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Thema: Glasperlenspiel - ein neuer Stern am Synthiepophimmel

  1. #67

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    Licht & Schatten, 4.

    Dieses Lied ist für mich untrennbar mit jenem Abschiedstag verbunden, als wir zum Aufräumen das neue Glasperlenspielalbum hörten! Fast fühlt es sich so an, als wäre dieser Moment zu einem Lieblingslied geworden, aber das stimmt nicht, eher hat dieses Erlebnis ein Lieblingslied erzeugt, doch nicht einmal das stimmt, sondern dieses Lied gehört einfach zur Sorte Lieblingslied, solche Musik, wie ich sie mir von Glasperlenspiel wünsche!

    Dabei war ich ja noch ängstlich, ob mir das Lied wirklich gefällt, denn wie gesagt, neue Musik zu einer Fremdbeschäftigung anzuhören ist nicht meins, man kann sich nicht auf die Musik konzentrieren und ich hätte die Befürchtung, dass die Fremdbeschäftigung meine Meinung über die Musik beeinflußt.
    Völlig unberechtigte Sorge!

    Dieses Lied ist spitze!
    Knackig trockener Elektropop mit einer hervorragenden, lebhaft-abwechslungsreichen Baßmelodie in den Strophen, zweimal untermalt mit uu-uu und einem surrealen, durchdringenden Hall, dann ein Donnerschlag, mit dem der Refrain losbricht, der zwar vom Rhythmus getragen ist, aber dennoch rasant klingt, mit einem traurigen uu-u-u-uuu-u, mit dscht-dscht-dscht-dscht, mit einem hölzernen Ticken und mit blubberperligen Hintergrundklängen ausgeschmückt und zum Schluß mit einer dünnen piepsigen Hintergrundmelodie. Insgesamt, und besonders mit dieser Hintergrundmelodie, die mich wieder an uralte Science-fiction-Filme erinnert, könnte dieses Lied eine musikalische Untermalung eines Hyperraumfluges sein, nach bestandenem Abenteuer wieder an Bord des Raumschiffs, den Hyperraumantriebsgang einlegen, den Schubhebel bis zum Anschlag durchdrücken und ganz entspannt, wie man es sich auf einem amerikanischen Highway vorstellt, mit 55 Parsec nach Hause!

    Nur die Länge des Liedes könnte ich bemängeln. Zwar empfindet man es nicht so deutlich, aber 2:31 Komma 865 und no a bissle ist ein bißchen flüchtig, zumal das Lied so hörenswert gut ist! Als Singleauskopplung dagegen, die lustigerweise nicht mit "aus dem gleichnamigen Album" betitelt werden könnte, könnte es mit dieser Länge punkten, zwar nicht die kürzeste, da müßte "Schnappi" noch kürzer sein, aber vielleicht die zweitkürzeste Single aller Zeiten in der bayerischen Hitparade zu sein. Doch mit diesem Längenproblem entsteht auch bei diesem Album belustigend der etwas verwunderliche Eindruck, dass die Takte von Glasperlenspielliedern genau abgezählt sind, mehr dürfen es nicht sein, auch nicht innerhalb eines Liedes, soll heißen, was, gerade bei diesem Lied, was hinten raus als mitreißender Auslauf des Liedes dazukommt, muß an anderer Stelle bzw. vorne mit einem reduzierten Refrain wieder eingespart werden...

    Nunja, oder doch nicht! Vielleicht muß ich es nochmal ein paar Mal anhören, vielleicht hätten der Donnerschlag und der sofort einsetzende, mitreißende Refrain beim zweiten Mal doch nicht so gut gewirkt. Oder doch nicht, weil es, in die Länge gestreckt, doch monoton geworden wäre? Hmm, kann ich nicht beurteilen, dazu bin ich zu wenig Musikereg.

    Trotz der geringen Länge: Das Lied ist sooo toll!


    Weniger eine Bemängelung des Liedes bzw. des Textes als vielmehr nicht meiner Meinung entsprechend ist die Textzeile:
    "... im Scheitern liegt tieferer Sinn".
    Sinn schon, aber tieferer? Meiner Meinung nach nicht: Einen tieferen Sinn könnte es nur haben, wenn das Leben an sich einen Sinn hätte, doch das hat es aus meiner Sicht nicht.
    -Ein Beispiel, warum ich so denke: Angenommen, Carolin hat eine Idee, wie unsere Welt schöner werden könnte, doch mit dieser Idee scheitert sie. Dieses Scheitern jedoch zeigt ihr auf, wie sie ihre Idee verändern muß, damit sie Erfolg hat. Vielleicht wird sie dann unsere Welt tatsächlich dauerhaft schöner machen, weswegen Carolin den Friedensnobelpreis erhält und in die Annalen eingeht. Dann läge im Scheitern ein Sinn. Aber aus meiner Sicht kein tieferer, denn trotz ihres Erfolges wird es irgendwann in sehr ferner Zukunft niemanden mehr geben, der diesen Erfolg würdigen könnte, weil alles entweder in einem Gegenurknall verglüht oder sich in absurd unvorstellbar langen Zeiträumen in seine atomaren Bestandteile zersetzt. Es wird niemanden mehr geben, der sich an Carolins Erfolg erinnern könnte! Deswegen ist aus meiner Sicht das Leben sinnlos, alles, was wir und Carolin machen, ist prinzipiell umsonst, denn ganz egal, was wir auch machen, am Ende wird alles und jede Erinnerung durch den Untergang des Universums unwiderruflich ausgelöscht; und deswegen kann aus meiner Sicht im Scheitern kein tieferer Sinn liegen.


    Voll der Depressivling? Nee, nur Realisteg! Ich schließe ja nicht aus, dass man dem Leben und noch mehr seinem eigenen Leben einen Sinn geben kann: Unsere kleine Welt schöner machen, jemanden aus der Enge seines Lebens hier raus holen, gemeinsam Ungeheuer besiegen, jemandem Auftrieb geben, vielleicht ja das Lebendigsein (er)leben und ganz ununanständige Sachen machen oder einfach gemeinsam auf dem Autodach liegen und, den Sternen etwas näher, in den Sternenhimmel schauen! Möglichkeiten gibt es viele, dem Leben einen Sinn zu geben, aber kosmisch gesehen ist alles sinnlos. Eben kosmisch gesehen, sollte man vielleicht nicht aus den Augen verlieren, aber wesentlich ist trotzdem das Hier und Jetzt! Denn noch geht das Universum nicht unter, und bis dahin können wir dem Leben einen Sinn geben und das Leben angenehmer oder tröstlicher!


    Und mit einem Augenzwinkern könnte ich auch
    "Kein Stern leuchtet ohne Dunkelheit"
    bemängeln, denn streng physikalisch stimmt das nicht, Sterne leuchten ja nicht, weil es dunkel ist, sondern weil in den Sternen Kernreaktionen ablaufen, wodurch die Sterne heiß werden, dadurch eben hell glühen und deswegen leuchten. Sterne würden auch leuchten, wenn es hell wäre...

    Au ja, das möchte ich kurz erzählen, weil ich es so faszinierend finde:
    Michale Hanlon hat in seiner wissenschaftlichen Betrachtung über die Romane "Per Anhalter durch die Galaxis" neben Zeitreisen, die notwendig sind, um das "Restaurant am Ende des Universums"(Titel des zweiten Romans) zu erreichen, auch über das Ende des Universums selbst geschrieben bzw. die beiden Theorien sehr anschaulich dargestellt.

    Die eine Theorie des sich immer weiter ausdehnenden Universums ist schwindelerregend, weil sie mit absurden Zeiträumen arbeitet. Er schreibt, dass es in dieser Theorie Zeiträume gibt, in denen bereits alles jemals im Universum existierende Leben ausgestorben ist, weil die Sterne (Sonnen) nicht mehr genug Energie in Form von Licht und Wärme abstrahlen, um Leben zu ermöglichen, und deswegen passiert in diesen Zeiträumen nichts anderes mehr, als dass alle Sterne allmählich endgültig verglühen, und das über eine absurd unvorstellbare Zeitspanne von 10 hoch 40 Jahren, -irgendwie so diese Größenordnung, die genaue Hochzahl hab ich mir nicht gemerkt-, also eine 1 mit 40 Nullen, 1 mit 40 Nullen Jahre! Zu Vergleich, die Zeit vom Urknall bis heute beträgt "nur" 16 Milliarden Jahre, also 16 mit 9 Nullen!

    Die andere Theorie besagt, dass sich das Universum nur bis zu einem Maximum ausdehnt, dass vielleicht in ein paar Milliarden Jahren erreicht sein könnte, und dass dann das Universum sich die nächsten schätzungsweise mindestens 16 Milliarden Jahre wieder zusammenzieht, bis es in einem Gegenurknall endet. Doch "kurz" vor diesem Gegenurknall, -auch die Zahl hab ich mir nicht gemerkt, aber vielleicht 2 bis 5 Milliarden Jahre davor-, könnte etwas ganz Faszinierendes passieren, wie Michael Hanlon schreibt, nämlich, dass durch das Zusammenziehen des Universums sich das Universum erhitzt, vergleichbar wie Luft unter Druck, zum Beispiel Luftpumpe, was zur Folge hat, dass die Hintergrundtemperatur des Universums in dieser Zeit nicht mehr wie heute -270°C beträgt, sondern +20°C, was weiter zur Folge hat, dass kurz vor dem Ende es im Universum eine unvorstellbare Vielfalt an Leben geben wird, weil dann Leben nicht nur auf denjenigen Planeten entsteht, die den idealen Abstand zum Stern / zu einer Sonne haben, -sogenannte Goldilocks-Zone-, sondern auf jedem Planeten, der nicht zu nah zu einem Stern ist. Michael Hanlon beschreibt es selbst auch so, das Universum wäre, bis auf die gewiß immer noch unüberwindbaren Entfernungen zwischen den Sonnensystemen, ein zur Realität gewordenes Krieg-der-Sterne-Universum, jeder erdenkliche Planet mit irgendwelchen Kreaturen bevölkert!

    Damit verbunden ist eine zweite Folge des Zusammenziehens des Universums, genauso wie Stahl oder Gestein (Lava) zu glühen anfängt, wenn es stark erhitzt wird, wäre das auf +20°C erwärmte Universum nicht mehr schwarz, sondern tiefblau, die Nacht wäre nicht mehr dunkel, sondern dämmrig!

    Eine irre Vorstellung!


    Wenn sich dann das Universum noch weiter zusammenzieht, wird wahrscheinlich die Hintergrundtemperatur des Universums immer weiter ansteigen und das Universum immer heller werden, bis es irgendwann sogar taghell wäre! Wo es sich dann beweisen würde, dass Sterne auch leuchten würden, wenn es hell wäre!

    Aber deswegen will ich jetzt nicht behaupten, dass der Text des Liedes schlecht wäre, nein, Quatsch, der Text ist gut trotz dieser wiessenschaftlichen Unstimmigkeit, ganz einfach, weil:
    Das ist Poesie!


    Traumwaldschrat

    (#99)

  2. Nach oben   #68

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    Licht & Schatten, 5.

    "Willkommen zurück"

    Nach "Schatten & Licht" so ein Lied wie "Willkommen zurück" ist für mich wieder hart. Auch an jenem Abschiedstag beim Aufräumen war ich enttäuscht, und irgendwie war der elektropoppige Zauber der Situation erst mal weg. Als ich mir dann das Album in Ruhe anhörte, erinnerte ich mich daran, dass ich mit "Beginner für immer" nach "Paris" schon einmal so empfand, und dieser Vergleich mit dem Vorgängeralbum leitet ein, was mir spontan an dem neuen Album auffiel: Es hört sich stellenweise recht ähnlich zu den bisherigen Alben an. In diese Richtung dachte ich auch schon, als ich "Royals & Kings" in der "Schlager der Woche"(!) hörte, ich war verwundert, weil es sich wie die Fortsetzung von "Geiles Leben" anhörte, gleiches Thema, nur aus einem anderen Blickwinkel, so als sollte mit dem Lied "Royals & Kings" nun der Gedanke abgeschlossen werden. "Willkommen zurück" erinnert stark an "Freundschaft", gerade vom Text her, und klingt nach dem zweiten Refrain mit dem einzeln, durchdringend und zum ersten Mal gesungenen: "Die ganze Stadt singt mit uns!" irgendwie wie die vergleichbare Stelle nach dem zweiten Refrain in "Was du nicht weißt", und bei "Nächte ohne Fotos" kann einem "X" in den Sinn kommen. Ich könnte mir vorstellen, dass dies für manches Internetportal, das in ihren Rezensionen über Glasperlenspielalben eh nicht sonderlich wohlgesonnen erscheint, ein gefundenes Fessen ist, um wieder auf dem neuen Album rumzuhacken. Ich dagegen würde es so sehen: Glasperlenspiel sind so echt, sie bleiben sich selbst so treu, dass ihnen gleich gar nichts Neues einfällt. Was ja gar nicht stimmt, es entsteht ja nur der Eindruck, die Musik IST neu! Und gut! Dennoch können Glasperlenspiel natürlich mit der durchgeschrubbelten Gitarre rechts am Anfang, die auch in den Refrains wiedererscheint, weswegen mir das Lied wieder zu krachig ist, nicht punkten, mit dieser wehleidigen Gitarre in den zweiten Hälften der Strophen dagegen schon!

    Zwar will ich es Carolin nicht absprechen, wenn sie als Elektropopmusikerin Spaß am Vocoder hat, aber dieses, ich geh mal davon aus, von ihr damit dumpf und tief gesungene "so sehr vermißt" finde ich ungeschickt. Mir fiel es ja schon länger auf, nur hatte ich es bisher noch nicht so deutlich erwähnt, aber Carolins und Daniels Stimmen passen als (Musikerinnen/eggen-) Musiker(!)duo eigentlich nicht zusammen, was ich bei der Albumversion von "Geiles Leben" schon einmal angedeutet hatte. Je nachdem, wie man es sehen will, ist Daniels Stimme zu tief für Carolin oder ihre Stimme zu hell und hoch für Daniel. Duettgesänge, zweistimmige Gesänge könnten für die beiden echt schwierig sein, außer in der Art wie jene Klangfarbe auf dem Akkordeon meiner Mutter, zwei Oktaven über-/untereinander. Doch hier hätte dieser stimmliche Unterschied so gut gepaßt, wenn anstelle des Vocodereinsatzes Daniel den musikalischen Einwurf gesungen hätte: "so sehr vermißt".
    Diesen stimmlichen Unterschied mit einem lässig eingeworfenen Zwischenruf in die Musik eingearbeitet und sich so ein weiteres Mal als Musikerduo präsentiert!


