Keine Lust zu lesen? Dann einfach klicken und zuhören: https://www.youtube.com/watch?v=G5t7...JZV58yveTi4FG6


KENNST DU DEN 360-GRAD-VERTRAG UND SEINE GEFAHREN?

Grundsätzlich ist die Denkweise der Musikindustrie immer die Gleiche: Neue Medien werden belächelt, danach ignoriert, anschließend bekämpft und am Ende springen die Verantwortlichen notgedrungen auf den letzten Wagon des Zuges auf. Angefangen hat das Ganze bereits mit der Einführung des Radios in den USA: Hierbei wurden von sämtlichen Produzenten und Labels Petitionen gegen dieses Medium unterschrieben. Sie waren sich alle einig darüber, dass das Radio die komplette Musikindustrie gefährde, indem die Vinyl-Verkäufe, aufgrund der frei empfangbaren Musik, zurückgehen würde. Letzten Endes hat das Radio zu höheren Absätzen im Vinyl-Verkauf und im Live-Entertainment geführt.

Als nächster Gegner wurde die Kassette angesehen. Die Branchenvertreter waren sich sicher, dass keiner mehr Vinyl kauft, da die Endpreise von Kassetten um einiges günstiger waren. Auch hier war der Fall, dass die meisten Konsumenten zusätzlich zur Vinyl die Kassette kauften, um die Musik des Künstlers auch unterwegs hören zu können. Erneut waren Umsatzsteigerungen die Folge.

Den gleichen Effekt des Doppelkonsums erzeugte die CD, da viele Fans sie zusätzlich erworben hatten, um die Musik noch einfacher und in höherer Qualität genießen zu können.

Als dann in den 90er die mp3 den Markt revolutionierte und darauf die Download- und Streaming-Technologie folgte, waren theoretisch alle Labels in der Lage, ohne nennenswerte Kosten ihren gesamten Backkatalog auf Knopfdruck erneut erfolgreich vertreiben zu können. Aufgrund von Unwissenheit und Streitigkeiten unter den Major-Label-Verantwortlichen, wurden letzten Endes zwar Kanäle geschaffen, diese waren jedoch absolut uninteressant für die Musikhörer. Wie so häufig übernahm auch hier ein branchenfremdes Unternehmen das Ruder und präsentierte den Konsumenten eine hervorragende Lösung.

Wieder einmal sprang die Branche auf den letzten Zug-Wagon auf, doch dieses Mal zahlte sie mit erheblichen Macht- und Ertragsverlusten. Mit der Digitalisierung und dem gleichzeitigen Schrumpfen des Absatzmarktes mussten neue Lösungen her, da die ursprünglichen Geschäftsmodelle der Labels in Gefahr waren. Statt nur die Leistungsschutzrechte zu verwerten wurde angefangen, auch durch alle anderen Rechte Einnahmen zu generieren. Beispielsweise bei Live-Auftritten, bei Merchandise-Produkten bis hin zu Einnahmen aus Urheberrechten. Also wurde versucht, in jedem Bereich eine prozentuale Beteiligung an den Umsätzen des Künstlers zu erhalten. Um das vertraglich festzuhalten, wandte man den sogenannten 360-Grad-Vertrag an. Eine Lösung, die für die Label-Verantwortlichen geradezu perfekt war und immer noch ist. Insbesondere dann, wenn sie keine weiteren Investitionen tätigen müssen, sie aber an den Einnahmen des Künstlers mitverdienen. Natürlich gibt es nicht nur schwarze Schafe. Trotzdem ist diese Entwicklung, vor allem aus der Sicht des Künstlers, immer kritisch zu betrachten.


Unser Tipp an Dich:
Wird Dir ein solcher Vertrag angeboten, solltest Du Dir in jedem Fall im Klaren darüber sein, dass Du meistens weitere 10-40 % Deiner Einnahmen an Dein Label abtrittst, ohne dass Dein Label dafür tätig wird. Rechtlich betrachtet ist die Beteiligung an Deinen Einnahmen mit Vorsicht zu genießen, da keine direkte Gegenleistung gegenübersteht. Beispielsweise erhält Dein Label Einnahmen von Deinen Live-Konzerten, ohne sie gebucht, beworben oder organisiert zu haben. Da dies sowieso Deine Künstleragentur in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter übernimmt und Du hierfür die branchenüblichen 20 % an Deine Agentur abführen muss, bezahlst Du in dem Fall Dein Label ohne jegliche Gegenleistung!

Zusätzlich überträgt Dein Label nicht selten einen erheblichen Teil seiner Kosten, wie beispielsweise Werbe- und Videoproduktionskosten, auf Dich. Wenn Dein Label jetzt auch noch an allen anderen Einnahmen mitverdienen möchte, könnte es sich schon um ein sittenwidriges Geschäft handeln. Damit Deinem Label dies aber nicht vorgeworfen werden kann hat es angefangen, andere Leistungen wie insbesondere Booking und Merchandising anzubieten. So kann es seine 360-Grad-Deals rechtfertigen.

Des Weiteren musst Dir unbedingt bewusst sein, dass Du bei solch einem Vertrag lediglich einem Unternehmen erlaubst, Deine Karriere zu steuern. Solltest Du beispielsweise ein Problem mit der Arbeitsleistung in einem bestimmen Bereich (z.B. Booking) oder mit einer bestimmten Person haben, so hast Du gleich ein großes Problem mit allem.

Splittest Du dagegen die einzelnen Bereiche und beschäftigst somit unterschiedliche Akteure, die wirkliche Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet sind, hast Du die Zügel in der Hand und bist in der Lage, schnell und flexibel Leute bzw. Unternehmen auszutauschen.

Aus unserer Sicht, solltest Du selber ein Label gründen. Nicht nur um Deine Rechte zu wahren, sondern auch um einen professionelleren Auftritt nach außen hin zu erzeugen. Die Gründung eines Labels kostet Dich lediglich einen Gewerbeschein (der aktuelle Preis liegt bei ca. 40,00 EUR) sowie der kostenlosen Mitgliedschaft bei der GVL. Da Du als Musiker ein wirtschaftliches Ziel verfolgst, bist Du bzw. ist Deine Band automatisch eine Einzelunternehmung bzw. eine GbR. Auch ohne, dass Sie offiziell eingetragen werden muss. Hierzu haben wir einen weiteren Cast für Dich: „Die eigene Band als Unternehmen – Warum und Wieso?“.

Wenn Du weitere Fragen zu diesem Thema hast oder Hilfe bei der Gründung Deines Labels brauchst, dann melde Dich gerne bei uns und wir unterstützen Dich.

ZOUNDR – Für alle Musiker & Profis im Musikbusiness www.zoundr.com