinauf: Die fiepsige Hintergrundmelodie klingt schon irgendwie nach "Barbarella", StarTrek" oder "Fred vom Jupiter", und dann ist da noch, man hört es fast gar nicht, am Ende der Wiederholung des zweiten Refrains, wie das Meldesignal eines Raumschiffradars: "drilölölö"! Irre!


    "INTERLUDE"

    Die Biographie hatte mich ja ganz schön erschrocken, das neue Album sei organischer, besser auf die Bühne abgestimmt und das Elektronische mehr im Hintergrund. Daraufhin erwartete ich eigentlich noch mehr Gitarre. Irgendwann dachte ich mir aber, wenn sie dann mehr U2 nacheiferten, fände ich es gar nicht so schlecht, könnte ich schon gefallen daran finden.

    Ja, genau so klingt dieses Interlude, so wunderbar herrlich sphärisch, echt super! Mir fallen da gleich wieder hügelige Graslandschaften im Abendlicht ein und ganz surreal darum und darüber der schwarze, funkelnde Sternenhimmel wie die riesige Kuppel einer gigantischen Tanzhalle... aber es ist halt auch wieder keine richtige Musik, sondern nur ein Zwischenspiel! Schade!

    Ist das "ib-ib-ib" das selbe wie in "Tief"?

    Bei der Gelegenheit fällt mir auf, so sehr im Hintergrund finde ich die elektronischen Klänge auf diesem Album gar nicht, wie die Biographie behaupten mag. Ich finde es schon recht synthesizesig!
    Ist halt doch Glasperlenspiel!


    --------------

    HA! Endlich!
    Glasperlenspiel haben sich widersprochen! Jetzt krieg ich sie ran!

    Ach nein! Quatsch! Ich will doch Glasperlenspiel nichts böses!
    Aber hier habe ich jetzt endlich die passende Möglichkeit, auf den ich gewartet habe, sogar mit ihren eigenen Worten darzustellen, was mich, seit ich das Lied kenne, an "Herzschlag" stört.
    "Mir gefällt der Text, ..., wenn ich dem auch nicht ganz zustimme", hatte ich geschrieben.

    Was ich nicht ganz zustimme, ist die zweite Strophe, ganz besonders aber die zweite Verszeile:
    "Nur dich selbst ist alles, was du wirklich brauchst".
    Dieser Satz liegt mir seitdem bis zum Zorn oder zur Rage quer.
    Nein! Behaupte ich! Das reicht NICHT!

    Sonst hätten zum Beispiel Silbermond nicht von dem Kerl singen brauchen, der an seinem halbwegs geregelten Alltag zugrunde geht:
    "...es ist okay, aber schön ist es nicht... jeder Tag gleitet ihm aus der Hand, ungebremst, gegen die Wand!"
    Der sehnlichst darauf wartet, dass endlich der "Himmel auf" -geht!

    Da sie überhaupt dieses Lied gesungen haben, ist es für mich eine Bestätigung, dass solch ein Schicksal wohl doch nicht selten ist, wo Menschen an ihrem eigenen Leben ersticken und nicht mehr wissen, wie es noch weitergeht.

    Auch Glasperlenspiel haben von so einem Schicksal gesungen, womit sie eigentlich schon viel früher sich selbst widersprachen: ihr "Wenn sie träumt"-Mädchen! Da kann man erkennen, wie wenig sinnvoll und hilfreich dieser Satz aus "Herzschlag" ist, denn man male sich einfach mal aus, wie es wäre, diesem verzweifelten Mädchen zu sagen:
    "Nur dich selbst ist alles, was du wirklich brauchst".
    Wirklich?
    Oder wäre es doch nichts anderes als: Im Stich lassen!

    Gut, das Beispiel hinkt, weil dieses Mädchen noch minderjährig ist. Aber dann nehme man eben Silbermonds Kerl. Wie wäre es, ihm einfach zu sagen: "Nur dich selbst ist alles, was du wirklich brauchst". Offenbar nicht! Anscheinend bräuchte er doch noch mehr! Offensichtlich scheint es doch irgendetwas zu geben, das er nur mit sich selbst nicht schafft, weswegen er nur noch resigniert hofft, der Himmel möge endlich aufgehen. Ich finde schon, ihm in seiner Situation diesen Satz vorzuhalten, wäre schon: Im Stich lassen!

    Denn zwar scheint der Satz den guten Ratschlag zu geben, auf seine eigenen Kräfte zu vertrauen, aber damit gibt er auch gleichzeitig die Möglichkeit, sich nicht mehr um diesen Kerl kümmern zu brauchen: Wenn er angeblich nur sich selbst braucht, bedeutet das nämlich auch, dass er nichts zusätzlich braucht, dass sein Gegenüber ihm auch nichts zu geben braucht, doch damit kann sein Gegenüber sich auch einfach abwenden, gehen und ihn sich selbst überlassen, im Stich lassen.