    Ach ja, da ist er ja, dieser "ominöse" Jay-Z, bei dem ich mich mehr wundere, nach welcher Ausspracheregel er so heißen will, wie Carolin ihn singt. Eigentlich müßte er doch "[dschäi-(s)äd]" heißen oder sich Jay-Zee schreiben, aber das ist vermutlich die gleiche künstlerische Freiheit, sich über Ausspracheregeln hinwegzusetzen, wie "Cousinchen" Kiesza, die, woher auch immer, "[kaisa]" heißen will. [obwohl, eigentlich doch recht naheliegend: i,ie=ai, s=s, z=gesummtes s, also "[kais(s)a]"]


    Erstaunlich und bemerkenswert finde ich die Wortwahl uns anstatt euch: "Ich hab UNS so sehr vermißt" und ich frage mich, ob es da nur zufällige oder doch absichtliche Querverbindungen zum aktuellen Lied der Fantastischen Vier mit Clueso gibt, denn diese Textzeile drückt in etwa die gleiche Motivation aus wie diejenige im Lied "Zusammen" der Fantastischen Vier: "...Es gibt kein Ich in diesem Wir..."

    Die Textzeile "Google Maps zeigt drei Stunden..." läßt mich schmunzeln, denn mit meiner gesellschaftskritischen Gesinnung, gerade was Social- und Multimedia betrifft, frage ich mich, ob die heutigen jungen Leut sich noch vorstellen können, dass es früher ganz anders war, denn z.B. zur Blütezeit des Synthiepop hätte sich diese Textzeile ganz anders angehört:
    "Laut Autoatlas sind das 60km Landstraße und 250km Autobahn, das müßte in drei Stunden zu schaffen sein, -und ich freu mich drauf!"


    "Royals & Kings"

    Bei genauerem Anhören entdecke ich ein paar Sachen, die mir musikalisch gut gefallen!
    Zum einen die dumpfen Schläge am Anfang. Das besondere an ihnen ist, dass sie nur ganz vereinzelt eingesetzt werden und eben nicht durchgehend hämmern. Zum anderen ist es der Stereobaß, der in der zweiten Strophe besonders deutlich zu hören ist, das gefällt mir gut!

    Bei diesem Lied entdecke ich zum ersten Mal, dass Glasperlenspiel einen Zwischentakt verwenden, das, was sie bei "X" in den Überleitungen eben nicht verwendeten und was ich bei "Royals & Kings" schon im Radio als stolpernd empfand, der Übergang der Strophen zu den Refrains, da ist ein Takt mehr, weil der Refrain mit einem Auftakt beginnt, (der sogar ein ganzer Takt lang ist).

    Interessant finde ich, dass der Stereobaß im achten Takt der zweiten Strophe auf eine Disharmonie abbiegt! Das geht schon in die Richtung, was ich verschraubte Harmonien nenne.

    In der dritten Strophe gibt es nochmal den tollen Stereobaß deutlich zu hören zusammen mit einem schönen, weichen, elektronischen Klingeln. In der zweiten Hälfte ist das Klingeln heller und so kommt es auch in den Refrains vor. Und abgeschlossen wird die dritte Strophe mit einer ziehenden Klangfarbe. Für mich gewinnt dadurch die dritte Strophe, es macht den gesungenen Hiphop wett. -Ich frage mich, ob diese bei genauerem Anhören wahrzunehmenden Details die Bundesfreiwilligendienstgeleistete in ihrer harten Meinung zu Summer Cems Strophe etwas versöhnlicher stimmen könnte?


    "...ich mach sechs Kreuze, verlier 'ne Wette..."
    Diese Textzeile find ich stark! Weil so hab ich die Angelegenheit noch nie gesehen, für mich war das bisher immer nur Lotto, allenfalls Glücksspiel, aber natürlich, das ist eine Wette: Ich wette, dass genau diese sechs Zahlen aus der Trommel fallen!

    Bei der zweiten Strophe kam mir die DVD mit dem Konzertmitschnitt in den Sinn, von wegen schlecht artikuliert, hier zwar nicht schlecht artikuliert, aber dennoch, Tücken der Sprache. Mit dem, was ich verstand, konnte ich nichts anfangen:
    "...jedes Asche fällt mit dir'n Garten Eden..."
    Obwohl es für mich klar war, dass der Sinn in die Richtung geht: "Mit dir zusammen ist alles viel schöner", bin ich dennoch nicht auf das Aschefeld gekommen. Ich glaube, es hängt weniger davon ab, es gut oder schlecht zu artikulieren, als mehr davon, ob der Zuhörer unbedacht auf das "Buchstabenwortspiel" hereinfällt oder differenziert genug denkt, um die richtige Variante herauszusuchen. Zwar ist mir das Wort klar, aber eher ungeläufig: Ich kenne ein Lavafeld, aber Aschefeld, eher, dass sich Asche aufs oder übers Feld legt oder allgemein über die Landschaft, aber das macht für mich noch kein Aschefeld.
    -Ja, Poesie kann tückisch sein, deswegen war der Deutschunterricht für mich immer schrecklich!

    Bei den nächsten Zeilen, meine ich, hat sich ein Fehler eingeschlichen, denn die Textzeile: "Doch wenn ich ehrlich bin, dann brauch ich das nicht" widerspricht doch den vorangegangenen Zeilen: "Du bist was zählt... es hält uns nicht auf". Also, ich brauch es nicht, dass nur du zählst, ich brauch es nicht, dass Geld für uns unwichtig ist. So war es ja wohl nicht gemeint!

    Bei Summer Cems Strophe wundere ich mich, dass er eigentlich der Aussage des Liedes widerspricht: Er arbeitet daran, reich zu sein, wozu ein Adelstitel, wenn man einfach Geld machen kann, um sich einen Rolls-Royce zu leisten. Carolin und Daniel dagegen begnügen sich mit dem einfacheren, aber eventuell viel freieren Leben, zwar müssen sie ständig Konten überziehen, aber... es sollt nicht anders sein, denn so wie es ist, ist es ein schönes Leben zusammen!


    Traumwaldschrat

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  3. Nach oben   #69

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    Licht & Schatten, 6.

    "Nächte ohne Fotos"

    Bei diesem Lied kommt vielleicht zum Tragen, was ich meinte mit meiner Sorge, dass Fremdbeschäftigung beim Hören eines neuen Albums meine Meinung beeinflußt. Ich glaube, ich hatte es beim Aufräumen gar nicht mehr wahrgenommen, weil es nach "Willkommen zurück" und "Royals & Kings" ein weiteres Lied war, das nicht an "Schatten & Licht" heranreichte. Auch als ich das Album in Ruhe anhörte, beachtete ich dieses Lied nicht weiter, auch deshalb, weil es mich zu sehr an "X" erinnerte. Doch als ich in ein paar der wenigen Gruftie-Disco-Sachen, die ich habe, reinhörte und danach wieder das Album "Licht & Schatten", machte sich ein schauEriges Gefühl breit, weil ich bemerkte, wie düsterpoppig "Nächte ohne Fotos" ist, eigentlich genau die Musik, die ich suche. Besonders gut gefallen mir der satte, füllige Baß und in den Strophen die elektrisch zart dengelnde Hintergrundmelodie. Auch die Rhythmusausschmückungen bzw. die Ausschmückungen mit Geräuschen gefällt mir. Was mir aber als sehr besonders auffiel, ist, dass ich zum ersten Mal bei Glasperlenspielmusik die Stimmungswechsel innerhalb eines Liedes als passend und stimmig erlebe, weil es sich für mich so anhört: Das Lied ist so mitreißend weich und sanft, da muß man sich einfach gehen lassen, denn es trägt einen auf Händen durch die verschiedenen musikalisch emotionalen Klanggefühlswelten, die Refrains sind dabei eher so ein Wiegen; und deswegen, weil es so mitreißend sanft ist und durch die Musik trägt, könnte ich mir vorstellen, dass es für manch junge Menschen Elektrovorspielmusik sein könnte, sage ich mal mit einem milden, listigen, geheimnisvollen Grinsen!
    Unvermeidbar sehr kinderkriegliche Musik!
    Vielleicht tatsächlich: "...heute abend wird wild..."!

    Erstaunlich, wie auf ganz andere und positive Weise meine Meinung beeinflußt wurde, durch den Vergleich mit Gruftiemusi: Jetzt finde ich das Lied stark!

    Einen Ohrenschmaus entdeckte ich noch, wo ich mit meiner diesbezüglichen Antihaltung hoffen könnte, ob das ein Protest gegen Tremolosingen ist (ja, wahrscheinlich nicht): dieses "blaaa-aeibt!" zum Schluß der dritten Strophe ("Diese Nacht die ..."). Schon allein, weil es überrascht, da es nicht genauso, mit konstanter Tonhöhe, gesungen wird wie das ("Haben unsere Zeit mit Feiern ...") "verbracht" in den Überleitungen, sondern nach unten gezogen, das ist klasse!


    Beim Text dieses Liedes könnte man auch wieder über schlechte Artikulation diskutieren, denn ich hörte etwas anderes heraus, als Carolin singt: Anstatt "...auf Standby" "...die Sorgen mit dabei", also die Sorgen liegen mit dem Sekt zusammen auf Eis! Eigentlich eine interessante Variante!


    Soso, da ist er nochmal, der Jay-Z.
    Zusammen mit dem Thema Fotos dieses Liedes komme ich sogar wieder auf das Thema Zeitreisen. Obwohl mein Hobby viel von Fotos und vergangenen Zeiten lebt, wurde mir erst letztes Jahr etwas bewußt und zwar angeregt von einer Ausstellung zum 170sten Jubiläum der Eisenbahnteilstrecke Augsburg - Kaufbeuren (-Lindau). Unter anderem wurden Bilder des alten, schnuckeligen Bahnhofgebäudes gezeigt, das 1978/79 durch einen nüchternen Zweckbau ersetzt wurde, und des Güterschuppens, an dessen Stelle heute ein Discounter steht. Diesen Güterschuppen hatte ich vor sechzehn Jahren, als er bereits stillgelegt war, sogar selbst einmal fotografiert, mit einer Detailansicht des Freiladebereiches, der damals schon stark von der Vegetation zugewuchert war. Mir gefiel dieses Motiv mit den Sträuchern und hochgewachsenem Unkraut zwischen den Schienen und Schwellen, weil es etwas Endzeitliches hatte, so, wie in einer Science-fiction-Geschichte, als gäbe es keine Menschheit mehr und die Natur erobere sich die Welt zurück.

    Mit den Bildern dieser Ausstellung wurde mir bewußt, dass es, betrachtet man es einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel, eigentlich schon erstaunlich ist: Ich kann heute dieses Foto nicht noch einmal fotografieren, weil es diesen Güterschuppen nicht mehr gibt, trotzdem habe ich dieses Foto dieses Güterschuppens. Ich weiß nicht, ob es nachvollziehbar ist, was ich meine, aber im Grunde genommen ist dieses Foto ein Zeitreisemedium: Es zeigt etwas, was es früher einmal, aber heute nicht mehr gibt! Man könnte vielleicht auch sagen, was diesen Gedanken vielleicht klarer macht: 'Dieses Foto kommt aus einer anderen Zeit'! Natürlich nicht, es war einfach nur sechzehn Jahre in meiner Fotosammlung im Regal. Dennoch finde ich diesen Gedanken interessant, gerade, wenn ich, wie in einer Science-fiction-Geschichte, die Sache übertreibe und sage: Dieses Foto wurde mir aus der Vergangenheit zugesandt.
    Es würde keinen Unterschied machen...
    Na?
    Kribbelt es schon etwas gruselig?


    Auch bei diesem Lied wundere ich mich, ob es eine zufällige oder absichtliche Querverbindung gibt: Auch Namika singt zur Zeit so ähnlich, von der Sonne, die im Häusermeer versingt...


    Und ich könnte noch einmal mit einem Schmunzeln ganz neckisch den Text wissenschaftlich kritisieren: "Liegen auf dem Autodach und sind den Sternen bisschen näher". So ein Unfug! Ich mußte fast lachen, denn mir fiel sofort dieser Bildwitz (Cartoon) ein: Ein Mann beobachtet mit einem Fernrohr auf einem Stuhl stehend einen Stern am Himmel!

    Man kann es ja sich belustigend mal ausrechnen: Sirius, einer der nächstgelegenen Sterne zur Erde, ist 8 Lichtjahre entfernt, das sind
    etwas mehr als 75 000 000 000 000 km, also
    75 000 000 000 000 000,00 Meter.
    Auf dem Stuhl stehend ist dieser Mann nur noch
    74 999 999 999 999 999,55 Meter
    von Sirius entfernt, müßte also Sirius "deutlich" besser erkennen können...
    Auf dem Autodach stehend(!) wären es dann "nur" noch
    74 999 999 999 999 998,50 Meter...

    Außerdem könnte man mit demselben Schmunzeln beanstanden, warum Carolin glaubt, nur auf dem Autodach liegend den Sternen ein bißchen näher zu sein? Auch wenn man in den Keller geht, ist man den Sternen ein bißchen näher, nämlich denjenigen, die man von Neuseeland aus auf der anderen Seite der Erde sieht. Und selbst, wenn man einfach nur einen Schritt nach links oder rechts geht, ist man den Sternen ein bißchen näher, denjenigen in Richtung des Horizonts. Weil die Sterne nicht nur oben sind, sondern überall um uns und der Erde herum!

    Doch auch dieses Mal möchte ich nicht behaupten, dass der Text schlecht gedichtet ist, auch dieses Mal entschuldigt sich diese wissenschaftliche Ungenauigkeit ganz einfach:
    Das ist Poesie!


    Überall um uns herum und vor allem unvorstellbar, aberwitzig viele!
    Ich sah es bisher nur ein einziges Mal in einer Fernsehdokumentation, und auch wenn die Szene nach Computersimulation aussah, kann ich mir dennoch sehr gut vorstellen, dass es der Realität entspricht. Ich würde es mir so sehr wünschen: Würde man auf der Nachtseite des Mondes, wo keine Atmosphäre die Sicht beeinträchtigt, den Sternenhimmel fotografieren, müßte der Sternenhimmel praktisch fast weiß sein, so absurd viele Lichtpunkte am Himmel, Sternenmeer müßte eine glatte Untertreibung sein, eher eine Sternenrauhfasertapete! (Die sich aber nicht von der Wand ablöst)

    Oh ja! Herr Gerst! Fotografieren Sie doch einmal, wenn die Raumstation auf der Nachtseite der Erde ist, diesen Sternenhimmel!

    Zumindest eine Nacht (auf der Raumstation von etwa 44 Minuten Länge) mit Fotos!

    Wobei solche Fotos ja gar nicht gemeint sind!

    Bei diesem Lied fiel mir sofort wieder ein, was ich irgendwo zu "Geiles Leben" gelesen hatte, dass Glasperlenspiel sich mit jenem Lied kritisch ihrer eigenen Generation gegenübergestellt hätten. Trifft bestimmt auch auf das Lied "Nächte ohne Fotos" zu, könnte man doch dessen Aussage so interpretieren: "Ach, Leute, jetzt hört doch mal mit diesem Smartphonerumgeknipse auf!" Ihr Smombies! Nur dass Glasperlenspiel diese Kritik in ein positives Gewand stecken und durchscheinen lassen, warum Nächte ohne Fotos viel besser sind: "Es sind die Nächte, die wir nicht mehr vergessen". Etwas, was bestimmt vielen jungen Menschen gar nicht bewußt ist oder sie nicht wahrhaben wollen, dass man mit diesem übermäßigen Schnappschußrumgeknipse eventuell seine Erinnerungen an das Ereignis wegfotografiert: Jetzt ist dieser Moment verewigt, also brauch ich mich selbst nicht mehr daran erinnern, sondern einfach die Fotos wieder anschauen. Nur dass diese Fotos dann irgendwie leer und relativ nichtssagend sind. Es sind halt häufig Erlebnisse oder gerade Momente, zu denen es keine Fotos gibt, die man nicht mehr vergißt. Weil auf Fotos etwas Wesentliches fehlt! Denn die Erinnerungen an Ereignisse leben von Gefühlen, die man in diesem Moment durchlebt hat, jedoch, und das ist das Wesentliche, die mögliche Kernaussage des Liedes "Nächte ohne Fotos":
    Gefühle lassen sich nicht fotografieren!
    Gefühle kann man nur erleben und in den eigenen Erinnerungen speichern:
    "Wir speichern sie direkt in unser'n Herzen".


    Traumwaldschrat

    (#101)

  4. Nach oben   #70

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    Licht & Schatten, 7.

    "Du bist"

    Dieses Lied erinnert mich daran, dass ich in den letzten Monaten zwei Klangfarben entdeckte, die ich nicht kapiere, wenn man so will, zu denen ich keine Vorstellung habe, um was für ein Musikinstrument es sich eigentlich handelt. Eine der beiden hörte ich bei einem jazzigen Stück, wo ich mich fragte: Ja, genau, ich kenn die Klangfarbe schon seit meiner Kindheit, aber was ist das eigentlich für ein Instrument? Ich hab's nicht mehr im Ohr, aber eben keine Panflöte und vielleicht auch keine irgendwie besonders gespielte Querflöte. Die andere Klangfarbe gibt es zur Zeit in der Hitparade bei Luis Fonsi mit Demi Lovato und nun auch bei Glasperlenspiel in "Du bist": diese blechernen Trommelklänge, trrr-t-t!
    Am Anfang mit einem kleinen Trommelwirbel gespielt, das ist klar, nur, was für ein Instrument ist das eigentlich genau?

    Gut gefällt mir an diesen Trommelklängen, dass sie am Schluß des Vorrefrains fließend ins Schlagzeug übergehen, das klingt rhythmusgeladen! Ebenso rhythmusgeladen ist der Schluß des Vorrefrains selbst, ganz stark gegen den Takt geschlagen; gegen den Takt, mir kommt es immer noch so vor, als käme so etwas in deutschsprachiger Musik viel zu selten vor.

    Hach, der Stereobaß ist irre!

    In der Mitte der Refrains gibt es zwei helle Töne, die für mich eine ostasiatische / japanische Stimmung erzeugen, und am letzten Refrain fällt mir erfreut auf, dass Glasperlenspiel nicht wieder den "Risiko"-Fehler machen, sondern nach der klanglich verminderten pausierenden Refrainhälfte den Refrain in der vollen klanglichen Fülle noch einmal komplett wiederholen und dabei einmal auf die zweite Refrainhälfte verzichten, das finde ich bemerkenswert: nur ein halber Refrain!


    Das Wort Mixtape im Liedtext bringt mich zum Schmunzeln:
    Ja woher kennen denn die beiden nach 1990 Großgewordenen diesen Begriff?

    ----


    "Schloss"

    Hmm, schon wieder Gitarre! Klingt aber gut! Vor allem zusammen mit der tollen Hintergrundklangfarbe in der ersten Strophe, das klingt stark! In der zweiten Hälfte der Strophe kommt noch eine schaumig schnarrende Klangfarbe hinzu!

    Vor der Überleitung gibt es dann nochmal etwas, was mir, wie gesagt, bei Glasperlenspiel zum ersten Mal auffällt, weil der Übergang von der Strophe zur Überleitung deshalb so holprig oder unrund klingt, weil da ein Zwischentakt ist, der den Nachschlag der Strophe und den Auftakt der Überleitung aufnimmt.
    -Ein bißchen Musiklehre...

    In der Überleitung gefällt mir der klassische E-Baß so gut, der sogar einmal geschlagen wird (geslapt?, slapbass) (Dieser Slapbaß ist etwas besonderes für mich, weil er mir schon als Jugendlicher in einer Fernsehserie auffiel, in der er bei Szenen, die mit Spannungsmusik unterlegt waren, zu hören war. Schon damals fragte ich mich, wie dieser tolle Klang zustande kommt, erst viel später erfuhr ich, dass es sich dabei um die Schlagbaßspielweise handelt). Mit dem E-Baß zusammen mit diesem trockenen Schlagzeugeinsatz, diesen Doppelschlägen sowie dem Schlagbaß zusammen mit den Bongos davor klingt die Überleitung so schön knackig rhythmisch!

    Genauso klasse finde ich den gleichen trockenen Schlagzeugeinsatz, den Doppelschlag in der zweiten Strophe, der das trocken knackige Schlagzeug einleitet, trocken und knackig deshalb, weil ohne Doppelbeckenachtel! (...?...jaja: 8-beat-Hihat)

    Anfangs empfand ich es noch so, dass diese Überleitung wieder die leicht sphärische, mit Stereoeffekt und Hall ausgeschmückte Klangatmosphäre der Strophe bricht, aber mittlerweise gefällt es mir so.

    Als Einleitung der Refrains und in den Refrains begeistert mich wieder eine tolle Synthesizerklangfarbe: Gog-gog, sogar ganz toll gegen den Takt geschagen! Insgesamt finde ich, und das amüsiert mich, klingen die Refrains leicht us-amerikanisch nach 1970er Jahre, vor dem geistigen Auge sehe ich dabei einen Straßenzug einer größeren us-amerikanischen Stadt mit drei- bis sechsstöckigen Klinkersteinhäusern, Passanten mit Schlaghosen und diese damaligen kantigen Autos.

    Mit der Überleitung (eigentlich schon beim vorigen Lied "Du bist") bin ich wieder bei diesem Problem, das ich bei Glasperlenspiel erahne, dass deren beide Stimmen für gemeinsames Singen eigentlich nicht zusammenpassen. Hängt natürlich auch davon ab, wie man es macht, zweistimmiger Gesang z.B. in der Terzstufe ist vermutlich tatsächlich schwierig, aber hier singen sie eventuell sogar nur eine Oktave über-/untereinander und es klingt gut und stimmig!

    Und finde ich, dass die beiden Strophen besser zueinander passen als diejenigen des Liedes "Geiles Leben" in der Albumversion. Für mein Empfinden drängt sich der Vergleich auf, weil die Systematik ähnlich ist: Daniel hatte in "Geiles Leben" ganz locker und lässig jemandem eine Absage erteilt, nur überzeugte Carolins Gesang in ihrer Stimmlage nicht, es genauso lässig ebenso zu tun, doch in "Schloss" paßt es, Daniel erzählt ganz lässig von seinen Sehnsüchten bezüglich ihr und Carolin erwidert diese Sehnsüchte stimmig auf ihre Art mit ihrer Stimme.

    Dabei bemerke ich zwei Details:
    Das eine hat mit Cro zu tun. Cro hatte ja so eine ähnliches Lied gesungen, von zwei Personen, die an einem Sommertag im Zug ihre Liebe des Lebens sehen, aber nicht ansprechen. In "Schloss" ist die Sache im Gegensatz zu Cros Lied eindeutig, dieselbe Geschichte aus der jeweiligen Sicht des einen und der anderen, aber ist eigentlich Cros Lied auch so zu verstehen? Für mich waren das zwei unabhängige Geschichten in zwei verschiedenen Zügen.

    Das andere Detail hat damit zu tun, daß, was mich verwundert, dass Daniel sie in der zweiten Person anspricht, während Carolin über ihn in der dritten Person singt. Ich könnte aber vermuten, dass Carolin deshalb nicht auch in der zweiten Person singt, weil sonst dieses lustige "...und ich sehe diesen Typ..." nicht funktioniert hätte. Das Lustige daran ist ihre doppelte obertonige Stimme (doppelt eingesungen oder Vocoder?), die so treffend und bildhaft Carolins Erleben in diesem Moment darstellt: 'Aaaah! Da ist er wieder! Und ich krieg weiche Knie!'
    -Das ist eigentlich auch etwas comichaft...


    Ich entdecke sogar noch ein interessantes Detail: Warum muß sie ausgerechnet aus dem neunten Stock ins Cafe fahren?
    Ist doch unwichtig?
    Naja, eventuell doch nicht!
    Das Wesentliche ist vielleicht, dass Daniels Strophe lässig klingt und klingen soll, wobei mir an dieser Stelle auffällt, dass eventuell die deutsche Sprache wenigstens einmal lässiger ist als die englische, denn ich bin mir nicht sicher, ob man im Englischen Stockwerke ohne den Begriff für Stockwerk "floor" bezeichnen kann, also, nur die Zahl geht im Englischen glaube ich nicht, es muß ausführlich "...from the 9th floor..." heißen.
    Dagegen im Deutschen ganz lässig ohne Hauptwort, nur: vom Neunten...
    Und ich vermute, dass diese Lässigkeit auch der Grund ist, warum sie ausgerechnet vom neunten Stock kommen muß. Ich habe mir nämlich schon länger überlegt, ob möglicherweise das Deutsche gegenüber dem Englischen auch deswegen häufig als so uncool empfunden wird (warum man alles auf denglisch ausdrücken muß), weil das Deutsche so wahnsinnig viele Knack-, Schnalz-, Zisch-, Reibe-, Kehllaute hat, weswegen das Deutsche immer so hart und unmelodiös klingt. Außerdem hat das Deutsche häufig mehr Silben für die gleiche Aussage wie im Englischen.
    Also: Kurze Wörter mit wenig Silben, die weich klingen,
    das ist lässig ... ? ... cool ... ! ... ?

    Deswegen muß sie vom neunten Stock kommen!
    Weil der neunte Stock der einzige mit nur zwei Silben ist, der keine typisch deutschen harten, unmelodiösen Laute hat wie "rs", "z", "r", "f"("v"), "s", "ks", "ch", sondern nur "n" und "oi", ganz weich und rund!
    Lässig! (<- trotzdem!)

    ----


    "Feinde"

    IRRE!
    Dieses Lied ist spitze!
    Solche Musik mag ich!
    Die Strophen pulsierend sphärisch mit roboterhafter Stimme und ziehenden Hintergrundklängen, zwei Gitarren schleichen sich ein, doch die gefallen mir, so wie mir Gitarren noch am meisten Spaß machen, die eine wehleidig und einsam, die andere in dieser hölzernen Klangfarbe! Ja, vielleicht schafft es Daniel doch noch, mich von der Gitarre zu überzeugen. Witzig ist das klappernde Geräusch rechts, es klingt so, als stolpere er auf dem Weg zum Schrank über eine leere Getränkedose!

    In den Refrains, die genauso düster und sphärisch sind wie die Strophen, nur mitreißender und prachtvoller, sind sie dann, diese verschraubten Harmonien, auf die ich gelegentlich ganz scharf bin, gerade, wenn sie in tollen typischen Synthesizerklangfarben gespielt werden, je nachdem, ob man schnell oder langsam zählt, im dritten, vierten, elften und zwölften oder zweiten und sechsten Takt der Refrains! Spitze! Das ist für mich Musik!

    Die zweite Strophe wird dann sogar noch mit schwebenden geheimnisvollen "Uuh"s ausgeschmückt und zum Schluß der Strophe wird die Klangfarbe des Basses schaumig drängend! Herrlich!

    Doch mit der dritten Strophe habe ich wieder so meine Probleme, die doppelte Geschwindigkeit, ich finde, das stört, wobei es geht, wenn man sich daran gewöhnt hat, dann funktioniert der Übergang zur dritten Strophe ganz gut, aber der Übergang zum letzen Refrain bleibt trotz des zackig mitreißenden "t-t-tschtschtschtschtscht--dmb-dmb" unbefriedigend: Es stolpert und bremst!

    Auch mit dem Schluß habe ich so meinen Kummer: viel zu kurz! Der kleine Auslauf ist zwar sehr gut, um das Lied nicht einfach abrupt zu beenden, sondern stimmig abzuschießen, aber zu kurz! Für mein Empfinden hätte der letzte Refrain mindestens einmal (instrumental) wiederholt gehört, oder vielleicht sogar zweimal, einfach, um diese herrliche Musik noch eine Weile länger genießen und drin aufgehen zu können!

    Trotzdem schmälert es nicht meine Begeisterung: Dieses Lied ist spitze!


    Der Text verleitete mich wieder zur Gesellschaftskritik, diesmal anders herum: Wissen ältere Elektropopbegeisterte, was mit diesem Wegdrücken gemeint ist? Denn zur Blütezeit des Synthiepop gab es so einen Schnickschnack trotz Knight Rider im Fernsehen in der Realität noch lange nicht, da gab es nur "besetzt", wenn diejenige schon ahnte, dass er nochmal anrufen würde, und deswegen den Telefonhörer tageweise neben das Telefon legte, oder "...aufgelegt!"

    Doch die eigentliche Gesellschaftskritik besteht darin, ob ich solch einen Schnickschnack der heutigen modernen Zeit wirklich gutheißen will. Noch mehr das, was der "Feinde"-Text andeutet und so mancher Leserbrief in der Zeitung als asoziale Medien abkanzelt, diese bzw. was mit diesen sozialen Medien auf einmal Fragwürdiges möglich ist: Es hinterläßt schon einen absurden und vor allem ungesunden Eindruck, sich nach der Trennung trotzdem weiter die Bilder der anderen bei instagram/facebook anzuschauen. Wegen des Internets ist so etwas möglich, aber ist das gut? Es ist irgendwie übergriffig, es hat etwas von nachspionieren. Und es hat etwas von Selbstkasteiung! Das ist doch Quatsch?
    Also, da hat die moderne Zeit irgendwie einen Denkfehler, wenn sie solch Absurditäten ganz selbstverständlich möglich macht!