    Glasperlenspiel haben an Menschen gefallen, die auch zwischen den Zeilen lesen ("Laßt uns was bewegen"). Deswegen störe ich mich noch mehr an diesem Satz, denn zwischen den Zeilen kann er für mein Empfinden auch bedeuten:
    Du brauchst nur dich selbst, denn mehr gibt's sowieso nicht, weil dir eh keiner hilft.
    Und wenn man noch mehr zwischen den Zeilen liest, kann er sogar bedeuten:
    Du brauchst nur dich selbst, also kümmere dich nicht um andere, sondern schau, dass du selbst am meisten abbekommst.
    Nähme man diesen Satz wirklich ernst, hätte ich die Sorge, dass er aus der Menschheit/Gesellschaft aus Versehen eine rücksichtslose und egoistische Ellenbogengesellschaft macht!
    (Ist das nicht ein Superbeispiel: Wenn die Welt eine bessere werden soll, muß man unbedingt die Welt erst einmal verstehen, damit nicht durch das Weltverbessern aus Versehen das Gegenteil davon herauskommt!)


    Deswegen bin ich so froh, dass Glasperlenspiel sich endlich widersprochen haben, indem sie eigentlich nichts anderes gemacht haben, als Silbermonds Kerl erklären zu lassen, warum er nur noch resigniert darauf hoffen kann, dass der Himmel aufgeht:
    "Ich hatte die Kraft nicht, etwas zu verändern, als ich ausgelaugt und durstig war."
    Ich bin mir ganz sicher, sie meinen mit durstig den Durst nach Zuneigung!

    Zu diesem Gedanken habe ich die vage Vermutung, ob eventuell dieser Durst noch lebensbedrohlicher ist als echter Durst, ob Zuneigung möglicherweise noch lebensnotwendiger ist als Wasser und Nahrungsmittel, denn mir fällt wieder der Science-fiction-Jugendroman von William Sleator: "Das Haus der Treppen" ein. Darin entschließen sich Lola und Peter, die mit den anderen dreien in diesem Treppenlabyrinth gefangen sind, sich nicht den asozialen Vorgaben der Nahrungsmittelmaschine zu unterwerfen, die sie nur mit Nahrungsmittel versorgt, wenn sie sich gegenseitig schikanieren, sondern sie durch Hungern zu besiegen. Doch die selbstbewußte Lola läßt zu Peters Verwunderung und Verunsicherung durchblicken, dass seine Hilfe für sie wesentlich ist. Sie gesteht ein, dass ohne ihn sie nicht die Kraft für diese Herausforderung hätte. Im Gegenzug aber versichert sie ihm, ihm zu helfen, damit er, der sehr charakterschwach ist, auf eigenen Füßen stehen kann, um sich dieser Herausforderung zu stellen.
    Es gelingt!
    Denn genau in diesem Moment, als beide es wahrhaftig in ihrem eigenen Körper spüren, vor Hunger sterben zu müssen, werden sie aus dem Labyrinth befreit. Sie haben gesiegt! Sie haben gesiegt, weil sie sich gegenseitig geholfen hatten zu siegen!

    Es ist nur eine Geschichte, aber ich finde es absolut realistisch und deswegen sehr bemerkenswert, dass Zuneigung tatsächlich noch viel wichtiger zu sein scheint als Wasser und Nahrungsmittel, denn man beachte: Lola und Peter hatten nichts zu essen und haben dennoch überlebt! Nicht Nahrungsmittel haben sie gerettet, sondern ihre Zuneigung, weil sie sich gegenseitig geholfen hatten durchzuhalten, den Hunger zu ertragen.


    Sich gegenseitig helfen! Zuneigung!
    Das sind zwei Erscheinungsformen von: Menschlichkeit!
    Vielleicht würde die Welt eine bessere werden, wenn die Menschen nicht mehr so übermäßig dem Fortschritt, dem Ansehen, das Geldhaben mit sich bringt, und dem Spaß, den unser zivilisiertes Leben uns bietet, hinterherhecheln, sondern sich mal wieder mehr auf Menschlichkeit besinnen würden. Oder soll ich jetzt echt glauben, dass Menschlichkeit nur eine literarische Erfindung ist, um herzerweichende und auflagenstarke Romane schreiben zu können...
    Nö, glaub ich nicht!
    Vielmehr würde ich die scharfe Forderung aussprechen, wenn man schon sich stolz als Mensch sieht, als über den Tieren stehend, dann sollte man sich auch so, auch so menschlich verhalten, denn das, was uns von den Tieren unterscheidet, ist, dass die Natur uns als einzige Lebewesen dieser Erde mit einem bewußt denkenden Hirn ausgestattet hat, das zu atemberaubenden geistigen Höchstleistungen fähig ist, wie der Fortschritt, in dem wir leben, beweist. Doch warum verschwenden wir diese unglaubliche Fähigkeit mit billigem Fortschritt, warum nutzen wir diese Kapazität des Oberstübchens, die komplexeste Zusammenhänge sowohl durchschauen als auch erzeugen kann, nicht voll aus, indem wir dafür sorgen, dass es allen Menschen gut geht, dass alle menschenwürdig leben können.
    Ich bin überzeugt, es wäre möglich, diese Fähigkeit hat unser Hirn!
    Deswegen finde ich es eigentlich verwerflich, diese Fähigkeit durch Nichtstun so schamlos zu verschwenden!

    Wer jedoch tatsächlich seine Untätigkeit mit survival of the fittest entschuldigen möchte, dem möchte ich entgegenhalten: Wir Menschen sind auf dieser Erde durch unser Hirn so fitte Lebewesen, dass wir sogar fähig sind, ohne selbst zu verhungern, auch noch für andere zu sorgen.


    "Ich hatte die Kraft nicht, etwas zu verändern, als ich ausgelaugt und durstig war."

    Dieser Durst nach Menschlichkeit.
    Aus meiner Sicht hat der Fortschrittsglauben, die Tatsache, dass Geld unausweichlich wichtig ist, und die multimediale, digitale Scheinwelt, die immer mehr unser Leben bestimmt, die Gesellschaft sehr stark entmenschlicht. Doch wenn Menschlichkeit, Zuneigung, mindestens ebenso lebensnotwendig ist wie Wasser und Nahrungsmittel, sieht es doch so aus, als könnten in einer entmenschlichten Gesellschaft nur die "überleben", denen Menschlichkeit zuteil wird, die Zuneigung erfahren, die einen Lebenspartner haben, die anderen dagegen "verdursten", wodurch sie keine Kraft zum Leben mehr haben und somit auch nichts mehr verändern können.
    Ist das nicht einleuchtend?

    Folgende Zitate aus "Tag X" scheinen diese Überlegung sogar zu bestätigen:

    "...seit dem du mir wieder neue Kraft gibst."
    Durch Zuneigung, die jemand jemand anderem gibt, wird der Durst nach Menschlichkeit gestillt, wodurch, wie das getrunkene Wasser im Körper, die Lebenskräfte wiederhergestellt werden.

    "Seit..., ...ich dich traf, sind meine Sinne endlich wider da."
    Das Denken, die Ansichten und Sichtweisen jemand anderes, der Gedankenaustausch mit jemand anderem ist wesentlich und notwendig, um festgefahrenes Denken, aus dem man selbst nicht mehr herauskommt, aufzubrechen und den Blick (wieder) zu weiten.

    "Du füllst mich mit Leben."
    Durch und mit Hilfe der Zuneigung jemanden aus der Lethargie und Trägheit reißen und ihn in die Lebendigkeit mitreißen.


    Da finde ich als Waldschrat es sehr bedrückend und traurig, dass es einfach kein Anrecht auf Zuneigung gibt... denn wievielen Menschen wäre geholfen, wenn sie diese Zuneigung erfahren würden, wie es Glasperlenspiel in "Auftrieb" besingen:

    "Ich geb dir diesen Halt, der dir fehlt."

    "Ich geb dir Auftrieb..."

    ("...wenn du willst."
    Das ist zwar höflich, respektvoll, aber vielleicht sollte man doch nicht warten!)

    "Lieber mit dir verlieren, als allein gewinnen."
    Was für eine überwältigende Anerkennung ist das für jemanden!

    "...du kannst auf mich zählen."

    Klingt das nicht viel besser, menschlicher, vertrauenserweckender, tröstlicher als der Satz aus "Herzschlag"?

    Besonders das letzte Zitat beeindruckt mich sehr: "...du kannst auf mich zählen."
    Wer so etwas gesagt bekommt, dem kann es doch nur noch gutgehen. Wenn man aber dieses Zitat wirken läßt, bemerkt man, dass auch der Helfende viel gewinnen kann, denn wer so stark ist, so etwas sagen zu können, der kann doch wirklich stolz sein!
    Doch kann man Stolz nicht auch irgendwie mit Glück beschreiben?

    Ich meine eben, egal wie stark man ist, sich gegenseitig helfen bedeutet nicht nur Schufterei und Einschränkung, sondern helfen kann glücklich machen.
    Schon allein mit dem Gedanken, nicht umsonst auf dieser Welt zu sein, sondern gebraucht zu werden, wesentlich zu sein für jemand anderen. Wie Peter für Lola in dem Buch: Obwohl anfangs charakterschwach und in sich gekehrt, wird er durch das Bewußtsein, für Lola wesentlich zu sein, im weiteren Verlauf der Geschichte ein sehr selbstbewußter und zuletzt glücklicher Mensch.
    Ist so eine Entwicklung nicht unglaublich schön?