    Dieses Lied hat zwei Besonderheiten:
    Einmal hat es keine Überleitungen, sondern nur Strophen und Refrains!
    Zum anderen ist es das erste Lied, das NUR DANIEL SINGT!
    Das ist neu!
    Und ich denke mir: Genau! Warum nicht!


    Weil dieses Lied so schön sphärisch klingt, ist es deswegen für mich eher Musik des Weltalls anstatt eines Beziehungsdramas. Ich sehe bei diesem Lied den Blick von der Oberfläche eines extrem kleinen mondähnlichen Himmelskörpers, vielleicht weniger als ein Kilometer im Durchmesser, man sieht also deutlich die Oberflächenkrümmung, links im Blick in Horizonthöhe die untere Hälfte eines riesigen Planeten, nur wenig von einem "Berg", der aufgrund der starken Oberflächenkrümmung des kleinen Himmelskörpers schon schief steht, verdeckt, rechts über dem Horizont ein weiterer kleinerer Planet und in Blickrichtung geradeaus ein bühnenähnliches, mit quadratischen, milchglasartigen Platten ausgelegtes Gebilde, das in den Weltraum hinausragt, zwar etwas weiter als der Radius des Himmelskörpers, aber trotz der Länge dennoch optisch nur wenig schmäler werdend (also ein surreales Gebilde) und stellenweise umrahmt von Gerüsten. Hinter dem Ende des Gebildes, doppelt so groß wie das Gebilde breit, ein Hologramm Daniels nur mit Oberkörper und dahinter der Sternenhimmel.


    Traumwaldschrat

    (#102)


  5. Nach oben   #71

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    Licht & Schatten, 8.

    "Doppelt so schön"

    Obwohl das Lied schön düster ist, kann es mich dennoch nicht begeistern.
    Und das hängt mit Gitarre und Klavier zusammen. Überhaupt stelle ich fest, dass mich Klavier oder Klavierklänge in Popmusik in den letzten Jahren immer mehr stört, obwohl es ja mit dem Synthesizer verwandt ist und es in der Vergangenheit gute Lieder gab (zum Beispiel "...oooh, Viennaa!" und ein weiteres ähnliches), aber es gefällt mir immer weniger. Deswegen gefällt mir schon mal der Anfang des Liedes nicht und erst recht nicht die erste Überleitung, die ich fast genauso schlimm finde wie in "Unser letztes Lied". Die Klavierklänge brechen für mein Empfinden die Klangatmosphäre sehr, weil die Strophe eben schön düsterpoppig ist, ein dumpf pochender Rhythmus, synthetische Hintergrundakkorde, sogar die Gitarre paßt und dazu ein pulsierender Baß! Der Refrain nimmt dann die Klangatmosphäre der Strophe wieder auf und baut sie recht imposant aus. Es stört also eigentlich nur die Überleitung, hätte man sie weggelassen, wäre das Lied vielleicht besser, flüssiger geworden, wobei es nicht einmal Probleme mit dem Auftakt des Refrains gegeben hätte.

    Im Übergang zur zweiten Strophe kann man dann deutlich den irren Baß hören!

    Die zweite Überleitung ist nach meinem Geschmack besser gelungen, sie bricht zwar auch, aber sie nimmt mit den Triolen einen Teil der Klangatmosphäre der Strophe mit den Triolen in dieser gezupften Klangfarbe mit, die dann von einer zarten Gitarre begleitet werden!

    Neben dem Klavier ist es hauptsächlich die Gitarre, weswegen mich das Lied nicht begeistert, denn ich finde das Lied zu gitarrenlastig, gerade ab der dritten Strophe hört es sich eher nach Gitarrenpop mit elektronischer Ausschmückung an.


    Ich kann es mir nicht verkneifen, der Text verleitet mich zur Gesellschaftskritik, denn es ist eigentlich bestürzend, wenn Carolin singt: "Ich lauf über brüchige Straßen, jeder einzelne Riß ist vertraut". Mir fällt sowas Ähnliches schon länger auf, die Straße, in der ich wohne, verkommt immer mehr zu einer Schlaglochpiste. Das müßte aber nicht sein, und bis vor siebzehn Jahren war es auch nicht so, hatten wir hier im Land vielleicht die besten Straßen der Welt. Doch dann erlebten Ideen von einer politischen Gesellschaftsgruppe ihren Durchbruch, die man wohl neoliberal nennen muß, deren gesellschaftliches Ideal die Ellenbogengesellschaft ist, weil man in ihr, im Gegensatz zu einer Gesellschaft, die auf Gegenseitigkeit, Rücksicht und Füreinander beruht, sehr viel besser schamlos viel Geld machen kann, zum Beispiel, wenn man über die Möglichkeiten der politischen Einflußnahmen bewirkt, dass alle möglichen Steuern gesenkt werden. Wenn man weniger Steuern zahlen muß, bleibt einem mehr Geld. Klingt toll, man darf aber nicht vergessen, dass es gleichzeitig bedeutet, dass der Staat weniger Steuern einnimmt, also weniger Geld einnimmt, Geld, das dem Staat dann aber fehlt, um zum Beispiel das Straßennetz in Ordnung zu bringen, brüchigen Straßenbelag zu erneuern, Schlaglöcher zu beseitigen und solche Sachen. Der Kabarettist Chin Meyer stellte es in der Satiresendung "Die Anstalt" im ZDF, ich glaube letztes Jahr, recht treffend dar: Er spielte einen Steuerfahnder und fragte ins Publikum [in etwa]: "Was sträuben sie sich den so vehement gegen Steuern, haben sie denn kein Interesse an ... und intakten Straßen?"
    Eben!
    Steuern sind ja kein verlorenes Geld, man bekommt ja etwas dafür, nämlich zum Beispiel mehr Kindergartenplätze, Schulgebäude, die nicht halb zusammenfallen und auch genügend Platz für alle Klassen bieten, mehr Lehrerinnen/eggen, also kleinere Klassen und mehr Zeit im Unterricht, mehr öffentliche Sicherheit, wenn mehr Polizistinnen/eggen auf Streife unterwegs sein können, mehr Freizeitmöglichkeiten, wenn Schwimm- und Freibäder erhalten werden können oder eben, wenn die Straßen keine Risse und Schlaglöcher haben.
    Das ist Lebensqualität!
    Die sich hintenherum sogar bezahlt macht, wenn sich genau wegen dieser Lebensqualität neue Firmen ansiedeln, was zur Folge hat, dass durch die Firmen und deren Angestellte noch mehr Steuern eingenommen werden, um...


    Auch die Textzeile "dass Vergangenheit auch ein Baustein für die Zukunft ist" verleitet mich zur Gesellschaftskritik, die ich sogar schon in der Schule erfahren habe: Obwohl ich Geschichte überhaupt nicht gemocht habe, aber, "aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen" hatte ich mir gemerkt! Ist, glaube ich, gerade heutzutage, wo so viele haßerfüllt über fremdländische Menschen schimpfen, enorm wichtig, nichts desto weniger hatte sogar meine Bekannte das Ergebnis der letzten Bundestagswahl mit der Zeit um 1930 verglichen, zudem, dass diese "Regierungskrise", wenn man es so formulieren will, dass monatelang keine Regierung zustande kam, gerade vor dem Hintergrund des Ergebnisses dieser Bundestagswahl unweigerlich an die Weimarer Republik erinnert.

    Ja, man sollte es nicht aus den Augen verlieren, immer wach bleiben, eben, aus der Vergangenheit lernen. Carolin braucht aber gar nicht "beginn[en] zu glauben", sondern sich diesen Spruch, den ich aus meiner Schulzeit behalten habe, zu Herzen zu nehmen!

    Es ist doch so, dass man aus Fehlern lernt! Insofern könnte ich doch zustimmen, dass im Scheitern ein tieferer Sinn liegt, wie Carolin im ersten Lied singt, wenn man nämlich aus den Fehlern, die in der Vergangenheit zu diesem Scheitern geführt haben, etwas für die Zukunft lernt. -Was die geschichtliche Vergangenheit betrifft, könnte man es mit ungewöhnlicheren Worten sagen: Die Vergangenheit hat Fehler gemacht, aus denen man lernen sollte!

    ----


    "Kleine Wunder"

    Schon wieder Gitarre...
    Auch in der ersten Strophe und sogar in der zweiten, nur dort elektronisch verzerrt. Dabei hat die erste Strophe so schöne Hintergrundklangflächen, die sogar in die Überleitung mitgenommen werden, nicht jedoch der beswingt wiegend schreitende Rhythmus, weshalb für mich wieder die Überleitung die Klangatmosphäre bricht.

    Neben meinem Unmut bezüglich Gitarre und Klavier kommt im Refrain sogar noch Trompete hinzu. Gefällt mir nicht, klingt für meine Ohren schon wieder zu sehr nach Fußballhymne.

    Die zweite Strophe find ich klasse, synthiepoppig, zu den Hintergrundklangflächen der ersten Strophe kommen noch pulsierende Hintergrundakkordklänge und der beswingt wiegend schreitender Rhythmus dazu, der aber diesmal durchgehend ist!

    Und ich finde noch musikalische Feinheiten:
    In den Strophen kommt nach "...manchmal ganz klein" eine rhythmische Ausschmückung, die mir sehr gut gefällt: "ai", eine Art Echo links ("aidü"), "ai" und ein Geräusch rechts! Das Besondere ist das Geräusch rechts, von dem ich sicher bin, dass es das Gleiche ist wie die mit holzschlaginstrumenten geschlagene Triole nach "...die Welt ein bisschen bunter". Kurioserweise klingt dieses Geräusch nach "...klein" aber wie ein gesprochenes "ah", eigentlich schon fast wie lustvolles Stöhnen (vielleicht nicht abwegig, wenn Carolin schon singt: "Am Abend schläft jemand mit mir zusammen ein", klingt ja seehr ununanständig, ...gell! [ist ja eigentlich auch jedes Mal ein (kleines) Wunder!]). Finde ich interessant, wie sich Klänge mit unterschiedlicher Begleitung verändern können!

    Eine weitere Feinheit: In der zweiten Strophe ist nach "...können schon was besonderes sein" das "ai" plötzlich tief!

    Die dritte Feinheit ist der letzte Refrain, der mit einer Einleitung beginnt!
    Das ist, glaube ich, auch neu!


    Der Text verleitet mich zu einer frechen Idee:
    In meiner Stadtbücherei fand ich vor vielen Jahren eine Karikaturenbildergeschichte über diesen berühmten Mann, der angeblich vor 2000 Jahren unter anderem übers Wasser lief. Eine der Karikaturen stellte ganz frech dar, dass womöglich Fehler in der Überlieferung entstanden sein könnten, dass dieser Mann gar nicht übers Wasser lief, sondern einfach der allererste Mensch war, der auf einem Surfbrett übers Wasser gleitete...

    Mit Glasperlenspiels Text: "...und wir laufen übers Wasser im Winter..." [warum mußte das unbedingt stottern?] hätte ich eine ebenso freche, wenn auch unwahrscheinliche Idee, dass es vielleicht vor 2000 Jahren in der Gegend des Toten Meeres ausnahmsweise so extrem kalt war, dass Seen zufroren, was den Menschen in dieser Wüstengegend aber völlig unbekannt war, weswegen es auch niemand für möglich hielt, dass man auf dieser veränderten Seeoberfläche laufen kann, bis es jener Mann einfach einmal versuchte...


    Mich erinnert der Begriff Wunder an eine Biologiestunde zu meiner Schulzeit, in der unser Biologielehrer uns erzählte, er habe die Geburt seines Kindes miterlebt, und er war von diesem Erlebnis so beeindruckt, dass er meinte, die Geburt seines Kindes sei ein Wunder gewesen, das Wunder des Lebens! Kann ich nachvollziehen, doch irgendwann fand ich diesen Begriff Wunder in diesem Zusammenhang irgendwie peinlich, doof und unpassend, weil es für mein Empfinden eher mit Wahnsinn zu beschreiben ist; nicht dieser positive: 'der helle Wahnsinn', sondern durchaus in gewisser Weise beängstigt: erschreckender Wahnsinn! Denn was ist Lebendigsein eigentlich?

    Passen dazu fällt mir ein Lied ein, dass ich einst in der berühmten Gruftiedisco hier am Platze (die leider abbrannte) hörte, eines der wenigen teils fragwürdigen Industrialstücke, das ich trotz des zweifelhaften Textes bemerkenswert finde, weil es einen bewußtseinserweiternden Gedanken aufgreift. Ich habe nie erfahren, ob es sich dabei um das Tonspursample eines Kinofilmes handelt (Flatliners?), aber es ist in etwas folgender gesprochener Text zu hören: "Was löst eigentlich das Sterben aus? Was bewirkt, dass das Herz zu schlagen aufhört?" Eigentlich ein verblüffender Gedanke!

    Und im Grunde genommen genau die Umkehrung des Gedankens, der mich schon Jahre zuvor immer wieder umtrieb: Was ist Lebendigsein eigentlich? Oder genauer: Was bewirkt eigentlich das Lebendigsein? Was ist diese unbegreifliche kosmische Kraft, die bewirkt, das Gebilde aus Protein, das für sich genommen ja tote Materie ist, nicht einfach nur tot auf der Oberfläche eines Planeten rumliegen, sondern sich bewegen, fortbewegen? Was bewirkt, dass leblose Materie sich in Form zum Beispiel einer Bakterie bewegen kann? Mir fehlt da ein Stück vom Verständnis, was es ist, dass sich da etwas prinzipiell Lebloses von selbst, ohne äußeres Zutun bewegt!

    Oder ganz zurück an den Anfang gedacht: Was für eine unvorstellbare kosmische Kraft bewirkte, dass auf der vorgeschichtlichen Erde die Moleküle in der Ursuppe nicht bis in alle Ewigkeit als schlichte Moleküle vor sich hindümpelten, sondern dass sie sich zu Molekülketten verbanden und so Protein bildeten, das dann seinerseits auch noch anfing, Zellorgane samt dazugehöriger Zelle auszubilden, die dann... ja, einfach so anfing, lebendig zu sein. Es waren doch nur Gebilde aus Protein, aus lebloser Materie, wie wurden die dann plötzlich lebendig? Das ist doch Wahnsinn!
    -Warum kann man sich da nichts Vernünftiges vorstellen, das es besser, verständlicher, anschaulicher erklärt?


    Etliche Nummern größer als Bakterien und Einzeller und in Umkehrung des Liedes aus der Disco könnte man fragen:
    Was bewirkt eigentlich genau, dass das Herz sich zweimal in der Sekunde zusammenzieht?
    Wenn ich ehrlich bin, finde ich das unbegreiflich, was bewirkt, dass die aus leblosen Proteinmolekülketten bestehenden Muskelzellen sich so verformen, dass sich der Muskel zusammenzieht?