    "Wir woll'n was verändern, wir sind nicht allein, uns're kleine Welt könnte schöner sein!"
    Glasperlenspiel geben dazu mit "Auftrieb" sogar einen Anhaltspunkt, wie oder durch was es gehen könnte:
    Vielleicht würde die Welt schöner werden, wenn man sich nicht so übermäßig darin verlieren würde, möglichst viel Spaß im Leben zu haben, sondern sich wieder mehr darauf besinnen würde, für andere da zu sein. Und was man dafür bekommt, ist vielleicht viel schöner als der tollste Spaß der Welt, nämlich:
    Glück!

    Vor allem aber wäre damit armen, verlorenen, resignierten, zerbrochenen Seelen geholfen.

    Miteinander Mensch sein, das Menschsein spüren und spüren lassen.
    Wenn man schon kein Tier, sondern Mensch ist...


    [Ende des sechsten Teils]



    Traumwaldschrat

    (#63)



    [Wenn hier in meinen Beitrag (im unangemeldeten Zustand) eine Werbung erscheint, dann habe ich damit nichts zu tun, sie gibt keinesfalls meine eigene Meinung wider, was ich als beachtenswert erachte]
    Geändert von Traumwaldschrat (30.07.2015 um 01:17 Uhr)

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    Tag X (letzter Teil)

    UNSER LETZTES LIED

    Hoi? Noch eine Verbeugung an... tja, ist das noch 80er, 1989: Sinead O'Connor: "Nothing compares to you". Die ersten Sekunden klingen so.
    -Oder ist es schon eine Verbeugung an Carolins Geburtsjahr?...!

    Wahnsinn, wie dieses Lied anfängt:
    Das kristallen metallische, funkende Klingeln, das gleichsam durch den U-Bahn-Tunnel davonhallt, zusammen mit dem hölzernen Blubbern, das langsam verstummt, als würden diese zwei Klänge es ausmalen, wie die Erinnerung an einstig schöne Zeiten weicht oder davonfährt und Platz macht für ohnmächtig beißende Angst, ausgedrückt durch die pulsierende Baßtrommel und der hölzernen Synthesizergitarre wie der pochende Herzschlag sowie durch das monotone, leise, aber durchdringende hohle Schaltkasten-Pfeifen vergleichbar dem elektromagnetischen, hellen Brummen einer elektrotechnischen Anlage und genauso unerbittlich lähmend wie das bedrückend klebrig ziehende Bauchweh, als würde man...
    ...im fahlen Neonlicht durch Kellergänge selbst aufs Schafott gehen, was ja auch in etwa dem Liedtext entspricht.

    Fantastisch, was für ein grandioses, brillant melodramatisches, akustisches Bild, was für eine überwältigende Atmosphäre sie heraufbeschwören, zum Heulen schön, das sogar durch die Gitarrenakkorde links noch veredelt wird, weil sie das Gesamtbild aus den Kellergängen zurückholen in die Realität des abends menschenleeren U-Bahn-Zwischengeschosses mit einem auf dem Boden an der Wand sitzenden Groschenmusiker, an dem sie schleppenden Schrittes dem Untergang ihrer Beziehung entgegen vorbeitrottet.
    Wahnsinn!

    Doch...

    Doch...?

    Doch?!

    Nein!
    Ne...NE!
    Nein!
    Ne...?
    Ich glaub's nicht!
    Nein!
    Das darf doch nicht wahr sein!
    Das kann's doch jetzt echt nicht sein!
    Das ist doch jetzt nicht ernst gemeint...?
    Dieses Meisterwerk elektronischer Musik (trotz Gitarre), von vorzüglichster künstlerischer melodramatischer Brillanz, diese Kunstwerk mit unmotiviert belanglosem Balladengeplänkel, vor allem aber mit einem Refrain, der mehr einer Fußball-WM-Hymne gleicht und dabei auch noch für einen kurzen Moment die entsprechenden partylaunigen Durharmonien hat, und zu allem Überfluß obendrein noch mit einem Zwischenteil, der wie die Erkennungsmelodie der passend dazugehörigen Sportsendung klingt, damit dieses Kunstwerk so zu ... ver... zer... ver...!...?
    Ne, echt, ich glaub's wirklich nicht!
    Da fehlen mir (glücklicherweise) die Worte!

    Das tut so fürchterlich weh...