    Und wenn wir an der Stelle gerade beim Blutkreislauf sind, wird es je nach Sichtweise noch verwunderlicher oder wahnsinniger, wenn ich darüber nachdenke, was ich eigentlich wirklich bin: Ich erlebe mich als Mensch, doch wenn man es genau nimmt, dass ja hauptsächlich Blut meine Lebendigkeit bewirkt, komme ich etwas gegruselt zu dem Schuß: Ich bin eine Flüssigkeit...!
    ...Wahnsinn!

    Und dieser Wahnsinn wird dann nur noch vom kosmischen Ganzen übertroffen und scheinbar in völlige Absurdität getrieben: Laut Wissenschaft ist das Universum aus dem Urknall entstanden und der Urknall aus dem Nichts. Doch wenn alles, das Universum, alle Materie aus dem Nichts entstanden ist, könnte das nicht logischerweise bedeuten, dass es uns eigentlich gar nicht gibt...?
    -Ich finde es wirklich haarsträubend, dass es überhaupt kein brauchbares Gedankenkonstrukt zu geben scheint, das auch nur annäherungsweise diesen kosmischen Wahnsinn besser verständlich machen könnte!


    Wiederum etliche Nummern kleiner wird dann vielleicht wenigstens etwas anschaulicher ein Wunder zum Wahnsinn:
    Seit meiner Schulzeit kenne ich diese winzigkleinen leuchtendroten Spinnen. Sie sind, glaube ich, sogar noch kleiner als ein Stecknadelkopf und deswegen sehr verwunderlich, schon allein deshalb, weil sie ja kaum mit dem bloßen Auge sichbare Beine haben, vielleicht nur ein Bruchteil so dick wie ein Haar, und dennoch haben diese Beine irgendwie gelenk- und muskelartige Strukturen, damit die Spinne laufen kann. Doch nicht nur das, diese winzigkleine Spinne hat bestimmt auch innere Organe, sonst wäre sie ja nicht lebendig, doch... wie noch winzigkleiner und hauchdünner sind diese dann? Zum Beispiel Blutkreislauf, zwar hab ich im Biologieunterricht nicht richtig aufgepaßt, aber ich gehe davon aus, auch diese winzigkleinen Spinnen haben Muskeln, Gelenke, ein Herz, Verdauungsorgane und Blutadern, die sich, keine Ahnung, 100000fach, Millionenfach verzweigen, und das alles in einem Körper, gerade mal so groß wie ein Stecknadelkopf! Ein ganzer Organismus aus Organen und Adern in einem so winzigkleinen Viech und deshalb alles noch um Welten viel winzigkleiner und dennoch funktioniert alles! Das ist doch kein Wunder des Lebens mehr, das ist doch... absurd! Wahnsinn!


    Vor ein paar Jahren dann bin ich diesem Wahnsinn doch nicht auf die Schliche gekommen:
    Auf einer Bank sitzend sah ich im Gegenlicht der untergehenden Sonne einen Schwarm Mücken auf und ab fliegen. Irgendwie kam ich auf den Gedanken, dass Mücken sich eigentlich wie nach einem Computerprogramm verhalten: If-Schleifen, die ein Grundbaustein von Computerprogrammen sind, if - then - else, wenn (mathematische) Bedingung erfüllt, dann ausführen, ansonsten etwas anderes ausführen. Bei Mücken wäre das: If Schweißgeruch, then zustechen, else weiterfliegen.

    In diesem Moment kam es mir in den Sinn, es einmal so zu sehen, dass Mücken eigentlich Bioroboter sind, organische Roboter, die nach computerähnlichen einprogrammierten Strukturen sich verhalten: Die leben gar nicht, die sind gar nicht lebendig, sondern sie bewegen sich nur wie mechanische Roboter nach einem einprogrammierten biologischen if-then-else-Programm.

    Doch der Gedanke brachte mich dann doch nicht weiter, denn auf einmal machte das Lebendigsein einen recht leblosen Eindruck: Jedes Lebewesen ist lediglich ein lebloser biologischer Roboter, der von einem computerähnlichen biologischen Verhaltensprogramm gesteuert wird. Diesen Gedanken fand ich durchaus verblüffend! -Doch irgendwie recht sinnlos, das Ganze, wozu dann das alles? Warum müssen in einem absurd sinnlosen Universum, das früher oder später eh wieder untergeht und somit alles Leben unwiderruflich auslöscht, sich eine Ansammlung lebloser biologischer Roboter bewegen?
    --Warum kann man das nicht besser verstehen?


    Ja, das Leben, wie es mein Biologielehrer andeutete, ist aus meiner Sicht irgendwie kein Wunder, sondern schlicht absurd, einfach Wahnsinn!


    Aber schön!
    Katzen sind kuschlig, Schokolade lecker, Kinderkriegenüben wahnsinnig toll und wenn man mit offenen Augen und wachem Geist durch die Welt geht, kann man durchaus kleine Wunder erleben, zum Beispiel, wenn man im Spätherbst, Winter oder frühen Frühling langsam aber nicht stehenbleibend an einer überkopfhohen Ligusterhecke eines Gartens vorbeigeht, aus der es wie wild herauszwitschert, dann wird zwar das Zwitschern verstummen, aber wenn man beim Vorbeigehen ruhig aber reaktionsschnell in die Hecke schaut, kann man Spatzen fast hautnah erleben!

    Und etliche andere Dinge, die die Welt ein bißchen bunter machen:
    "Ganz normale Dinge können schon was Besonderes sein"!


    Traumwaldschrat

    (#103)

  6. Nach oben   #72

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    Licht & Schatten, 9.

    "Diese Zeit"

    Die dumpfen Glockenklänge zu Anfang sind stark!
    Doch an elektropoppigen Feinheiten ist das leider schon alles.
    Diese Lied hat mal wieder keine Überleitung... und klingt flüssig! Ja, mal keinen Bruch in der Klangatmosphäre, denn die Refrains bauen die Atmosphäre der Strophen aus, während die zweite Strophe sie wieder stimmig zurücknimmt. Und die dritte Strophe ist nunmal die dritte Strophe; und klingt stimmig anders.

    Die Gitarre in der dritten Strophe finde ich bemerkenswert, weil sie wieder vom Typ einsam ist und von der Tonfolge her, nur zwei Töne im Sekundetonstufenabstand, eigentlich recht düster ist!

    Mich erstaunt, dass dieses Lied nach Safari klingt! Dazu tragen auch das hölzerne "Goch" und die "O-o-oh"s bei. Wobei ich den Begriff Safari etwas problematisch finde, weil er in einer Zeit entstand, als sich die Europäer in Afrika aufführten wie Sau, eigentlich genau so, wie es der Film "Der mit dem Wolf tanzt" in Nordamerika darstellt: Wildtiere nur aus sportlichem Ehrgeiz t*ten und/oder lediglich das Fell oder die Stoßzähne erbeuten und den Rest verwesen/verenden lassen. Bliebe zu hoffen, dass es bis in die heutige Zeit sich gebessert hat.

    Ich vermute ja, dieses Lied wurde von Carolins und Daniels Erfahrung in Afrika, wie man im Tagebuch mitbekam, inspiriert, offenbar und verständlich so sehr von diesem Erlebnis beeindruckt, sodass sie es gleich in den Text einflochten: "Diese Zeit kann uns keiner mehr nehmen, sie gehört uns, die Erinnerung bleibt" (sogar wenn sie gar keine Fotos gemacht hätten...). Der Text jedoch scheint gar nicht so recht zu dieser Safarimusik zu passen. Das finde ich aber nicht störend, sondern im Gegenteil eigentlich eine besondere Qualität, eine Qualität, oder Möglichkeit, von heimatsprachlicher Musik, wenn man Texte englischsprachiger Musik kaum versteht, nämlich: zwei Lieder in einem! Der Text erzählt was anderes, wie die Musik an Stimmung erzeugt. Genauso wie "Feinde", "Schatten & Licht", "Mädchen" oder "Tag X", bei denen ich im Gegensatz zum Text die Musik ganz anders erlebe. Wobei "Diese Zeit" vielleicht einen Ausnahme macht, weil die Musik eventuell absichtlich so gestaltet wurde, nach Safari zu klingen, während bei den anderen genannten Liedern wahrscheinlich nur ich so etwas anderes "heraushöre".

    Ich könnte sogar noch weiter vermuten, dass es volle Absicht war, KEINEN Text über Afrika zu dichten, sondern nur über dieses Gefühl, welches man aber genauso mit Freundinnen/eggen an einem besonderen Tag/Abend erleben kann, weil es vielleicht einfach zu plump geworden wäre, auch noch über die Erlebnisse in Afrika zu singen. Stattdessen lieber diese Erlebnisse in einem Text über Freundschaft verstecken! Fänd ich edel, klasse gemacht!

    ----


    "Narben"

    Ach ja, Klavier...
    vielleicht kann ich meinen Unmut zu Klavier in Popmusik nicht so pauschal formulieren, denn hier klingen die Klavierklänge sehr gut, kunstvoll, eine bewegte Hintergrundmelodie, die, gerade weil mit Klavierklängen gespielt, schön anzuhören ist, aber mir gefällt es doch nicht so gut. Vor allem, wenn in der Überleitung so balladenhaft eine Gitarre dazukommt.

    Doch diese Überleitung ist einmal eine, die mir gefällt, weil sie ganz passend die Musik aufbaut vom Ruhigen hin zum rasanten Refrain, der mit einem treibenden Sechzehntelbaß loslegt!

    Ein Fall für sich sind die "Ha-a-a-aa-aah"-Klänge, denn sie sind etwas, was das Lied ausmacht, doch leider können sie auch nervig klingen. Erstaunlicherweise setzen sie zum Schluß hin aus.
    Beachtenswert finde ich den Gesang in den Refrains, denn die Lautstärke zwischen Carolins hohem und Daniels tiefem Gesang wurde, im Gegensatz zu "Diese Zeit", perfekt austariert, beide klingen gleich laut, keiner tritt dominant in den Vordergrund!

    Eine einsame Gitarre leitet dann die zweite Strophe ein, die mir besser als die erste gefällt, schöne Synthesizerakkorde, eine hölzerne Gitarre und eine, die recht synthesizesig klingt, und in der zweiten Hälfte sogar Schlagzeugrhythmus anstatt Schnippen!

    Doch weil die zweite Strophe Schlagzeugrhythmus hat, die folgende Überleitung dagegen im Gegensatz zur ersten wiederum gar nicht, bricht sie für meinen Geschmack wieder die Atmosphäre, vielleicht nicht so stark, weil sie trotzdem den Refrain aufbaut, aber dennoch.

    Toll finde ich den zweiten Refrain, einmal komplett instrumental wiederholt plus einen Ausklang, von dem ich begeistert bin: Diese Klangkollage aus dumpfen, schaumigen, dünnen, hohlen und spitzen obertonartigen Klängen, das ist spitze!
    Irre!
    Klingt zwar nach mehr, paßt aber als Schluß super!


    Der Text ist hervorragend, gut gedichtet mit einer wichtigen Aussage!
    Diese Gegensatzpaare in den Strophen finde ich klasse, weil sie genau das Dilemma jener Menschen ausdrücken, die tragischerweise keine Kraft haben, an sich selbst zu glauben!

    Ganz im Gegensatz zu mir, wo ich schon etwas geknickt bin, dass ich wirklich niemandem etwas davon abgeben kann, denn ich bin ja, ungelogen, so dermaßen von mir überzeugt, der hübscheste und tollste Bub, den man kriegen könnt, obwohl(!) ich immer wieder auf spiegelnde Schiebetüren zulauf oder an spiegelnden Schaufensterscheiben vorbei und jedes Mal erschrecke: "Ja, Hilfe! Was isch'n DEES fir'a Zombie!" Deswegen schau ich gar nicht hin... Außerdem bin ich, ich weiß auch nicht wieso, davon überzeugt: Ohne mich läuft gar nix...
    (Mein Selbstwertgefühl ist unerschütterlich safe...)
    Naja... zumindest gäbe es ohne mich dieses Forumthema nicht, gäbe es nicht so viel über Glasperlenspiel zu lesen!

    Das Wichtige an diesem Liedtext ist aus meiner Sicht, dass er an einer Stelle andeutet, dass das Problem, sich selbst nicht wertschätzen zu können, nicht nur bei einem selbst liegt, sondern auch an den anderen, an der Gesellschaft: "Sie sagen du wärst anders, weil sie Angst vor Mut und Freiheit haben". Dabei ist es für mich gar nicht so wichtig, ob Angst vor Mut und Freiheit dahintersteckt, viel wesentlicher finde ich die Herabwürdigung, die mit dem Prädikat "anders sein" einhergeht, weil es doch sich meist um eine unterschwellige Form der gesellschaftlichen Ächtung handelt. Kann sich noch jemand daran erinnern, was ich zum Wenn-sie-träumt-Mädchen schrieb?

    Zitat Zitat von Traumwaldschrat Beitrag anzeigen
    Mit ihrem in sich gekehrten, verschlossenen Verhalten wird das Wenn-sie-träumt-Mädchen wahrscheinlich immer geächtet sein, so, als gäbe es eine geheime Absprache: "Iiih, die ist komisch, die meiden wir, mit der reden wir nicht!"
    Jede/r, die/der sich nicht so verhält, wie es die anderen, die Gesellschaft erwartet, wird in welcher Form auch immer mehr oder weniger ausgestoßen. Doch als Ausgestoßene/r ist es für mich verständlich, dass man keine Motivation mehr aufbringt, dass es der Mühe nicht zu lohnen scheint, dass es nutzlos erscheint, sich selbst wertzuschätzen. Wozu auch, wenn die Wertschätzung sinnlos verpufft, weil ihr keine gesellschaftliche Anerkennung folgt. Aus meiner Sicht ist es also nicht nur die/derjenige selbst, die/der tragischerweise sich nicht selbst wertschätzt, sondern ein nicht zu vernachlässigender Teil ist es die Gesellschaft, die anderen, die ihr/ihm die Wertschätzung verwehren, weil sie mit dem Prädikat "anders sein" indirekt auch immer ein wenig "weniger wert" vermitteln.

    Wenn ich weiter darüber nachdenke, scheint mir das Grundproblem darin zu liegen, dass in der Gesellschaft fürs Anderssein kein Platz ist. Diejenigen, denen das Anderssein unterstellt wird, scheinen nichts für die Gesellschaft zu tun. Doch ich würde die Sache weniger so sehen, dass sie es nicht tun, als viel mehr, dass sie von der Gesellschaft keine Möglichkeit bekommen, etwas zu tun, etwas, das ihrem Anderssein gerecht wird. Würde die Gesellschaft nicht so enge Grenzen setzen, was normal, nichtanders ist, gäbe es für solche anderen Menschen mehr Möglichkeiten, sich (konstruktiv) an der Gesellschaft zu beteiligen.

    Der Refrain scheint genau das Gleiche in grün, bloß blau zu kritisieren: den Schönheitswahn!
    Warum setzt sich die Gesellschaft, angestachelt von diesem unsinnigen Beauty-Schönheits-Topmodel-Missuniverse-Casting-Firlefanzscheißglumpkram, selbst so enge Grenzen, was schön sein soll? Warum kippt sie stattdessen diese Grenzen nicht über Bord, sodass jeder die Möglichkeit hat, sich schön zu fühlen? Oder warum gibt es nicht, ganz im Sinne des Refrains, nicht eine Vielzahl von Schönheitsidealen, darunter auch die, die die Narben, Schnitte und Fehler herauspolieren? Im letzten halben Jahr wurde ich in dem Forum, in dem über Krieg der Sterne 8 (*) diskutiert wurde, auf ein solches Schönheitsideal aufmerksam gemacht. Angeregt durch den Unmut, dass Rey ein zu flacher, uninteressanter Charakter sei, weil sie fast keine Rückschläge erleide, meinte jemand flapsig, ob sie einen Arm hätte verlieren sollen, was die einen unpassend, die anderen dagegen erstrebenswert fanden und sogleich als Beispiel, dass auch eine FRAU mit abgeschagener Hand, was ja erst einmal dem Schönheitsideal widerspricht, ihren Reiz haben kann, wenn die Figur überzeugend gestaltet ist, aus dem letzten Mad-Max-Film die Figur namens Imperator Furiosa aufführten. Ganz im Sinne des Liedes "Narben" hätte man doch mal 'nen Rummel um diese Figur machen können, die ganz offensichtlich die besungenen Narben, Schnitte und Fehler hat, als eine von unzählig vielen Schönheitsidealen, denn schön, interessant, faszinierend, ich habe ein Filmfoto gesehen, sieht diese Figur aus.

    Ja, interessant!
    Ich glaube, Menschen mit markentem Gesichtsausdruck können viel schöner sein als das schönste Topmodel!

    Könnte man anfangen, gegen dieses überzogene Schönheitsideal der Gesellschaft anzurennen, wenn man das Lied "Narben" als CD-Single veröffentlichen würde?

    [(*):
    Ach ja, wen es interessiert, ich bin jetzt entschieden: Mich hat Krieg der Sterne 8 sehr enttäuscht, in einem für mich wesentlichen Aspekt ist der Film zu unkreativ, der Film hat aus meiner Sicht unverzeihliche Fehler und irgendwie fühlt er sich nicht nach Krieg der Sterne an.]


    "...Wir feiern unsere Fehler..."
    Wenn man es genau nimmt, ist dies in gewisser Weise sehr fortschrittlich, fortschrittsförderlich, wenn man, im Sinne des Liedes "Schatten & Licht", dass im Scheitern ein tieferer Sinn liegt, nämlich wenn man aus den Fehlern, die zum Scheitern geführt haben, für die Zukunft, für eine Entwicklung in der Zukunft lernt. Also, wenn man aus Fehlern lernt, sollte man auf jeden Fall die Fehler feiern!

    ----


    "Lieblingslied"

    So eine Klaviereinleitung gefällt mir wieder nicht, aber diese funkelnden Klänge, die noch zweimal vorkommen, sind stark!
    Die erste Strophe klingt lässig trocken mit der dumpfen Baßtrommel, dazu eine Akkordklangfarbe, die bei Glasperlenspiel, glaube ich, noch gar nicht so häufig vorkam, aber immer wieder schön ist, genauso wie Synthiestrings eine klassische Synthesizerklangfarbe: Synthiebrass!

    Naja, aber dann die Überleitung, ich wiederhole mich... schade!

    Bemerkenswert an der Überleitung finde ich jedoch, dass sie passend zum Text "und wir tanzen auf der Straße" wie Karneval in Rio klingt! Und, naja, da muß ich mal ganz frech einwerfen, vielleicht sollte Carolin ihre Musikerinnenkarriere nochmal überdenken, wenn sie, wie schon in "X", so gerne schief singt...
    Oder kein Tremolo singen!
    Oder Elemente der modernen Kunst in ihre Musik einflechten, in der modernen Kunst ist doch alles krumm und schief!
    Zum Schluß der Überleitung sind Klänge zu hören, als hätte das Funkeln zweimal ein kehlig hohles Echo!

    Der Refrain ist spitze! Auf denglisch würde man wohl chillig sagen, also lässig entspannt, genau die richtige Musik für Grillabende, trotzdem mitreißend! ...Also, aus meiner Sicht ist an diesem Lied ein Charthit verloren gegangen...

    Bei dem "Rapapampam" nach dem ersten Refrain könnte man auch wieder diskutieren, ob man Carolin den Spaß mit dem Vocoder lassen soll, weil es eventuell tatsächlich sich besser anhört, oder ob nicht doch, entsprechend dem Charakter eines Musikerduos, Daniel es hätte lässig einwerfend singen sollen.

    Die zweite Strophe klingt lebhafter, mit einer hölzernen Gitarre, und die zweite Hälfte ist verspielt lebensfreudig ausgeschmückt, wie auch das gesamte Lied lebensfroh rhythmisch ausgeschmückt ist!

    Doch zum Schuß...?...
    Was ist das, Halt!
    Stop!
    Hilfe!
    Die Musik läuft aus!
    nee, ...ähm...
    läuft aus...
    nee, ...ach so:
    hat eine auslaufenden Schluß!
    ach, nein:
    hat einen ausblendenden Schluß!
    ...ach, nee, halt, doch nicht!
    Das ist ja hinterlistig!
    Die Klavierklänge bleiben und Carolin singt noch einmal balladig den Refrain. Dabei erstaunen mich die Wechsel zwischen Dur- und Mollharmonien!
    Und davor, wenn die Musik immer leiser wird, ist ein spitzes Funkeln zu hören!

    Ich finde, noch einen besonderen Augenmerk verdient das "Rapapampam", denn so etwas, würde ich vermuten, kann schnell läppisch oder peinlich werden oder daneben gehen. Ist es aber nicht und tut es nicht! Zwar kann man sich wundern, was "Rapapampam" mit der Repeat-Funktion eines CD-Spielers zutun hat, aber es klingt weder läppisch noch peinlich, sondern wie lebhaft verspielter Mundrhythmus, gesungener Rhythmus bzw. eine gesungene Schlagzeugüberleitung, die dann auch noch nahtlos in eine schlagzeug- und rhythmische Überleitung übergeht. Und erst recht im Schluß, wo man es am ehesten befürchten könnte, geht das "Rapapampam" nicht daneben, nein, es ist brillant, wie leidenschaftlich Carolin es singen kann!

    Dennoch hadere ich mit dem Schluß. Zwar nicht ganz so störend wie jener in "Mädchen", sondern schon irgendwie passend, aber diese wunderbar mitreißende, lebensfrohe Musik ausbremsen und stocksteif wie die kammermusikalische Darbietung eines familiären Weihnachtsabends beenden...

    Außerdem hört diese herrliche Musik gerade dann auf, als sie sich mit dieser piepsigen Hintergrundmelodie zu einem fulminant entspannt extatischen Synthesizersolofinale aufschwingt... ,ach, ich finde es halt so schade, diese tolle Musik im Schluß nicht noch ein paar Wiederholungen lang weiterlaufen zu lassen... und dann tatsächlich ausblendend auslaufen zu lassen!

    Wenn ich ehrlich bin, zumindest bei diesem Lied hätte ich mir einen ausblendenden Schluß schon fast gewünscht, nicht nur, weil für mich es gut zu meinem Bild der Wie-Sonne-und-Erde-Menschheit gepaßt hätte, sondern auch mit Bezug zur Realität, als ein Lied des Ansp*rns, endlich aus der düsteren Vergangenheit der Menschheit zu lernen und das Leben und Wirken auf das Wohlergehen eines jeden Menschen auszurichten, sodass die Menschheit endlich, hoffentlich möglichst sorgenfrei, in Lebensfreude aufgehen kann. -Wenn dann die Musik ohne die Klavierballade langsam leiser würde, könnte man sie dann vor dem geistigen Auge sehen, diese Erde mit ihrer geleuterten Menschheit, wie sie langsam um sich selbst kreisend auf ihrer einsamen Bahn um die Sonne langsam dem Blick entschwindet, immer kleiner werdend: Das Leben geht immer weiter!



    Traumwaldschrat

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  7. Nach oben   #73

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    Licht & Schatten, 10.

    Na toll,
    Carolin,
    jetzt konnte ich Dir gar nicht zum Geburtstag gratulieren.

    Gab es diesbezüglich eigentlich Grund zur Sorge, ob Gefahr bestand, daß das Forum ganz abgeschaltet werden würde?

    --------------


    "Liebe ist safe"

    Boa! Was ist denn das für eine bizarre Klangfarbe! Stark! Klingt sehr vielversprechend....

    Ist das ein Gitarrensynthesizer? Auch der Gitarrensynthesizer ist etwas Besonderes für mich, weil auch er, wie der Schlagbaß, mir schon als Jugendlicher als etwas Besonderes auffiel, dann jedoch fast nie wieder etwas davon hörte. Es war irgendeine Fernsehsendung, in der einst ein findiger Kopf dem Moderator seinen selbstkonstruierten Gitarrensynthesizer vorführte, er zupfte an der E-Gitarre, doch es erklang ein Klavier, Xylophon, Steeldrum, vielleicht sogar, ich weiß es nicht mehr, "UOAOUOAOuoaouoaou...." oder "dsiüdsiüdsiü". Die Erklärung des Prinzips verstand ich sogar, für die Synthesizerelektronik ist es ja egal, ob der elektrische Impuls für einen Ton vom Tastenanschlag oder vom Saitenanschlag einer E-Gitarre kommt, fand ich aber trotzdem irgendwie doof, eine blöde Gitarrenkonkurrenz zum tollen Synthesizer. Das erstaunliche an dieser Geschichte ist, daß ich dieses Gerät schon längst wieder vergessen hatte, bis dann vor wenigen Jahren ein Bekannter mir erzählte, daß er sich nun endlich einen Gitarrensynthesizer gekauft hat, den er mir vorführte, mit 99+10 mit Fußtaster auswählbaren Klangfarben; sind ein paar Tolle dabei! -Und nun, so schließt sich der Kreis, auch bei Glasperlenspiel? Mit meinem heutigen Verständnis könnte ich vermuten, daß ein selbstzuprogrammierender Gitarrensynthesizer doch noch mal was anderes ist als ein Synthesizer, weil der elektrische Impuls doch nicht gleich ist, der Tastenkontakt liefert einen "glatten" elektrischen Impuls, während eine E-Gitarre einen bereits mit Obertonschwingungen modulierten elektrischen Impuls liefern müßte, der dann ein ganz anderes Klangbild ergibt. Wäre für mich eine Erklärung für diese herrlich bizarre Klangfarbe!

    Wenn man genau hinhört: Es ist zusätzlich eine Tone-Mix-Einstellung, zwei überlagerte / gleichzeitige Klangfarben, rechts bizarr, links bizarr und Klavier, wobei das Klavier erst später eingeblendet wird. Dadurch verleitet es zu dem Eindruck, daß die bizarre Klangfarbe auch auf Spinettbasis sein könnte, doch es bleibt jener Eindruck, daß die Spielweise dieser Klangfarbe sich so zu verhalten scheint, wie man es von einer Gitarre erwarten würde: mit dem Plektron "schleifend".
    Spannend!


    Die erste Strophe gefällt mir leider besser als die zweite:
    Dumpfe Baßtrommel mit einem nussigen Schnippen und steinig spitzen Klatschen zu pelzigen Akkorden! Zwar setzt der Rhythmus dann aus, jedoch pulsiert, quäkt, schwebt und rauscht die Überleitung los und bereitet den Refrain vor wie einen Anlauf von einer Anhöhe auf einem wieder sehr kleinen Planeten, bis man über die Kante hinausrennt und mit dem Refrain davonschwebt, in schwerelos leichten Bögen über den Felsformationen des Planeten, bis hinaus in den Weltraum, wo ein hyperraumsurrealistischer kosmischer Vogel Greif an einem vorbeifegt und auf geschwungenen Bahnen durch das Sternenmeer des Universums jagt, während man zurückbleibt und in sanften Schwingen weiter über diesem Planeten schweift.

    Ein Sechzehntelbaß mit getragenem Schlagzeug und schwebenden Klangflächen!
    Wahnsinn!!

    Und der vermeindliche Stimmungsbruch in der Nachstrophe [auch mal ganz was Neues!], der paßt! Die Klangfarben sind perfekt auf die Klangatmosphäre abgestimmt, sodaß es kein Bruch ist, sondern ein Intermezzo, das das Lied kurz innehalten läßt, bevor es in einem berauschenden Schluß davonschwebt!

    Davonschweben könnte.... ,wenn Glasperlenspiel einen ausblendenden Schluß gewagt hätten. Ich finde den Schluß gut, doch ich könnte mir vorstellen, daß ein ausblendender Schluß eventuell auch gut gewesen wäre.

    Mit dem Schluß insgesamt hadere ich jedoch wieder, und noch mehr hadere ich mit meinem Urteil darüber, ob dieses Urteil nicht doch unfair ist, aber ich empfinde es dennoch so: Kurioserweise genauso wie "Lieblingslied", irgendwie doch zu kurz, enttäuschend kurz, weil man sich nach dem Intermezzo gerade wieder in die Musik reinfallen läßt und darin aufgehen will, wenn sie schon wieder rum ist, und außerdem hört das Lied gerade dann auf, wenn sie sich mit diesen ziehenden Klängen wie zu einem ekstatisch mitreißenden Improvisationssolo aufschwingen will.

    Anfangs war ich sogar auch noch enttäuscht, daß der Refrain im Schluß nicht noch einmal gesungen wird, doch ich könnte erahnen, daß es so doch stimmiger, brillanter ist! Wie gesagt, ich bin ja kein Musikereg.