    Da ist doch irgendwas falsch gelaufen...
    Oder...
    mußten sie das so machen...?
    Müssen?
    Ja, müssen:
    Wer zahlt, schafft an!
    Plattenvertrag!
    Haifischbecken!
    Immer auf die Jungen!
    Wölfe!
    Werden sie per Plattenvertrag darauf festgenagelt, dass Glasperlenspielmusik, einmal mit dem Debütalbum damit angefangen, grundlegend schon fast absurd abwechslungsreich zu sein hat?


    Oder...
    ...gehöre ich nun doch zum alten Eisen?
    Denn angestoßen von Glasperlenspiels neuem Album ist mir noch einmal deutlich geworden, dass auch viele Lieder, die mir im letzten halben Jahr der Hitparade besonders gut gefallen haben, eigentlich alle recht unflüssig, zerrupft, wild abwechslungsreich sind zusammen mit einem viel zu kurzen, zu wenig extatischen, nicht wiederholten Refrain oder sonstwie unrund, unvollendet und recht enttäuschend, weswegen sie mir eigentlich auch nie so richtig ganz gut gefallen haben:
    Charli XCX: "Break the rules"
    David Guetta f. Sam Martin: "Dangerous"
    Lilly Wood & The Prick and Robin Schulz: "Prayer in C"
    The Avener: "Fade out lines"
    Philip George: "Wich you were mine"
    Kygo f. Conrad: "Firestone"
    Lost Frequencies: "Are you with me"
    Robin Schulz f. Ilsey Juber: "Headlights"
    Adam Lambert: "Ghost Town"
    Gestört aber Geil & Koby Funk f. Wincent Weiss: "Unter meiner Haut"
    und ein vielleicht noch ein paar andere.
    Hinzu kommen ja noch etliche, die mir sowieso nicht gefallen wie aktuell:
    Kygo f. Parson James" "Stole the show"
    Avicii: "Waiting for love"
    und beispielhaft und verblüffend ähnlich zu "Unser letztes Lied"
    DJ Antoine f. Akon: "Holiday",
    mit blubbernd schwebenden, houseähnlichen Strophen , aber Refrains, die mehr nach der Sommer-Sonne-Spaßmusik a la Michel Telo erinnert und irgendwo noch faszinierende, hölzerne Klänge, die aber irgendwie überhaupt nicht zu all dem Rest dazupassen.

    So eine unstetige, launisch wechselhaft Durcheinander-Musik scheint also tatsächlich der Trend der Zeit zu sein, das, was die Jugend am liebsten hört.

    Da ich mich als Waldschrat sehe und deswegen auch nicht zu denken aufhöre, frage ich mich schon, ob sich da nicht doch ernstzunehmende Symptome einer entmenschlichten Gesellschaft zeigen:
    Ist durch dieses ständige immer schneller, immer weiter, immer höher, immer besser, immer billiger, immer leichter, immer effizienter die Gesellschaft so hektisch und ruhelos geworden, und hat sich diese Hektik und Ruhelosigkeit schon so selbstverständlich in die Jugend eingepflanzt, dass sie gar nicht mehr fähig ist, "richtige" Musik zu hören? Wenn nach spätestens fünfzig Sekunden sich das Lied nicht radikal ändert, als würde ein neues beginnen, ist die Jugend damit heillos überfordert, weil sie sich nicht mehr so lange auf eine Sache konzentrieren kann...? Sind durch diesen ungesunden Zeitgeist bedingt Jugendliche nur noch fähig, Musik zu hören, die mehr an ein einprogrammiertes Demo eines Keyboards erinnert, das in vier Minuten fast die gesamten klanglichen Möglichkeiten des Instrumentes vorführt?
    -So manches Lied klingt wirklich so!

    Ja, wozu dann eigentlich noch Musik? Dann kann man es ja bei Klangschnipseln belassen, die jeder nach gut Dünken und der momentanen Laune entsprechend auf dem mp3-Spieler anwählen und zusammenstückeln kann...
    Traurige Welt!
    Erst recht verstehe ich nicht, wie solch wild abwechslungsreiche Musik der Jugend gefallen kann, die angeblich tanzend ihre Jugend wegschmeißt. Wie kann man auf Musik tanzen, die alle 30 bis 50 Sekunden zwischen Poprock, Ballade, Techno, Meditation, Gute Laune, Industrial, Kuschelrock, Reggae, Synthiepop, Soul und was weiß ich noch hin- und herpendelt. Sowas ist doch gar nicht tanzbar. Musik zum Tanzen muß fließen!

    Ich versteh's nicht!
    Wie Eltern ihre Kinder...
    Owei! Ich werd doch alt!


    -----------

    Ach Carolin, Daniel, ich bin traurig!
    Traurig, weil ich mich mit Eurer Musik wieder so schwer tue! Vielleicht bin ich doch schon aus dem Alter heraus...
    Dabei ist es doch wirklich gute Musik und wieder mit neuen Ideen: Universal-music hat mich darauf aufmerksam gemacht und es stimmt, auch ich finde es bemerkenswert und gut, dass Ihr auch einmal die Popliedstrukturen aufgebrochen habt. Nicht so starr, auch mal bewegter und bei "Tag X" geht das ja schon in Richtung elektronische Kunstmusik.

    Und ich bin traurig, weil das mit der Erfolgswelle von Glasperlenspiel, zumindest was ich davon mitbekomme, irgendwie überhaupt nicht hinhaut.

    Irgendwann die letzten Wochen hatte ich mir dich noch mal auf dem Titelbild angesehen, und schräg darunter Euer einzigartiges, dreizeiliges, Bandnamenlogo mit Bindestrichen und dem Zacken-E.
    Das hat in diesem Moment schon eine Magie ausgestrahlt...
    Und es erinnerte mich daran, dass ich neben der Begeisterung für elektronische Musik (und der Idee einer schöneren Welt) auch deswegen ein Glasperlenspielfan sein wollte, um mitzuerleben, wie aus Musik, die meine neue Lieblingsmusik zu werden schien, und aus einer Band mit einem markanten Bandlogo, die diese Musik macht, etwas ganz (magisch) besonderes wird. Ich wollte, zwar nicht als Fan der ersten Stunde, aber ich wollte als Fan teilhaben und hautnah mit dabei sein, wie aus der damals immer noch neuen Elektropopband Glasperlenspiel ein neuer Stern am Synthiepophimmel wird!

    Doch aus meiner Sicht ist dieser Stern nach weiteren zwei Jahren immer noch nur ein schwacher, kaum zu erkennender Lichtpunkt am Firmament und droht eigentlich mehr, endgültig zu verglühen, denn in der Hitparade hat man von Euch nichts mehr gehört. Da erscheint es wie eine bitterböse Ironie, wie passend zum Titelbild Euer Erfolg eher sich im Sande verläuft: Andere Singles sind seit mehr als 15, 20, teilweise sogar 30 Wochen in der Hitparade (Deutsche Top100), die Hälfte dieses Singles mit Bestplatzierungen in den Top20, während "Paris" unter den statistikzählenden Augen Media Controls nach gerade drei Wochen auf den untersten Rängen sang- und klanglos versandete, bzw. in der Versenkung verschwand!


    Natürlich ist dieser Vergleich ungerecht, weil wahrscheinlich tatsächlich, außer ganz spezielle Ausnahmen, eine reine Downloadsingle es nicht mit einer CD-Single aufnehmen kann, aber es beschreibt eigentlich genau das, was ich meine:
    Seit Monaten erscheinen Singles in den Top100, Lieder, an die ich schon gar nicht mehr gedacht hatte, die ich fast noch von letzten Herbst kenne, aber von Glasperlenspiel, gerade mal Anfang des Sommers veröffentlicht, weit und breit nichts mehr zu sehen.
    So gewinnt man doch keinen Blumentopf!
    Wirklich: Haifischbecken!
    Keine Ahnung, wie man es anders sehen könnte, aber dieser Plattenvertrag scheint recht widersinnig!
    Das ist doch keine Werbung für Glasperlenspiel!

    [Hmmm... Katzenhai...? Wär doch was!]


    Auch der angebliche Segen multimedialer Kommunikation, des Internets, angeblich noch nie dagewesener Möglichkeiten, sich mit anderen Menschen auszutauschen, weltweit, eine einzige globale Kuschelparty...
    Ja, nix is!
    Mir schien es, dass sich für Glasperlenspiel eine verblüffende Möglichkeit auftat, mit der Gerede um sie hätte entstehen können, aber anscheinend ist für Popkünstler es gar nicht möglich, sowas zu nutzen, und facebook und den ganzen Kruscht kann man wohl auch vergessen: Ich hatte gedacht, dass es dort für Fans locker möglich wäre, irgendwie Unruhe zugunsten ihrer Stars zu erzeugen, irgendwie 'nen Rummel um Glasperlenspiel zu machen, aber offenbar taugt facebook nur, um die Polizei zu stressen und Eltern ins Verderben zu reißen mit irgendwelchen facebookparties, die aus Versehen von Zaun gebrochen werden.

    Anscheinend bin ich doch zu naiv...

    Irgendwie, da geht nix voran!


    Ich fänd es traurig, wenn Glasperlenspiel nur ein Geheimtip bliebe.
    Dabei sind sie ja schon was besonderes, eigentlich sogar Vorreiter, haben sie es, soweit ich mich erinnern kann, als erste Band geschafft, Synthesizer-Elektropop mit DEUTSCHEN Texten zu kombinieren und zwar so erfolgreich, dass es nicht bei einem Eintagsfliegenerfolg geblieben ist, sondern sie bereits eine Single aus ihren zweiten Album in die Hitparade gebracht haben, und...