    Und dann sind da noch die Klavierklänge in der Nachstrophe, die mich auch etwas enttäuschten, bis ich auf einmal über mich selbst lachen mußte, weil ich realisierte, daß ich die Musik logischerweise, weil ich ein anderer Mensch bin, ganz anders erlebe, als Carolin und Daniel sie sich dachten. Für einen verschwindend kurzen Moment des Intermezzos, als sich zu den Klavierklängen der Text zuvor bei mir festhakte, kam es mir so vor, als könne ich heraushören, was sich die beiden zu diesem Lied dachten. Und etwas betreten konnte ich auf einmal erahnen, wie bodenständig und irdisch-real Carolin und Daniel dieses Lied verstanden haben wollen, während ich verträumt in kosmisch surrealen Sphären rumschwebe!

    [Komisch....? Trotzdem höre ich die Rufe dieses Vogels Greif, wie er über den Kosmos wacht!
    Und das K/Carogespenst huscht auch noch zweimal vorbei....]

    Weil ich es so kosmisch-sphärisch erlebe, paßt dieses Lied für mich zu meinem Bild der Wie-Sonne-und-Erde-Menschheit, wobei ich diesmal auch einen realen Bezug hätte: Für meine verträumte Vorstellung klingt der Schluß, als wolle das Lied eine Menschheit darstellen, die in tiefem Verständnis zum Kosmos und zum Leben sich sagt: Kommt, laßt uns aufbrechen, machen wir uns daran, das Lebendigsein am Leben zu erhalten!

    Das klingt durchaus etwas resigniert, gell? Ist nicht unpassend, denn es gibt noch ein anderes Bild, das, ich weiß nicht mehr woher, in meiner Fantasie rumgeistert: Eine Legion junger Frauen und Männer, in lockerem Reih und Glied, aber in lebensfroher Kleidung, pärchenweise Hand in Hand, stehen sie in einer kargen Landschaft, von einer tiefstehenden Sonne ins Gesicht beleuchtet und von einem leichten Wind umspielt, sodaß Kleidung und lange Haare leicht wehen, mit ernstem, entschlossenem, stolzem Blick, bereit, sich dem Wahnsinn dieser kapitalismushörigen und von fragwürdigen Ideologien fehlgeleiteten Welt entgegenzustellen, weil für sie nicht anderes zählt als leidenschaftlich Menschlichkeit!

    Vor neun Jahren verblüfften mich Silbermond, weil ihr "Krieger des Lichts" eigentlich genau diesem Bild entspricht.
    Und nun sind es Glasperlenspiel, die dieses Bild meinem synthiepoppigen Musikgeschmack entsprechend vollenden, es mit Musik unterlegen, weil "Liebe ist safe" so überwältigend gut zu diesem Bild paßt!


    Dieses Lied ist spitze!!
    Irre!
    FANTASTISCH!!
    Solche Musik von Glasperlenspiel:
    Unglaublich!
    Der helle Wahnsinn!
    Ich bin überwältigt!


    Beim Hören mit Lautsprechern überraschte mich beim ersten Mal das Lauterwerden nach der allerletzten Textzeile: Es klang, als käme die Musik auf mich zu!
    Lustiger Effekt!
    [als ob die Legion losmarschiert wäre....?]

    ----


    Der Text jedoch verunsichert mich: "Uns're Liebe ist safe".
    Was soll das genau bedeuten?
    Das klingt verdächtig nach Konfirmation und ähnlichem, wie es mir vermittelt wurde: Unsere Liebe ist gefestigt.
    Doch mir widerstrebt so ein Bezug.
    Natürlich kenne ich die Vergangenheit Glasperlenspiels, aber, nunja, man kann so eine Vergangenheit auch hinter sich lassen, von mindestens zwei Musikereggen kenne ich sowas.


    Außerdem sehe ich eine gefestigte Liebe als problematisch an, nämlich gefährlich!

    Warum?

    Naja, ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich könnte vermuten, auch und gerade diejenigen Männer waren in ihrer Liebe gefestigt, die die erschütternden Verbrechen in Paris begangen, so sehr in ihrer Liebe gefestigt, daß sie meinten, alle Frevler vernichten zu müssen, die ihre Liebe nicht teilen.

    Carolin fragt doch: "Woher kommt der Haß?" Macht diese Vermutung nicht nachvollziehbar, daß unerwarteterweise vielleicht bereits der Titel des Liedes auf die Antwort aufmerksam machen könnte? Der Haß kommt aus einer gefestigten Liebe! Nein, er kann(!) aus einer gefestigten Liebe kommen, wenn nämlich die Person in der Liebe, aber nicht im Selbstwertgefühl gefestigt ist. Wenn dann nämlich jemand kommt und seine Liebe in Frage stellt, droht er ins Bodenlose zu stürzen oder das Kartenhaus einzustürzen. Und was los ist, wenn jemand anderes einem das Kartenhaus oder das Bausteinehaus einstürzen läßt, kann man ja bereits in jedem Kindergarten sehen. Wer dadurch, daß seine Liebe in Frage gestellt wird, ins Bodenlose zu stürzen droht, wird mit Haß antworten.
    Daher kommt der Haß!
    Könnte ich mir vorstellen!

    Deswegen wäre es vielleicht wichtiger, im Selbstbewußtsein oder Selbstwertgefühl safe zu sein! Damit die Liebe auch eine gefestigte / safe-e Grundlage hat!

    Damit es eben nicht so weit kommt wie im Mai oder Juni in Frankreich, wo Leute, die in ihrer Liebe zum vermeindlich bewußtseinsfähigen Leben gefestigt sind, aber von Menschen, die diese Liebe nicht teilen, so verunsichert, sodaß sie aus Haß über diese Menschen Schaufensterscheiben von Metzgereien einwarfen. Oder noch schlimmer, wie es der britische Religionskritikereg Richard Dawkins aus den USA berichtet: Dort waren in der Vergangenheit Leute in ihrer Liebe zum vermeindlich bewußtseinsfähigen Leben so gefestigt, aber in ihrem Selbstwertgefühl so schwach oder gar verblendet, daß sie selbst voller haßerfüllter Überzeugung zu Verbrechern wurden und Ärzte ermordeten, die Frauen halfen, welche sich von ihrer im manchen Fällen allzu schweren Bürde des heranwachsenden Lebens befreien lassen wollten. Dabei führe man sich einmal die Absurdität vor Augen: Anstatt es hinzunehmen, daß Frauen mit Hilfe eines Arztes ein kleines, noch unbekanntes Leben nicht lebendig werden lassen, ist es für solche Leute zum Schutz dieses Lebens viel akzeptabler, daß Kinder, Ehefrau, Geschwister, Eltern, Freunde zukünftig um ihren geliebten Vater, Ehemann, Bruder, Sohn, Freund trauern müssen, als daß einfach ein kleines, noch unbekanntes Leben nicht lebendig wird; um Leben vor angeblichem Leid zu bewahren, fügen sie lebendigen, liebenden Menschen Leid zu. So absurde Züge scheint eine gefestigte Liebe zu nehmen!


    Doch dabei werde ich noch auf etwas anderes aufmerksam, weil genau diese Frage, wie man dazu stehen soll, wenn Frauen dieses kleine, noch unbekannte Leben nicht lebendig werden lassen, vor drei, vier Monaten in Irland aktuell war. Und ich frage mich, warum Feministinnen und Frauenrechtsorganisationen nicht schon viel massiver auf die Barrikaden gegangen sind, denn wie kann es sein, daß nach 50 Jahren, als die Gleichberechtigung von Frau und Mann ihren Anfang nahm, immer noch Männer (die in den Parlamenten bestimmt immer noch in der Mehrheit sind) sich erdreisten, sogar über die Gesetzgebung darüber bestimmen dürfen zu wollen, wie Frauen sich in ihren ureigensten Angelegenheiten zu entscheiden haben?


    Tja, an dieser Stelle wollte ich nun eigentlich ein weiteres Mal Gedanken ausführen, mit denen man diese Welt vielleicht eine bessere machen könnte, zum Beispiel, wie man mit ihnen diesem eben aus dieser gefestigten Liebe kommenden Haß begegnen könnte, aber auch, weil ich meine, mit diesen Gedanken eine Entscheidungshilfe für eben jene Frauen zu haben, die vor dieser bedrückenden Entscheidung stehen, ob sie wirklich dieses kleine Leben lebendig werden lassen oder ob sie es doch wieder dem Kosmos übergeben (in den heutigen modernen Zeiten zumindest indirekt).

    Dieses Mal jedoch befürchte ich, daß meine zugegebenermaßen stellenweise sehr tabulose Leidenschaft, diese Welt auch mal mit anderen Augen oder unter einem anderen Licht zu sehen, als unakzeptabel aufrührerisch gesehen würde, weshalb ich es diesmal unterlasse.


    Diese resignative, pessimistische Haltung ist aber in diesem Fall gar nicht so verkehrt, nimmt nämlich nur die Erfolglosigkeit vorweg, weil ich vermute, daß diese Gedanken letztlich eh nichts gebracht hätten, diese Welt eine bessere zu machen. Denn ich bin mir sehr sicher: Leute, die aus ihrer Liebe heraus haßerfüllt sind, lassen nicht mit sich reden, diese Gedanken hätten diese Leute bestimmt in keinster Weise überzeugt, die Angelegenheit tatsächlich mal anders zu sehen und dadurch dann weniger haßerfüllt zu sein oder sogar, noch besser, gar nicht mehr haßerfüllt zu sein.

    Vielleicht ist dies auch gar nicht so verwunderlich, denn man darf ja nicht vergessen:
    Liebe macht blind!
    Möglicherweise ja auch deshalb, weil sie einer bedingungslosen Liebe verfallen sind; was sicherlich gerade bei der Liebe zu irgendwelchen Ideologien häufig vorkommt!

    Außerdem fällt mir auf, gibt es ja noch die Haßliebe und den Liebeskummer, Liebe zu Hobbies und Leidenschaften, die dazu führt, daß man sich im Arbeitszimmer oder Hobbykeller vergräbt und darüber das Familienleben vergißt, man kann jemanden mit Liebe erdrücken und ich denke, es kommt nicht nur in irgendwelchen daily-soaps oder Doku-fictions, sondern auch im realen Leben vor, daß Menschen sich gegenseitig oder selbst aus Liebe schier zerfleischen (tränenüberströmt heult sie: "Aber ich liebe dich doch!").

    Bei genauerer Betrachtung scheint Liebe doch eine ganz schöne Bestie zu sein! Eben weil sie auch zu Gewalt und Haß führen kann. Wenn der Liedtext dann fragt, was wir und das Leben ohne Liebe noch wert wäre, könnte man zu der Einsicht kommen, daß gerade ohne Liebe die Welt eine bessere wäre....

    Will ich sagen, daß der Liedtext schlecht ist?

    Nein, das will ich nicht!
    Ich bin von diesem Liedtext begeistert! Denn so gesellschaftskritisch waren Glasperlenspiel in ihren Liedern noch nie, noch stärker und deutlicher gesellschaftskritisch als in "Lasst uns was bewegen", vor allem, weil der Text einen sehr aktuellen Bezug hat.

    Die Tageszeitung weist immer wieder darauf hin, daß diese Gesellschaft immer radikaler wird, immer mehr Menschen, die sich radikalen Gruppierungen anschließen. Kabarettistinnen/eggen stellen immer wieder eindringlich dar, wie die Gesellschaft stetig unmenschlicher und lebensfeindlicher wird, weil immer noch mehr Gesetze auf den Weg gebracht werden, die immer noch mehr diese Gesellschaft zu einer egoistischen Ellenbogengesellschaft werden lassen, doch trotz dieser verheerenden Mißstände, so prangern die Kabarettistinnen/eggen ernüchtert an, verhält sich die Mehrheit der Gesellschaft recht teilnahmslos und uninteressiert. Genau wie es Carolin singt:
    "Wenn wir nichts mehr sagen, alles nur ertragen".
    Und folgerichtig stellt sie dar, wohin so ein passives Verhalten führt.
    "Wachen auf und fragen uns, in welcher Welt wir aufstehen wollen".
    Nur daß, könnte man bissig sagen, dummerweise die Falschen schon viel früher aufgewacht sind und sich diese Frage stellten: Diejenigen, die gerne in einer Ellenbogengesellschaft leben wollen, und diejenigen, die ohne fremde Menschen leben wollen und deshalb haßerfüllt und wutentbrannt wie ein hungriger Hund bellend durch die Straßen ziehen oder Kundgebungen abhalten.

    Und geradezu beispielhaft konnte man im Juli brandaktuell hier in meinem Städele (Städtchen) erleben, wie angestachelt von diesem Haß und dieser Wut "die Vernunft wie 'ne Blume verwelkt".

    ----


    Jetzt steht aber immer noch etwas im Raum, gell? Denn die Liebe, das Hauptthema dieses Liedtextes, kam ja jetzt bei mir überhaupt nicht gut weg!
    Will ich jetzt echt sagen, daß Liebe doch schlecht ist?


    Nein!
    Denn es gibt da noch einen anderen Aspekt!

    Mir fällt die Altenpflegerin ein, die in der Satiresendung "Die Anstalt" im ZDF auftrat, jene Folge, die das Pflegesystem aufs Korn nahm. Diese Frau ließ durchblicken, daß der bürokratische und turbokapitalistische Wahnsinn es ihr fast unmöglich macht, alten Menschen menschenwürdig zu helfen, dennoch käme es ihr nicht in den Sinn, denn Beruf zu wechseln, solange sie die Kraft hat, in ihren selbstgeschaffenen Freiräumen diesem Wahnsinn zu widerstehen. Ich bin mir sicher: Weil sie ihre Tätigkeit liebt! Sie geht darin auf, weil es für sie eine bessere Welt ist, anderen, hilfsbedürftigen Menschen zu helfen.

    Vermutlich genauso wie Menschen in der Biolandwirtschaft. Sie gehen darin auf, trotz bürokratischer und turbokapitalistischer Hemmnisse zumindest ein kleines Stück weit etwas für eine bessere Welt zu tun. Sie lieben diese Tätigkeit!

    So macht die Liebe doch einen viel positiveren, erstrebenswerteren Eindruck, oder?
    Ja, weil es da eben noch einen anderen Aspekt gibt, der im Liedtext "Liebe ist safe" eingearbeitet ist:
    "....bis keiner mehr Liebe an sich heranlässt".
    Diese Textzeile sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen!


    Ich fand es spontan schade, daß dieses fantastische Lied mit solch einer düsteren, pessimistischen Textzeile endet, regelrecht den Zuhörer im Regen stehenlassend, eine dunkle Vorahnung einer düsteren Zukunft, in der jeder nur noch für sich lebt. Doch wenn man genau hinhört, ist diese letzte Textzeile die einzige des Liedes, die deutlich macht, was an der Liebe wichtig ist, sodaß sie das Leben wert macht!