    Oh!

    Was les ich?
    Ein Videodreh für... #geilesleben
    Ohoo!
    Jetzt wird's spannend!
    Vielleicht kommt jetzt endlich Schwung in die Geschichte!
    -Würde dem Namen wieder alle Ehre machen:
    ganz glasperlenspielblubberperlig!

    Ach Carolin, Daniel, ich würd es Euch so wünschen!


    Viele Grüße

    Traumwaldschrat

    (#64)




    [Wenn hier in meinen Beitrag (im unangemeldeten Zustand) eine Werbung erscheint, dann habe ich damit nichts zu tun, sie gibt keinesfalls meine eigene Meinung wider, was ich als beachtenswert erachte]

  33. Nach oben   #33

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    "Die Bundesländermusikschau"

    Ju-ju-juuh! Jippie!
    Das war spitze!
    "Das isch där Bananäbluäß"
    Grandios!
    Der "(Hafer- und) Bananenblues" ist eine Legende!
    Und damit haben sich Glasperlenspiel vorgestellt!
    Sensationell, baden-württembergischer geht es nicht!
    Glasperlenspiel verbeugen sich vor däm Pferdle und däm Äffle, das war edel!
    Toll!

    Da bekam ich jetzt endlich mal einen kleinen Ausschnitt zu sehen vom Auftritt 2011: mei, süüß!
    Aber die Bühnenausstattung fand ich beeindruckend, mit den vielen Leuchtperlen, sah richtig zauberhaft aus!

    Die Punkteauswertung hatte mich dann erstaunt: In der ersten Hälfte hatten Glasperlenspiel immer nur drei Punkte oder so bekommen, hielten sich aber trotzdem hartnäckig auf Platz vier, erst in der zweiten Hälfte ging's dann abwärts ("Tief"...!), Platz fünf, sechs, sieben und dann sechs.

    (Hmm? Naja? Au ned schlecht: Sechs ist immer gut... [Hihi! Paßt dann auch gut zur Titelbildinterpretation: Üben, damit man's dann auch "richtig" macht!])

    Ist natürlich schon schade: Platz sechs.

    Andererseits ist dieses Ergebnis... wie soll ich sagen... hmm, lebendige Musik, gelebte Glasperlenspielmusik!
    Ich möchte ja nicht behaupten, dieses Lied wäre ein (böses) Omen gewesen, aber so wie sie es gesungen haben, ist es jetzt, ganz genauso wie erhofft, gekommen:
    "Ich fall tiiiief..."
    Naja, wäre schon tief runtergegangen, von Platz vier nach was weiß ich wie weit ganz runter, aber, eben:
    "...außer du fängst mich, außer du fängst mich - wieder aaaaaauf..."
    Ja!
    Anscheinend waren da genügend Mädchen und Jungs, denen Glasperlenspiel gefallen haben oder sogar Fan sind, die sie tatsächlich auf Platz sechs aufgefangen haben!


    Und... wer hat gewonnen? Ja, der traut sich was!
    Erst singt er mit Carolin ein Duett und dann sticht er sie am Samstag aus!
    He, frech!
    Aber das Lied ist schon wirklich gut!
    Kann man nichts sagen.
    Auch so war ich von der Musik angenehm überrascht! Zwar hatte ich die Sendung nur nebenbei laufen, aber was ich mitbekommen hatte, da waren noch ein paar Lieder, die ich gar nicht schlecht fand, nämlich meine Geschmacksrichtung, zwar nicht unbedingt Synthiepop, aber schön moll; und eben schön moll und auf deutsch!
    Und hübsch!
    Namika, jetzt konnte ich sie mal sehen, mmh! Und Lary erst: ganz erfrischend hübsch, ein echter Feger! He, schmacht!
    -Ach, wart mal: Lary! Die Mo-Trip-f. - Lary! Oho, interessant...!


    Glücklicherweise konnte ich mir vorher die neue Version "Geiles Leben" noch anhören, deswegen hat mir der Auftritt auch gefallen, schön knackig und fetzig! Ja, ohne Ohrenstöpsel hört man auch was! (Hach, ärgerlich!)

    Den neuen Refraintext finde ich in zweifacher Hinsicht bemerkenswert!
    Er macht aus dem verdoppelten Refrain eine doppelt so langen! Das find ich gut!
    Für mich aber noch interessanter, dass er jetzt unterschwellig gesellschaftskritisch ist, wobei ich mich noch zusätzlich frage, ob die beiden sich dessen eigentlich bewußt sind, weil es sich auch wie ein, man könnte es so beschreiben, ein gesellschaftsbedingter Freudscher Unversprecher verhalten könnte. Man muß zwischen den Zeilen lesen (Jaja, wichtig!), bzw. das lesen, was im Text fehlt, und das, was da fehlt, ist nicht einfach irgendetwas, gar belangloses, sondern, exakt ganz in Freudscher Manier, etwas unausweichlich Beeinflussendes, um das man ebenso wenig drumherum kommt wie das, was Freud eigentlich meint, auch wenn man es noch so krampfhaft als bedeutungslos leugnen will:

    "Vergiß den Fame, all die Villen und die Sonnenbrillen, ich fühl' jetzt ganz genau, dass ich das zu meinem Glück nicht brauch!"

    Ja, da fehlt was, im Vergleich zur ersten Refrainhälfte:
    nämlich das Geld!
    Das interpretiere ich eben als unterschwellig gesellschaftskritisch: Das Geld fehlt im Text, weil das Geld wirklich als einziges zum Glück nicht fehlen darf.

    Das scheint mir das bitterbös Traurige in dieser Welt: Das Geld ist zum Herrscher über die Menschheit geworden!
    Ohne Geld geht es wirklich nicht!
    Dieser geniale, bissige Geschichtsschreiber Joachim Fernau hatte es in seinem humorvollen, anschaulichen und lebendigen Geschichtsbuch "Deutschland, Deutschland über alles..." bereits 1972 satirisch aufgespießt: Bei einer Schiffsreise (z.B. Kreuzfahrt) dürfe man wirklich alles vergessen, zur Not sogar den Reisepaß, nur eines nicht: nämlich Geld!
    Ebenso beschreibt eine Schlüsselszene im Film "Free Rainer - dein Fernseher lügt" die Unausweichlichkeit des Geldes, in einem Moment, als alles verloren scheint, die Revolution vor dem Ende, sagt eine Hauptfigur (in etwa):
    "Geld ist das Ende einer jeden Revolution"
    (Wie war! Deswegen wird sich vermutlich auch nie mehr etwas ändern, die Welt eine Bessere werden: Für eine bessere Welt braucht man Geld, nur ist es bestimmt so, dass die, die aus Gewinnmaximierungsgründen gegen eine bessere Welt arbeiten, ganz gewiß wesentlich mehr Geld haben und so die "Weltverbesserer" auf alle Fälle ausstechen können. -Geld bleibt in jeder Hinsicht der Sieger!)
    Tja, ohne Geld läuft wirklich gar nichts!

    Wahrscheinlich ist die Welt schon längst bis in den entlegensten Winkel darauf ausgelegt, dass ohne Geld wirklich überhaupt nichts mehr geht, und ich habe die Befürchtung, dass Geld sogar weit über der Menschlichkeit steht, weswegen vielleicht Sozialstationen, Hilfsvereine, Pflegedienste und was weiß ich für Einrichtungen, die Menschlichkeit anpreisen, gar nicht so menschlich sind, bzw. überhaupt nicht sein können, weil sie viel mehr der Kostendeckung hinterherhecheln müssen, als dass sie Menschlichkeit wirklich leben könnten, genauso wie die Menschlichkeit gegenüber Freunden im Extremfall vielleicht am Geld scheitern könnte. Diese Menschlichkeit des schlimmsten Falles, eine Freundin / einen Freund, die/der wie auch immer durchs Raster zu fallen droht, einfach mit durchzuernähren oder gar deren/dessen Miete mitzuzahlen... diese Menschlichkeit kann sich keiner leisten...!
    Vielleicht ist dieses Beispiel zu extrem, aber ich finde, es macht deutlich, wie unausweichlich dominant und beherrschend Geld ist: Geld scheint über Menschlichkeit zu stehen.

    Unter einem anderen Licht betrachtet macht es ein wenig den Eindruck, als wäre Menschlichkeit ein Luxusgut...?

    Fänd ich bestürzend!

    Auf jeden Fall aber ist das die bittere Realität: Geld hat die Macht, ins Verderben zu reißen, deswegen darf es als einziges zum Glück nicht fehlen!
    Deswegen MUSS es im neuen Refraintext fehlen!

    Sofern Glasperlenspiel diese versteckte Gesellschaftskritik tatsächlich im Sinn hatten?


    Nur wie es anders gehen könnte, (ganz revolutionäre Gedanken!), hätte auch ich wirklich überhaupt keine konkrete, geschweige denn brauchbare Idee.


    Traumwaldschrat

    (#65)



    [Wenn hier in meinen Beitrag (im unangemeldeten Zustand) eine Werbung erscheint, dann habe ich damit nichts zu tun, sie gibt keinesfalls meine eigene Meinung wider, was ich als beachtenswert erachte]


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