    Liebe, die zu Haß führt, wird keiner an sich heranlassen wollen, allein schon deshalb, weil man wahrscheinlich diesen Haß schon vorher spüren kann. Spürbar wird er wahrscheinlich dadurch, weil eine solche Liebe eine fordernde Liebe ist, eine, die sich aufdrängt und Bedingungen stellt. Doch nimmt diese Liebe überhand, wenn es immer mehr Menschen gibt, die ihre hingebungsvolle, gefestigte Liebe bekunden, aber dennoch bei jeder Gelegenheit wie ein hungriger Hund losbellen und sich festbeißen, dann wird man wahrscheinlich deswegen keine Liebe mehr an sich heranlassen, weil man resigniert, weil man erstrebenswerte Liebe gar nicht mehr für möglich hält, wenn man nur noch einer solchen verbissenen Liebe begegnet.

    Und das ist es, worauf diese scheinbar pessimistische letzte Textzeile des Liedes ganz hoffnungsvoll aufmerksam machen will:
    Man wird deswegen keine Liebe mehr an sich heranlassen, weil man es gar nicht mehr bemerkt, daß da noch eine andere Liebe ist, die man an sich heranlassen könnte. Und daß man sie nicht bemerkt, liegt vielleicht daran, daß sie sehr unscheinbar, zurückhaltend und zaghaft ist: Sie bietet an, sie bietet sich an! Es ist eine Liebe, die nicht fordert, sondern die abwartet, abwartet, daß man sie entdeckt, abwartet, daß man sie an sich heranläßt. Weil es für sie ungemein wichtig ist, daß man sie an sich heranLÄSST! Sie will herangelassen werden! Weil sie sich nur dann angenommen fühlt und nur daraus wachsen kann. Weil diese Liebe auf Gegenseitigkeit beruht, weil diese Liebe genau das ausmacht: miteinander!
    Weil sie nur dann überhaupt existiert!

    Wenn DIESE Liebe nicht (mehr) wär', was wäre das Leben, was wären wir dann noch wert?


    Traumwaldschrat

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  8. Nach oben   #74

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    Ich finde es kurios!
    Wüßte ich es nicht besser, würde ich sagen: Glasperlenspiel haben dieses Album speziell mir gewidmet; denn ich weiß zwar nicht, wie vielen es auch so geht, aber für mich kommt das beste Lied des Albums zum Schluß, -also, fast zum Schluß! Ja, genau, dieses allerletzte Lied, wäre meine Vermutung nicht schon so unwahrscheinlich, könnte ich obendrein sogar noch sagen: Glasperlenspiel haben dieses Album speziell für die Bundesfreiwilligendienstgeleistete gemacht, denn das Lied, daß ihr immer besser gefiel, bis auf das, daß sie die dritte Strophe so sehr enttäuschte, kommt ohne Gastsänger noch einmal ganz zum Schluß!

    Ach ja, die Bundesfreiwilligendienstgeleistete! Irgendwie schon doof:
    Da hätte ich jetzt einmal Gelegenheit gehabt, mit jemandem in meiner Glasperlenspielmusikbegeisterung zu schwelgen, doch noch bevor man das neue Album hören konnte, ist sie schon wieder weg! Interessant hätte ich es schon gefunden, mal eine eventuell ganz andere Meinung zu Glasperlenspielmusik. Überhaupt wäre es schon mal interessant zu erfahren, wie gerade jüngere Menschen ihre Musik erleben. Ich für meinen Teil, das hat mir das Album "Licht & Schatten" gezeigt, muß mir wohl doch zugestehen, mich in meinen Erwartungen zu Glasperlenspiel zumindest etwas getäuscht zu haben. Zum Beispiel, daß ich ständig Anlaß zum Rumnörgeln bezüglich vermeindlicher Stimmungsbrüche habe. Offenbar ist mein Anspruch an Glasperlenspiel ein anderer als die beiden an Musik gestalten wollen. Was sich sogar zu einer Art Generationenkonflikt auswachsen könnte, daß mein "altertümlicher" 80er-Jahre-Synthiepopgeschmack offenbar nicht mehr dem Zeitgeist entspricht, denn mir fiel auf, daß es in der Hitparade noch viel mehr Lieder gibt mit solchen Stimmungsbrüchen. Gehör ich doch irgendwie zum alten Eisen? Zu lange im Wald gewesen....?

    Ebenso die Sache mit der Länge der Lieder. Mein Anspruch wären Lieder, die zum Schluß hin in gewisser Weise ekstatisch werden, sodaß man sich in die Musik hineinfallen lassen und darin aufgehen kann, zumindest gedanklich auf der Tanzfläche davonschweben, weswegen ich über Glasperlenspiel sagen könnte, daß sie immer noch zu zaghaft sind und nicht auf den Putz hauen. Aus meiner Sicht: Warum nicht, Musik ist doch Lebensfreude, deshalb: oifach laufa lau (einfach laufen lassen). Doch vielleicht machen es Glasperlenspiel deshalb nicht so, weil sie ihre Musik nicht ausnudeln wollen (wozu gibt's 'ne Repeattaste?), was vielleicht kein schlechter Gedanke ist, denn, muß ich zugestehen, man kann es auch damit übertreiben, wie ich es bei Melotron: "Brüder" erlebe: Der letzte Refreain dauert zwei Minuten, ein sechzehntaktiger Refrain, der sage und schreibe dreimal wiederholt wird (zum Schluß nur instrumental), das wird sogar mir zu viel, obwohl, nunja, vielleicht nur deswegen, weil mir das Lied nicht so gut gefällt. Wäre es dagegen "Schatten & Licht", "Lieblingslied" , "Liebe ist safe"....
    Das klingt.... berauschend....!

    Daß ich mich eventuell in meinen Erwartungen zu Glasperlenspiel etwas getäuscht habe, dazu hat vielleicht sogar Daniel einst beigetragen, als er im Interview mit den Perlen auf dem Boden zu ihrer Musik meinte: "Vielleicht haben die Leute ja mal wieder ein bißchen Bock auf Depeche-Mode-Klänge". Doch gerade nach diesem Album sage ich ganz frech mit einem Augenzwinkern: Das schaffen sie nicht!
    -Dazu sind sie viel zu lebensfroh! Was ja nicht verkehrt ist! Zwar gefällt mir Synthiepop gerade dann am besten, was eben Daniel andeutete, wenn er düster oder melancholisch ist, aber das ist nicht zwingend notwendig, denn es geht auch fröhlich, bestes Beispiel aus den 80ern ist vielleicht Howard Jones mit seinem "New song" (oder Depeche Mode: "New life"), -oder ganz aktuell "Lieblingslied"! Dennoch bin ich halt mehr der Düsterpopper, weswegen mir die Mehrzahl der Lieder des neuen Albums weniger zusagen, auch wenn sie sehr schön oder interessant zu hören sind.

    Doch dann sind da aber diese Lieder: "Nächte ohne Fotos", "Feinde", "Schatten & Licht", "Liebe ist safe"!
    Also schein ich mit meiner Synthiepopbegeisterung bezüglich Glasperlenspiel doch nicht so falsch zu liegen!
    Das letzte dieser Lieder "Liebe ist safe" erlebe ich sogar als herausragend besonders:
    Für mich gehört dieses Lied und "Wie Sonne und Erde" zusammen, für meinen Geschmack die besten Lieder, die sie bisher gemacht haben, doch im Gegensatz zu "Wie Sonne und Erde", und das ist das herausragend Besondere, erscheint "Liebe ist safe" nicht auf einem Rerelease- oder Special-Edition-Album, sozusagen als Zugabe zu den Albumliedern, sondern es erscheint auf einem regulären Album und dies dabei sogar noch, wenn man so will, als krönender Abschluß des Albums! Da schmelze ich schon dahin!!

    Es scheint also etwas zu geben, weswegen ich mich in meinen Erwartungen zu Glasperlenspiel doch nicht getäuscht habe, denn bei aller elektropoppiger Lebensfreude, die sich die beiden auf die Fahne geschrieben zu haben scheinen, -und wenn düster, wenn Schatten, dann eben nur im direkten Zusammenspiel mit fröhlich, mit Licht: "....Schatten und Licht gehören zusammen"-, dennoch sieht es für mich so aus, als schlage das Pendel bei diesem Album ganz unmerklich in Richtung Düsterpop, in Richtung Schatten aus, denn, man beachte mal das allerletzte Lied als verdoppelte Zugabe nicht, denn das Album beginnt düsterpoppig, ein düsterpoppiges Lied teilt exakt das Album in zwei Hälften und das Album endet düsterpoppig! Da schmelze ich gleich noch ein kleines Stück mehr dahin!

    Überhaupt ist das Album sehr systematisch aufgebaut, so wie ich das vorherige Album "Tag X" nicht erlebte, obwohl Daniel mit einer entsprechenden Bemerkung zitiert wurde: Die Lieder des "TagX"-Albums seien aufeinander abgestimmt, sie bedingten und ergänzten sich gegenseitig. Empfand ich leider gar nicht so. Beim "Licht & Schatten"-Album dagegen sehe ich deutlich eine Struktur: Das mittlere der düsterpoppigen Lieder teilt das Album in eine Sägezahn- und eine (Sinus-)Bogenhälfte. In der Sägazahnhälfte ist das erste Lied düster, Schatten, das zweite fröhlich, Licht, und das dritte ein Zusammenspiel von beidem, grau, Zwielicht, gleichzeitig eine potentielle Hitsingle mit Gastsänger. Das vierte, fünfte und sechste Lied verhält sich exakt genauso, Schatten, Licht, Zwielicht als potentielle Hitsingle mit Gastsänger. Das siebte Lied ist dann wieder düster und schließt die Sägezahnhälfte ab.

    Gleichzeitig leitet es die Bogenhälfte ein, ein Sinuswellenbogen, je nachdem mit aufmodulierter Obertonwelle: Das siebte Lied ist düster, Schatten, das achte schon weniger, aufgehellter Schatten, das neunte und zehnte ist fröhlich, Licht, das elfte ist wieder etwas düsterer, schattiertes Licht. Das zwölfte Lied kann sogar zweierlei sein, je nach Sichtweise, entweder wie bei einer Obertonwellenüberlagerung, die Obertonwelle wurde auf die Sinuswelle aufmoduliert, schlägt die Welle durch diese Wellenüberlagerung noch einmal zu fröhlich, zum Licht hin aus, oder, weil es ein fröhliches Lied ist, das aber auf molltonigen Harmonien gespiel wird, ist es ein düsteres fröhliches Lied, also auch wieder schattiertes Licht, also insgesamt ein reiner Sinuswellenbogen ohne Obertonwellen. Und das dreizehnte Lied schließt die Albumhälfte wieder düster, Schatten, ab.
    Quasi eine Sägezahn- und Sinuswellenhüllkurve des Albums.


    Ich war ja etwas skeptisch wegen des zweiten, des alternativen Titelbildes auf der Rückseite des Textheftes, das düstere, das Schattentitelbild, doch mittlerweile hab ich das Konzept Licht und Schatten verstanden, muß ich nun sagen, es hat seine Berechtigung, es paßt, zu mindestens vier Liedern!
    Hach, schmelz!

    --------------


    In der Hitparade wurde ich noch ganz aktuell auf ein Lied aufmerksam!
    Leider nix von Glasperlenspiel, von ihnen ist weit und breit nichts zu hören.
    Wo meine Gedanken jüngst entgleisten, ob Glasperlenspiel eigentlich gar kein allgemeiner Elektropop für den Musikmarkt sein soll, sondern ganz speziell und exklusiv nur für die Elektro(pop)szene, -und innerhalb dieser Szene braucht es keine Singles, weil man sich dort das Album kauft und glücklich ist.

    Auf diesen verwegenen Gedanken kam ich durch Larry, jene, auf die ich einst als mögliche weitere deutschsprachige Elektropopentdeckung aufmerksam wurde. Doch von ihr hörte man gar nichts mehr. Ist sie vielleicht trotzdem bekannt und begehrt, eben in der Szene, wo ich es gar nicht mitbekomme? Weil es dort auch keine Singles braucht? Sind Glasperlenspiel schon längst Stars? Ohne daß ich es mitbekomme: nämlich in der Szene?

    Ich denke, diese Gedanken sind Hirngespinst, deswegen bin ich an dieser Stelle eigentlich ratlos verblüfft: neues Album, aber bis heute keine CD-Single daraus!?
    Haben sich die Zeiten geändert? Früher, meine ich, war das mal anders, da waren Musikerinnen/eggen und Bands über Jahre hinweg ständig in der Hitparade vetreten....

    Tja, an Glasperlenspielsingles kommt einfach nichts (fast nichts) nach. Doch bereits vor Monaten fiel mir auf, daß allgemein eigentlich überhaupt nichts nachkommt. Ich hatte ja immer gehofft, daß Glasperlenspiel auch Vorbild und Inspiration für andere Musikerinnen/eggen seien, ihre Idee, deutschsprachiger Elektropop, mit neuen Impulsen auszufüllen. Ich bemerkte jedoch, daß sich da tatsächlich gar nichts tat, Larry war vielleicht doch nicht Elektropop und Herzdame haben sich selbst zerlegt, weil sie sich darüber verknatscht hatten, ob sie doch Schlager seien, -was mich total verblüffte! Diese melancholischen Klänge Schlager? Es klingt doch gar nicht nach Der Graf!
    Und bei Wanda: "Colombo" gefiel mir eigentlich nur der Refrain.

    Doch nun wurde ich ganz aktuell in der "Schlager der Woche(!)" auf Solarkreis: "Egal wos kummt" aufmerksam!
    Die Strophen sind natürlich nix für mich, aus meiner Sicht nur balladenhaftes Akustikgitarrengeschrammel. Naja, fast nix! Denn mir fielen beim zweiten Mal die elektronischen Ausschmückungen auf. Doch dabei bleibt es nicht, denn die Überleitungen sind dann schon sehr elektropoppig, zudem, daß das Lied auf steierisch, wenn ich mich recht erinnere, gesungen ist, und die Refrains sind dann, leider ohne allzu viel Text, perliger Elektropop!

    Dabei fiel mir immer deutlicher auf, daß das Lied eigentlich sehr glasperlenspielig ist! Eine bunte, gar wilde Mischung aus Gitarre und Synthesizerpop, die dann nach einer dominant synthesizeigen Überleitung im Refrain in mitreißenden unbeschwerten Elektropop gipfelt, so als hätten sie nicht nur die Idee aufgegriffen, sondern geradezu den Geist Glasperlenspiels verinnerlicht und mit neuen, steierischen Impulsen ausgefüllt! Für den Moment macht das einen sehr spannenden Eindruck! Da bin ich trotzdem noch skeptisch, aber neugierig, was es von dieser Band noch zu hören gibt!
    Tut sich da was?



    Traumwaldschrat

    (#106)


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